Neuseeland 2008/2009

Das Land der langen weißen Wolke – oder Weihnachten so weit weg wie’s geht 

Unsere Urlaubsplanung 2008 war schon ziemlich früh gemacht – ich wollte nachdem ich ja eh keinen Urlaub beim Rückzug von China nach Deutschland bekommen habe, schön lange und schön weit weg Urlaub machen. Da es dann auch noch einen günstigen Flug mit Korean Airlines nach Auckland über Weihnachten gab war die Sache schnell entschieden: Wir fliegen zum ersten Mal nach Neuseeland. Für uns beide ein neues Land, sonst war die Strecke ja schnell geplant, denn den Westen der USA oder Australien kennen wir nicht nur von der Straßenkarte zu genüge – Nord- und Südinsel Neuseelands waren dagegen Neuland. Keine giftigen Tiere, keine Wüste aber dafür frühzeitig Fähre buchen und nach China und Rückkehr nach Deutschland stark erhöhtes ‚Schnell-weit-weg-und-bloss-sonst-krieg-ich-die-krise’ Gefühl. Einziger Knackpunkt, der uns bislang aus Neuseeland fern hielt war und wird wohl immer der elend lange Flug sein, der auch mit Stopover nicht kürzer wird.

 12.12.2009
Ein braver Arbeitnehmer, der Urlaub und natürlich auch die hart erarbeiteten Überstunden sparen will arbeitet wie es sich gehört noch an dem Tag, an dem er in den Urlaub starten will. Das gilt also für mich – Michi hatte es da schlauer gemacht und am Vorabend schon mal unseren Flughafen-Zubringer-Mietwagen abgeholt. Preislich gesehen war der nämlich die günstigere und auch flexiblere Alternative zu der mir verhassten Bahn – die kommt nie, wenn ich irgendwohin fliegen will fallen die Züge aus und das sollte diesmal absolut nicht passieren können. Trotz recht miesen Wetters mit fies kaltem Wind kamen wir planmäßig mit unseren zwei 20kg schweren Koffern und natürlich entsprechend Handgepäck in Frankfurt an. Wer mich kennt weiß, dass schon allein 3 Bücher im Rucksack waren und ich musste auch wie immer noch Schundliteratur in Form von Brigitte und In Style kaufen – hey Flüge sind lang und Lesestoff ist lebenswichtig. Meine bis dahin ungetrübt gute Laune bekam beim Check In am Korean Airlines Schalte einen ziemlichen Dämpfer – keine vernünftigen Plätze mehr, die Todesstrafe eines Langstrecken-Economy-Fliegers: 4er Mittelreihe, die beiden Sitze in der Mitte! Da hilft auch das nette Welcome Seoul Infoblättle der in traditionell koreanischer Klamotte rumstehender Studentin nichts mehr – grummelig weiter an den Service Schalter und immerhin bekamen wir für den Flug von Seoul nach Auckland vernünftige Plätze. Die Laune wurde nicht mehr besser – Frankfurt Flughafen, zu Pest und Cholera der Sitzplätze gesellt sich da noch der Typhus, denn die Gates am Ende der Welt bieten nicht mal Sitzplätze geschweige denn Klos oder Trinken. Noch so ne typische Angewohnheit – ich steige in kein Flugzeug ohne Tonnen an Lesematerial und mind. 1.5 Liter Wasser und ich sitze immer am Gang. Wie Ihr also merkt startete der Urlaub mit den absoluten Volltreffern. Egal, zumindest das Essen war vegetarisch und essbar und Korean Airlines hat bei mir trotz allem einen Stein im Brett. Also fliegen wir in die Nacht…

 13.12.
Landung gegen 13 Uhr auf meinem absoluten Lieblingsflughafen – Seoul Incheon. Dank des Abstechers mit Andy und Pipat im September kannte ich mich wenigstens ein bisschen aus und hatte noch Restmengen an koreanischen Won im Geldbeutel, die dann nach der Ankunft gleich in Doughnuts (dazu später noch viel, viel mehr) und Wasser investiert wurden. Die Fahrt in die Stadt zur Haltestelle am Lotte Hotel hab ich ein bisschen vor mich hin gedöst, schlafen im Flieger geht einfach net und die Schlafsitze im Flughafenbus sind einfach göttlich. Wetter war herrlich, blauer Himmel und Sonne aber einfach saukalt. Das war beim Koffer schleppen vom Lotte Hotel zum Ibis Myeong Dong eigentlich gar kein Problem, denn beim Treppen runter und hochtragen wird einem gut warm. Das Hotel selber war absolut ok, kleine Zimmer und ein Badezimmer in Vollplastik dafür aber ein beheizbarer Klodeckel – nur Musik konnte das Klo nicht spielen. Damit wir uns wach halten konnten hieß es dann aber raus aus dem gemütlich warmen Hotel und raus in das Gewimmel im Stadtteil Myeong Dong – DEM Einkaufsparadies für die seouligen Teenies. Ich bin nicht nur großer Fan des Flughafens in Seoul sondern auch der Stadt selber – war schon beim ersten Besuch so und wird sich sicherlich nicht mehr großartig ändern. Es ist eine extrem angenehme Mischung aus dem besten aus Japan (sauber, wuselig aber nicht chaotisch) und China (lecker Essen, günstig). Trotz vieler Wuselei und wieder viel zu vielen coolen Läden, bei denen ich mir mehr als sonst wünsche 1.60m groß zu sein und Größe XS zu tragen wurde es uns auf die Dauer einfach nur kalt. Deswegen gab es zum Aufwärmen abends einen leckeren großen Brattopf mit viel Chilipaste und Oktopus, natürlich gebraten mit Reis. Schön scharf und vor allem lecker. Als Betthupferl gabs die leckersten Doughnuts von ganz Seoul – aus der New York Doughnut Plant direkt gegenüber des Ibis Hotels. Dazu muss ich noch einen kleinen Exkurs zum Thema Doughnut  in Seoul machen, denn es scheint die absolute Hauptstadt zu sein. Man kann keine 20m gehen ohne von einem Krispy Kreme Doughnut  Laden zu einem Mr. Doughnut  Shop zu kommen oder mit Werbung von Dunkin Doughnut  überschwemmt zu werden. Das witzigste an all den Filialen ist: Die sind alle voll! Nach eingehender Studie kommt jedoch absolut keiner an die Doughnuts der New York Doughnut  Factory vorbei – und das sag ich, eine bekennende Doughnut Hasserin…die sich grade fragt, wie oft sie das Wort Doughnut  in diesem Abschnitt eigentlich geschrieben hat und wie schreibt man eigentlich Doughnut/Donut korrekt? 

14.12.
Wenn wir grad beim Thema waren, was gab es denn dann wohl zum Frühstück nach einer halbwegs angenehmen nicht allzu jetlaggigen Nacht in Seoul? Jawoll, Doughnut aus der New York Doughnut Factory (ich sollte für diese Werbung bezahlt werden….) und zwar Chocolate Choc – Schokolade in jeglicher Form und dazu heißen Cappuccino. Der kühlte stark ab, nachdem es die Außentemperatur mal wieder nicht über die 0 Grad Grenze schaffte. Dafür hatte wir wieder strahlender Sonnenschein und dank langer Unterhosen und einiger Bewegung war die Palasttour temperaturmäßig einigermaßen erträglich. Start dieser war vom Hotel aus am Lotte Center vorbei zum Seoul Plaza, wo sich Eisläufer dick eingemummelt vergnügten. Wie es sich für einen Sonntag in Seoul gehört, kamen wir grade rechtzeitig um den Wachwechsel am Deoksugung Palasts mitzuerleben. Nach einer gemütlichen Runde durch die Parkanlage ab in Richtung des Gyeongbokgung Palasts, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die umliegenden Hügel hat. Die Hügel selber machen einen Großteil der Atmosphäre von Seoul aus, im Palats selber haben mir es die Figuren auf den Dächern wieder ziemlich angetan.  Hin zu kam, dass die Sonne mal wieder von einem unglaublich blauen Himmel schien und bei Sonnenschein sieht alles einfach genial aus. Seoul selber ist einfach eine gelungene Mischung aus alt und neu, Tradition und Moderne sowie Häuserfluchten und Natur.

Vom Gyeongbokgung aus raus zurück auf die Straße und weiter nach Insadong, dem Künstlerviertel von Seoul. Entlang der Fußgängerzone reihen sich kleine Läden mit allerlei Krims und Krams genauso wie innovative Designläden, in denen man herrlich einkaufen kann. Vor allem Schmuck, Kalligraphien und Taschen sind geldbeutelgefährlich! Nach all der Kultur musste dann Bibimbap her – lecker als spätes Mittagessen und vor allem schön scharf, damit es auch von innen wieder warm wird. Auf dem Nachmittagsprogramm stand dann eine Metrofahrt zum Yongsam Electronic Market, der direkt an einer Metrohaltestelle liegt. Oder sollte ich eher sagen mitten in einer Haltestelle?? Die Händler sind allesamt ein bisschen dubios, stellen ungern Rechnungen aus und verkaufen allesamt dieselben Kameras. Bis zu den Händlern zu finden ist, wenn man ren richtigen Metroausgang erwischt ein Kinderspiel, wer den Schildern dann doch nicht folgt findet sich in einem Gewirr von verschiedenen, zusammengebauten Shoppingkomplexen wieder. Die Kameras auf dem Yongsam sind preislich günstiger als in Deutschland und meistens bekommt man für den Preis gleich noch einige Extras mit dazu. Als wäre das noch nicht genug Einkaufswahn gewesen, schlenderten wir am Abend noch durch den riesigen Lotte Duty Free Shop und anschließend noch mal durch Myeong Dongs Gassen. Zum Abendessen dann klassich japanisches Ramen, diesmal im Vergleich zum Mittagessen aber garantiert unscharf.

    

15.12.
Was ist das Problem an jedem Stoppver? Genau, kaum sind die Koffer ausgepackt muss alles wieder verstaut werden und meistens kauft man ja auch noch Sachen ein. Dank aus Deutschland schon halbleer gepackter Taschen gab es aber mit dem Koffer und Taschen wieder zumachen absolut kein Problem. All die schönen viel zu kleinen aber unglaublich toll aussehenden Klamotten, die dazu auch noch billigst in Seoul zu kaufen sind musste also in Myeong Dong bleiben...genauso wie die vielen tollen aber auch viel zu kleinen Schuhe. Ich nenen sowas Kaufstau, der dann bei zur Verfügung stehender Auswahl an Klamotten in meiner Größe und vor allem Länge dann zu glühender Kreditkarte führen kann. Zu Risiken und Nebenwirkungen.....

