USA 2011 - Mt. Whitney und Badwater, Goblins und Havasupai
 

21.09.2011

Endlich geht es los, Zeit ist es für den Urlaub allemal. Leider fängt die Sache wieder mit frühem Aufstehen an, allerdings haben wir im Gegensatz zum letzten Jahr auf der Strecke nach Frankfurt wenig Verkehr und vor allem keinen Stau. Daher kommen wir relativ zeitig in Frankfurt an, stellen das Auto ins Parkhaus und machen uns nach ewig langen Warten am Aufzug auf den Weg zum Terminal. Am Check In Schalter ist glücklicherweise nicht allzu viel los, Koffer sind aufgegeben und mit einigem Lesematerial ausgestattet boarden mit den A380 nach San Francisco. Sieht eigentlich nicht wirklich anders aus im Flieger allerdings merkt man, dass die Sitze relativ neu sind - die Knie haben mindestens 5cm mehr Platz und beim Start ist es unglaublich leise. Der Flug selber ist eigentlich sehr angenehm, sogar das Essen schmeckt richtig gut! Wir landen eine halbe Stunde vor Plan und warten relativ lange am Immigrationschalter, trotzdem ist das Gepäck noch nicht auf dem Gepäckband, es dauert nochmal 20 Minuten bis wir unsere Koffer wieder haben.

Mit der Bahn geht es vom Terminal zur Rental Car Station, dort heißt es nochmal Schlange stehen, am Hertz Schalter ist die Hölle los. Irgendwann kommen wir dann trotzdem dran und lehnen erst mal nach dem letzten Jahr die Zusatzpakete ab. Der Hertz Mann ist Deutschland Fan, macht uns einen guten Preis für ein Upgrade auf den GM Acadia (darin kann man auf jeden Fall sehr gut schlafen, haben wir ja letztes Jahr schon getestet) und ab gehts ins Parkhaus. Da latschen wir erst mal zielstrebig in die falsche Richtung, finden unseren dunkelgrauen Hugo aber schnell. Wir ich auf den Namen Hugo kam? Keine Ahnung, fiel mir als ersten ein als wir ihn gesehen haben. Die Koffer sind schnell verstaut, die Sonnenbrille auf der Nase und ab gehts Downtown ins Motel.  Unter blauem Himmel genie0en wir die ersten Meilen auf den Highways und sind nach nur 30 Minuten am Wharf Inn angekommen, Parkplatz gibts hier inklusive. Die Chinesin an der Rezeption verteilt erst mal ihre Süßigkeiten an uns (leider echt lecker und pappig süß), gibt uns den Schlüssel und wir laden unsere Sachen ins nicht spektakuläre Zimmer. Was am Wharf Inn wirklich gut ist, ist der Parkplatz und die Location - günstig ist leider in San Francisco nichts. Um unsere Beine zu vertreten machen wir keine lange Pause und genießen die Nähe zu Fisherman's Wharf und dem Meer. Nach einer leckeren Tomatensuppe bei Boudin und mit einem 10% Rabattcoupon in der Tasche fahren wir die kurze Strecke bis zum Sports Basement und machen die ersten Einkäufe wir Turnschuhe, großer Rucksack und so weiter. Da wir ein bisschen kaputt sind wird es ein kurzer Abend.

22.09.2011

Jet Lag hat auch durchaus gute Seiten und wenn man am ersten Tag schon einkaufen war, muss das neue Jogging Outfit ja mal ausgeführt werden. Michi blieb lieber im Bett liegen und ich schnappte mir meinen Ipod um in Richtung Crissy Field zu laufen. Herrliche Ausblicke auf die teilweise komplett im Nebel verschwindende Golden Gate sind inklusive, es sind wirklich viele Leute unterwegs und es läuft sich trotz der morgendlichen Kälte wirklich gut. Mit roten Backen bin ich nach einer Stune wieder im Motel, ne heiße Dusche ist perfekt bevor wir zum Frühstück in Pat's Café gehen. Den Tipp haben wir aus Tripadvisor und die guten Bewertungen verdient der Laden absolut - die Atmosphäre ist total entspannt und das Essen sehr reichlich und wirklich lecker. Mein Kaffee konnte Tote wecken und war genau richtig für den ersten Morgen entspannter Urlaub.

Auch heute müssen wir erst mal die Urlaubs Einkaufscheckliste abarbeiten, daher geht es nach dem Frühstück zu REI unseren Gutschein vom letzten Jahr (Membership lohnt sich, es gibt 10% des Jahresumsatzes als Gutschein) einlösen und unser neues Zelt besorgen. Bei dem blieb es nicht, der Laden ist zwar nicht wirklich riesig aber wir finden trotzdem mehr als genug Sachen und fahren trotzdem nochmal zum Sports Basement, Michi kauft sich doch noch Schuhe die er am Tag davor entdeckt hat. Zurück im Hotel packen wir nur schnell ein paar Sachen aus und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Auch wenn es viele steile Straßen gibt ist Laufen in San Francisco meiner Meinung nach am besten, denn so sieht man wenigstens was von der Stadt und ist doch schnell Downtown. Quer durch Chinatown (Pearl Milk Tea, aber naja....war nicht wirklich lecker) bis zur Market Street, ab und an in die Läden schauen und so kriegen wir die Zeit schnell rum. Zu Fuß laufen wir vorbei an Lombardi Sports (Sportläden sind toll, immerhin gibts hier ein günstiges Icebreaker GT Oberteil und ne neue warme Mütze) zurück zum Motel.

Zum Abendessen nehmen wir das Cable Car zurück in die Stadt und genießen ein nicht wirklich üppiges aber geschmacklich sehr gutes Essen im Canteen, das Michi vorher schon von Deutschland aus reserviert hat. Der Laden ist wirklich klein, nett eingerichtet und wenn es von der Tür nicht so genzogen hätte wäre der Abend wirklich super gewesen. Weil die Füße langsam aber sicher ein wenig mitgenommen sind gönnen wir uns ein Taxi zurück zum Motel.

23.09.2011

Manche könnten es langweilig nennen, zweimal nacheinander im selben Laden zu frühstücken, aber wir gehen nochmal in Pat's Café weil es da nunmal sehr gut schmeckt. Statt starkem Kaffee probier ich Chai Latte und krieg diesmal fast nen Zuckerschock, der Rest ist aber wie schon gestern wirklich lecker und wir werden begrüßt wie Stammgäste (man erinnert sich sogar was wir am Tag davor bestellt haben...). Nach de Frühstück ist es Zeit zum Checkout, der mit ein wenig Ärger verbunden ist. Wir hatten mit HRS reserviert, der Preis dort ist inklusive Steuern und Gebühren. Bei der Rechnung waren die aber nochmal auf den Preis draufgeschlagen. Ein wenig Warten und ein Gespräch mit dem Chef später war die Rechnung korrigiert und ich ein Erlebnis weiter. Ein Ami, der über Politik herzieht und uns vor dem griechischen Bankrott warnt und HRS absolut hasst...

Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel aber trotzdem ist die Golden Gate wie die Tage zuvor in Nebel gehüllt, was aber irgendwie wirklich schön ist. Wir genießen den Blick vom Fort Point bevor wir in Richtung Ferry Plaza Farmes Market fahren und dort nach ein wenig Sucherei doch noch einen Parkplatz bekommen. Innen drin gibt es von Tofu über Käse bis Fisch alles, was ein normaler Markt so hergibt. Leider müssen wir noch weiter und fahren daher zu einem Safeway zum ersten Einkauf in der Nähe von REI. Das dauert ziemlich lange, irgendwo verlor ich dann auch noch den Einkaufszettel - wir kaufen aber trotzdem alles, was wir fürs Erste brauchen werden. An der Kasse fragt man uns sicherlich 5 Mal, ob wir nicht Hilfe beim Einräumen brauchen, der Service ist doch was anderes als in Deutschland. Unsere Safeway Karte hat sich wieder mehr als nur ein wenig gelohnt! Die Einkäufe sind halbwegs schnell verstaut, die Kühlbox gefüllt und ab geht es über die Oakland Bay Bridge in Richtung Berkeley. Wir stehen im dichten Verkehr immer wieder im Stau, man merkt dass die Pendler aus der Stadt ins Umland nach Hause fahren und daher wirklich viel los ist. Wir landen mal wieder bei einem REI - irgendwie kommen wir an keinem vorbei. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder auf dem Highway und landen nach einigen Kilometern leicht entnervt in einem Motel in Tracy. Im Gegensatz zu anderen Staaten haben es die Kalifornier nicht so mit Schilder für Touris, so dass es ein bisschen schwierig ist eine passende Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Ein wenig geschafft sind wir, die Beschilderung ist fast so mies wie bei unserer allerersten Reise in Calgary...da fluche ich heute noch drüber.

24.09.2011

Jetzt fängt der Urlaub richtig an, es geht in den ersten National Park - Yosemite! Der ein oder andere treue Leser wird sich fragen, wie man auch beim x-ten Mal von etwas begeistert sein kann, das man schon ziemlich oft gesehen hat. Da kann ich nur sagen, egal wie oft man herkommt, es immer Ecken die man noch nicht gesehen hat, Aussichten die auch beim zehnten Mal noch atemberaubend sind und Parks wie Yosemite, die einfach nie langweilig werden.

Die Anfahrt von Tracy aus ist relativ unspektakulär, die Straße 120 führt langsam aber sicher in die Höhen des Parks. Die Sonne heizt mir richtig ein undohne den Küstenwind in San Francisco ist endlich Zeit die kurzen Hosen auszupacken. Die finanzielle Lage des National Park Services wird uns am Big Oak Flat Entrance bewusst, hier sammelt eine Horde Freiwilliger Spenden für den Park, zusätzlich zum Eintritt. Schon beim ersten Mal hat sich unser in Ebay ersteigerter Parkpass gelohnt. Unser erster Stopp im Park ist der Crane Flat Campground, den man im voraus buchen sollte vor allem wenn ein Wochenende ansteht. Die Plätze kann man sich online ansehen, so richtig berühmt ist hier keiner und die Nähe zum Nachbarn muss man mögen aber der Platz liegt verkehrsgünstig und tiefer als unser Favorit der Bridalveil Creek. Und ich kann nur sagen, jeder Höhenmeter zählt denn es wird bitterkalt wenn die Sonne weg ist. Bevor es aber soweit war stellten wir uns der ersten Herausforderung, das neue Zelt zum ersten Mal aufstellen. Wer uns gesehen hat, mus gedacht haben wir sind Camping Neulinge, zweimal falschrum, Eingang auf der verkehrten Seite aber was solls, inzwischen sind wir ziemlich schnell im Auf- und Abbauen geworden. Die unangenehmste Überrachung gab es, als wir versucht haben unsere Thermarestmatten ins Zelt zu räumen, irgendwie sind die nämlich zu breit und somit haben wir ein klitzekleines Problem. Denn ich hatte meine schmale Matte zuhause gelassen und statt dessen die etwas komfortablere alte Matte von Michi eingepackt - doof nur dass auch wenn die Innenmaße rein theoretisch reichen müssten in der Praxis die Dinger beim besten Willen nicht schllfgeeignet in das neue Zelt passen. Bleibt nur auf dem Boden oder im Auto schlafen oder eventuell eine neue Matte kaufen. Egal, erst einmal fahren wir nach einem kleinen Schwatz mit unseren Platznachbarn (Hundi musste uns beschnuppern) und ein wenig Umpackerei (rein in den Bearn Locker, Kisten umpacken, alles was riecht aus dem Auto räumen - inklusive Zahnpasta und zwar so, dass man es auch schnell wieder findet....) ins Yosemite Valley. Die Fahrt dauert gute 30 Minuten und führt nach der Aussicht auf vor Jahren abgebrannte Bäume durch mehrere Tunnel ins Tal. Die Yosemite Falls haben richtig Wasser und die Wolkenreste am Himmel lassen vermuten, dass es erst vor kurzem im Park heftig und relativ lange geregnet haben muss. Alles ist noch ziemlich feucht und die wabernden Nebelschwaden im langsam schwindenden Tageslicht geben wirklich gute Fotomotive ab. Um eventuell noch eine Chance auf eine neue Matte zu haben beeilen wir uns, vor 5 Uhr im Valley Sportshop zu sein, leichter gesagt als getan denn wir landen in einem ziemlichen Stau auf der One Way Straße durchs Tal. Die Autokolonne schiebt sich Zentimeter für Zentirmeter voran, die kostenlosen Shuttlebusse fahren auf ihren eigenen Spuren doch deutlich schneller als wir vorbei. Parkplatz finden an der Straße ist eine einfachere Übung, ab durchs Gebüsch zu den Läden und 5 Minuten vor Ladenschluss schnell in den Sport Shop - neue schmale Matte und die Hoffnung auf eine halbwegs angenehme Nacht kaufen. Das Visitor Center ist schon zu, die Automassen lösen sich langsam auf und wir entschließen uns zu einem kleinen Spaziergang zu den Bridalveil Falls um die Beime zu vertreten, bevor wir wieder zum Cran Flat fahren. Am Himmel hängen dichte Wolken, aus denen ab und an mal ein paar Tropfen herausregnen und die den Abend nicht ganz so gemütlich machen wie wir uns das vorgestellt haben. Dafür entschädigt der neue Schlafsack für alles, ich liebe Daune! Meine Füße sind warm, ich zieh das Ding bis über die Ohren hoch und schlafe auf der neuen, ins Zelt passenden Matte ziemlich zufrieden ein.

