Vorbereitung Canning Stock
Für alle, die sich auf das Abenteuer Canning vorbereiten sollen unsere Erfahrungswerte nur eine Hilfestellung geben. Natürlich kann hier nicht alles abgehandelt werden - denn Ihr müsst wissen was Ihr braucht und vor allem worauf Ihr Euch einlasst. Irgendwo hab ich den pauschalen Kommentar gelesen, wer nicht 3 Tage ohne Dusche auskommt hat auf der Canning nichts zu suchen - dazu muss ich sagen: Quatsch! Ich bin eher Anhängerin der Devise: Ladies pack your sports bra, denn den kann man sicherlich gut dank der corrugations auf der Strecke brauchen. 

Bevor es in die Detailplanung geht, würde ich jedem ans Herzen legen folgende Punkte durchzudenken und grob an die Planung zu gehen:

Mietwagen
Wir hatten wie bereits anfangs erwähnt die Auswahl zwischen Kea und TCC. Wir haben uns für TCC hauptsächlich aufgrund der besseren Ausstattung des Autos gewählt - vor allem Winde, Ersatzreifen und Jerry Cans für Wasser und Sprit. Auch der bestehende Versicherungsschutz auf der Strecke beruhigt.

Reisetage
Die Canning zu fahren heißt sich an manchen Tagen nur 60km weit zu bewegen auch wenn man Stunden im Auto sitzt - man kommt nicht vorwärts. Mit utopischen Etappen zu planen ist Irrsinn und verdirbt einem nur den Genuss genug Zeit zu haben um einfach die Wüste zu genießen und den ein oder anderen Abstecher zu machen. Wir haben auf der Strecke ein Pärchen getroffen, das 3 Wochen auf der Strecke unterwegs war. Bei uns waren es am Ende nur 13 Tage, geplant hatten wir 14. Vor allem bei der Berechnung von Wasser, Nahrungsmittelns, Medikamenten und Sprit immer Reserve einplanen. Ich hab mich an die Empfehlung des Canning Stock Route Buchs gehalten und immer mit 18 Tagen Reisezeit gerechnet. Ihr fahrt so oder so weiter und lieber zu viel zu Essen als hinterher doof in die leeren Kisten zu schauen. Im Ernstfall hängt Euer Leben davon ab.

Spritbestellung
Es gibt entgegen der Schilder und Hinweise zur Canning durchaus Möglichkeiten auf der Strecke zu tanken, einmal in Kunnawarritji und einmal in Parngurr. Allerdings sind beide Möglichkeiten erst auf der Hälfte der Strecke erreicht und auch hier kann man durchaus mal vor einem leeren Tank stehen. Hinzu kommt, dass man mit mind. 3,20 Dollar pro Liter mit dabei ist. Ein wenig Abenteuer muss schon sein, aber beim Thema Sprit empfehle ich beim Capricorn Roadhouse ein Fass an den Fuel Dump bei Well 15 liefern zu lassen. Bestellung mind. 8 Wochen vor Termin durchfaxen/mailen. Das Formular bekommt man zugeschickt, wenn man sich traut dort mal anzurufen. Dass auch das ein Abenteuer sein kann könnt Ihr im Reisebericht nachlesen. Auch hier ran denken - da draußen ist Sprit wichtiger als Wasser, denn ohne Auto kommt Ihr nur wenige Meter weit. Das Auto muss laufen, dann geht es immer weiter.

Plan B
Was passiert bei einer Panne, was wenn man nach einigen hundert Kilometer den Wüstenkoller kriegt...was wenn....? Legt Euch einen Plan B zurecht, der zum Beispiel heißen kann bei Well 33 aufzuhören und über den Rudall River National Park rauszufahren. Nicht vergessen, auch hier Reisezeit, Sprit, Wasser etc. durchzuplanen, sonst wird aus dem Plan B ganz schnell eine schlechte Alternative.

Ersatzteile
In einem schlauen Buch steht: Was bringen Dir Ersatzteile, wenn Du sie nicht selber benutzen kannst. Gilt auch für mich als ausgebufften Autoidioten - ich könnte vermutlich nicht mal das Kühlerwasser auffüllen. Daher hatte in dieser Abteilung Michi die Oberhoheit. Was allerdings auf jeden Fall absolut wichtig ist: Kabelbinder, Schlauchschellen und Spannbänder - damit kann man so ziemlich alles befestigen. Ansonsten hatten wir Gewebeklebeband und diverse andere Sachen mit dabei.