Raus aus dem Hotel (absolutes Muss: Schaut Euch das Klo auf dem Rezeptionsstock an, die Aussicht auf dem Männerklo soll die bei den Frauen sogar gerüchteweise noch übertreffen), Koffer bis zum Nachmittag lagern lassen und wieder raus in die Kälte. Der letzte Tag oder eher die letzten Stunden in Seoul sind angebrochen. Die wollten wir uns ziemlich gemütlich machen und starteten deswegen mit dem Cable Car zum TV Tower. Das Wetter war wie die Tage davor bombastisch gut, zwar bitterkalt aber sonnig. Die Aussicht vom TV Tower aus versüßt den Geschmack des Cappuccino im Café auf der Aussichtsplattform sogar noch. Von oben sieht man erst richtig, wie riesig die Stadt selber ist. Ein wirkliches Zentrum ist nicht wirklich auszumachen, es gibt viele kleinere Stadtbezirke und jedes einzelne Viertel hat einen eigenen Charakter. Da die Temperaturen halbwegs erträglich waren, beschlossen wir zu Fuß vom TV Tower in Richtung Namdaemun zu laufen – vorbei an den rüstigen Rentnern beim Freiluftsport an der Sportanlage am Fuße des TV Tower. Quer durch den Namdaemun Market vorbei an grässlich bunter Weihnachtsdekoration und lecker eingelegten Schweinefüßen. Leider war es dann auch schon wieder Zeit langsam in Richtung Hotel zu schlendern um den Korean Airlines Bus in Richtung Hotel zu erwischen.

 

Unser Flieger nach Auckland war wie schon der Flug von Frankfurt nach Seoul ausgebucht und es flogen wirklich dir wildesten Leute mit. Mein absolutes persönliches Highlight war eine ältere Russin, die im 80er Jahre Turnoutfit in Pink und Türkis mit Hausschuhen am Gate wartete. Die Schuhe zu dem an sich schon sehr hitverdächtigen Outfit waren hübsch plüschige Hauspantoffeln in dezemtem schrillen Rosa - die komplette Dame sah sehr sibirientauglich aus und sorgte auch im Flieger für den ein oder anderen irritierten Blick. Oh genau, der Flieger und meine ständige Angst in den Sitzen irgendwann man so festzuklemmen, dass man mich mit Gewalt rauszerren muss - diesmal gab es beim Einsteigen eine sehr angenehme Überraschung! Viel, viel, viel Sitzabstand, selbst mit Mühe konnte ich meine Knie nicht am Vordersitz anhauen, jippie! Es kann nur noch besser werden! 

16.12.
Wieder eine Nacht im Flieger, das ist ja sooooo entspannend. Auch wenn der Sitzabstand wirklich genial war, so richtig schlafen kann man in den Kisten einfach nicht. Übrigens sollte wirklich mal bei allen Fluglinien was für mehr Sitzabstand getan werden, immerhin schreibt schon die Stuttgarter Zeitung im April 2009, dass die Durchschnittsdeutschen immer größer werden. Breiter ja auch noch, dann machen wir die Sitze halt auch noch breiter....

Wir landeten nach einem koreanischen Frühstück (Bibimbap und viel Chilipaste mit Algensuppe) pünktlich am andern Ende der Welt. Zum ersten Mal Neuseeland und schon ein Blick aus dem Fenster zeigt: Die Farben hier sehen komisch aus. Keine Ahnung was ich erwartet hatte, vermutlich das intensive grün und rot Australiens, das allerdings gibt’s in Neuseeland auf alle Fälle nicht. Dafür sehen wir schon bei der Landung das Meer, das uns fast die ganze Reise über auch immer in Sichtweite bleibt. Nach der Kälte Deutschlands und Koreas konnte ich mir nicht mal mehr richtig vorstellen, was Sommer ist und wie sich Sonne auf der Haut anfühlt. Die Nachhilfestunde in Sachen Sonne und Sommer gab es dann gleich nachdem wir die Einreisechecks hinter uns gebracht haben und bei United das Pick Up Shuttle organisiert hatten. Sonne, heiß, genual, meeeeeeeeeeeeeeehr. Zu den Einreiseformalitäten muss ich mal wieder kurz was sagen: Sogar die Australier kontrollieren nicht so scharf wie die lieben Neuseeländer. Aber ist ja ok, man ist ja im Urlaub und ist deswegen absolut entspannt und natürlich sehr freundlich. Und immerhin, ich verstehe auf Anhieb mehr als bei meiner ersten Einreise nach Australien - der Akzent/Dialekt scheint also noch halbwegs im Rahmen zu sein. Tja.....das sollte sich dann später als ziemlich falsch rausstellen! Im United Shuttle gab es dann nämlich den ersten wirklichen  Vorgeschmack auf die Neuseeländer – die reden doch irgendwie komisch und beschweren sich über die Hitze, wobei ich 25 Grad nicht wirklich als Hitze empfinde. Auch bei den Kiwis beschränkt sich der von Jetlag geprägte small talk auf altbekannte Themen: Yes, German, first time, yes, marvellous, amazing, great, gorgeous, great weather, exciting, yes, yes....

 Nach einem großen Cappuccino beim United Office war mein Vokabular wieder ein wenig erweitert und bepackt mit Tonnen an Infomaterial durften wir dann unser zuhause der nächsten Wochen in Empfang nehmen. Das Auto wurde natürlich noch bei der Übergabe getauft, ich muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich den Namen schlichtweg vergessen habe. Musste ja auch mal passieren, immerhin sind meine Gedankensprünge, die die Namen der Autos ergeben nicht immer sehr nachvollziehbar. Daher nenne ich das Auto der Einfachheit halber einfach Schiff, denn das trifft es ziemlich genau. Ein Fiat Ducato mit Kochzeile, gemütlicher Sitzecke und sogar Dusche und Klo. Verglichen mit einem australischen Bushcamper oder dem amerikansichen Zelt absoluter Luxus, der sich aber dank des wechselhaften neuseeländischen Wetters mehr als einmal bewährt hat. Der erste Nachmittag lief unter dem Motto 'Einkaufen' und führte uns zum ersten Icebreaker Outlet und in das Abenteuer Supermarkt. Wobei, war leicht enttäuschend denn bis auf Kiwis gibt es nicht wirklich viel neuseeländische Spezialitäten. Dafür gibt es leckere Tim Tams und die australische Ausgabe der Cosmo...Tag gerettet. Der restliche Tag verging wie im Flug mit Jetlag bekämpfen und der Fahrt Richtung Coromandel Halbinsel, natürlich mit dem ein oder anderen Zwischenstopp um die Aussicht aufs Meer entlang der Küstenstraße von Thames nach Coromandel zu genießen. Immer wieder zogen weiße Wolken auf, wurden innerhalb von Minuten durchden Wind wieder weitergetrieben und mir wurde klar, wieso das Land auch Aotearoa genannt wird: Das Land der langen weißen Wolke liegt immer unter einer Wolkenschicht versteckt. Die Farben auf der Coromandel Halbinsel waren auch alle so unaustralisch - gelbstichig aber trotzdem auch irgendwie reizvoll und schön. Weniger schön war da die Reaktion von Auge und Nase auf die vielen in voller Blüte stehenden Pohutukawa Bäume: Hatschi und schnief, der Heuschnupfen sorgt an unserem ersten Tag in Neuseeland nicht gerade für gute Laune. Der Weg entlang der Küste windet sich in Serpentinen ein wenig über die Hügel der Küste und die Fahrt dauert länger als man es der Karte vielleicht ansieht, das und die einsetzende Dämmerung brachten uns dazu, nicht bis Colville zu fahren sondern uns eine Übernachtungsmöglichkeit auf der Strecke zu suchen. Der Top 10 Shelly Beach Campground ist der erste Übernachtungsstopp und schon in der ersten Nacht sind wir froh über unser Schiff, denn es tröpfelt immer wieder los und wir müssen uns keine Sorgen über ein nasses Zelt oder undichte Planen machen. Herausragend gut ist die Lage des Campground (die Plätze selber sind nicht wirklich der Renner) und die Möglichkeit, den Jetlag mit einer heißen Dusche zu bekämpfen. Mit einem Bier in der Hand saßen wir dann am Strand unter den Pohutukawaws, schnieften in trauter Zweisamkeit und sahen aufs Meer raus - endlich Urlaub!

 

17.12. 
Die erste Nacht in Neuseeland haben wir hinter uns, fast durchgeschlafen und auch wenn ich morgens nicht wirklich wach werde - bei der Aussucht auf Strand, Meer und einen Tag voller neuer Dinge ist selbst ein Morgenmuffel wie ich manchmal schnell wach. Standardfrühstück Müsli (leider nicht so viele perverse Sorten wie in USA und nicht so biologisch öko-dynamisch angehaucht wie in Australien) und natürlich starker Kaffee aus dem Drücker werden ganz stilecht am Tisch gegessen - nicht draußen, nicht mit einer Portion Staub überzogen sondern richtig spießig am Tisch. Es fehlte nur noch die karierte Tischdecke - es hat schon auch Vorteile morgens nicht die Schuhe nach Skorpionen untersuchen zu müssen und genug Stauraum für alle Kleinigkeiten zu haben. Neuseeland fängt an, mir Spaß zu machen. Vom Campground aus geht es auf derselben Strecke wieder zurück nach Coromandel und dort zur Smoking Factory, die zugegebenermaßen den absolut besten Fisch aller Zeiten verkauft (http://www.corosmoke.co.nz) und damit ein absolutes Muss auf der Halbinsel ist. Mein absoluter Favorit war im Nachhinein der Orange Roughy, davon könnte ich gerne noch ein bisschen was im Kühlschrank liegen haben. Mein Stopp in der Apotheke war natürlich auch ein absolutes Muss, denn ohne Nasenspray, Allergietabletten und Augentropfen hätte ich vermutlich den Angriff der Pohutukawa Pollen nicht durchgestanden ohne mir die Augen auszukratzen oder zu ersticken. Coromandel wird mir aber auch noch wegen was anderem in Erinnerung bleiben und zwar: Juhu, in Australien nicht, in USA nicht, in China nicht, in Deutschland nicht und was schaffen wir, kaum dass wir einen Tag in Neuseeland sind???? Naja, wir kassieren einen Strafzettel, weil wir an einer gelben gestrichelten Linie geparkt haben...dafür müssen wir schlappe 60 Dollar berappen und diese sind nicht vor Ort zu zahlen, sondern zu überweisen an eine Adresse! Andere Länder, andere Sitten und mich sollte die Frage, wie wir den Strafzettel bezahlen können bis zur Abgabe des Autos beschäftigen. Zum Glück wollen die ihr Geld nicht sofort sondern geben einem 30 Tage Zeit zu zahlen.