25.09.2011

Neuer Tag und weniger Wolken am Himmel, langsam wärmende Sonne und ein gemütliches Frühstück - so ist der erste Outdoormorgen eigenltich wirklich perfekt. Zum ersten Mal werden heute die Beine gestestet und zwar mit dem Weg zu den Yosemite Falls. Der Himmel ist immer noch leicht bewölkt aber es bleibt zum Glück trocken. Die Restfeuchte ist vor allem am Beginn des Weges gleich hinter Camp 4, dem Campground der Kletterer, im Wald spürbar. Schon nach kurzem hab ich den ersten Schnakenstich. Der Weg zieht sich durch den Wald bis auf der ersten Höhe der Columbia Rock erreicht ist. Hier drehen die meisten schon wieder um, wie laufen aber weiter und genießen die ersten baumfreien Ausblicke auf das Tal, den Half Dome und natürlich die Yosemite Falls. Bis zu den Switchbacks links von den Falls find ich den Weg eigentlich nicht wirklich anstregend, die Aussicht lenkt einen hervorragend ab. Aber die Switchback haben es leider ein wenig in sich und auch wenn meine Beine weniger Probleme haben, merk ich doch die Höhe und röchel ein bisschen. Aber mit Steine oder Schritten zählen geht es doch ziemlich gut voran. Oben angekommen zweigt der Weg zu den Falls nach rechts ab, geradeaus geht es zum Yosemite Point. Wir entscheiden uns zuerst für die Wasserfälle, die leider von unten deutlich besser zu sehen sind als von oben. Meine Höhenangst kommt zum ersten Mal durch, als wir die meiner Meinung nach nicht grade gut gesicherte "Treppe" nach unten nehmen um die Kante der Fälle zu sehen. Michi findet das natürlich total einfach, ich zitter mich halt langsam nach unten. Nachdem wir die durchgeschwitzten Klamotten gegen trockene gewechselt haben machen wir uns auf den Weg zum Yosemite Point, ein paar Höhenmeter weiter oben. Der Weg führt über eine kleine Holzbrücke nach oben - der Weg ist ganz nett und die Beine sind inzwischen warm gelaufen. Nach einer kurzen Pause oben folgt der nicht wirklich kniefreundliche Abstieg, aber dank Stöcken und Knietabletten habe ich kein einziges Mal Schmerzen. Die neuen Schuhe sind inzwischen auch schon ein wenig eingestaubt und weder Michi noch ich haben Blasen - also eigentlich alles gut!

Der Weg runter zieht sich meistens länger als man denkt, die Strecke ist immerhin auch insgesamt 15km lang. Anschließend schnell im Shop Feuerholz und vegetarischen Beff Jerk kaufen (am Anfang gewöhnungsbedürftig aber ich vermiss es schon ein wenig....). Anschließend gibt es als Belohnung im Curry Village eine heiße, lange Dusche. Kaum sind wir wieder am Auto fängt es an zu tropfen und der Himmel sieht recht grau aus. Zurück auf dem Campground sieht es nicht viel besser aus, so dass wir beschließen das Zelt zusammenzupacken (am nächsten Morgen nass zu packen wäre nicht wirklich toll) und die Nacht im Auto zu schlafen. Den Abend über gibt es noch vereinzelte Tropfen, insgesamt haben wir aber Glück. Während der Nacht regnet es zwar mehrmals kurz, aber irgendwann sehen wir nur noch sternenklaren Himmel.

26.09.2011

Der Himmel ist wolkenlos und das Frühstück nicht wirklich lange, denn es ist noch ziemlich kalt. Das Packen dauert ein wenig länger, da wir die ganzen Sachen aus dem Bear Locker holen müssen und erst mal für alles einen Platz im Auto finden müssen. Trotzdem kommen wir so gegen 10 Uhr endlich los und fahren weiter in die Höhe in Richtung Tioga Pass. Immer wieder gibt es Warnschilder, da vom National Park Service Management Feuer gelegt werden. Einige Baustellen später erreichen wir den Parkplatz und den Trailhead für Cloud's Rest, unsere Tour des Tages. Kurz Rucksäcke packen, Stöcke ausfahren und los geht es durch Wald, vorbei an Sehen und teilweise ziemlich steinige Waldstücke. Schon auf der Hälfte der Strecke muss ich meine Zehen abpflastern, Michi geht es dagegen trotz neuer Schuhe immer noch supergut. Auf einem kurzen Stück mit Abstieg fängt dann auch noch mein Knöchel an weh zu tun, so dass ich selbst mit herrlichstem Bergpanorama den Weg nicht mehr allzu sehr genießen kann. Die letzten Meter bis zu Cloud's Rest geht es auf einem Felsrücken, vor dem Höhenangsthasen wir ich gewarnt werden. Ich fand das Stück aber absolut ok und bekam kein einziges Mal das Zittern. Die Aussicht ins Tal und auf den Half Dome ist gigantisch - ob sich die 23,3km Hin und Zurück lohnen? Ein Blick auf das Bild und ich denke die Antwort ist klar.

 

Zurück geht es mit abgepolstertem Knöchel, der zum Glück irgendwann mal Ruhe gibt. Auf den letzten Kilometern holen wir einige andere Wanderer ein und erreichen nach knapp 6 Stunden wieder den Trailhead. Unser Campground des Tages ist Toulumne Meadows, bevor wir uns dort aber ans Frieren machen (lange lebe das Zwiebelprinzip und neuseeländische Merinowolle) schnell Füße und Arme waschen im natürlich Badebecken des Tenaya Lake. Die Campground an der Tioga Pass Road sind nur bis maximal Anfang Oktober geöffnet, je nach Wetterlage. Als wir ankamen waren es nur noch 2 Nächte bis zur Schließung 2011 - die Saison war wirklich kurz, denn bis Mai lag hier noch Schnee. Der Toulumne Meadows Campground ist wirklich riesig, die Plätze teilweise nicht ganz so dicht an dicht wie im Tal und selbst obwohl es schon spät im Jahr war rammelvoll. Unser Platz A31 war ganz nett und gut geeignet um das Auto mit Hilfe einiger größerer Steine gerade hinzustellen - im Zelt bei Temperaturen um die 0°C zu schlafen muss ja nicht sein.

27.09.2011

Was macht man morgens wenn es saukalt ist? Im Schlafsack bleiben und auf die Sonne warten, dann der Sonne hinterherlaufen und wie eine Salzsäule das Gesicht und alles was sonst einfrieren könnte von den Strahlen wärmen lassen. Selbst Müsli essen funktioniert so, leider werden dabei aber die nicht behandschuhten Finger ein bisschen kalt. Die Kinder von nebenan fanden es irgendwie ziemlich warm, die liefen nämlich beim Fange spielen scon in Shorts und T-Shirt rum - meine Theorie war, dass das Alaskaner waren. Da wir am Abend zuvor ankamen, als die Ranger Station bereits geschlossen war mussten wir erst mal die Gebühr für die Übernachtung zahlen bevor wir uns auf die Weiterfahrt in Richtung Mono Lake machten. Unterhaltsam find ich ja immer, wenn man eh irgendwie beim Ranger warten muss und dann gleich die Beratungsgespräche für die internationalen Touristen mitbekommt. Die Amis fragen meistens ob man die Aussichtspunkte mit dem Auto abfahren kann (Antwort: Na klar...), die Europäer wollen am liebsten die längste Wanderung der Gegend (diesmal die Dänen, Antwort der Rangerin: Cloud's Rest) - irgendwie gibt es für alle was. Auf der Fahrt Richtung Mono Lake bleibt es international, beim Fotografieren am Ellery Lake komm ich mir vor wie in Stuttgart, denn die schwäbische Abi-Reisegruppe nebenan quasselt non stop.

Auf dem Highway machen wir uns mit grandioser Sicht auf die Sierra Nevada auf den Weg nach Mammoth Lakes und dem Devil's Postpile National Monument, dem Ziel des Tages. Die Aussicht auf die Berge bringt mich zum Grübeln, die sehen hoch aus und immerhin planen wir uns schon morgen zu Fuß auf den Weg zum höchsten Berg der USA außerhalb Alaskas zu machen - Mt. Whitney. Irgendwie schaff ich es den Gedanken zu verdrängen, da hilft es auch dass wir erst mal die falsche Abzweigung in Richtung Mammoth nehmen, es schaffen gleich nochmal falsch abzubiegen und dann statt im Ort Mammoth zu landen vor der Bergstation des Skigebiets stehen. Daher heißt es denselben Weg wieder zurück und ab nach Mammoth, dank einer großen Baustelle auf der Sraße haben wir ausgiebig Zeit uns die Gegend anzusehen. Mammoth als Ort ist recht überschaubar und wirkt wie ein Alpendorf, das in die USA verlagert wurde. Immerhin gabs nen Laden mit vegetarischem Beef Jerk (Sofa...immerhin mal endlich was unsüßen ohne Fleisch für Vegetarier) und für Michi wieder mal einen Kombucha in irgendeiner abstrusen Geschmacksrichtung. Viel empfehlenswerter sind aber die vielen kleinen Sportläden in der Stadt, wer außerhalb der Hauptsaison kommt hat gute Chancen reduzierte Artikel zu finden. Nach ein wenig Schönrechnerei habe ich nämlich in die nächste Charge Icebreaker investiert, immerin macht das warm und man kann nie genug Anti-Stink Schafsachen haben (gestestet - stinkt auch ohne Waschen nach 3 Tagen Wandern nicht...). Für Michi gibt es Arcteryx und mit ein wenig vollerem Auto fahren wir zu den Seen nach denen Mammoth Lakes benannt ist. Interessant sind die vielen Fahrradwege, die wirklich Lust aufs Zweirad machen und bei dem herrlich warmen Wetter sicherlich Kilometer an wirklich schönen Strecken bieten. Die Seen selbst sind jeder für sich schön, man kann campen (bis auf den Horseshow Lake), angeln oder einfach die vulkanisch geprägte Landschaft genießen. Wir schauen uns die Baumleichen am Horseshow Lake an, die durch den erhöhten CO2 Ausstoss entstehen. Durch die vulkanische Aktivität steigen an diesem See vermehrt Gase aus dem Boden und sorgen für gespenstisch weiße Bäume. Irre Fotomotive!

Zurück durch Mammoth und mit einem Starbucks Kaffee im Becherhalter wieder zur Baustelle und in Richtung der Bergstation des Mammoth Skigebietes. Ein kurzer Stopp an der Earthquake Vault offenbart nochmal, welche Kräfte hier unter unseren Füßen zu Gange sind. Entlang des Graben führt ein kleiner Rundweg. Kurz hinter der Bergstation führt die Straße langsam wieder bergab ins Devil's Postpile National Monument. Zum Glück sind wir außerhalb der Saison im Sommer hier und müssen nicht in den Shuttle Bus umsteigen, sondern fahren im eigenen Auto in dieses landschaftlich wirklich schön gelegene Tal am Fuße des Mammoth Mountain. Die Hauptattraktion des Monuments ist zu achteckigen Säulen erstarrte Basaltlava. Herrlich gelegen sind auch die vielen Campgrounds, allerdings sind ab Mitte September schon einige geschlossen. Wir landen daher auf einem wirklich schönen Platz mit privatem Bachzugang (nutzbar als Badezimmer, Bierkühlschrank oder Fußwaschmaschine) auf dem Reds Meadow Campground. Der Platz war nicht mal halbvoll, so dass man endlich mal Ruhe vor den Nachbarn hatte. Leider waren die zum Campground gehörenden Duschen, die von heißen Quellen gespeißt werden, bereits für die Saison geschlossen. Nachdem wir wieder mal alles in den Bear Lockers verstaut hatten, standen noch der Rundweg am Devil's Postpile und die Rainbow Falls auf dem Plan. Beides ist wirklich schön, es gibt weitere mehr oder weniger lange Wanderwege im Monument und ich denke wer mehr Zeit mitbringt kann hier locker herrliche 2-3 Tage verbringen. Leider liegt auch das Monument auf über 2300 Meter Höhe, so dass kurz nach Sonnenuntergang wieder schnell eine Schicht nach der andern angezogen wird.