Kommunikation auf der Strecke
Leider hat es mit dem Funkgerät nicht so wirklich geklappt - wir hatten zwar eines gebucht und bezahlt aber leider hat man bei der Vermietstation in Darwin vergessen es auch einzubauen. Im Endeffekt war das auch kein Drama, allerdings muss ich sagen in der Hauptsaison ohne Funkgerät zu fahren ist sicherlich kein Spaß. Durch die Tatsache, dass bei uns kein Verkehr auf der Strecke war brauchten wir keinen Funk.
Was allerdings mehr als wichtig ist - Satellitentelefon! Der Segen der modernen Kommunkationstechnologie funktioniert überall und da viele kleinere Orte nur über UMTS Netz verfügen, hilft es einem nicht nur auf der Canning die Verbindung nach Hause aufrecht zu erhalten. Übrigens sind die Tarife nicht mehr unbezahlbar, die Minute kostet teilweise weniger als mit dem normalen Handy und die Sicherheit jederzeit jemanden anrufen zu können, ist schlichtweg beruhigend. Bei uns diente das Telefon auch als Absicherung, alle 3 Tage gabs Anrufe von den mehr oder weniger besorgten Müttern in Deutschland.
 
Reiseapotheke
In unserer gabs die absoluten Basics - nehmt mit was Ihr selber täglich braucht. Dazu natürlich Pflaster, Desinfektionsmittel, Wundverbände und diverse Medikamente gegen Durchfall, Fieber, Schmerzen usw. Ob man das Schlangenbissset mitnimmt ist so ne Sache, ich persönlich war ziemlich froh drum als mich der kleine 'Wurm' gebissen hat. Voltaren und Wundheilsalbe gehörten auch dazu - wer sich da Tipps holen will, dem sei das Buch 'Wo es keinen Arzt gibt' vom Reise Know How Verlag empfohlen.

Wasservorrat
Ja wir waren in der Wüste und wir hatten mehr als genug Wasser dabei und konnten auch immer wieder herrlich duschen. Dabei muss gesagt sein, dass ich unter totaler Wasserparanoia leide, d.h. ich brauche immer Wasser und das tagsüber und nachts und ich kriege Panik, wenn ich einen Flieger mit weniger als nem Liter Wasser betrete, da droht akute Verdurstungsgefahr. Liegt vermutlich schlichtweg daran, dass ich an einem normalen Wüstentag gute und gerne 4.5 l in mich schütte und dann immer noch mehr trinken könnte. Wir hatten 4x 20l Wasser in festen Kanistern dabei und dazu zusätzlich 2x 10l in den gekauften Wasserkanistern mit Ausguss. Zur Haltbarmachung des Wassers taugen Tabletten oder Tropfen, die ins Wasser gegeben werden. Um an den Brunnen notfalls Wasser in Trinkwasserqualität zu gewinnen am besten einen Handpumpenfilter mitnehmen. Wir haben sowohl Tropfen als auch den Filter dabei und fuhren damit sehr gut. Auf der Strecke hab es einige Brunnen, deren Wasserqualität wirklich hervorragend ist. Meine 'Highlits' waren dabei Well 33 (lecker!) und well 12 (super klar). Da man nach 3 Tagen kein Wasser pur mehr sehen kann gab es bei uns die morgendliche Teebrühorgie, d.h. eine Tasse Wasser auf 3 Beutel und dieses Konzentrat dann in ca. 1.5l Wasser. Schmeckt gut, geht schnell und man hat geschmackstechnisch genug Abwechslung. Nicht ganz so toll sind die Instant-Pülverchen in psychodelischen Farben, deren Geschmack leider weder an Zitronen oder Orangen erinnert. Grundregel bei unserem Trip war, wenn es Wasser gibt wird alles aufgefüllt (Duschsack, Trinkwassersack, Flaschen, Kanister) und gleich mal Haare und Wäsche gewaschen. Sehr bewährt hat sich bei uns ein Trinkwassersack mit 15l Fassungsvolumen. Solardusche nicht vergessen!