Von Coromandel aus schlängelt sich die Straße durch eine hügelige Landschaft, die bis aufs Meer aussieht wie im Allgäu - Kühe inklusive. Man trifft wenig Autos und hat unterwegs wirklich spektakuläre Ausblicke auf die Küste der Coromandel Halbinsel. Ein Abstecher an der Ostküste in Richtung Opito Bay ist lohnenswert und bringt einen über holprige Ministraßen zu einem unglaublich einsamen Strand, an dem außer Wolken und Wind nichts und niemand stöhrt. Der nächste Stopp, für den die Coromandel Halbinsel bekannt ist, ist Cathedral Cove. Hier steht der erste kürzere Spaziergang auf dem Programm, der durch typisch neuseeländische Landschaft führt. Hinte siehts aus wie im Allgäu und kaum dreht man sich um sieht man das Meer und Wiesen, die bis zum Strand gehen.

Dazu die Sonne auf der Haut und wenn man den Abstieg durch den Regenwald geschafft hat der gigantische Ausblick auf türkisfarbenes Wasser - das Bild zeigt, wieso der Ort Cathedral Cove heißt.

Vom sehr idyllisch gelegenen Strand (wenn man mal von den schreienden, knipsenden Tourimassen absieht, die natürlich auf dem Foto genau rechts zu sehen wären) geht es zum nächsten Highlight-Must-See: Dem hotwater Beach. Bekannt ist der dafür, das heiße Quellen in den Felsen am Strand den Sand angenehm aufheizen und sich Scharen an Leuten dort in kleinere, selber gebuddelde Badewannen eingraben. Das Wasser, das man sich in den kleinen Becken sammelt ist teilweise wirklich kochend heiß und die Premiumplätze sind schon allesamt vergeben, uns bleibt somit nur das Aufwärmen der inzwischen leicht kalten Füße im Restwasser, das Richtung Meer fließt. Spaten und Buddelgeräte kann man am Kiosk direkt am Parkplatz zum Strand übrigens leihen, Ellbogenschützer zur Verteidigung der Badewanne sollte man allerdings selber mitbringen.

Den Abend gestalteten wir klassich was das Essen angeht: Fish and Chips mit Unterhaltungswert während der elend langen Wartezeit, die man sich mit den über 3 Jahre alten Magazinen leider nicht verkürzen konnte. Übernachtet haben wir auf dem Wentworth River DOC Campground, den ich hier absolut empfehlen kann. Der Campground Host ist unglaublich gesprächig und gibt viele Tipps zur Abendunterhaltung - bei uns war es die 'Höhle' mit den Glowworms am Weg zu den Wentworth Falls. Der Weg dorthin ist für uns noch das Zusatzprogramm, um das Abendessen wenigstens ein bisschen wieder abzutrainieren und war dank des späten Sonnenuntergangs um 21 Uhr absolut passt. Entlang des Flusses geht es vorbei an der vom Host erwähnten Höhle, die sich leider als kaum 5m langer Stollen entpuppt in dem sich leider keinerlei Glowworms tummeln und wo man sich nur eklige, spinnenartige Viecher in den Steinspalten sehen kann die sich da verstecken. Buah....nicht so wirklich meins. Die Wentworth Falls selber sind schön und der Weg dorthin auch gut in 40 Minuten hin und zurück machbar.

 18.12.
Gemütliche Fahrt nach Tauranga steht an diesem Tag als erstes auf der Liste, für mich gibt es das Geheimprojekt Badeanzug/Bikini, denn ich habe nichts und brauche was...aber wo finden? Bevor ich mich mit der Frage im Detail beschäftige gab es einen kleinen Rundgang durchs sehr übersichtliche Tauranga, in dem es nette kleine Läden gibt und ziemlich viele Läden mit Sushi im Angebot. Nachdem sich schon einige reduzierte Icebreaker Sachen in Tüten geschlichen hatten und die Bikini Suche außer geblümtem und gerüschten Horror nichts zu Tage gebracht hatte, gab es erst mal leckeres Sushi auf der Parkbank in der Sonne. Auf dem Weg zurück zum Auto (oh je, hoffentlich haben wieder diesmal keinen Strafzettel..) liefen wir durch Zufall an einem dubios aussehenden 'Kaufhof' Verschnitt namens Farmer's vorbei. Leicht frustriert machte ich mich dort auf die Suche nach Badesachen in der absoluten Überzeugung, dass ich vermutlich nur noch mehr Rüschen und Blümchen finden würde. Allerdings wurde ich absolut überrascht, denn trotz miesester Laune (hey....probiert eine von Euch Fraun da draußen gerne in einer viel zu engen Umkleidekabine und fiesem Licht gerne Badesachen an, die mehr zeigen als verdecken?) hab ich was gefunden und dann auch noch billig! Aber das allerbeste, in meinem Tankini fühle ich mich NICHT wie ne Presswurst - Neuseeland ist toll!

Te Puke ist unser nächster Stopp auf dem Weg ins Landesinnere. Te Puke ist vor allem durch eines bekannt: Kiwi! Die Frucht und nicht der flugunfähige Vogel muss man noch dazu sagen. Was mir am allerbesten gefallen hat sind die genialer Verkehrsschilder rumd um Te Puke, die einem auf witzige Art und Weise diverse gute Ratschläge geben: Be a tidy Kiwi, Good Kiwi do not speed... Wer aber an Te Puke vorbei bzw. durchfährt erinnert sich spätestens beim Vorbeifahren an der Riesenkiwi, wobei es rund um die Stadt geht. Die Riesenkiwi aus Blech gehört zu einer Kiwfarm mit Shop und Touren, lohnt sich aber nicht wirklich. Daher fahren wir in Richtung Rotorua und stoppen erst einmal an den Okere Falls. Der Parkplatz wurde von einem Kampfhuhn bewacht, das gackernd um die Autos stolzierte. Der Weg zu den Falls selber ist anfangs recht unspektakulär wird aber spätestens beim Weg nach unten zum Aussichtspunkt der Wasserfälle richtig interessant. Wer Glück hat erwischt auch ein paar Kayakfahrer, die sich in die Fluten stürzen und schon von Weitem zu hören sind.

Noch vor dem Ort Rotorua liegt das erste geothermale Gebiet der Gegend - Hell's Gate. Es ist bereits später Nachmittag als wir dort ankommen und daher ist schon nicht mehr wirklich viel los. Wir haben fast das ganze Gebiet für uns, nur um angeschlpssenen Wellness Bereich, in dem man sich mit dem ach so gesunden Schlamm einseifen kann, sind noch einige Schwefelanhänger beim Baden. Im Nachhinein hält Hell's Gate dem Vergleich mti den vielen anderen geothermalen Gebieten nicht wirklich stand. Der Eintrittspreis ist zu hoch und das Gebiet selber relativ klein. Als Einstieg und Vorgeschmack auf den nächsten Tag war es jedoch genau richtig. Da es in der Nähe nicht viele DOC Campgrounds gibt landeten wir auf dem Rotorua Top 10 Holiday Park. Der Stellplatz selbst war nicht ganz so dolle aber immerhin zentral gelegen. Großer Vorteil des Campgrounds ist die Nähe zur Innenstadt, die man in 10 Minuten gut zu Fuß erreichen kann. Wir folgten fürs Abendessen dem Tipp aus dem Lonely Planet Reiseführer und landeten im Fat Dog Cafe. Die Karte steht links an der Wand neben dem Eingang und die Portionen machen locker auch einen Sumoringer satt. Die Falaffel waren echt supermega lecker und wenn der Laden näher da wäre, hätte ich dort sicherlich einen Stammplatz. Zum Nachtisch Eis in Lady Jane’s Ice Cream Parlour und noch ein gemütlicher kurzer Spaziergang am Lake Rotorua entlang.  

19.12.

Checkout bis um 10 Uhr, ich glaube genau aus diesem Grund mag ich die Top 10 noch weniger als wegen den doch recht unhübschen Stellplätzen. Nachdem wir unseren Wassertank am Schiff gut gefüllt hatten wollten wir uns Downtoan Rotorua mal bei Tageslicht genauer betrachten, was bis auf wenige Ausnahmen absolut langweilig werden kann. Die Highlights waren die super Aussicht auf den See und die Wasserflugzeuge, laute Schwäne fütternde Chinesen und der Cappuccino Schaum im Fat Dog. Zu den Chinesen sollte ich noch erwähnen, dass man die Gruppe von 5 Leuten schon aus 100m Entfernung deutlich hören konnte, dass ein großes fetter Schild über ihren Köpfen prangte, das das Füttern ausdrücklich verbietet und dass diese widerlichen Minisöckchen mit Sandalen innerhalb und außerhalb Chinas verboten werden sollten. Beruhigt habe ich mich dann wieder beim Anblick der riesigen Schicht Milchschaum auf meinem Fat Dog Cappuccino und der absoplut genial leckere Muffin brachte mir wieder ins Gedächtnis, dass ich ja in Neuseeland und nicht in China war.

Der faule Vormitag konnte aber so nicht weitergehen, es standen noch ein wenig blubber und stink auf der to do Liste - also auf zum Pohutu Geysir im Te Puia Gebiet. Dieses Gebiet (wie alle Eitnritt!) ist wirklich supertoll gemacht, zwar teurer aber auch viel schöner angelegt als Hell's Gate. Man braucht einiges an Zeit um sich die interessantesten Mud Pools und Geysire anzusehen, da das Gebiet recht weitläufig ist. Vor dem Souvenirshop hat man noch die Möglichkeit, sich die Kunst des Maorischnitzens in der angeliederten Akademie live anzusehen oder sich über Maori Webereien zu informieren. Der Shop selber enttäuscht mit dem üblichen made in China Zeug hat aber in einer kleine Ecke auch wirklich schöne Holzsschnitzereien. Leider sind die ein wenig zu schwer und auch zu teuern, um sie mal schnell ins Handgepäch zu packen. Nach Te Puia fuhren wir ins Thermalgebiet Whai o tapu, das so gut ist wie Te Puia. Auch hier war wenig los und wir hatten genug Zeit um uns die verschiedenen Farben anzuschauen und den Dampf um uns herumwabern zu sehen. Der Weg durch Whai o tapu ist unglaublich verschlängelt und führt an kleinen Terassen und Wasserfällen bis zu einem See. Auf dem Rückweg werden wir vom Einsammler gleich als gefunden markiert, die letzten Leute kurz vor Schluss werden nämlich am Eingang registriert und man möchte sicher stellen, dass keiner irgendwo in einem Mud Pool verloren geht.