28.09.2011

Tja, irgendwas fehlt beim Frühstück - der Kaffeedrücker. Der blieb wohl auf dem Campground in Toulumne Meadows zurück, ich bin mir zwar immer noch zu 100% sicher, dass ich trotz eingefrorener Finger das Ding vom Waschhaus wieder mit zurück zum Platz gebracht habe aber verschwunden blieb er bis zum Ende des Urlaubs. Leider sollte das nicht der einzige verlorene Gegenstand sein, dazu aber später mehr. Erst einmal wird alles wieder mal vom Bear Locker ins Auto gepackt und da es nicht wirklich angenehm warm ist und wir eh keinen vernünftigen Kaffee machen können brechen wir ziemlich schnell in Richtung Mammoth auf. Auch dort gibt es nur einen kurzen Kaffeestopp, denn das Ziel des Tages ist Lone Pine, wo wir auf ein Permit für den Mt. Whitney Trail hoffen. Hoffen ist ehrlich gesagt zu viel gesagt, denn die Aussicht vom Highway auf die erschreckend hoch aussehenden Berge der Sierra Nevada lassen mich still und heimlich beten, dass alle Permits vergeben sind und wir uns daher leider nicht diese Tour antun können. Ich muss dazu sagen, dass wir aufgrund der "spontanen" Idee mit USA leider die 6 Monate zuvor veranstaltete Online Lotterie verpaast haben. Auch die mehrfachen Anrufe im Ranger Office halfen nichts, denn nie gabs ein Permit. Ich muss dazu noch ein wenig ausholen. Der Mt. Whitney ist der höchste Berg der USA außerhalb Alaskas und ist dank "ausgebauten" Weg relativ einfach zu besteigen. Die zu bewältigenden knapp über 2000 Höhenmeter bis zum Gipfel auf 4421m sind allerdings immer noch kein Zuckerschlecken. Es gibt zum Standardweg noch die Alternative über die sogenannte Mountaineers Route, die allerdings mal als furchtbar und mal als machbar beschrieben ist. Es gibt nur eine sehr begrenzte Anzahl an Permits, wer sich selbst etwas zu beweisen hat macht das ganze an einem Tag, die Weicheier dann mit einer oder mehr Übernachtungen. Zu den Höhenmetern sollte ich vielleicht noch sagen, dass man diese auf der Standardroute in 17,4km einfacher Strecke zu bewältigen hat. Daher hatte ich trotz Trainings einigen Respekt vor dem Whitney. Kaum an der Lone Pine Interagency Ranger Station (das Ding heißt so!) angekommen dann die Gewissheit - es gibt Permits und zwar welches wir haben wollen und davor einen ganzen Haufen. Wieso? Das Wetter in den Tage zuvor war nicht wirklich brilliant und so haben viele abgesagt. Heute jedoch strahl die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und auch für den Folgetag ist durchgehend hervorragendes Bergwetter vorausgesagt. Der liebe Ranger mit dem großen Tattoo auf dem rechten Arm händigt uns also unser Permit und zwei Wag Bags aus - Klos gibt es ja keine, deswegen kriegt man diese herrlichen Plastiktüten komplett mit Klo- und Desinfektionspapier. Nach ein bisschen überlegen haben wir uns übrigens für die Übernachtungsvariante entschieden, was aber bedeutet dass wir unseren in der Ranger Station angemieteten Bear Canister (schwer, unhandlich aber zwangsweise vorgeschrieben) samt uns selber ins Auto packen und in Richtung Whitney Portal fahren. Im Nachhinein betrachete folgte jetzt der schlimmste Teil des ganzen Whitney Abenteuers - die Rucksäcke packen und zwar so, dass man die Sachen noch findet, alles reingeht und man die Dinger auch noch tragen kann. Leicher gesagt als getan, vor allem der monströse Bear Canister durchkreuzt beharrlich viele Packversuche. Nach anderthalb Stunden sind wir leicht genervt aber fertig - die Rucksäcke auf dem Rücken und es ist schon kurz vor 14 Uhr. Auf dem Weg nach oben gibt es 2 Hauptcamps - das Outpost Camp (3158m) vor dem Mirror Lake und das Trailcamp direkt unter den Switchbacks auf 3669m. Unser Ziel ist heute so hoch es geht zu kommen, damit wir Strecke für morgen sparen. Der Aufstieg bis zum Lone Pine Lake (bis hierher braucht man kein Permit) geht langsam aber gut voran, die Landschaft ist gigantisch und lenkt ab. Vorbei am Permit Schild (Ranger kontrollieren auch!) geht es weiter durch Felslandschaft bis man über einen kleinen Felsrücken die ersten Blicke auf die Big Horn Park Meadow - eine idyllische von kleinen Bachläufen durchzogene Wiese. Vorbei an diesem wirklich schönen Fleckchen Erde erreichen wir schon bald das Outpost Camp bei dem es kurz danach die nächsten Switchbacks zum Mirror Lake hinaufgeht. Bis hierher alles ok und da wir gut in der Zeit liegen laufen wir weiter bergauf und genießen immer bessere Ausblicke ins Tal nach Lone Pine. Die  Baumgrenze lassen wir kurz vor dem Consultation Lake hinter uns, ab hier zieht sich die Strecke bis zum Trailcamp wirklich und hätten wir auf dem GPS nicht wenigstens gesehen, dass wir in greifbarer Nähe des Trailcamp sind - vermutlich hätten wir unser Zelt direkt am Weg aufgeschlagen.

Nicht wirklich hilfreich waren mal wieder die lieben amerikanischer Wanderer, die einem erzählen es "round the corner" und ne Stunde später ist man dann da. Ich weiß ja, es ist nett gemeint aber ich hasse das wirklich! Nach knapp 4 Stunden und 1200m erreichen wir um kurz vor 18 Uhr das Trailcamp und schlagen unser Zelt rechts vom Weg auf.

Die Sonne geht bald unter und man spürt jetzt schon, dass es kalt werden wird. Wir sind natürlich nicht alleine, überall sieht man Gestalten vor bunten Zelten stehen und noch bis weit nach 20 Uhr erreichen Tageswanderer das Trailcamp. Man muss dran denken, dass die dann noch die 1200m runter müssen und das bei Dunkelheit. Die meisten waren sicher auch schon seit den frühen Morgenstunden unterwegs. Wir waren daher eigentlich ganz froh, die Übernachtungsvariante gewählt zu haben. So kann man wenigstens in Ruhe auch mal die Aussicht genießen. Das Abendessen war erstaunlich lecker, die Mary Janes Farm Organic Sachen sind zwar teuer aber dafür vegetarisch und für "Instant-Wander-Wunder-Wasser-Aufgieß-Tüten" wirklich genießbar. Auch unsere Nachbarn löffelten alle fleißig ihre Tütchen leer bevor wir alle ziemlich schnell bei sternenklarem Himmel in unseren warmen Schlafsäcken verschwanden. Während der Nacht hab ich geschlafen wie ein Stein, Michi hat allerdings den Tumult im Camp mitbekommen. Scheinbar kam irgendwann noch ein völlig erschöpfter und ausgekühlter Wanderer auf dem Weg nach unten durchs Camp. Die Ranger wurden gerufen und je nach Gesprächspartner hatte der Kerl keine warme Jacke dabei oder war höhenkrank und daher nicht mehr wirklich klar im Kopf. Beides zeigt, dass der Whitney nicht wirklich ungefährlich ist.

29.09.2011

So wirklich wollen wir beide an diesem nicht aus den herrlich warmen Schlafsäcken, aber die Sonne kommt langsam aber sicher über die Berggipfel und immerhin haben wir heute noch ein sportliches Programm vor uns. Hilft also alles nichts, raus aus den Daunen und erst mal fürs Frühstück Wasser pumpen. Es ist empfehlenswert einen tragbaren Wasserfilter oder Reinigungstabletten mitzunehmen, laut Ranger gab es bereits mehrere Fällt von Ghiardia und mit Durchfall da oben und nur einer Wag Bar - ne danke. Wundern sollte man sich aber nicht, immerhin pinkeln die meisten irgendwo rechts und links vom Weg und da sind halt auch mal Bäche und kleine Seen mit dabei. Daher pump ich lieber fleißig, das macht nicht nur sauberes Wasser sondern gleich auch noch warm. Mit dem guten Abendessen vom Vorabend kann unser Banana Granola nicht mithalten, Michi will nicht mal seine Portion aufessen. Statt Kaffee gibt es schönen warmen Tee und dann heißt es die Sachen grob zusammenpacken, denn wir wollen nur das Nötigste mit zum Gipfel nehmen. Der Bear Canister wird vollgestopf, das Zelt zusammengepackt und alles mit Steinen beschwert am Trail Camp zurückgelassen. Gleich hinter den letzten Zelten beginnen die berühmt berüchtigten Switchbacks, über deren Anzahl es diverseste Spekulationen gibt. Meistens findet man den Begriff 99 Switchbacks, ich habs weder gezählt noch interessierts mich - es sind auf jeden Fall viele.

Teilweise steil, teilweise angenehm flach windet sich der Weg unendlich scheinend nach oben - in den schattigen Ecken muss man aufs Eis achten insgesamt ist es aber durchaus in Ordnung. Auf dem bergrücken angekommen sieht man leider, dass man noch einen weiten Weg vor sich hat. Allerdings entschädigt die wahnsinnigen Aussicht in den Kings Canyon National Parl entlang des Weges hinter Trail Crest für die Switchbacks. Hinter den Zacken der Gipfel windet sich der Weg mit mehr oder weniger auf und ab Kilometer in Richtung Mt. Whitney. Die Strecke und die Höhe machen sich dann doch ein wenig in den Beinen bemerkbar, aber irgendann erreichen wir das Gipfelhaus. Oben gibt es eine halbe Stunde Pause, wir machen viele Fotos und unterhalten uns mit den Fellow Hikers, viele davon Day Hiker und seit mehr als 10h auf den Beinen. Absolut irre fand ich die Idee eine Flasche belgisches Deliriumbier mit nach oben zu nehmen, da muss man doch gemeinsam auf den erfolgreichen Aufstieg anstoßen. Leider wollte keiner mehr als einen Schluck - die Höhe tat weder der Flasche noch der Kohlensäure drin wirklich gut. Im Nachhinein auch irgendwie seltsam sind die Themen des Small Talks, den man irgendwie mehr oder weniger freiwillig aufs Auge gedrückt kriegt. Da ist alles vertreten von Wag Bag Nutzung über Biersorten (Belgium rocks) und das Oktoberfest und die dazugehörige Blasmusik. Mit ein bisschen was im Magen und noch immer halb vollem Wassersack geht jetzt der richtige Spaß los, jeden Meter nach oben muss man ja auch irgendwann mal wieder nach unten. Der erste Streckenabschnitt bis Trailcrest ist noch gut zu schaffen und geht dank geringem Gefälle nicht wirklich auf die Knie. Selbst die Switchbacks sind erträglich aber auf dem Weg nach unten stellen wir uns mehrfach die Frage wie wir hier eigentlich so ohne Probleme nach oben kamen - der Weg ist wirklich ewig lang und teilweise durch das Eis ein wenig rutschig. Zurück im Trailcamp wird nochmal Wasser gepumpt,  der Small Talk übers Oktoberfest wird durchzogen mit Tipps zur Nutzung des Wasserfilters (Dan aus San Diego mit dem wir Bier getrunken haben und der um 1.45Uhr morgen den Dayhike angefangen hat, hat dieselbe Wasserpumpe aber keine Ahnung wie man das Ding benutzt....) geht weiter und wir packen die Rucksäcke wieder bis oben hin mit den hier zurückgelassenen Sachen voll. Der Bear Canister nimmt wieder viel zu viel Platz weg ist aber als Müllcontainer gar nicht so übel. Der weitere Weg nach unten ist aufgrund der höheren Steigung nicht ganz ohne, kurz vor dem unteren Camp fängt mein linker Knöchel an richtig zu schmerzen. Bis kurz nach der grünen Wiese denke ich schon, ich halt es nicht mehr aus. Ausstopfen, abpflastern nichts hilft außer Zähne zusammenbeißen. Das wird auch wenn die Aussicht wirklich unendlich schön ist immer schwieriger und spätestens am Lone Pine Lake will ich nur noch die Schuhe ausziehen und keinen Schritt mehr machen. Doch auch hier ziehen sich die Switchbacks unendlich bis wir endlich das Whitney Café am Trailheadstart erreichen. Dort reiß ich mir den linken Schuh vom Fuß, mein Knöchel sieht dick aus und tut weh. Darauf dann erst mal ein Bier, unser Small Talk Freund hat sich einen Koreaner geschnappt und Michi genießt nen Whitney Burger und ich krieg Pommes. Ohne linken Schuh gehen wir letzten Meter zum Auto nicht schnell aber schmerzfrei und nachdem der Bear Locker ausgeräumt ist (ja auch hier muss alles aus dem Auto raus und rein in den Bear Locker) fahren wir nach Lone Pine. Wir sind beide müde und wollen nicht mehr lange nach nem günstigen Motel suchen und gönnen und das letzte freie Zimmer im Best Western Plus. Großes Zimmer, 2 Betten und Sofa - da kann man wenigstens in Ruhe den Rucksack auspacken, die Füße hochlegen und eine heiße Dusche genießen.