Speiseplan/Einkaufszettel
Eine echte Herausforderung ist es, sich mit dem Einkauf für 18 Tage zu beschäftigen. Hier gehen wir zugegebenermaßen mindestens 3 mal die Woche einkaufen. Der Supermarkt liegt gleich gegenüber und hat bis 22 Uhr auf, wenn man also was vergessen hat ist das kein Problem. Tja, wenn man allerdings mitten in der Wüste hockt und weit und breit kein Lade in Sicht ist, stellt einen das vor ein mittelgroßes Problem. Für alle, die sich damit ebenfalls schwer tun empfehle ich die Anja Methode. Erst mal aufschreiben, wieviele Tage man durchplanen muss. Dann gibt es 4 Kategorien, die es mit Ideen zu füllen gibt. D.h. Frühstück, Mittagessen, Snack und Abendessen. Hier heißt es dann kreativ werden und Portionen berechnen. Also wieviel Mal gibt es Nudeln mit welcher Soße kann mans kombinieren (Arrabbiata, Pesto) und am Ende gibt das die Gesamtsumme, die auf den Einkauszettel kommt. Für 18 Tage kommt da schon was zusammen, vor allem an diversen Sachen wie Öl, Essig, Kekse etc. sollte man nicht zu wenig einplanen.

Extra zu erwähnen ist hier die Planung für Joghurtfans, denn der erste Einkauf hält meisten nicht lange. Daher im Supermarkt eine Plastikschüssel (am besten rund) mit mind. 1l Inhalt kaufen und natürlich 1-2 Tüten Easy Yo, den man fast überall bekommt. Easy Yo ist nichts anderes als Joghurt Kulturen mit Milchpulver und wird mit Wasser angesetzt. Wenn man das morgens macht und die Schüssel im Wagen an einen warmen Ort packt, gibt es abends leckeren Joghurt.

Auch fürs Brot sollte man nicht auf gekauftes zurückgreifen, denn das labbrige Zeug schimmelt einem recht schnell weg oder wird komplett trocken und ungenießbar. Hier schafft der Damper Abhilfe - mit self raising flour, Wasser, Zucker und Salz (Öl wer mag) ist im Handumdrehen ein Teig gemacht. Wer dann am Abend, nachdem das Feuer runtergebrannt ist, einen gußeisernen Topf zum Camping Ofen macht, der hat nach ca. 20 Minuten aus dem Teig einen leckeren Laib Brot gebacken.

Wer Bier mitnehmen will, dem sei jetzt schon empfohlen sich um die Verpackung (und zwar auslaufsicher) Gedanke zu machen. Im Durchschnitt hat sich bei uns eine Bierdose pro Tag verabschiedet, d.h. man riecht Bier und weiß, es hat wieder eine erwischt. Sehr bewährt haben sich nicht nur im Kühlschrank hohe Plastikbehälter, in denen 2 Dosen Platz finden. Überraschenderweise haben sie die Glasflaschen allesamt über die Strecke geschleppt, keine einzige ging kaputt!

Obst und Gemüse sollten hier auch noch erwähnt werden, vor allem von mir Vegetarier. Die Note sehr wüstentauglich vergebe ich hier für Zwiebeln und Kartoffeln, dicht gefolgt von Gurken. Im Mittelfeld liegen Karotten, die einzeln eingepackt zumindest eine Woche überstanden haben bevor sie zu gummiartigen Dingern wurden und anfingen schwarze Flecken zu entwickeln. Auch Paprika sind nicht allzu lange lagerbar, halten sich aber einzeln verpackt auch gut eine Woche. Alles Gemüse wurde alle 2 Tage neu eingewickelt, damit kein Schimmel entsteht - das hat auch prima geklappt. Für die ersten Tage kann man auch 2 Packungen TK Gemüse im Kühlschrank mitnehmen, damit hat man genug dabei um die Tage auch mal was frisches zu essen. Obst ist so ne Sache - es geht hier nichts über Orangen und Zitronen, die selbst die schlimmsten Streckenabschnitte klaglos überstehen. Äpfel sind ziemlich anfällig für Druckstellen und man hat nach 4 Tagen keine wirkliche Freude mehr dran.