     

Auf der Weiterfahrt in Richtung Rere Whakaaitu Campground des DOC gab es noch ein kleines Highlight, das dazu der schwäbischen Seele gut tut weil es umsonst ist: Baden im Kerosene Creek. Die Zufahrt ist nicht ausgeschildert und ohne den Lonely Planet wären wir einfach an der Zufahrt vorbeigefahren, was wirklich schade gewesen wäre. Das Planschen in dem von einer heißen Quelle gespeisten Warmwasserbach ist wirklich ein toller Abschluss des Tages in Rotorua und es ist nur wenig los, so dass sich die einzelnen Grüppchen gut verteilen. Fürs Abendessen kaufen wir bei Pak’N’Save Gurnard. Übrigens ist Gurnard in Neuseeland saubillig, überall zu haben und schmeckt wirklich gut. In Deutschland habe ich definitiv noch nie Knurrhahn gegessen…

20.12.

Gemütliches Aufstehen ist super und bei der Übernachtung auf einem DOC Campground absolut kein Problem. Danach steht die gemütliche Fahrt nach Orakei Korako an, was nicht direkt auf aber am Weg zum Lake Taupo liegt. Der Umweg lohnt sich wirklich allemal auch wenn das Wetter wieder mal sehr durchwachsen war und es immer wieder schauerte. Das Gebiet liegt auf der andern Seite des Flusses, die Bootsüberfahrt ist allerdings wie der einsetzende Wolkenbruch im Eintritt inbegriffen. Orakei Korako begeistert durch die Kalkterrassen und Blubbertümpel, wobei ich die Ruatapu Cave, eine der zwei einzigen Höhlen in Geothermalgebieten, am allerbesten fand. Auf dem Weg in die Höhle, die eher einem Gesteinsüberhang ähnelt, lag ein Stihl Blasgerät, mit dem ich natürlich gleich ein Foto machen musste. Unten in der Höhle befindet sich ein kleiner Tümpel mit unglaublich klarem Wasser. Man muss aufpassen nicht reinzutreten, da das Wasser so klar ist, dass man nicht sieht wo der Minisee anfängt und wo er aufhört. Eine Legende besagt, dass man das Wasser berühren muss um wieder an diesen Ort zurückzukehren. Habe ich natürlich gemacht - mal sehen ob es wirklich hilft!

Zum Aufwärmen und durchtrocknen bietet sich ein Kaffee und ein leckerer australischer Lamington an bevor man sich wieder auf den Weg macht. Es geht in Richtung Süden zum Lake Taupo, auf der Strecke lässt der Regen langsam nach und sobald die ersten Sonnenstrahlen die Wolken durchdringen wird gleich auch wieder wärmer. Der erste Stopp in Taupo selber sind die Aratiatia Rapids, die noch vor dem Ortseingang liegen. Da wir rechtzeitig dort ankamen, konnten wir uns die Schleusenöffnung um 14 Uhr ansehen – es dauert bis die Wassermassen sich im Flussbett anstauen und sich das gemütlich dahinplätschernde Flüsslein zu einem tosenden, rauschenden Fluss verwandelt. Ein irres Schauspiel, das sich bis zu 3 Mal pro Tag wiederholt. Es fängt wieder an zu nieseln, also weiter zu den Huka Falls – auch hier hat man eine tolle Sicht auf den durchs Wasser ins Gestein eingegrabenen Fluss. Nur kurz schafft es die Sonne wieder durch die Wolken, muss es aber bald wieder aufgeben um dem Regen Platz zu machen. Es sind jede Menge Leute unterwegs und auch Downtown Taupo ist bevölkert mit Menschen, die allerdings allesamt Schutz vor dem Regenschauer suchen. Wir sind in Taupo unterwegs um den 1. Versuch für das Shuttle der Tongariro Crossing zu buchen. Aber wegen des miesen Wetters ist das Shuttle am 21. abgesagt worden. Die Buchung für den 22. ist erst am nächsten Tag möglich, also bleibt uns nicht viel übrig als zu hoffen, dass das Wetter besser wird. Es schifft den kompletten Nachmittag wie aus Kübeln, also betreiben wir Shop hopping solange es geht - leider machen die Läden teilweise schon um 5 zu. Es bleibt also nur unser neuseeländisches Hobby: Kaffee trinken.

Nach dem Einkauf im Woolworth suchen wir uns einen Campground für die Nacht und landen bei De Bretts, wo die Stellplätze nicht wirklich toll sind. Immerhin ist aber die Irin am Emfpang sehr nett und die an den Campground angeschlossenen Spa Pools befinden sich in Laufnähe. Die kosten zwar extra (Gäste auf dme Campground bekommen nur Rabatt) lohnen sich aber auf jeden Fall. In den Beckem ist es herrlich warm und nach einigen Minuten fühlt man sich mit ein Schmorhähnchen. Entspannt und mit rosig roter Hautfarbe saßen wir dann bei Nieselwetter im Auto, brieten unsern Fisch und hatten das zweifelhafte Vergnügen, unseren australischen Nachbarn beim Grölen von Abba Songs zuzuhören. Leider grölten die am Grill, den sie damit gleich mal blockierten also gab es keinen Frillfisch bei uns sondern Pfannenfisch...und ich musste wieder Pfanne spülen. Ich hasse Spülen! In der Nacht ziehen die Wolken auf, man kann die Sterne sehen! 

21.12.

Die Wolken sind zwar auch am Morgen noch am Himmel zu sehen aber beim Check out bei De Bretts sieht es schon viel besser aus und vor allem kommt die Sonne mal wieder durch die Wolken zum Vorschein. Nachdem wir Taupo ja am Tag zuvor nur im Regen gesehen haben, wollen wir das an diesem Tag nochmal bei Sonnenschein wiederholen. Bevor wir uns aber mal wieder dem Konsum in Form von Outdoor Klamotten hingeben ruf ich mal wieder bei meiner Lieblingshotline an - Tongariro Expeditions, um einen erneuten Versuch zum Shuttle buchen zu machen. Im Normalfall landete ich egal zu welcher Tageszeit immer bei der Tonbandansage mit der zugegebenermaßen coolsten Stimme Neuseelands. Dunkles Timbre (natürlich männlich) und mit irgendeinem unidentifizierbarem aber interessantem Akzent. Irritierenderweise war genau diese Stimme wieder am Telefon, aber diesmal live - was ich anfangs nicht wirklich so richtig geschnallt habe! Der Kerl zur Stimme dran war absolut nett und witzig und zu allem Überfluss hatte er noch genau 2 Plätze im Shuttle vom Ketetahi Carpark zum Start der Tongariro Crossing frei. Es steht also fest - morgen gehts zum Schicksalsberg aus Herr der Ringe und es heißt laufen, laufen, laufen. Bevor man sich sowas aber antut, trinkt man schnell in Taupo noch gemütlich Kaffee, kauft Vorräte für den nächsten Tag bei Pak’N’Save und schaut sich zum ersten Mal Bungee Jumping live an. Taupo Bungy ist superschön gelegen und hat für viele absoluten Entertainment Faktor. Bei mir war der recht schnell einsetztende Effekt totale Übelkeit und leichtes Schwindelgefühl. Meine heimlichen guten Vorsätze, mir die Sache mal anzusehen und mich auch runterzuwerfen um eine neue Grenze auszutesten, waren schneller als jeder Springer im Fluß gelandet. Niemals im Leben und auch nicht im nächsten, zumindest sagte ich mir das in Taupo und auch jetzt noch - einige Monate später. Vielleicht komm ich ja mal in die Midlife Crisis Phase und schmeiß mich irgenwo runter, aber das hat auf jeden Fall noch Zeit. Im Gegensatz zu mir war Michi tausendfach mutiger und entschied sich nach einiger Zeit dazu, selber runterzuspringen. Ich hingegen traute mich nicht mal auf den Ausleger um von dort mal runterzusehen, auch das indische Pärchen, das im Tandem springen wollte wobei sie dann gekniffen hat, machten mich ein wenig nervös. Allerdings muss ich sagen, dass das Mädle absolut vernünftig war - lieber kneifen als springen. Nachdem man Michi gewogen hatte und samt Nummer um den Hals und Gewicht auf der Hand auf den Ausleger geschickt hatte hieß es warten bis nach der Mittagspause. Irgendwie war mir mulmig - hallo mein Freund lässt sich an ein Gummiband binden und springt 50m runter und zahlt dafür noch Geld.... beruhigend wirkten bei mir nur die Aussicht auf den Fluss und das sonnebrandgefährliche Wetter. Der Sprung selber war schnell vorbei und Michi wirkte nachher relativ cool - scheinbar hat er aber nicht den Virus bekommen und sprang sonst in Neuseeland nirgendwo mehr runter!

Nach der Portion Adrenalin zum Mittag fuhren wir weiter in Richtung Tongariro National Park und schauten uns zuallererst einmal den Ketetahi Carpark an. Dort wollten wir übernachten, um uns für den nächsten Morgen die Fahrerei zu ersparen. Nachdem wir also wussten, wie der Endpunkt der Tongariro Crossing aussieht, fuhren wir weitern ins vor allem im Winter überbevölkerte Whakapapa Village. Leider hielt sich das gute Wetter vom Morgen wieder mal nicht bis in den Nachmittag und es fing mal wieder an zu regnen, außerdem verhießen die dunkelgraue Wolken nichts Gutes für den Rest des Tages. Im Visitor Centre im Whakpapa Village versicherten uns die hilfsbereiten Ranger jedoch, dass  für den Folgetag Sonne und leichte Bewölkeung vorhergesagt wird - es kann ja nur besser werden. Um die Zeit noch ein bisschen sinnvoll zu nutzen fuhren wir ins Skigebiet, die Straße dorthin führt durch eine totale Mondlandschaft mit Vulkangestein überall an den Hängen. Es regnet immer stärker und ganz oben liegen sogar mitten im neuseeländischen Sommer noch hier und da Schneereste. Die Stimmung wurde langsam richtig gespenstisch, da Wolken und Nebelfetzen die Hänge hinunter waberten und man sich gut vorstellen kann, wieso sich hier einige Drehorte des Herrn der Ringe befinden. In einer Regenpause schaffen wir zum Abschluss noch einen kurzen Walk zu den Tawhai Falls, kaum sind wir aber wieder im Auto gießt es aus allen Kübeln weiter. 

Zum Glück ist es aber in unserem Schiff schön warm und trocken und man muss keinen Schritt nach draußen machen. Zurück zum Ketetahi Carpark genießen wir unser Auto und sind froh, nicht wie unsere französischen Nachbarn beim zelten durchnässt zu werden.