30.09.2011

Ein Blick in Richtung Mt. Whitney an diesem Morgen zeigt uns, wieviel Glück mit dem Wetter wir bei unserem Gipfelsturm hatten. Denn der Gipfel ist mit dicken Wolken bedeckt, die Wettervorhersage des Tages sieht auch nicht wirklich rosig aus. Beim Frühstück haben wir einen wundervollen Blick auf den Whitney und komischerweise könnte ich mir schon einen Tag danach gut vorstellen, die Tortur nochmal hinter mich zu bringen. Kein Muskelkater, der Knöchel fast wieder auf Normalgröße und eigentlich nicht mal wirklich kaputt - wieso dann denn nicht wirklich nochmal? Fertig gepackt ist im Auto intzwischen alles wieder verstaut - muss noch nebenher erwähnen, dass ich irgendwo vor dem Whitney Tripp meine in San Francisco neu gekaufte Sonnebrille verloren habe. Nach dem Kaffeedrücker das nächste verlorene Schaf, es sollte auch nicht das letzte sein...dazu aber später mehr. Aus tradiotionellen Gründen starten wir vor unseren Fahrt ins Death Valley den Tag nach einem durchschnittlich schlechten Motelfrühstück in den Alabama Hills. Auf der Movie Road kommen wir aber keine 20m weit, bevor wir von einem Motorradfahrer gestoppt werden. Wie sich herausstellt hat er deutsche Vorfahren, vertreibt sich den Tag in Lone Pine wohl immer mit Touri-Small Talk und unterhält uns mit Vergangenheitsbewältigung, Familiengeschichten, Lästerein über osteuropäische Frauen eine gute halbe Stunde. Kaum haben wir uns losgeeist braust er auf seiner Harley davon. Eine der Familiengeschichten war seiner Frau gewidmet, die den Mt. Whitney und den Grand Canyon einmal pro Jahr auf ihrer Checkliste abhakt und das mit 67 Jahren. Versteht er aber gar nicht und bleibt lieber auf dem Motorrad, denn Sport ist nicht seins. Nach einigen Blicken auf die Alabama Hills heißt es dann erst mal Sitzfleisch beweisen, denn es geht durch Täler und über diverse Hügel ins Death Valley. Das Thermometer zeigt 40 Grad Außerntemperatur und die Landschaft ist karg und leblos. Das Gegenteil kann nur sagen, wer am Visitor Center aussteigt und sich durch die Touristenmassen schiebt, hier gibt es alles inklusive völlig unterkühltem Shop und viel Eiscreme, die aber nach spätestens einer Minute flüssig ist. Wir entscheiden uns für den Weg über Badwater in Richtung Nevada. Badwater ist der tiefste Punkt der USA und als Kontrastprogramm zum Mt. Whitney natürlich perfekt. Eigentlich ist Badwater nichts weiter als eine riesige Salzpfanne inmitten des Death Valley, man latscht auf das Salz und latscht wieder zurück - schwitzt und fährt weiter.

Die Salzseen in Australien schlagen Badwater um Längen aber wenn man schon mal da ist, nimmt man es am besten mit. Die Strecke über den Jubilee Pass nach Pahrump ist ziemlich langweilig - einzig ein Blick zum Himmel ist interessant, denn die Wolken werden dichter und grauer je weiter wir in Richtung Las Vegas kommen. In Pahrum kaufen wir im Supermarkt schnell mal Eis für die Kühlbox nach, denn dem tat das Klima im Death Valley gar nicht gut. Weiter auf dem gut aufgebauten Highway zur Hauptstadt des Glückspiels aber wir wollen nochmal eine Nacht in der Natur genießen und fahren daher zum Red Rock Canyon National Conservation Area. Dort gibt es nur wenige Meter von der Einfahr zum Canyon Loop entfernt einen wirklich netten Campground mit überdachter Sitzgelegenheit. Michi parkt unsern Hugo recht nah am Dach, damit wir im Trockenen ins Auto kommen. Die Sonne ist kaum hinter den Hügel verschwunden, da wird der Himmel auf allen Seiten von heftigsten Gewittern erleuchtet. Wenn man keine Blitze sieht kann man Las Vegas Lichter deutlich erkennen. Kaum haben wir das Abendessen gemacht fallen erste dicke Regentropfen, die uns später dann auch aufs Autodach fallend in den Schlaf lullen.

01.10.2011

Die Wolken sind inzwischen aufgezogen, allerdings sind die Temperaturen schon deutlich gefallen. Wir starten nach dem Frühstück auf den Red Rock Canyon Loop Drive, auch hier gilt der Interagency Pass. Es ist Samstag und es scheinen alle Fahrradfahrer der ganzen Umgebung von Las Vegas hier unterwegs zu sein. Hinzu kommen Horden an Kletterer und Wochenendausflügler aus der nur 10km entfernten Stadt. Den Loop fahren wir ab, aber angesichts der noch recht langen vor uns liegenden Fahrtstrecke des Tages machen wir keine Wandertour, vielleicht beim nächsten Mal. Für uns steht erst mal Vorräte aufstocken auf dem Plan, denn in Vegas gibt es für die nächsten Tage den letzten Großeinkauf bei Vons und im Whole Foods Market. Da wir beim Einkaufen sind, stoppen wir noch schnell in einem der Outlets am Stadteingang, wobei außer einem T-Shirt der ganze Komplex nicht wirklich was hergibt. Weiter geht es auf dem Interstate 15 in Richtung Norden, wir passieren die Stadt, die Grenze zu Utah und erreichen nach gut zwei Stunden St. George. Auf den Stopp hat sich Michi schon seit dem letzten Urlaub gefreut, es gibt Burger bei 5 Guys und Fritten für mich. Auch wenn ich immer noch kein Fast Food Freund bin steh ich auch auf den Laden, laut Michi die besten Burger für Fleischessen und natürlich die besten Pommes aus echten, geschnippelten Kartoffeln mit Schale. Die Kartoffeln des Tages waren übrigens aus Iowa...woher auch sonst. Für mich gibt es dann nebenan noch eine Pearl Milk Tea zum Nachtisch (kommt an Qingdao nicht ran, aber besser als nix) und wir fahren zum Redcliffs Campground in der Nähe des Interstate in Hurricane. Leider haben wir kein Glück und die wenigen, wirklich sehr schön gelegenen Plätze sind alle schon vergeben. Unser Ausweichplatz wird daher der Quail Creek State Park, nicht so schön aber immerhin gibt es freie Plätze. Unsere Nummer 17 stellt sich dank leicht assozialer Nachbarschaft nicht als Glücksgriff heraus, aber immerhin regnet es nicht und es ist erträglich kühl.

02.10.2011

Auch morgens grillen sich unsere fetten Aminachbarn das Frühstück und unterhalten bereits um 7 Uhr den halben Platz mit anzüglichen Witzen und dämlichem Gelaber - also nichts wie weg. Zurück auf dem Interstate machen wir nur einen schnellen Tank- und Schukaufstopp in Cedar City, bevor wir die Kilometer bis zur Abzweigung zum  Goblin Valley State Park von der Interstate 70 herunterspulen. Auf der Fahrt wird schon klar, dass wir die eigentlich geplante Route vom Goblin zurück nach Süden abhaken können. Der Capitol Reef National Park und die Ecke um den Bryce Canyon ist von Wolken bedeckt, liegt hoch und damit sind die Temperaturen nicht wirklich angenehm. Auch auf der Fahrt sehen wir mehr dicke, graue Wolken als uns lieb ist. Sollte es mit dem San Raffael Swell wetterbedingt wie im Vorjahr nichts werden? Wir haben mehr oder weniger Glück als wir unseren ersten kleinen Warm Up Canyon Trip machen und dazu fahren wir beim Milemarker 147 (ACHTUNG das sind Angaben aus einem Canyonbuch, die Augen helfen aber eher als die Milemarker) gibt es recht uns links des Highway Gatter, die nur durch kleine Schilder zu identifizieren sind und die man leicht verpasst. Durch diese Gatter geht es aus Richtung Colorado kommend (wir sind zu weit gefahren und mussten dann wieder zurück) durch das Gatter geradeaus und dann bei der ersten großen Abzweigung nach links. Die beste Wegbeschreibung mit kleiner Mud Map hab ich in dem Buch "Hiking and Exploring Utah's San Rafael Swell" gefunden. Dort wird auch der Weg in zwei kleine Minicanyons beschrieben, mit dem wir uns die Gegend mal fürs erste ansehen. Es ist dunkel am Himmel, wir haben schon vorsichtshalber die Regenjacken ausgepackt aber es bleibt glücklicherweise trocken. Nach den beiden Minicanyons (einer wird im Buch als Arch Canyon betitelt) machen wir einen kurzen Abstecher zum Start des Black Dragon Canyons, in den man fast bis zum bekannten Pictrograph Panel mit dem Auto im Flussbett fahren kann. Das haben auch zwei Kletterer vor uns gemacht, die uns dann erst mal die Weiterfahrt blockieren. Aber die wenigen Meter zum Panel lohnen sich, die auf die Canyonwand gemalten Figuren und Formen sind wirklich sehenswert. Bei leichtem Nieselregen fahren wir unter dem Highway durch große Abwasserrohre auf die andere Seite, öffnen das Gatter und stehen wieder auf dem Interstate. Aufgrund der Wetterlage entschließen wir uns trotz Allradwagens gegen die Temple Mountain Road und für die #24. Auf asphaltierter Strecke machen die Regentropfen einfach weniger aus und wir erreichen gegen 17 Uhr den Goblin Valley State Park, wo wir schon im voraus einen Platz auf dem Campground reserviert hatten. Das ist auch sehr empfehlenswert denn es gibt zwar einige Plätze, die sind aber schnell vor allem am Wochenende ausgebucht. Die Tatsache, dass der Platz über heiße Duschen verfügt ist natürlich auch ein großes Plus. Den Sonnenuntergang genießen wir mit Aussicht auf die Goblins, die wie alle Felsen in der Umgebung im Abendlicht rot leuchten.  

Oh genau, auf dem Campground haben wir die erste Schlange des Urlaubs entdeckt und zwar mitten auf der Straße vor dem Waschhaus. Zum Glück war die Schlange nach wenigen Minuten verschwunden aber ich hatte trotzdem jedes Mal wenn ich an der Stelle vorbeilief ein ganz komisches Gefühl im Magen. Da die Wolken am Himmel wieder aufziehen genießen wir nach einer ausgiebigen heißen Dusche einen gemütlichen  Abend mit fast sternenklarem Himmel.

03.10.2011

Das Wetter scheint heute mitzuspielen, einige Wolken am Himmel sind in Ordnung und es ist schon morgens angenehm warm. Der Tag führt uns in die Canyons des San Raffael Swell, ein riesiges, langgestrecktes Felsenriff, das sich von Price im Norden bis fast nach Hanksville erstreckt. Regenfälle und dadurch entstehende saisonale Flüsse haben an vielen Stellen Canyons ins Riff gegraben, wie z.B. den Little Wild Horse und Bell Canyon. Und genau diese verbunden in einem Loop Hike stehen für den Tag auf dem Programm. Beide Canyons sind sehr einfach zu erleben, man muss nicht klettern und läuft fast ohen Hindernisse in einer Canyon Wunderwelt. Wie die meisten entscheiden wir uns zuerst den Bell und dann den Little Wild Horse Canyon zu machen, ein netter Hike mit einigen Kilometern aber wirklich lohnenswert sind nur die letzen Kilometer im Little Wild Horse. Der Rest ist landschaftlich schön, für Canyonneulinge auch sicherlich gigantisch interessant aber wenn man schon andere Canyons gesehen hat nur durchschnittlich.


Little Wild Horse Canyon

Da wir den Loop Hike schnell erledigt haben und noch den Nachmittag Zeit haben, fahren wir zum Parkplatz für den Ding und Dang Canyon nur wenige Kilometer auf der Straße, die nun nicht mehr in allzu gutem Zustand ist. An der Abzweigung eines Seitencanyons parken wir unser Auto unter Bäumen, packen die Rucksäcke und machen uns auf den Weg durch das ausgetrocknete Flussbet zum Ding Canyon. Der ist ein wenig anspruchsvoller als die beiden davor aber immer noch sehr gut machbar. Dummerweise entscheiden wir uns zu früh auf den Bergrücken zu steigen über den der Weg in den Dang Canyon führt. Nachdem wir aber auf dem Bergrücken feststellen müssen, dass wir zu viel Zeit verplempert lassen wir den Dang Canyon sausen und genießen den Ding nochmal auf dem Rückweg. Es wird nämlich schon fast dunkel und wir wollen nicht zu spät wieder auf dem Campground sein. Der Abend ist nach einer Dusche so lange gemütlich, bis es anfängt zu regnen und kälter zu werden. Das verheißt für den Folgetag nichts gutes...Canyons und Regen...keine passende Kombination.