Nicht getestet aber dabei waren jede Menge Dosenobst- und gemüse und getrocknete Erbsen, die bis auf eine Dose Mangos aber hinterher ihre letzte Ruhestätte in einer Mülltonne am North Pool gefunden haben. Frisch ist halt doch besser...

Müll

Unangenehmes Thema aber man muss sich der Herausforderung stellen auf der kompletten Strecke den Müll sammeln zu müssen ohne eine Möglichkeit ihn loszuwerden. Man merkt erst mal wieviel Verpackungsmaterial an unseren Sachen dran ist - daher wurde in Halls Creek der Großeinkauf erst mal grob von aller unnötigen Verpackung befreit und in Kisten verstaut. Auf der Strecke selber sorgten Eukalyptusduft-Müllbeutel für wenig unangenehme Gerüche und jede Mülltüte kam schlussendlich in einen wasserdichten Sack. Wir hatten das Glück, bei Kunnararritji Community unsere 3 Mülltüten loszuwerden - trotzdem war es am Schluss einiges, was sich angesammelt hatte. Unsere Teebeutel bekamen erstmal eine kurze Trocknung in der Sonne verschrieben, um zu wenig Feuchtigkeit wie möglich in den Tüten zu haben. Insgesamt hat das optimal funktioniert und war absolut kein Problem.

Kartenmaterial
Ich sag nur Hema Maps, gute GPS Karten, Mud Maps, Canning Stock Route Buch und ein wenig Orientierungssinn.

GPS
Mitnehmen, hier gibt es keinen Kompromiss denn den einen oder anderen Brunnen könnte man ohne GPS leicht verfehlen und man hat grundsätzlich die Info wo man sich im Moment befindet.

Andere Reiseberichte
Um eine Orientierung zu haben wie schnell man vorankommt, wo es gute Campingmöglichkeiten gibt und was man eigentlich auf der Strecke sehen kann sind Reiseberichte oder Itineries von Veranstaltern sehr hilfreich. Wir hatten 5 verschiedene Reisebericht dabei, einer von einem Veranstalter, der die Strecke in 9 Tagen fährt, einen von slow movern die sich 3 Wochen Zeit nahmen. Dazu gab es GPS Koordinatensammlungen, die uns das ein oder andere Mal sehr weitergeholfen haben.

Permits für die CSR und die Calvert Ranges
Inzwischen sollte man sich ein Permit für die Canning besorgen - wer das Permit hat kann per Email auch die Erlaubnis für den Zugang zu den Calvert Ranges beantragen. Wie lange das noch so ist, steht in den Sternen, allerdings hat es bei uns noch genauso funktioniert. Das Canning Stock Route Permit deckt den Bereich der Strecke ab, der sich auf dem Gebiet der Martu befindet und kann Online beantragt werden. Man erhält dann das Permit zum Ausdrucken und ein Package mit Informationen. Gebraucht haben wir es kein einziges Mal - auch waren nirgends Hinweise darauf zu finden. In den Calvert Ranges wollten die traditional owners unser Calvert Permit einmal sehen, DAS hat sich also auf jeden Fall gelohnt. Für mich sind die Permits eine Sache des Respekts, es gibt sie und ich beantrage sie - egal ob es jemand sehen will oder nicht.

Wiluna
Ja was soll ich zu Wiluna sagen - es ist der kaffigste Ort den ich in Australien kenne und man sollte sich nicht zu sehn auf ein Eis oder sonstige Vorteile der zivilisierten Welt freuen. Es gibt hier einfach fast nichts - nicht mal der Campground war zu finden. Daher lege ich Euch Leinster ans Herz - wieso müsst Ihr schon im Reisebericht nachlesen.

Lesestoff
Canning Stock Route - Ronele und Eric Gard - ISBN 0-9586715-1-6
Australien (Lonely Planet) - ISBN 978-3-8297-1551-5
Australien Outback Handbuch - Reise Know H
ow - ISBN 978-3-923716-24-1
Wo es keinen Arzt gibt - Reise Know How - ISBN 978-3-8317-1019-5
www.exploroz.com
www.canningstockroutecentenary.com
http://www.anfwdc.asn.au/canning_stock_route.php
 

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Der Weg ist das Ziel