22.12.

Früh aufstehen ist an diesem Morgen angesagt, denn das Shuttle kommt um 7.15 Uhr. Es ist noch ziemlich frisch draußen allerdings wärmen die Sonnenstrahlen auch die kalten Füße schnell auf. Meinen Rucksack stopfe ich mit jeder Menge Klamotten voll, damit ich auch für alle Temperaturen und Wetterverhältnisse gewappnet bin. Die sind aber nicht so schwer wie meine grundsätzlich sehr großzügige Wasserversorgung in Form von mehr als 3 Litern Wasser. Der Shuttle Bus ist wirklich bis auf den letzten Platz ausgebucht, wir hatten also wirklich Glück noch Sitze zu bekommen. Unser 7.15 Uhr Bus ist der Späteste von Tongariro Expeditions, wir wollten ja schließlich nicht noch früher aufstehen müssen. Auf fer Fahrt zum Mangatepopo Caprpark sieht man endlich die Berge und wir haben herrliches Wetter. Am Magatepopo Hut stehen bereits unzählige Shuttles und man sieht die Wanderer wie kleine Ameisen die Hügel erklimmen.

Ab auf den Weg, der erst einmal  recht flach auf Bohlen durch eine hügelige Landschaft führt. Nach knapp 40 Minuten erreicht man dann den ersten Stopp für die meisten - das Klo vor den Aufstieg namens  Devil’s Staricase. Der Name ist entgegen der Erklärung von Tongariro Expeditions nicht ganz passend, so schlimm ist es nicht und selbst ein wenig angestrengte Oberschenkelmuskeln sind bei der Aussicht auf den Mt. Taranaki und das Land drumrum schnell vergessen. Am South Crater bogen verließen wir den Standardweg um Aufstieg auf den Mount Ngauruhoe (2287m) in Angriff zu nehmen. Die ersten Meter sind hier auch noch gut machbar, allerdings wird es irgendwann mal extrem steil, der Weg ist unmarkiert und wer wie ich Höhenangst hat, könnte ein wenig Probleme kriegen. Bei mir gab es Momente, in denen ich tief durchatmen musste um nicht in Panik zu verfallen, vor allem wenn von oben die Rufe 'Rocks falling' kamen und eine kleiner Gerölllawine an einem vorbeirattert oder wenn man selber vom schmalen Weg rutscht. Zu allem Überfluss zogen auf halbem Weg nach oben Nebel und Wolken auf, sodass die Sicht wirklich schlecht wurde. Teilweise konnte man den Weg nach oben nur noch schwer erkennen (weil man nicht mal 10m sehen konnte) aber wir erreichten nach gut einer Stunde nach der Überquerung eines Schneefeldes den Kraterrand. Die Aussicht von dort oben kann der vom Fuji definitiv Konkurrenz machen, vor allem das unter einem wabernde Wolkenmeer ist wunderschön. Den restlichen Weg der Tongariro Crossing ist von oben ebenfalls auszumachen und windet sich durchs Tal wieder hinauf bis zum Blue Lake. Wir machen nur eine kurze Pause zum Essen und machten uns auf den Weg nach unten. Der ist dank des Schlidderhighways relativ schnell erledigt ist allerdings für die Knie eine Tortur. Ich war verdammt froh über meine Handschuhe, ohne die hätte ich mir die Hände an dem schroffen Vulkangestein schnell aufgerissen.

   

Auf dem Hauptweg wanderten wir nun entspannt weiter bis zum nächsten Anstieg zum Red Crater (neuseeländisch: Rieeeed Craihhhtehr) von wo aus man die irren Farben um einen herum und natürlich das Wolkenschauspiel ansehen kann. Die Wolkenfront zog immer weiter in unsere Richtung und es war nicht mehr möglich den Ngauruhoe zu sehen. Die Schlidderei beim Abstieg zu den Emerald Pools war halbwegs entspannt, da wir ja schon Erfahrung darin hatten. Die Farben der Pools wirken in der Landschaft surreal, genauso wie der überall aus Spalten austretende Dampf in Verbindung mit einem herrlichen Schwefelduft. Den Großteil der anderen Wanderer hatten wir an den Pools bereits wieder überholt und das obwohl wir den 1.5h Abstecher zum Ngauruhoe gemacht hatten.

   

Der Weg von den Pools zum Blue Lake ist erst einmal angenehm flach, bevor der letzter Aufstieg zum Blue Lake ansteht. Vom Krater des Ngauruhoe aus hatten wir noch das blaue Leuchten des Sees sehen können, jetzt versteckte sich aber alles in den Wolken. Kaum hat man den See recht liegen lassen beginnt der lange Abstieg zum Ketetahi Hut. Wir überholten bei genialer Aussicht auf den Lake Taupo und Lake Rotorua wieder viele Wanderer, auch wenn es steiler wird und wir langsam aber sicher jeden Höhenmeter spüren machen wir nicht wie die meisten am Ketetahi Hut Pause sondern laufen weiter. Kaum sind wir an den heißen Quellen vorbei, fangen die Füße an richtig weh zu tun, meine Knie knirschen miteinander um die Wette und die die letzten Kilometer ziehen sich unendlich hin. Irgendwann führt uns der Weg in den Regenwald hinein und der Weg wurde durch die Regenfälle in den Tagen davor extrem matschig. Fürs nächste Mal weiß ich, dass die letzten Meter angebrochen sind, sobald ein kleiner Bach und viele Brückchen auftauchen. Ich war unglaublich froh, als wir endlich am Auto angekommen waren. Auf dem Carpark war die Hölle los, überall standen Shuttle Busse Schlange, die Wanderer liegen komplett erschöpft auf den Rasenflächen rum. Wir sind froh ins Auto springen zu können. Auf der Fahrt nach Wanganui kann man in der Ferne Mount Taranaki sehen. Den Abend verbringen wir in Whangarnui auf dem Top 10 Campground am Fluss mit Schluss an eine Entenfamilie. Die Anlage war gut in Schuss, die Dusche absolut herrlich nur meinem Knie gefiel der Tag wohl insgesamt nicht so gut wie mir - es sieht aus wie ein Ballon, tut weh und ich kann nur noch humpeln. Wo sind meine Diclofenac Tabletten?

 

23.12.

Nach dem anstrengenden Tag zuvor lassen wir es heute in Downtoan Whanganui langsam angehen. Die Stadt selber ist übersichtlich und macht einen besseren Eindruck wenn die Läden geöffnet sind als abends - da ist nämlich alles wie ausgestorben. Das Wetter bleibt auch an diesem Tag halbwegs schön und wir genießen die gemütliche Atmosphäre. Meinem Knie geht es dank Salbenwickel besser und unsere Fahrt geht weiter. Auf dem Highway 3 in Richtung Wellington fahren wir durch Zufall durch das Metzingen Neuseelands. Ich habe keine Ahnung mehr, wie der Ort heißt - ich habe ihn der Einfachheit halber Outlet City getauft und er liegt in der Nähe von Otaki.

Auf der Weiterfahrt versuchen wir Obst an einem der Straßenstände zu kaufen, doofeweise sind die Läden aber immer auf der falschen Straßenseite. Wir landen schlussendlich bei einem total unmotivierten Griechen und das Obst selber ist nicht besser oder schlechter und auch nicht billiger als im Supermarkt. Erwähnenswert auf der Strecke ist unbedingt ein total lieber Opa, der Jam und Chutney in seiner Garage verkauft. Das selbstgemachte Banana Chutney ist der Hammer und auch das Chilli Jam kitzelt die Geschmacksnerven auf positive Weise. Wäre diese Garage um die Ecke und nicht am andern Ende der Welt, ich würde sicherlich zum Nachfüller der Bestände einmal die Woche bei ihm einkaufen. Seinen Picknickplatz am Flussufer im Garten bietet er uns auch noch an, damit wir gleich Gelegenheit haben die Leckerein zu probieren. Aber wir fahren weiter und erreichen langsam dichter besiedeltes Gebiet. Bei Paekakariki fahren wir zum ersten Mal an den Strand und überlegen uns wo in der Nähe von Wellington wir übernachten möchten. Die begrenzte Wahl fällt auf Camp Elsdon in Porirua, was sich leider nicht als Volltreffer herausstellt, was mit an der Lage mitten im Gewerbegebiet liegt. Der Platz ist keine Schönheit, die Duschen auch nicht aber die kurzen Wege nach Wellington sind ein Argument. Also lassen wir unsere Stühle als Platzhalter zurück und machen uns auf den kurzen Weg nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. Erster Pluspunkt der Stadt sind zentral gelegene, große und vor allem preislich absolut akzeptable Parkplätze (z.B. Queens Wharf). Downtown Wellington ist zu Fuß gut erlaufbar und ich auch sonst recht übersichtlich. Kaum hatte ich einen Victoria Maine Shop gesehen, trug ich eine Tüte durch die Stadt. Zum Abendessen landeten wir leider nicht wie geplant in dem im Führer erwähnten und beschriebenen Maori Restaurant Kai, sondern in der Mac's Brewery. Das Kai ließ sich schlichtweg nicht finden und die Brewery mit ihrer Lage direkt am Hafen, leckerem Essen und gutem Bier entpuppte sich als gute Alternative. Zurück im Camp Elsdon in Porirua waren wir froh, typisch Deutsch unser Revier markiert zu haben, denn es war rammelvoll. Unsere deutschen Nachbarn versuchen Lackschäden am Auto zu reparieren, denn für den nächsten Tag stand bei denen vor dem Heimflug nach Deutschland nach wohl langem Aufenthalt in Neuseeland der Autoverkauf auf dem Plan.

24.12.