 

04.10.2011

Unser Pech mit dem Wetter im San Raffael Swell geht heute weiter, es regnet zwar beim Frühstück nicht mehr allerdings hängen überall graue Wolken und es ist deutlich kühler als am Vortag. Eigentlich wollen wir heute zwei längere und ein wenig schwierigere Canyons erkunden, sins und wegen des Wetters allerdings nicht sicher wie weit wir kommen werden. Ein Versuch ist es immer wert und so starten wir mit Regenjacken in den Crack Canyon, der über de Behind the Reef Road zu erreichen ist. Der Straßenzustand ist nicht wirklich gut, man kommt nicht wirklich schnell vorwärts. Die Anfahrt lohnt sich aber in jedem Fall, schon wenige Meter im Canyon eröffnet sich eine Wunderwelt und ich schieße Fotos wie eine Irre (gut, ich mach immer viele Fotos aber hier besonders viele). Die Wände sind mit Auswaschungen übersäht, die Farben wechseln je nach Gesteinsschicht und obwohl die Sonen sich weiterhin hinter Wolken versteckt macht der Crack Canyon richtig Spaß.

Eine Stelle im Canyon nennt sich "The Slide" zurecht, denn da runter zu kommen war für meinen Michi Spiderman mal wieder gar kein Problem, ich saß erstmal ratlos oben und musste Minuten überlegen ob ich runter will und kann. Schlussendlich ging es dann schon, aber ich fands nicht wirklich einfach. Der Canyon wird danach immer enger, schlängelt sich teilweise durch Gesteinsüberhänge bis mir dann weitere Wasserpools und "Slides" den Weg blockieren. Michi schafft es natürlich problemlos weiter, allerdings werden die Wasserlöcher tiefer und so entscheiden wir uns auch angesichts des sehr grauen Himmels zur Umkehr. Der Weg ist das Ziel und hier ist es der Crack Canyon. Beim nächsten Mal muss dann nur noch das Wetter besser sein, man muss ja auf jeden Fall noch was auf der To Do Liste für den nächsten USA Urlaub haben. Auf der Fahrt zurück in Richtung #24 fotografieren wir nochmal Felszeichnungen und entscheiden uns wie bereits angedacht für eine komplette Alternativroute. Also nichts mit Capitol Reef sondern statt dessen ab nach Moab zum Arches und Canyonlands National Park. Dort gibt es Motels, die Parks sind superschön und wir haben die Hoffnung, dass einige Meilen weiter östlich das Wetter eventuell etwas besser ist. Moab ist nicht wirklich weit weg und dank der vielen Motels finden wir schnell ein Zimmer für die Nacht. Michi und ich campen wirklich gerne, aber bei Regen mit nassem Zelt? Nein Danke. Das Roadway Inn ist daher unser zuhause für eine Nacht. Vor dem Abschluss des Tages in der Moab Brewery machen wir aber noch einen kleine Abstecher in den Arches National Park.

05.10.2011

Das Wetter sieht immer noch nicht wirklich super aus, aber jammern hilft nichts. Erst mal lecker frühstücken und das kann man ganz gut im Peace Tree Café, die Blueberry Pancakes sind wirklich lecker. Mit vollem Magen fahren wir danach im Arches ins Visitor Center und vermiesen den Rangern den Tag mit der Frage nach einem Permit für den Fiery Furnace. Über den habe ich in einem weiteren Buchtipp gelesen: Hiking from Here to WOW: Utah Canyon Country. Betreten darf den Fiery Furnace nur, wer sich einer geführten Rangertour anschließt oder eben im Visitor Center ein Permit beantragt. Dazu also ab zum Ranger, den Blick ertragen der einem sagen soll "ich hasse Touristen", ein 5 minütiges Video schauen und danach noch schlaue Fragen beantworten. Klingt schlimmer als man denkt, das Video sagt einem 20 mal was man darf und was nicht, das wiederholt man dann beim lieben Ranger und hat ein paar Minuten und 10 Dollar ärmer ein Permit. Genau mit diesem ausgestattet fahren wir zum Parkplatz und machen uns auf den Weg nach unten.

Laufen darf man laut Infovideo nur in den Bachbetten oder auf Fels, leider ist das Labyrinth wirklich nicht einfach zu erkunden und wir landen immer wieder in Sackgassen. Erst als wir dem Weg vom Parkplatz geradeaus folgen, finden wir immer wieder Fußspuren denen wir folgen und die uns vermutlich auf der von den Rangern genutzen Rundtour durch den Fiery Furnace führt. Wir entdecken einen Arch, kleine Canyons, nochmal einen Arch und eine diverse Felsspalten und Felsformationen. Mit unserem GPS ausgestattet stellen wir am Auto zurück fest, dass wir immerhin 10.5km gelaufen sind, einen halben Tag im Furnace verbracht haben und trotzdem nur einen Bruchteil sehen konnten.

Auf der Rückfahrt nach Moab stoppen wir noch schnell um vom Upper Lookout einen Blick auf den Delicate Arch aus der Ferne zu erwischen. Es windet richtig heftig und wird unangenehm kalt, die Wolken sind im Laufe des Tages ebenfalls immer dichter geworden. Die Wettervorhersage hat damit leider wieder recht, denn über den Westen zieht eine Kaltfront mit Regen, Schnee und deutlich kälteren Temperaturen. Die ersten Ausläufer davon haben uns seit dem Mt. Whitney verfolgt und nun eingeholt. In Mammoth Lakes, wo ich noch Tage zuvor im T-Shirt geschwitzt habe, liegen 60cm Neuschnee und wie es auf dem Mt. Whitney Gipfel aussieht mag ich mir nicht vorstellen.

Auf der Fahrt zurück nach Moab hat Michi festgestellt, dass sein IPad nirgends zu finden ist, vermutlich haben wir es im Motel liegen lassen. Daher ist der erste Stopp natürlich das Roadway Inn, allerdings ist dort weder etwas abgegeben worden noch wurde etwas beim Putzen gefunden. Im Motelzimmer selber ist das Ipad ebenfalls nicht aufzufinden. Nach Kaffeedrücker, Sonnenbrille jetzt also die nächste Steigerung...

Diese Nacht verbringen wir nach einem leckeren mexikanischen Essen in Miguel's Baja Grill im Motel 6, das ist günstiger als das Rodway Inn liegt dafür aber auch nicht so zentral. Warm ist es allermal und trocken und wir machen das Übliche: HGTV gucken.

06.10.2011

Wie ist wohl das Wetter heute? Genau, so gut oder schlecht wie am Tag davor wobei wenn ich mir das richtig überlege es ist schlechter. Liegt aber vielleicht auch daran, dass im Motel 6 das Frühstück nicht wirklich zur Verbesserung der Laune beiträgt. Dann noch dunkelgraue Wolken am Himmel und dicker Schnee auf den La Sal Mountains. Egal, es gibt ja kein schlechtes Wetter sondern nur die falschen Klamotten. Genau nach diesem Motto packen wir uns für die Tour zum Double O Arch warm ein, je mehr Schichten Merinowolle desto besser. Auf der Strecke bis zum sehr bekannten Landscape Arch sind wir alles andere als allein, eine holländische und eine taiwanesische Reisegruppe knipsen um die Wette. Kaum ist man aber nur wenige Meter hinter dem Landscape Arch herrscht aber wundervolle Stille. Zu Fuß gehen und dann noch bei schlechtem Wetter schaffen wohl die wenigstens Arches Besucher. Über Felsen führt der Weg auf teilweise sehr exponiertem Gelände in Richtung des Double O Arch, die Wolken werden blaugrau und es ist inzwischen windig und deutlich kälter. Als wir den Navajo Arch erreichen fängt es bereits an zu nieseln, Donner und Gewitter lassen uns überlegen ob wir wieder zurüeck zum Parkplatz sollen oder weitergehen. Da wir ja nicht aus Zucker sind geht es weiter, als wir den Double O Arch erreichen bricht über uns ein Schneelgraupelschauer herein, der in wenigen Minuten den kompletten Boden in ein weißes Meer verwandeln. Über den Priminitve Loop machen wir uns über echten Slickrock auf den Rückweg, leider stimmt es schon dass der Slickrock nur wirklich rutschig ist wenn er nass ist. Das größte Hindernis war ein inzwischen mit Wasser voll gelaufenes Hindernis, das nur dank dicken Ästen überwindbar war. Kurz vor der Kreuzung mit dem Hauptweg fängt es wieder an zu graupeln, wird wohl an diesme Tag nichts mehr mit dem Weg zum Delicate Arch. Zurück am Parkplatz bin ich einfach nur froh aus dem Weind heraus zu kommen, denn es ist wirklich inzwischen saukalt.

Da es auf dem Rückweg zumindest nicht mehr regnet oder graupelt legen wir noch einen schnellen Stop in der Windows Section des Arches National Park ein, schauen uns dort die Arches an bevor wir uns in Moab beim Einkaufen aufwärmen und im Super 8 Motel einquartieren. Danach schnell beim Roadway Inn fragen, ob das IPad aufgetaucht ist aber leider immer noch nichts. Im kalten Nieselregen fahren wir bei 15 Grad zum zweiten Mal in die Moab Brewery und genießen Burger und Bier. Übrigens ist die Brewery scheinbar immer voll, wir müssen zum zweiten Mal genauso lange warten wie zuvor. Die Schlange wird nicht kürzer und die Plätze sind allesamt belegt. Ob das am Bier oder den teilweise amerikanisch riesigen Portionen liegt kann ich nicht sagen.

07.10.2011

Neuer Tag und endlich raus aus Moab. Eigentlich find ich die Stadt wirklich supergut, nicht zu groß und nicht zu klein mit vielen Cafés und Restaurants, kleinen Läden und wirklich netten Leuten. Aber bei Regenwetter ist alles nach 3 Tagen ein wenig zu viel. Daher fahren wir weiter, war sicherlich nicht der letzte Stopp in Moab. Michi will auf jeden Fall mal den Slickrock Trail fahren und wenn ich mir den From here to Wow Führer anschaue gibt es noch richtig vielen Touren in der Gegend, die sich mehr als nur ein wenig interessant anhören. Über den Highway erreichen wir in gut anderthalb Stunden den Needles District des Canyonlands National Parks. Schon am Parkeingang erfahren wir, dass der Campground leider ausgebucht ist und wir bei der Needles Outpost unser Glück vesuchen müssen. Im Nachhinein keine schlechte Alternative, das wird schon klar als ich mit der Besitzerin zum ersten Mal rede. Die Frau ist ca. 1,50m groß kämpft in der Fliegegewichtsklasse und spielt für ihr Leben gern Tennis. Den Namen Anja findet sie total klasse, weil er russisch klingt und ja die Russinen super Tennis spielen. Die empfiehlt mir Platz Nummer 3 am Ende des Loops, da hat man seine Ruhe und privaten Zugang zum Felsenklettern. Nach kurzer Patzbesichtigung nehmen wir die Nummer 3 - Campingstühle krieg ich gleich mit dazu, dann gibt es noch Wetterbericht und Fakten zum Thema Tennisplatzbau in den "fucking desert, too much dust whirling around". Die Frau ist klasse... Übrigens kann man gleich auch Duschmarken kaufen, der Waschcontainer ist im Vergleich zu den Außentemperaturen wohlig warm und absolut sauber. Für uns steht aber noch eine kleine Tour auf der Tagesordnung und zwar der Peekaboo Trail. Der wird im Wow Führer als absolutes Muss aufgeführt, die Beschreibung hört sich absolut interessant an und so machen wir uns auf den 16km langen Weg. Leider muss ich sagen, dass der Peekaboo Trail schon ganz nett ist, aber interessant ist anders. Es geht dauerhaft über Slickrock über Felsen, bis auf 2 Leitern nichts Aufregendes. Aber für den nächsten Tag wollen wir den Chesler Park Trail machen, den kennen wir bereits von einem vorherigen Urlaub und sagen uns daher, ist nett hier aber nochmal müssen wir das nicht machen. Absolut nervig und daher erwähnenswert war eine Bekanntschaft auf dem Hinweg und zwar mit einem völlig durchgeknallten Ami mit Missionieranspruch. Die Sache fing eigentlich ganz harmlos an "Hi how are you?", "Great hike..." und so weiter. Leider hab ich beim Small Talk nicht schnell genug die Kurve gekriegt und dann kam die Frage, mit der das Drama anfing: "Do you believe in god and angels?" - "Äh ne, eigentlich net..." "Jesus saved me and I see angels everywhere" ok....ich seh keine, ich seh nur Wolken. Es geht dann aber weiter über den Verlust des Glaubens in der Welt und vor allem in Deutschland und Europa, dass die jungen Leute ja keine Engel mehr sehen (da höre ich die schon laut singen) und dass es ja die Bibel für sich entdeckt hat. Die zitiert er die ganze Zeit und endet jedes Zitat mit "you know what I mean" und "angels are here right now". Nachdem er mir eine Visitenkarte mit Bibelspruch für den weiteren Weg mitgegeben hab, konnten wir uns dann nach gut 20 Minuten losreißen. Ich muss absolut an meinen Small Talk Künsten arbeiten, das übersteh ich nicht nochmal.

Ach ja, das Ende des Peekaboo Trails ist eine Felswand mit Handabdrücken, dort gibt es auch gleich einen Campground denn man kann auf der Route auch gute Backpackingtouren machen. Trotz des kalten Wetters und mieser Wetteraussichten sind einige Leute unterwegs, auch viele unserer Nachbarn aus der Schweiz. Bevor ich es bis zum Auto schaff, hol ich mir mal wieder nach einem Aurutscher blaue Flecken (und das grade als mein Hintern nicht mehr vom Whitney grün und blau ist, mit einem 12kg Rucksack hinfallen ist keine gute Idee) und bin ein klitzekleines Bissle genervt als wir wieder am Auto sind. Der Abend am Campground ist alles andere als gemütlich, wir haben Temperaturen um die 0 Grad und Essen im Auto, draußen ist es zu windig. Mir geht es erst richtig gut, als ich in meinen Schlafsack eingewickelt bin und müde einschläfe.

08.10.2011

Ein Blick hoch zum Himmel stellt die Tagestour gleich in Frage, es sieht stark nach Regen aus und die Temperaturen sind noch immer viel zu niedrig. Nachdem wir alles im Auto verstaut haben gebe ich die Cmapingstühle zurück und verabschied mich von der Besitzerin mit den Tennisambitionen. Der Wetterbericht für den Tag sieht wirklich nicht gut aus, es soll Regnen und in höheren Regionen sogar schneien. Daher wird es wohl nichts mit dem Chesler Park, wir fahren trotzdem zumindest zum Trailhead schauen skeptisch zum Himmel und fahren wieder zurück. Ein kurzer Stopp am Newspaper Rock und dann ab auf die Country Road 136 (die auf unserer Karte nicht mal eingezeichnet ist) und rein in den Nebel. Die Straße windet sich erst einmal kontinuierlich nach oben, es wird ständig kälter bis wir dann die 0 Grad auf dem Thermometer ablesen können. Rechts und links Schneefelder machen nicht grade Urlaubsstimmung sind aber schon mal ein Vorbote des deutschen Winters, an den wir uns ja auch gleich mal gewöhnen müssen immerhin ist Oktober. Die Straße endet in Blanding und ist für mich eine "Deer Road" denn alle Nase lang standen Rehe entweder an der Straße oder auf der Straße. Kaum wieder in tieferen Gefilden angekommen klettert das Thermometer in der Sonne auf sage und schreibe 15 Grad. Weiter geht die Fahrt über Bluff und Mexican Hat in Richtung Monument Valley. An der Straße stehen ie verlassenen Verkausstände der Navajo und um dem Trubel im Monument Valley zu entgehen fahren wir einen kleinen Umweg durch das Valley of the Gods. Es nieselt mal wieder, daher ist das Farbenspiel nur sehr gedämpft aber immer noch kann das Valley of the Gods mit dem Monument Valley mithalten. Für den Schwaben ist es sogar die bessere Alternative, kostet nämlich keinen Eintritt! Einige Plätze entlang der Straße sind von Campern belegt, die sich unter Plastikplanen zurammenrotten um trocken zu bleiben. Weiter vorbei an der Einfahrt zum Monument Valley (wie Disneyland) fahren wir nach Page Arizona, dem Ziel des heutigen Tages. Wetterbedingt quartieren wir uns wieder mal in einem Motel ein, es wird wie im letzten Jahr die Travellodge. Das Zimmer im ersten Stock ist ok, die Nachbarn warnen uns zwar vor "dreckigen" Laken aber beis uns ist alles in Ordnung. Unser Abendessen holen wir uns im Safeway, wo sich busweise deutsche und japanische Touristen durch das Angebot wühlen und teilweise ganze Gänge verstopfen. Mit HGTV wird der Abend wie immer langweilig gemütlich, wir hoffen dass sich die Wolken endgültig verziehen denn wir haben für den Folgetag was größeres vor.

09.10.2011

Auf dem Weg in den Frühstücksraum sehen wir nur den blauen Himmel, sieht so aus als wäre die Schlechtwetterfront nun endgültig in Colorado angekommen und vermiest uns somit unsere weiteren Pläne nicht mehr. Nach einem durchschnittlich guten Motelfrühstück fahren wir daher in Richtung der Grenze von Utah und dann auf einem kurzen Hike zu den Toadstools. Der Trailhead für den 30minüten Weg liegt direkt am Highway 89 und ist auch wenn man es von der Straße aus nicht vermutet absolut empfehlenswert. Die Farben sind abartig und die bizarren Formen der Toadstools einige Fotos wert.

Unser eigentliches Ziel liegt aber an der Houserock Valley Road und dort genau der Wirepass Trailhead. Denn wir wollen nachholen, was wir letztes Jahr verpasst haben - Buckskin Gulch. Aufgrund der Zeit und Wetterverhältnisse wird es ein relativ kurzer maximal 5.5h langer in and out hike aber schon nachdem wir wenige Meter im Buckskin sind ist klar, das wird richtig gut und Neoprensocken sind eine hervorragende Erfindung. Der Buckskin Gulch ist DEr Slot Canyon schlechthin, normalerweise wird er in mehr als einem Tag durchquert und hat das ganze Jahr über Wasserlöcher als Hindernis zu bieten. Genau darum kann ich Euch die Neoprensocken und Keens empfehlen, Wanderschuhe sind zu schade und die Neoprensocken halten auch die nassen Füsse warm. Den Buckskin auf Fotos zu bannen ist unmöglich, die Farben, Formen und die Atmosphäre kommt auf keinem Foto auch nur annähernd heraus. Immer wieder wechseln sich extrem enge Abschnitte mit weiten ab. Der Sonneneinfall taucht alles manchmal in grellrotes Licht, ab und an dringt fast kein Sonnenstrahl an die von den Wassermassen ausgewaschenen Canyonwände. Ich habe Bilder in Büchern gesehen, viele Beschreibungen gelesen und Michi teilt meine Begeisterung vermutlich nicht zu 100%. Wer micht aber fragt, dem kann ich nur sagen, dass der Buckskin ein Erlebnis ist, das man nicht vergisst und das ist gerne jederzeit wiederholen würde. Gerne auch mit Rucksack und mit ein oder mehreren Übernachtungen.

Die Wasserlöcher stoppen uns nicht, meistens sind diese nicht mehr als knietief. Es ist irgendwann einfach Zeit umzudrehen, auch wenn wir mehrfach sagen dass wir nur noch um die nächste Ecke schauen wollen. Der Rückweg ist schneller als der Weg hinein, einfach weil man an einigen Stellen den richtigen Weg schon kennt und sich das Suchen spart. Teilweise auch weil ich nicht mehr alle 2m ein Foto machen muss. An der Kreuzung mit dem Wirepass befinden sich an der großen Canyonwand einige Felszeichnungen und Gravuren mit Menschen und Tieren. Im Wirepass selber habe ich mein erster "Kletter" Erfolgsrelebnis, denn vor uns versuchen sich an einer Stelle 3 Damen schon einige Minuten. Mir selber war beim Weg nach unten ein wenig mulmig (wie soll ich denn da wieder hoch...) aber oh Wunder, das ist kein Problem und innerhalb weniger Sekunden steh ich oben. Die Damen selber kommentieren nur mit "we hate people like you, why is that so easy for you?". Mit frisch gewaschenen Füßen fahren wir dann die wenigen Kilometer bis zum Stateline Campground, auf dem nun alle Plätze mit Sonnendächern ausgestattet sind. Nicht so prickelnd find ich das neu aufgestellte Schld "Attention Rattlesnakes" direkt am Klohaus. Ich hab zwar weder eine Rasseln gehört noch gesehen, aber solche Schilder bringen meine Fantasie meistens zum Überlaufen. Wir genießen noch die wenigen Sonnenstrahlen, bevor sich die Sonne hintern den Hügeln verabschiedet. Kaum ist sie weg wird es schnell richtig kalt, so dass ich alle 10 Minuten eine neue Schicht Klamotten überwerfe. Den Abend übersteh ich nur dank unseres knisternden Lagerfeuers, genieße aber den Blick in einen sternenklaren Himmel.

10.10.2011

Kaum ist die Sonne über die Hügel gekommen sind wir weg, es ist einfach zu ungemütlich für ein langes Frühstück und immerhin haben wir heute noch einiges an Fahrstrecke vor uns. Auf der Houserock Valley Road geht es erst einmal zurück nach Page, von dort dann in Richtung Grand Canyon south Rim. Dort kommen wir dann auch nach einigen mehr oder weniger interessanten Kilometern auch nach circa 2 Stunden an. Es ist nicht wirklich warm und mir gruselt ein wenig vor der Nacht. Aber es ist eine der letzten Möglichkeiten zu campen und das auf einem der nettesten National Park Campgrounds, dem Desert View Campground an der östichen Parkeinfahrt. Es gibt Plätze en masse, immerhin campen nicht wirklich viele bei nächtlichen Termperaturen von unter Null Grad. Völlig fertig hat mich allerdings der Automat gemacht, an dem man sich registrieren muss und der dann das Zettelchen zum an den Platz hängen ausspuckt. Ein Automat - der spricht. Er fragt nach Autokennzeichen, Länge des Aufenthalts, divesem anderen und schreit einen nach Drillmaster-Art richtig gehend an. Ich hatte den Zettel in der Hand und Lachtränen in den Augen, Du stehst auf einem Campground ohne Duschen und das vor einem sprechenden Automate. Michi hat später rausgefunden, dass das Ding sogar mehrere Sprachen spricht, es aber weder mit richtiger Übersetzung noch Grammatik so wirklich hat. Unsere Nachbarn mit Golden Retriever haben nach dem dritten Versuch fast aufgegeben, dann aber mit Hilfe eines Rangers ihren Registrierungszettel doch noch aus dem sprechenden Ding bekommen. Kaum am Grand Canyon angekommen bemerkt man auf der Straße in Richtung Village erst mal, wie viele Touristen unterwegs sind. Bisher waren wir nicht an den überlaufenen Orten im Westen aber hier am Grand Canyon treffen alle aufeinander. Massig Chinesen, Franzosen, Deutsche und Japaner. Diesmal war der Wow Faktor aber bei mir nicht so hoch wie die zig Male davor, klar mach ich trotzdem noch jede Mege Fotos und ja es ist trotzdem irre den Canyon wieder zu sehen. Aber die Massen dieses Mal waren mir absolut zu viel. Von Viewpoint zu Viewpoint haben wir uns vorgearbeitet und schlussendlich in der Nähe der Grand Canyon Lodges das Auot geparkt um einige Meter auf dem Rim Trail zu laufen. Und siehe da, kaum muss man sich bewegen wird es mit jedem Schritt ruhiger und kaum haben wir die ersten 3km hinter uns sind wir allein mit 2 fressenden Rehen am Rande des Grand Canyon. Um den Sonnenuntergang am Desert View nicht zu verpassen, nehmen wir nach knapp 6km den Bus zurück zu unserem Auto, kaufen noch schnell im voll ausgestatteten Supermarkt ein bisschen Vorrat für die nächsten beiden Tage ein (vegetaritsches Beef Jerk - YUMMIIIIIIIIIIIE) und machen uns auf den Rückweg. Es dämmert schon als wir das Auto am Platz abstellen und es ist empfindliche kalt geworden. Eingemummelt in Michis Jacke (ein Hoch auf neuseeländische Schafe) gehen wir die paar Schritte an den Canyonrand und genießen die letzten Sonnenstrahlen, die den Himmel in unwirkliche Farben tauscht.

Der Abend wird nicht mal halb so kalt wie gedacht, Michi verfeuert unser restliches Holz und ich sitze zurfrieden auf nem Baumstamm und wünsche mir nichts mehr, als noch einige Wochen jeden Abend am Feuer sitzen zu können und in der Natur zu sein. Leider sind es nur noch wenige Tage bis auch dieser Urlaub zu Ende geht. Über uns glitzern Sterne auch noch als wir schon lange zufrieden in den warmen Schlafsäcken liegen.