Fröhliche Weihnachten, aber nicht in Neuseeland, da ist nämlich der 24. ein ganz normaler Tag. Wir beginnen den Tag amerikanisch bei Denny’s und sind danach eine Erfahrung reicher – neuseeländisches Denny’s Frühstück ist einfach eklig und muss nicht wiederholt werden. Da wir am nächsten Tag keine Einkaufsmöglichkeit haben würden, deckten wir uns soweit wie möglich in der Mall in Porirua mit Lebensmittel ein. Leider endete die Suche nach Fisch fürs Weihnachtsessen erfolglos, denn fast alles an Fisch war leider ausverkauft. Komisch ist in Neuseeland, dass man überall nie weit vom Meet entfernt ist, aber frischen Fisch zu bekommen ist nicht so einfach. Übrigens, was denkt ihr wohl, welchen Fisch wir am Ende wieder in der Einkaufstüte und später im Kühlschrank hatten? Genau, Gurnard! Versorgt mit dem Wichtigsten parkten wir wieder auf dem Parkplatz an der Queens Wharf und machen uns vor dort aus auf die Runde durch die Stadt. Es sieht nach Regen aus und  natürlich fängt es dann auch an zu nieseln als wir los laufen. Überall gibt es in Wellington überdachte Fussgängerwege, es scheint hier wohl öfter zu regnen. Unsere Runde durch die Stadt beginnt am Regierungsgebäude namens Beehive, geht dann auf der Suche nach der Cable Car Station quer durch die Stadt bis wir inmitten der Einkaufsmeile die Station dann doch noch finden. Es ist immer noch nieselig aber trotzdem ist die Aussicht auf die Stadt sehr nett und allein die Aussicht und die Geschichte der Cable Car ist es wert, diesen kleinen Abstecher zu machen. Das kleine Cable Car Museum überzeugt weil man dort man eine Regenpause einlegen kann und außerdem sind Fotos auf den schrägen Sitzen der originale Wagen immernoch witzig. Nachdem wir wieder im Trubel der Einkaufsmeile eintauchen gibt es Shop Hopping um nicht im Regen stehen zu müssen. Ob bei Regen oder Sonne, der Stopp bei en NZ Honeymakers ist ein Muss, denn hier gibt es nicht nur eine große Auswahl an verschiedem Honig sondern auch das leckerste Eis der Welt, nämlich Manuka Icecream. Gegenüber liegt der Laden des neuseeländischen Labels Untouched World, dessen Hauptsitz in Christchurch ist. Hier findet man schöne Sachen aus Merinowolle in Waschmaschinenqualität und zudem auch noch aus dem Winterschlussverkauf reduziert.  Mit der netten Verkäuferin, die ursprünglich aus China stammt unterhalte ich mich über Hello Kitty, Qingdao Bier und das scheinbar oft regnerische Wetter Wellingtons.

Im Regen fahren wir aus der Stadt entlang der Bucht über Lower Hutt bis zum Cape Palliser, an dem es einen DOC Campground gibt der allerdings nicht wirklich verlockend aussah. Daher entschieden wir uns direkt am Cape, wo man nicht mehr weiterfahren darf, zu übernachten. Unseren Weihnachtsabend im Regen verbringen wir eingemummelt in Decken und warme Klamotten und eigentlich erinnert nur unser Plastikweihnachtsmann an Weihnachten. Unser Festessen besteht aus Crayfish, Gurnard und Spargel, das ist dann die fischessende vegetarische Variante der Weihnachtsgans.

 

25.12.

Die Sonne ist wieder da, genau das richtige Wetter zum eigentlichen Weihnachtsfest der Neuseeländer. Wir genießen das Wetter und machen uns ein gemütliches Frühstück mit Strandblick - so lässt es sich aushalten. Die Morgengymnastik besteht aus einem Spaziergang in Richtung Seal Colony, vorbei an Schafen und immer mit Blick aufs Meer und die Berge. Leider haben wir nicht genug Zeit um den ganzen Weg zu den Seelöwen zu bewältigen und müssen auf halber Strecke umdrehen um unsere Interislander Fähre zu erwischen. Denn heute geht es auf die Südinsel. Um 14.15 Uhr legt unsere Fähre pünktlich in Richtung Picton ab und wir sagen Wellington fürs erste auf Wiedersehen. Erst vom Meer aus sieht man, wie zusammengedrängt die Stadt auf dem kleinen Streifen flachen Landes inmitten der Hügel liegt. Es ist extrem windig und daher flüchten wir nach kurzer Zeit ins Café und trinken Kaffee. Aber kaum fahren wir durch die ersten Fjorde der Südinsel wird das Wetter mieser, es ziehen Wolken auf und es regnet.

Vom kleiner Fährhafen Picton aus fahren wir die kurvige Küstenstraße entlang in Richtung Motueka. Auf der Straßenkarte sieht die Strecke recht überschaubar aus, allerdings zieht sich die Fahrt lange hin. Statt wie geplant einen Campground auf dem Weg zu suchen, fahren wir des schlechten Wetters wegen weiter – gute Entscheidung! Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Marahau und bekommen auch noch einen Platz im Marahau Beach Camp. Das Wetter ist herrlich und wir genießen die letzen Sonnenstrahlen bei Bier in der Hand und Sand zwischen den Zehen. Die Aussichten für den nächsten Tag sind gut, was uns entgegenkommt denn der Abel Tasman Track angesagt. Zum neuseeländischen Weihnachtstag gibt es Christmas Pudding aus der Mikrowelle, ein kleiner Luxus der dank Stromanschluss kein Problem ist.

 

26.12.

Zuerst bezahle ich am morgen brav die Campinggebühr im Office um die Ecke, oder besser gesagt ich versuche es. Leider verdarb mir die dumme Schnepfe ein bisschen die gute Laune, da sie sich erst mal quer stellt und uns nicht noch eine Nacht bleiben lassen will, ohne dass ich gleich noch ne Tour bei denen buche. Ihre Kollegin pfiff die Dame dann aber nochmal zurück und der Platz für den Abend war also gesichert. Unser Tag im Abel Tasman begann dann bei strahlendem Sonnenschein beim Büro des Aqua Taxis, das wir schon Wochen vorher per Internet gebucht hatten. Um 10.30 Uhr wurden wir in ein Aqua Taxi geladen, das per Traktor dann an den Strand geschafft wurde. Eine wirkliche abenteuerliche Sache, die aber jeder Anbieter macht und deswegen sind die Straßen von Marahau morgens und nachmittags von Traktoren mit Booten im Schlepptau bevölkert.

Mit dem Wassertaxi bekommt man auch noch ein bisschen Sightseeing gratis dazu, denn zuallerst macht unser Skipper einen kurzen Abstecher zum bekannten Split Apple Rock bevor wir in Richtung Bark Bay flitzen. Auf dem Weg dorthin bekommt man einen guten Überblick über die Strecke, die uns an dem Tag bevorsteht und die einen Teil des Abel Tasman Coastal Tracks ist. Dieser windet sich am Meer entlang und kann auch locker auf ein oder zwei Tage mit Übernachtung ausgedehnt werden. Wir hatten uns vorher für diesen Abschnitt entschieden, der an den angeblich schönsten Stellen des Parks vorbeiführt. Wir landeten nach ca. 40 Minuten Fahrt im türkisfarbenen Wasser der Bark Bay, unserem Startpunkt. er Weg ist sonnengeschützt und das permanente auf und ab geht teilweise schon ein wenig in die Beine. Aber das fällt einem kaum auf, denn immer wieder bieten sich unglaublich schöne Aussichten auf die Küste und kleine, versteckte Traumbuchten.

Bei Ebbe überqueren wir die Torrent Bay, was uns gut eine Stunde erspart da die Strecke bei Ebbe um einiges kürzer ist. Wir laufen zurück bis bis Marahau und sind um kurz nach 17 Uhr wieder auf dem Campground. Der Weg war anstrengend, vor allem die letzten Meter bis Marahau ziehen sich und bieten nur noch wenige interessante Aussichten. Trotzdem lohnt sich der Track insgesamt wirklich! Zur Feier des Tages und weil wir keine Lust auf Kochen hatten, buchten wir einen Tisch im 'Hooked on Marahau' wo es dann leckersten Fisch und viel zu viel Weißwein gab.

27.12.

Heute mussten wir früh raus, denn es geht zum Kajak fahren. Nicht ganz so einfach, denn ich hab vom Weißwein noch leichte Kopfschmerzen. Wie das Aqua Taxi hatten wir auch die Kayaktour schon Wochen vorher gebucht. Unsere Tour läuft als 'Freedom Rental' bei Ocean River und hat den Vorteil, dass man nach einer Einführung selber soviel und wohin an will paddeln kann. Unser Instructor Claire zeigte uns uns unseren Gruppe erst einmal auf dem Trockenen, wie man sich ins Kayak setzt, wie man ein Paddel hält und wie man sich nicht total zum Idioten auf dem Wasser macht. Die Trockenübungen mit dem Paddel und der Spritzdecke klappen schon ganz gut, immerhin mach ich das zum allerersten Mal.

Die Kayaks wurden dann auf den Anhänger verladen und es ging ab zum Strand. Es wird ernst - denn jetzt paddeln wir auf dem Meer. Die Sonne brennt uns auf den Kopf und die Arme, ich hoffe nur dass ich genug Sonnencreme auf meine käsige Haut geschmiert habe. Wir paddeln los in Richtung Stillwater Bay – das Meer ist flach und wir kommen gut vorwärts. Zu meiner eigenen Überraschung schaffen wir es sogar bis zur sogenannten Mad Mile, auf der das Meer extrem rau wird und das Paddeln nur noch nervt. Dort drehten wir auch um und gönnten uns eine ausgedehnte Pause in der Stillwater Bay. Meine Hände taten weh und meine Arme fühlten sich an wie Wackelpudding. Entgegen des Namens Stillwater Bay ist es da nicht still sondern rappelvoll, man findet kaum ein gemütliches Plätzchen fürs Mittagessen. Gegen 13 Uhr entschieden wir weiterzupaddeln, vorbei an Adele Island wo die Arme lahm, die Wellen höher und der Wind stärker werden. Um 3 Uhr setzen wir das Kayak am Strand von Marahau ab und latschen zur Base. Eigentlich sollten wir erst um 4 Uhr wieder abgeholt werden, aber uns beiden reicht es. Auf der Base gibt es  zum Glück Duschen, was auch gut ist um die Zeit totzuschlagen, denn es dauert ewig bis wir alles erledigt haben und gehen können. Scheinbar ist es selten, dass Leute die Kayaks früher zurückbringen und das verwirrt die Mitarbeiter dann doch ein wenig.    

Bei einem Cappuccino und Carrot Cake im Hooked on Marahau melden sich die schmerzenden Oberarme und ich bin froh, das ich meine rote Birne unterm Sonneschirm verstecken kann. Der Tag im Kayak war genial, aber Seekayaking ist definitiv nichts für mich. Es geht weiter in Richtung Süden - der Abschied von Marahau fällt schwer, denn es ist ein herrliches Fleckchen Erde.

 An diesem Tag übernachten wir auf dem DOC Campground am Lake Rotoroa, den ich nur den Sandfliegensee nenne. Der Platz selber ist eine Grünfläche direkt am Waldrand und zwar keine wirklich schöne Grünfläche. Viel besser stellt man das Auto auf dem Parkplatz unten am See ab. Nur doof, dass die ganze Idylle von Millionen an Sandfliegen getrübt wird. An diesem Abend liebe ich unsere Fliegengitter im Auto.