11.10.2011

Wir müssen ein wenig auf die Zeit achten, denn wir haben in diesem Urlaub eine letzte Rechnung mit dem schlechten Wetter des Vorjahres zu begleichen. Auch da hatten wir bereits eine Reservierung für den Campground in der Havasupai Indian Reservation. Allerdings haben 2010 heftige Regenfälle den Campground und das ganze Tal in eine einzige Schlammlandschaft verwandelt, es mussten Leute notevakuiert werden, so dass der Trip buchstäblich ins Wasser fiel. Dieses Mal war auch die Reservierung nicht einfach, ich hing mindestens 3 Mal bei mieser Countrymusik in der Warteschleife bis ich endlich mal dran kam. Wer ohne Reservierung in Supai Village ankommt zahlt gleich mal das Doppelte des normalen Tarifs. Auch der ist nicht wirklich günstig, pro Person werden 17 Dollar Campinggebühr und sage und schreibe 35 Dollar Eintritt fällig. Dazu dann noch 5 Dollar Environmental Fee pro Kopf fällig, so dass die Sache schon ein wenig teurer als andere Ausflüge ist. Dafür ist Havasupai als Paradies im Canyon bekannt, die Wasserfälle stechen durch ihre schillernden Farben heraus und selbst in Filmen wird Supai Village gerne als Drehort genutzt. Der Start am Hualapai Hilltop ist 60 Meilen vom Highway 66 entfernt - vom Grand Canyon Desert View bis dorthin also gute 4 Stunden Fahrt. Es gibt durchaus eine Abkürzung über nicht asphaltierte Straßen, die hinter Tusayan nach rechts abzweigen, da wir aber keiner Ahnung haben wir der Zustand der Straße ist, nehmen wir lieber die Highways. Auf der Fahrt zum Hualapai Hilltop begegnen uns nur wenige Autos, das ändert sich schlagartig als wir am Ende des Straße am Parkplatz ankommen. Es reihen sich Lastwagen, Pferdeanhänger und Pick Ups aneinander und es ist wirklich richtig gerammelt voll. Das fängt schon idylisch an und geht auch so weiter, nachdem wir aus dem Auto ausgestiegen sind. Wir parken vor einer kleinen Pferdekoppel, es mieft nach Pfereäpfel zum Würgen und die erwartete Idylle in meinem Kopf passt nicht so recht zur Realität- Wir packen unsere großen Rucksäcke mit allem, was wir heute und morgen brauchen und fangen schnell an zu schwitzen. Die Sonne brennt, die kurzen Hosen werden aus den tiefen des Wagens ausgegraben (haben wir schon lange nicht mehr gebraucht) und ab geht es in den Tiefe. Ach nein, vorher muss ich noch die hübsch aufgereihten Dixie Klos und ihre dezentes Aroma erwähnen und eine Familie, die stolz war nach 5 Stunden wieder am Parkplatz angekommen zu sein. Für alle Faulen gibt es den Transportservice der Supai Indianer, entwerder wird nur das Gepäck oder der Tourist samt Gepäck auf dem Pfererücken die 8 Meilen bis ins Dorfund zurück gekarrt. Kostet natürlich wie alles andere in Supai fast nichts... Uns tragen die Füße und Beine erst einmal in Switchbacks in die Tiefe, wir überwinden recht schnell die Höhenmeter und laufen anschließend fast die komplette Zeit im Havasupai Canyon, der anfangs noch recht breit ist aber immer enger und interessanter wird. Zwischendrin werden wir immer wieder von Pferdekolonnen überholt, der komplette Canyon müffelt nach Pferd. Die Kolonnen transportieren nicht nur Rücksäcke und fette daule Amis, nein fast in jeder Kolonne trabt das Chips Pferd mit vollgepackten Kartons Taco und Dorito Chips ins Tal. Dazu Cola Dosen, Marshmallows und Kekse. Die Ernährung im Tal ist leider nicht die beste, was man auch in den körperlichen Ausmaßen der Bewohner von Supai recht schnell sehen kann.

 Für den Weg bis ins Dorf, insgesamt 8 Meilen, brauchen wir trotz vollen Rucksäcken nur zweieinhalb Stunden. Die 800 Höhenmeter gehen trotzdem auf die Beine und der erste Stopp führt uns in einen kleinen Laden am Ortseingang, MIchi will inbedingt Eis kaufen. Erstaunlicherweise kosten die Lebensmittel nur unwesentlich mehr als im Supermarkt und das obwohl alles auf den Pferderückens hierher transportiert werden muss. Durchs Dorf, vorbei an Stacheldrahtzäunen und immer mit Pferdegeruch in der Nase geht es weiter zum Visitor Center, hier muss erst einmal der Eintritt und alles andere bezahlt werden. Kreditkarten sind natürlich herzlich willkommen. Ausgestattet mit kleinen Permitzettelchen, die am Rucksack und Zelt befestigt werden müssen, laufen wir vorbei am Supermarkt, der Diabetesstation, Kirche und Lodge weiter zum Campground. Der ist 2 Meilen vom Dorf entfernt und die Strecke zieht sich wie Kaugummi, meine Füße tun weh und ich bin vom Gestank und Dreck total enttäuscht. So hatte ich mir das alles irgendwie nicht vorgestellt. Einen ersten Vorgeschmack auf die Attraktion von Supai bekommen wir, als die Navajo Falls in Sicht kommen. Alles ist grün, das Wasser ist türkis und besser wird es eigentlich nur an den Havasu Falls. Kalkterassen, weiß und türkis und dazu das rot der normalen Felsen. Gleich hinter den Falls beginnt der weitläufige Campground, eigentlich reihen sich entlang des Flusses einfach wahllos Bänke. Wer eine freie erhascht, der schlägt schnell sein Zelt auf und markiert sein relativ kleines Revier. Es ist unangenehm voll, überall sind Menschen und von Idylle kann keine Rede sein. Viele haben sich schon häuslich eingerichtet und bleiben mehrere Nächte auf dem Campground, baden in den Pools oder laufen weitere 12 Meilen bis zum Colorado River. Unser Trip besteht nur aus einer Nacht, wofür ich ehrlich gesagt an diesem Abend sehr dankbar bin. Ja, die Wasserfälle sind wirklich schön aber ich kann nicht erklären wieso, die Atmosphäre gefällt mir nicht und ich fühl mich absolut nicht wohl hier. Michi geht es nicht wirklich anders. Die Klohäuser sind rechts und links des Flüsschens auf höherem Gelände, werden aber so ziemlich von keinem wirklich benutzt. Man sieht die Nachbarn immer wieder im Gebüsch verschwinden, das trägt nicht wirklich zum Wohlfühlfaktor bei. Dank eines frei grasenden Pferdes wird auch der Geruch nach Pferemist intensiver, denn das liebe Tier frisst nicht nur vor unserer Zelttüre sondern kackt auch erst mal brav dorthin. Der Abend ist relativ kurz, unsere Nachbarn sind noch teilweise bis um 2 Uhr morgens mit Trinken beschäftigt.

12.10.2011

Aufstehen und Frühstück machen, wie auf dem Mount Whitney gibt es wieder Instant Oatmeal, diesmal aber schmeckt es deutlich besser. Das Zelt bleibt fürs Erste zum Lagern der Rucksäcke stehen, wir machen uns auf den relativ kurzen Weg zu den Mooney Falls. Die liegen eigentlich genau hinter dem Abschnitt, auf dem die Campingplätze angelegt sind. Je weiter man zu den Fällen kommt, desto leerer wird es und ich könnt mir in den Hintern beißen, dass wir am Vorabend nicht bis hierher gelaufen sind. Die Sonne scheint noch nicht komplett ins Tal, man spürt aber schon die Stärke der Sonnenstrahlen auf der Haut. Die Mooney Falls haben für mich absoluten Highlight Charakter und ich hätte nicht erwartet, so begeistert zu sein. Allein der Weg nach unten ist ein absolutes Abenteuer und auch für Höhenangstler wie mich machbar. An den Mooney Falls scheint sich der Fluss einen Weg durch Kalksteinhöhlen gebrochen zu haben. Das freigelegte Höhlensystem erscheint wie ein geöffnetes Labyrinth, durch das mansich  in mehreren Stufen und auf teilweise glitschigem und sehr steilem Fels nach unten hangelt. Außer uns ist kein Mensch unterwegs und wir haben den Weg und auch die Falls erst mal für uns. Die Farben des Wassers scheinen surreal, vor allem wo die Sonne scheint. Milchig türkis fließt das Wasser, dem man bis zur Mündung in den Colorado River folgen kann. Wer das vor hat, braucht mit Sicherheit mindestens 2 Übernachtungen und daher ist das für uns nichts. Allerdings würde es mich in dem Moment, in dem wir unten stehen schon sehr reizen. Statt dessen wollen wir uns auf den Rückweg machen, was allerdings dauert. Denn von oben strömen Menschen über den Weg nach unten und das ganze ist absolut eine Einbahnstraße. Teilweise schieben sich da Leute runter, bei denen akute Feststeckgefahr besteht, irgendwie schaffen es aber alle in einem Stück nach unten. Wir ergreifen eine Menschenlücke und klettern nach oben, das geht deutlich schneller als nach unten. Von oben betrachtet sind die Mooney Falls teilweise noch beeindruckender als von unten, man kann sich bis an die Wasserfallkante heranwagen. 

Zurück am Zelt wird alles zusammengepackt, die Rucksäcke geschultert und wir machen uns auf den langen Rückweg bis zum Hualapai Hilltop. Der Weg vom Campground in Richtung Dorf führt direkt an den Havasu Falls vorbei, bekannt für die Kalkterassen, in denen sich massig Leute im Wasser treiben lassen. Ein herrlicher Platz, wenn er nicht so überlaufen wäre und wenn es nicht auch hier nach Pfer stinken würde. Nur circa einen Kilometer weiter erreicht der Weg die Navajo Falls mit ihern hängenden grünen Gärten, ein herrlicher Kontrast zu den tiefroten Felswänden.

Am Dorfeingang passiert dann, was nicht passieren soll. Michi wird am Bein von einer Biene gestochen und das gute 9 Meilen von unserem Auto entfernt. Die Viecher sind extrem aggressiv, ich renn erst mal schnell weg denn ich hab auf Monsterschwellingen und Atemnbeschwerden echt keine Lust. Michis Stich macht mir Sorgen, was wenn das Ding anfängt zu schwellen oder er sonstwie allergisch reagiert? Im Supermarkt kaufen wir Eis, das kriegt Michi aufs Bein aber auch das zieht wieder Bienen an und wir rennen wieder den Weg entlang. Am Supermakrt hab ich dann noch ein nettes Blatt Papier gesehen "Warning, there are aggressive beeds close to xxx house, stay away." Schön, woher soll ich denn wissen wo das Haus von xxx ist und es gibt keinen anderen Weg zum Campground. Michi hält sich tapfer und bis auf einen Kreis um den Stich herum sieht nichts geschwollen aus. Der Rückweg ist heiß und schweißtreibend, ich bin um meine knapp 3 Liter Wasser im Wassersack mehr als froh. Wie schon beim herunterlaufen überholen uns mehrfach Pferdekolonnen, voll bepackt mit Chips und Cola. Nur wenigen Wanderern begegnen wir auf dem Weg zum Hilltop, das irritiert mich angesichts der Menschenmassen in Supai schon ein wenig. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Heli ins Dorf zu fliegen damit man sich die Latscherei spart. Ich find es geht, wir überholen kurz vor dem letzten steilen Stück sogar noch ein paar Leute. Langsam aber ohne Pause läuft es sich am allerbesten und das lässt auch noch genug Luft für einen Small Talk mit Chuck, der totale Havasupai Freak. Er kommt jedes Jahr für mindestens 3 Nächte hierher und sagt uns, wir könnten doch in einer Nacht nicht mal ansatzweise die Atmosphäre uns uns aufgesogen haben. Ich verkneif mir jeglichen Kommentar europöischer Art und denk mir nur, dass ich den Duft von Havasupai auf jeden Fall mit jedem Schritt einsauge. Dafür brauch ich nicht noch mehr Zeit. Nach nur dreieinhalb Stunden erreichen wir das Auto und ds trotz stechender Sonne auch noch ohne Sonnenbrand. Die Rucksäcke sind schnell verstaut, kurzer Stopp am Dixiehaus und danach heißt es fahren, fahren. Es ist schon dunkel als wir uns in Kingman ein günstiges Motel suchen, in dem wir vor Las Vegas mal grob ausmisten können. Die Temperaturen sind angenehm warm, das macht Hoffnung in den letzten Tagen noch ein bisschen Wärme zu tanken. Das Abendessen im Denny's ist ne einzige Katastrophe, erst mal dauert es Stunden bis wir was zu trinken kriegen, dann kriegen wir nur die Hälfte von dem was wir bestellt haben und das Essen ist dann auch noch kalt. Aber naja, in Las Vegas gibt es dafür sicherlich was Leckeres.

13.10.2011

Mit halbwegs ausgemistetem Auto fahren wir von Kingman in Richtung Las Vegas, die Strecke ist ziemlich unaufregend aber sind ja auch nur 2 Stunden Fahrt. Da Michi sich bei REI im Online Store eine Jacke zur Abholung im Las Vegas Store bestellt hat, ist REI in Boca Park unser erster Stopp in Vegas. Während Michi versucht seine Bestellung zu kriegen finde ich neue Keens als Ersatz für meine im Buckskin ziemlich ramponierten. Die sind schon reduziert und mit meiner REI Karte gibt es nochmal 40% Rabatt. Leider bin ich die einzige, die an dem Tag mit einer Tüte aus dem Laden geht, denn Michis Jacke ist noch nicht da - also müssen wir morgen oder übermorgen nochmal her. Gut es gibt Schlimmeres, daher weiter zum nächsten Shopping Anlaufpunkt. Das Premium Outlet Las Vegas ist immer einen Stopp wert, nicht nur wegen den vielen Shops sondern auch wegen des Makino Sushi Ladens. Bepackt mir diversen Tüten (oh je, hoffentlich will der Zoll nix von mir) fahren wir dann unser Hotel in Vegas an. Im letzen Jahr waren wir ja im Aria, diesmal testen wir das Cosmopolitan, vor allem weil die Zimmer Balkone haben. Parkhaus zu finden ist kein Thema, aber wo um alles in der Welt ist denn wieder mal die Rezeption? Quer durchs Kasino irren wir, finden aber schlussendlich dann doch noch den Check In Schalter. Sehr netter Empfang, allerdings kann die Dame mit der Antwort auf die Frage, wo wir denn die letzten Tage verbracht haben nichts anfangen. Sie wünscht uns aber viel Spaß beim Shoppen, denn das sei doch viel schöner als so Outdoorurlaub. Wieder zurück und den East Elevator finden, auch das leichter gesagt als getan aber mit nur einmal verlaufen schaffen wir auch das. Der Aufzug bringt uns in magengefährlicher Rekordzeit in den 56. Stock. Auf den ersten Blick ist das Zimmer der Hammer, kleine Küchennische uns dazu ein separater Wohnbereich mit Flachbildschirm. Im Durchgang zum Schlafzimmer befindet sich der Eingang zum Bad und ein kleiner Ankleidebereich. Das Schlafzimmer hat direkten Blick ins Bad und auf die japanische Badewanne. Von der aus hat man genau wie vom relativ großen Balkon aus einen super Blick auf Las Vegas und den Airport. Das Hotel ist grade mal ein Jahr alt und beim zweiten Blick, den wir beim Koffen auspacken riskieren, sieht man allerdings wie ramponiert das Zimmer eigentlich ist. Frisch geduscht werf ich mich in meine neuen Klamotten und wir laufen den Strip hoch bis zum Mandalay Bay. Michis kulinarische Checkliste führt uns in die Burger Bar, eigentlich erwart ich mir davon nicht viel aber wenn Michi unbedingt hin will ok. Der Laden an sich ist ganz nett und sehr entspannt, die Bedienung supernett und das Sierra Nevada Pale Ale kalt und lecker. Übrigens hab ich in diesem Urlaub vermutlich mehr Bier getrunken als je zuvor. Das liegt aber einfach am Pale Ale, schmeckt ein bisschen wie Qingdao Bier - mild und nicht zu bitter, dazu ein wenig süß. Meine Meinung zur Burger Bar ändert sich aber schlagartig, als ich meinen ersten Bissen von meinem Built Your Own Veggie Burger nehme. Gott ist der gut und die Konsitenz und saftig, einfach lecker! Normalerweise bin ich ja ein treuer Anhänge der australischen Roadhouse Burger mit roter Beete und eigentlich kriegt man als Vegetarier in USA keine vernünftigen Burger. Aber in der Burger Bar schon! Michi gönnt sich einen abgefahrernen Wagyu Beef Burger mit Gänseleber. Das Dessert kriegt er bei seiner Luxusauführung gratis dazu, auch das sehr lecker wenn man Doughnuts mag. Mit ziemlich prall gefülltem Bauch stapfen wir zurück ins Hotel und versinken in den Federkissen bei Property Brothers auf HGTV. Ups, jetzt hab ich doch fast Michis Highlight vergesen, denn irgendwann saßen wir am Nachmittag auf unserem Balkon und unten auf dem Las Vegas Boulevard war plätzlich ein Höllenlärm, die Polizei hatte die Straßen abgesperrt und es qualmte auf der Straße. Indy Cars flitzten mit qualmenden Reifen über den Boulevard. Das ganze Spektakel haben wir auf dem Weg zum Mandalay Bay dann aus er Nähe nochmal beobachten können.

14.10.2011

Viva Las Vegas - und wir kann man besser in den Tag starten als mit einem Buffet im Hotel? Das Wicked Spoon soll ja angeblich laut Trip Advisor und diversen anderen Seiten das allerbeste in der ganzen Stadt sein. Das Schlange stehen geht recht schnell, gehört ja bei den Buffets zu allen Tages- und Nachzeiten dazu. Die Preise find ich recht hoch, allerdings gibt es kein reines Frühstücksangebot und man muss sich für die Brunch Variante entscheiden. Bei der ist ein Glas Sekt oder ein Drink inklusive. Die Auswahl am Buffet find ich insgesamt nicht so wirklich gut, keinerlei Müsli und nur wenig frische Früchte. Dafür aber Stau an der Eierstation und kalte Pancakes. Insgesamt bin ich um ehrlich zu sein schon ein wenig enttäuscht. Das gilt auch für den Zimmerservice, denn nachdem das Zimmer nach dem Brunch gemacht ist sind auch Duschgel und Bodylotion verschwunden, selbst nach einem Anruf beim Housekeeping wird nichts aufgefüllt. Aber egal, draußen scheint die Sonne und der Strip ist auch beim x-ten Mal noch interessant. Wir laufen vorbei am Bellagio, dem Caesar's Palace bis zum Treasure Island und Venetian. Die Fashion Show Mall wird natürlich ebenfalls wieder abgelaufen, immerhin braucht Michi ein neues Ipad und ich gönn mir einen neuen Ipod Nano. Vor dem Store stehen sich die Leute fürs das eben erschienene Iphone 4.0 die Beine in den Bauch, als gäbe es kein anderes Handy. Mit Clinique Reserven für das nächste Jahr laufen wir nach einem Kaffee bei Starbucks wieder gemütlich zurück zum Hotel. Da wir ein bisschen faul sind entschließen wir uns am Abend nochmal ins Wicked Spoon Buffet zu gehen, was sich als absoluter Fehler herausstellt. Das Essen ist genau gleich wie beim Brunch, meistens lauwarm und mindestens 3 Mal lass ich Sachen lieber stehen weil der Geschmack echt eklig ist. Nicht mal bei den Desserts gibt es große Auswahl, einzig der Cheesecake ist gut. Insgesamt also lieber Finger davon - es gibt mit Sicherheit deutlich bessere Buffets in Vegas und dann doch lieber ein Burger in der Burger Bar. Wir genießen draußen noch ein wenig den Abend, schauen beim Bellagio die Wasserspiele an und laufen noch ein wenig planlos den Stip entlang.

15.10.2011

Nach dem Debakel mit den Buffets gibt es heute noch wenig Frühstück. Ich will nämlich gar nichts aber Michi will beim Sonnebaden nen Muffin und nen Kaffee. Also stapf ich nach unten in eine Bäckerei direkt beim Ausgang des Aufzugs. Dooferweise haben die Idee außer mir so ziemlich alle Gäste des Cosmopolitan und so stehe ich mir fast 35 Minuten für nen überteuerten Kaffee und nen monströsen Muffin die Beine in den Bauch. Michi aalt sich in der Sonne und leider ist der Balkon zwar groß, aber die Sitzgelegenheiten reichen nur für einen. Nach dem Videocheckout verfrachten wir unsere exakt auf Gewicht gepackten Koffen (inzwischen sind es 4, mit 3 sind wir hergeflogen) in unseren Hugo und rollen in Richtung REI - nächster Versuch mit der Jacke auf der Online Bestellung. Dieses Mal ist sie sogar da und passt, damit hat es sich wenigstens gelohnt zweimal hierher zu kommen. Gleich um die Ecke gibt es noch einen Whole Foos Market, in dem wir uns dann noch ein paar Sachen für Deutschland mitnehmen bevor es auf dem Highway über die kalifornische Grenze nach Los Angeles geht. Vorbei an der Mohave Desert und rein in die Hügel um die Stadt, rein in den vorabendlichen Stau nach Camarillo, nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Wieso wir hier landen? Ganz einfach, die Premium Outlets locken einen zum Einkaufen. Die Koffer sind ja gewogen und wir wissen genau wieviel noch reinpasst. Irgendwann gibt meine Kreditkarte den Geist auf, liegt aber nicht an Überlastung sondern einfach an einem kaputten Magnetstreifen. Ich bin froh, dass das erst heute passiert und nicht am Anfang des Urlaubs. Um die Ecke finden wir sogar ein Motel, leider gibt es aber spät abends kein vernünftiges Essen mehr. Daher gibts Burger für Michi und für mich nix, daher musste er dann meine hungrige schlechte Laune ertragen.

16.10.2011 und 17.10.2011

Letzter Tag in den USA, den beginnen wir im IHOP um die Ecke von Motel. Im Nachhinein ein teure und nicht wirklich gute Wahl, denn das Essen war ok aber ich würde jedem eher einen Denny's empfehlen, da schmeckts besser. Die Stunden bis zum Abflug genießen wir, indem wir durch die Malibu Hills fahren, an der Küste mehrfach halten und uns Sand durch die Zehen rieseln zu lassen. Da wir genügend Zeit haben, reicht es für uns sogar zu einem kurzen Abstecher zum Rodeo Drive - wo wir gemütlich entlang schlendern und uns noch einen Kaffee gönnen. Eigentlich wollten wir dann noch ein letztes Mal am Venice Beach entlangschlendern, aber das es Sonntag ist gibt es keinerlei Parkplätze mehr. So begnügen wir uns mit einem kleinen Spaziergang an der Ballona Lagoon in Marina del Rey bevor wir die letzten Kilometer mit Hugo zur Hertz Station am Flughafen fahren. Wir sind früh dran und haben absolutes Glück, wir müssen nicht mit em Shuttle Bus fahren sondern kriegen eine lezte Fahrt mit Hugo direkt zum Terminal. Vermutlich haben unsere monströsen Koffer ein wenig Mitleid beim lieber Hertzler erregt und so hat er uns gleich angeboten uns zu fahren. Somit sind wir superschnell beim Check In und geben unsere Koffer auf. Schneller Klamottenwechsel (25 Grad in LA und 10 Grad in Frankfurt) und ab durch den Security Check. Eigentlich wollte ich mir dann noch was zu lesen kaufen und eventuell nochmal Duty Free shoppen aber egal wohin man schaut, es gibt eigentlich keine Läden! Außer einem Vitamin Water Automaten findet man nur völlig irrwitzig überteuerte Hot Dog Läden, einen Zeitschriftenladen mit magerer Auswahl und kein einziges Buch. Der Duty Free Shop hat zu, ein anderer ist nicht größer als ein Wohnzimmer. Ich bin genervt, mir ist langweilig und ich will nicht in den Flieger - wieder muss mein armer Mann meine miese Laune aushalten, was er mit stoischer Tapferkeit auch tut. Allerdings wird nur noch schlimmer, denn als wir in den Flieger steigen fühle ich mir in den 80er zurückversetzt. Die Sitze sind übelst durchgesessen, es gibt in der Kabine nur einen winzigen Bildschirm und meine Knie hängen in der Wirbelsäule meines Vordermanns. Das ganze dann noch auf einem Nachtflug ohne Buch und mit sowieso schon schlechter Laune. Die hob sich auch während des Fluges nur minimal, das Essen war brechreizerregend und ohne Schmerztabletten (danke an Dr. Doans Backache Tabletten) hätte ich vermutlich kein Auge zumachen können. Zehn Stunden können sehr lang sein, vor allem wenn man einfach nur aus dem Flieger raus will. Aber zum Glück geht jeder Flug auch mal zu Ende und so war ich dann schlussendlich doch sehr froh wieder in Frankfurt zu sein. Am Gepäckband hab ich dann Stossgebete zum Schmugglergott geschickt, auf dass kein Zöllner auch nur ansatzweise an uns interessiert sein mag und siehe da, meine Gebete wurden erhöht und wir standen auf einmal draußen. Schnell die Kilometer durch den Tunnelgänge bis zum Parkhaus und die Koffer im Auto verstauen. Jetzt sind wir wirklich wieder angekommen hier in Deutschland. Die Fahrt nach Esslingen über nicke ich zwar ab und an ein aber es ist nicht so schlimm wie sonst. Allerdings wäre ich jetzt schon lieber auf einem amerikanischen Highway unterwegs, am besten bei gutem Wetter irgendwie in Moab oder in der Gegend um das Goblin Valley. Die Erinnerungen bleiben und auch das Koffer auspacken am Abend hat ja was Schönes, Klamotten auspacken und Gekauftes wegräumen, die Waschmaschine füllen und in einer Brezel beißen. Leider ist der Abend kurz und wir fallen todmüde ins Bett, der Weckre klingelt aber bald wieder, denn wir müssen beide morgen wieder arbeiten. Aber immerhin kann ich das tun und mich an wunschöne Erlebnisse erinnern. Ich war auf dem höchsten Berg der USA (ok Alaska ausgenommen), stand am tiefsten Punkt der USA, habe einen der schönsten Slot Canyons der Welt gesehen und unendlich klare Sternennächste bewundert. Mein Kopf ist frei, ich fühl mich ruhig und hatte seit Tagen keinerlei Rückenschmerzen mehr (außer im Flieger). Manchmal wäre es schön, wenn dieses Gefühl dann mehr als wenige Tage anhalten würde.

19.11.2011

Das Gefühl hat wirklich nur wenige Tage überdauert, aber wenn ich die Augen schließe liege ich am Mt. Whitney im Zelt und schau in den Sternenhimmel. Manchmal sehe ich auch den Sonnenuntergang am Grand Canyon oder die nächste Kuve im Buckskin Gulch. Mein Fernweh war nur kurz weg, mit jeder Zeile dieses Reiseberichts wird es wieder stärker. Mal sehen wohin die Reise nächstes Jahr geht - Australien vielleiht?

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Der Weidenzweig wird durch die Last des Schnees nicht gebrochen.