28.12.

Weg von den Fliegen, wir türmen ohne Frühstück und holen das lieber in der Sonne und ohne lästige Flugtiere an einem Picknickplatz nach. Dort wird auch gleich mal das Auto grob ausgeputzt, es ist nach den ersten Tagen definitiv mal nötig. Die Strecke bis zum Meer gibt einiges her, vor allem die Gegend um Murchison, das als Whitewater Capital of the World bekannt ist - und das zurecht. Ursprünglich wollten wir an der Buller Gorge nur die die längste Hängebrücke Neuseelands auf der To Do Liste abhaken, entschlossen uns dann aber zu einer Jetboat Fahrt – voll coooool und hinterher war ich klatschnass.

Der erste Ort an der Westküste der Südinsel ist auf unserer Tour Wesport. Dort herrschte absolut tote Hose, darum tankten wir nur schnell voll und stellten fest, dass die komplette Gasflasche noch voll ist. Also alles klar, weiter gehts. Kurz außerhalb der Stadt befindet sich eineSelöwenkolonie, die absolut sehenswert ist und auch vom Geruch her definitiv einzigartig ist. Diesüden bis nach Punakaiki zu den Pancake Rocks. Leider ist als wir dort ankommen gerade Ebbe, daher sprüht das Wasser nicht durch die Blowholes. Trotzdem sehen die Felsformationen im Licht der Nachmittagssonne spektakulär aus. Die vielen 'for sale' Schilder an den Straßen sind traurig aber bringen mich natürlich schon ein bisschen auf Ideen - ein Haus in Neuseeland, klingt doch nicht schlecht oder? Nach unserem langen Fahrtag mit vielen zurückgelegten Kilometern verbringen wir die Nacht auf dem ersten wirklich schönen DOC Campground Goldsborough kurz vor Hokitika.

29.12.

Der Campground liegt in einem alten Godlgräbergebiet und ist mit alten Stollen durchzogen. Direkt an der Straße zurück auf den Highway in Richtung Hokitika liegt der Tunnel Walk, bei dem man durch die Stollen und den Regelwand einen kurzen Rundweg machen kann. Lohnt sich und bringt den Kreislauf fürs Einkaufen in Schwung.

Hokitika ist die Welthauptstadt der neuseeländischen Jade, die auf Maori Waipounamu genannt wird. In den Straßen liegt ein Shop am andern und am allerschlimmsten ist die Jade Factory, die viel Schrott verkauft und vieles in China herstellen lässt. Da ich auf der Suche nach einem Schmuckstück war, das mich direkt anlacht und das ich unbedingt haben will, weil es einzigartig ist war die Suche nicht ganz so schnell erledigt. Aber bei Heritage Jade wurde ich fündig und investierte mehr als ich geplant hatte in einen wunderschönen Anhänger, dessen tiefgrüne Farbe mich jedes Mal wieder begeistert. Romantisch wie ich und Michi ja sind (dem geübten Leser fällt hier ein sarkastischer Unterton auf) kauften wir dann gleich noch bei Waitepounamu 2 kleine Spiralanhänger. Der Besitzer des Ladens, ein Maori, sammelt und bearbeitet die Steine selber und erzählt einem viel über die Bedeutung und die Herkunft der Steine.

Hokitika ist aber nicht nur wegen der Jade (auch Grünstein genannt) ein Highlight - auch andere Steine werden hier verarbeitet. Wir liefen eigentlich mehr durch Zufall in einen kleinen Laden rein, in dem wir uns sofort in Steinmatten verliebten. Von Hand ausgesuchte Steine werden auf eine Filzunterlage 'gewebt' und das Ergebnis ist besser und schöner als jede Matte, die ein Chinese nur erdenken könnte. Da die Dinger aber sauschwer sind, konnten wir nichts direkt kaufen. ABER 5 Wochen nachdem wir wieder in Deutschland waren flog unsere 11,8kg schwere Matte fürs Bad aus Neuseeland nach Deutschland. Der liebe deutschte Zoll war dann auch ein wenig verwirrt, wieso man sich denn sowas aus Neuseeland kommen lässt und konnte das Argument 'gibt es nur dort' nicht nachvollziehen. Wurscht, ich freu mich jeden Tag wenn ich meine Füße auf die Steine setze und denk an Hokitika, die Sonne und hab ein Stück Neuseeland direkt bei mir.

In Hokitika essen wir zum ersten Mal Whitebait in Form von Omelett, wobei ich diese nicht wirklich ausgewachsenen kompletten Minifische einfach nur als geschmacksneutral beschreiben würde. In Neuseeland eine Delikatesse, kann man auch essen aber muss man nicht. In der Stadt bekamen wir dann auch bei der Frage nach dem nächsten Fish Shop ein herrliches Beispiel neuseeländischen Akzents um die Ohren gehauen: 'Down the schdrieed ontuuu the leeeeehhhft there is a fish shohhhhp'. Wichtig heute auch der Stopp am liquor store umSekt für Michis Geburtstag zu kaufen.

Unsere Fahrt entlang der schroffen Westküste Neuseelands bis zum Franz Josef Glacier glänzt mit herrlichen Aussichten aufs Meer und auch das Wetter ist gut. Im Visitor Centre dann das nächste Erlebnis mit der neuseeländischen Sprache in Form eines extrem merkwürdigen Akzents, bei dem Glacier wie Glässiiär ausgesprochen wird und grundsätzlich jeder zweite Buchstabe verschluckt wird. Einige Inder bombardieren die Leute im Visitor Center mit Fragen, kaum eine Woche später sterben 2 Inder am Fox Gletscher durch Eisblöcke, die vom Gletschertor abgebrochen waren. Wir machen den Glacier Walk zum Gletschertor, ein rutschiger Weg mit Seilen und teilweise extrem rutschigen Passagen. Am Gletschertor herrscht Stau, weil dermaßen viele Tourjogis unterwegs sind, dass man wäre auf dem Highway.

Als wir am nächsten Stopp, dem Fox Glacier ankommen ist das Wetter immer noch stabil und wir haben gute Sicht. Das Wetter für den Folgetag soll durchwachsen werden. Für mich ist allerdings nicht der Gletscher selber das absolute Highlight sondern die komplette Aussicht auf das Bergpanorama der neuseeländischen Alpen. Meiner Meinung nach hat man vom Mt. Cook Viewpoint hinter Fox Glacier auf dem Weg zum DOC Campground am Gillespies Beach die beste Aussicht. Auch vom Gillespie Beach aus kann man den Blick schweifen lassen. Der Campground kostet nicht uns ist als wir ankommen schon überfüllt, so dass wir uns einen Parkplatz sichern und dort stehen bleiben. Insgesamt ist das aber der absolut tollste Campground. Der herrliche Blick auf den Gletscher und die Southern Alps auf der einen Seite und ein unglaublich schöner Strand auf der andern Seite. Gegen Abend zieht es langsam zu, die Wolken werden dichter aber wir genießen trotzdem noch einen bombastischen Sonnenuntergang bevor es dann anfängt zu regnen.

      

30.12.
Happy Birthday Michi! Ich singe jetzt hier nicht (abgesehen von der akustischen Katastrophe hätte ich auch für MP3 Files keinen Speicherplatz mehr auf dem Mylife Server). Wir packen zusammen und sind froh, dass wir am Tag zuvor sowohl Franz Josef als auch Fox Glacier angesehen haben, denn wo gestern noch das Panorama der Alpen zu sehen war sind nur noch Wolken zu sehen. Auf dem Campground herrscht noch immer totale Überfüllung und wir beschließen uns zur Feier des Tages Frühstück in Fox Glacier zu gönnen. Das kleine Café neben dem Supermarkt liegt direkt an der Straße und ist zum Glück regengeschützt, denn das brauchen wir auch an diesem Tag wieder. Die Westküste ist bekannt für viele Regentage und wir sind uns einig, bislang wirklich Glück gehabt zu haben. Leider müssen wir den Heliflug über die Gletscher streichen, denn bei dem Wetter fliegt keiner. Also fahren wir weiter über den Haast Pass in Richtung Queenstown. Direkt an der Strecke durch bewaldetes Gebiet liegen die Blue Pools, die über den gleichnamigen Walk schnell erreichbar sind. Der Weg führt durch den Wald, an dem wirklich dicke mit Moos bewachsene Bäume stehen. Den Makarora River überquert man über eine Hängebrücke und ist dann schon direkt an den Pools. Das Wasser ist unglaublich klar und schillert je nach Sonneneinstrahlung in diversen Schattierungen von türkis. Da die Pools mit Schmelzwasser aus den Alpen gespeist werden, trauen sich nur mutig
e in die eiskalten Fluten, mir reichte es meine Zehen nach kurzer Wasserberührung wieder in meine Schuhe zu stecken. Die Strecke auf dem State Highway 6 hat aber außer den Blue Pools noch einiges mehr zu bieten wie zum Beispiel die Gates of Haast, eine gigantische Felsblockschlucht über die Neuseelands längste einspurige Brücke über den Haast River führt. Auch die Fantail Falls und zig andere kleinere Wasserfälle laden zu einem kurzen Stopp ein. Uns allerdings nicht, denn es regnet wie aus Kübeln und wir fahren vorbei am Lake Wanaka und dem Lake Hawea nach Wanaka.

Ab Wanaka gibt es zwei Möglichkeiten nach Queenstown zu fahren, wir entscheiden uns für die Route über Cardrona und die Crown Range Road. Die Straße wird teilweise als abenteuerlich bezeichnet, ist aber eine zwar kurvige und schmale aber wirklich schöne Strecke wenn man in diese Richtung fährt. Durch ein mäanderndes Tal führt die Straße durch saftig grüne Wiesen, die über und über mit blühenden Lupinen übersäht sind.  Daher bleibt das Tal für mich als Lupinenmeer in Erinnerung, man könnte ihm aber auch den Namen 'Tal der hüpfenden Autos' geben. Wieso? Wir kamen an einem Auto vorbei, das ziemlich weit auf einem Felsen hing und da hin gesprungen sein musste. Eine andere Erklärung fiel mir spontan leider nicht ein, die Besitzer des Autos standen ebenfalls relativ ratlos und wartend daneben und sahen auch aus, als würden sie sich immer noch überlegen, wieso das Auto grade in dem Moment einen solchen Satz gemacht hat. Vielleicht war's ein Versuch von Reverse Auto Bungee...man weiß ja nicht, welchen neuen Extremsport man sich in der Nähe von Queenstown jetzt wieder ausgedacht hat. Von der Höhe der Crown Range geht es dann über eine Serpentinenstraße wieder auf den Higway Nummer 6, die Strecke aus Richtung Queenstown ist sicherlich nicht empfehlenswert, da bei schweren und großen Autos Kühlergefahr besteht.

 In Queenstown selber hatten wir erst mal nur Pech, denn alle zentralen und kommerziell betriebenen Campgrounds sind voll. Einzige Ausweichmöglichkeit war der DOC Twelve Mile Creek, der sich im Nachhinein auch als hervorragende Alternative entpuppte. Wir erwischten dort nämlich einen netten Stellplatz direkt am Bach mit einem eigenen kleinem aufgestauten Pool. Den Abend verbrachten wir damit, uns im doch relativ überschaubaren Queenstown zu orientieren. Das heißt meistens folgendes: Supermarkt, Klamotten, Leckeres. Ist aber in der Stadt auch nicht wirklich schwierig, denn Downtown besteht aus wenigen Querstraßen. Erwähnen muss ich das Restaurant ‚Fishbone’, in dem wir an dem Abend leckerst essen waren. Es gab dort die genialste, leckerste Scholle aller Zeiten und auch die Scallops und Whitebait sind genauso wie der Nachtisch zum Finger schlecken gut. (http://fishbonequeenstown.co.nz/)

Auf der Rückfahrt zum Campground bekamen wir eine neuen Einblick in die Arbeit der neuseeländischen Polizei, als wäre der Strafzettel am Anfang nicht schon genug gewesen. Die komplette Ausfallstraße war gesperrt und jeder einzelne wurde zur Alkoholkontrolle gebeten, hier musste man nicht pusten sondern nur in ein Gerät seinen Namen und die Adresse sagen...naja....beim Reden scheint man auch genug zu pusten.

31.12.

Was gibt es schöneres als den Morgen mit einem Sprung ins kalte Wasser zu beginnen – wenn man keine Dusche hat muss halt die Außenbadewanne ran und die war, dank miesem Wetter, verdammt kalt. Zum Glück für mich hatten wir keine Nachbarn und im Fluss schwammen auch keine Fische. Die Wolken hingen schon tief und verhießen für den Tag nicht wirklich allzu viel Gutes. Als Entertainment Programm für den Tag stand erst einmal die nähere Umgebung von Queenstown an, die kleine Stadt. Erstes Ziel des Tages war deswegen  Arrowtown, das nur wenige Kilometer von Queenstown entfernt liegt. Das Parken ist wie in der Stadt auch hier eine Katastrophe, die Stadt oder eher das Dorf Arrowtown ist nämlich wirklich winzig und total überlaufen. Immerhin rettet uns der Pieladen über den kleinen Hunger zwischendurch hinweg und es ist dort trocken, denn es regnet! (http://www.arrowtown.com/)

 Die Hauptstraße von Arrowtown und die Läden sind ganz nett aber nichts wirklich Besonderes. Das Chinese Settlement selber ist allerdings wirklich interessant und schockiert die Touris wohl, wobei die Hütten noch besser aussehen als die ein oder andere Wohnung eines chinesischen Fabrikarbeiters heute. Nächster Stopp nach ein wenig neuseeländischer Geschichte ist die Kawarau Bridge, die Geburtsstätte des Bungee Jumpings. Die Brücke liegt außerhalb von Queenstown und wird als 'Home of the Bungy' angepriesen. Vielleicht sind die Preise deswegen um einiges höher als sonstwo, allerdings hat A.J. Hackett hier dann auch noch andere Sachen im Angebot, als die popelige Kawarau Bridge. Wer den Adrenalinthrill sucht, bucht sich doch gleich mal für die Thrillogy ein, 3 Bungy Sprünge an einem Tag, darunter auch der Nevis Highwire. (http://www.bungy.co.nz/) Senioren bekommen ebenso Rabatt wie Kinder, als wir dort waren beeindruckte mich ein 10 jähriger Junge, der locker flockig von der Brücke sprang und kaum unten schrie 'Again mum, can I do that again please?'. Ja, dazu sag ich nur, dass ich auch hier an der Geburtsstätte des Bungy keine Lust verspürt habe, mich an einem Gummiseil in die Tiefe zu stürzen. Immerhin hab ich mich auf die Brücke getraut und konnte ohne Kotztüte in der Hand nach unten schauen.

Hinterher hatte ich dann noch ein Erlebnis der besonderen Art im Klo, ein kleines deutsches Mädchen war mit ihrer Mutter dort und guckte mich mit großen Augen an. Sie schien von dem Jungen, der vermutlich wenn er so weitermacht vor seinem 15 Geburtstag schon mehr als 100 Mal Bungy gesprungen sein wird, ziemlich eingeschüchtert gewesen zu sein. Denn sie sagte nur zu mir: 'Did you see the kid springing down the bridge? I do not do that, niemals!' Vernünftig sag ich da nur.

Die Rückfahrt nach Queenstown war wegen einer großen Kricket Veranstaltung ziemlich chaotisch und wir standen die komplette Strecke nur im Stau. Machte aber auch nicht viel aus, denn es goss wieder man in Strömen und im Auto war es zumindest trocken und gemütlich. Auch im Supermarkt war es regenfrei und kaum waren die letzten Tropfen versiegt, stiefelten wir in Richtung Innenstadt, wo schon die Straßensperren aufgestellt waren. Im Innenstadtbereich wurde nämlich ein Flaschenverbot verhängt, vor allem mitgebrachten Alkohol will man so am Neujahrsabend aus der Stadt fern halten. Als es wieder mal nieselt, schlagen wir Zeit bei Starbucks tot (das einzige Mal, dass wir in Neuseeland bei Starbucks landen!) und Michi kriegt dann bei Fergburger was Leckeres zu essen (http://www.fergburger.com). Der Laden hat in Queenstown Kultcharakter, wieso sieht man auf der Website (absolut cool) und der Karte....wie wäre es mit einem Sweet Bambi? Kumara Chips sind mein Favorit!

Den Nachmittag über und auch am Abend regnet es wie doof und wir trauen uns kaum aus unserem Auto raus, das wir an der Ausfallstraße der Stadt geparkt hatten. Einzig die Hoffnung auf eine Regenpause beschäftigt uns....leider schüttet es aus Kübeln und will nicht aufhören. Aus purer Verzweiflung bastel ich mir aus einer Plastiktüte einen regensicheren Rock, damit ich zusätzlich zur Regenjacke auch unten drum halbwegs trocken bleibe. Als würde das die Wettergötter Neuseelands gnädig stimmen hört es kurz auf zu regnen und wir ergreifen die Chance uns auf den Weg in die Stadt zu machen. Auch auf der Fahrt mit der Seilbahn nach oben spüren wir einige dicke Tropfen auf dem Kopf und genießen die gespenstische Stimmung, denn es wabern Nebel- und Wolkenfetzen über den See und die Stadt. Zurück in der Stadt kauern wir uns gemeinsam mit vielen andern bei Patagonia Hot Chocolate (http://www.patagoniachocolates.com/) unterm Dach und warten auf die nächste Regenpause, die leider nicht so schnell kommt. Es ist kalt und auch wenn das kostenlose Konzert ganz nett ist flüchten wir zurück zum Auto. Um 24 Uhr quälen wir uns raus aus dem Auto und genießen bei Nieselregen das Feuerwerk. Einen Vorteil hat es ja, nicht im Innenstadtbereich zu sein: Wir können gemütlich unsere Sektflasche aufmachen und auf das Jahr 2009 anstoßen.

1.1.2009

Heute morgen gibt es keine Badewanne, das Wetter ist immer noch nicht der Brüller und es ist saukalt. Den Vormittag verbringen wir Downtoan mit Shopping aber leider hat der Laden, in den wir die ganze Zeit schon wollten immer noch zu: Out There Clothing. Im Gedächtnis hängen geblieben ist mir der Lade Peter Alexander, bei dem man keine Schlager zu hören kriegt sondern schrillbunte Schlafanzüge kaufen kann. Da die Schlechtwettermöglichkeiten in und um Queenstown ausgeschöpft waren, blieb uns nichts weiter überig als weiter in Richtung Te Anau zu fahren. Die Strecke ist relativ öde und passend zur Strecke wurden die Wolken mal wieder dunkler als dunkelgrau und es find an zu schütten. Ich muss sagen, dass wir uns schon langsam dran gewöhnt hatten keine Sonne zu sehen - allerdings nervte es teilweise immer noch denn mir gingen langsam aber sicher auch meine Lesematerialien aus. In Te Anau war der Kiwi Campground leider schon voll, dank der Hilfe der netten Dame dort, landeten wir dann am frühen Nachmittag auf dem Top Ten. Den Tag verbringen wir mit Wäsche waschen (natürlich mit Regenjacke) und einem Rundgang durch Downtown, wo ich mich auch gleich mit Magazinen und Büchern eingedeckt habe, man weiß ja nicht wie das Wetter weiter bleibt. Übrigens, wer den Tipps im Lonely Planet folgt wird in Te Anau enttäuscht. den Bäcker mit dem angeblich ach so tollen Brot gibt’s nicht mehr und das ach so tolle Café entpuppt sich als schmierige Bude. Wir machen uns einen gemütlichen im Auto rumlümmel Tag, an dem es ununterbrochen weiterregnet.

2.1.

Es regnet immer noch, wer jetzt überrascht ist hat bis hier den Reisebericht nicht wirklich aufmerksam gelesen und ich kann nur raten, sich die vorigen Einträge noch einmal detailliert anzusehen. Aber es gibt natürlich auch Highlights, so zum Beispiel Frühstück mit Toast. Denn lange leben die Top Ten Campgrounds mit powered sites (Stromanschluss). Nachdem wir für die Fahrt in Richtung Milford Sound mal wieder einen Pie Stopp einlegten (Michi mag die, ich net, es gibt meistens keine vegetarischen) gondelten wir gemütlich los.

Die eigentlich als eine der schönsten Strecken Neuseelands angepriesene Fahrt zum Milford Sound, auf der wir einige kleinere Wanderungen geplant hatten, fiel für uns buchstäblich ins Wasser. Es regnete ununterbrochen, so dass wir ein Schauspiel bewundern konnten, das man bei trockenem Wetter nicht beobachten kann. Es entstehen durch die Niederschläge unzählige kleinere und größere temporäre Wasserfälle und die vielen Flüsse verwandeln sich in reißende Ströme. Die Nebelschwaden waberten gespenstisch durch die Täler und oben auf den Bergen konnte man die Schnellfallsgrenze ausmachen. Kurz vor dem Homer Tunnel sehen wir unseren ersten Kea, einen Papageien der vorzugsweise mit seinem Schnabel Gummiteile am Auto traktiert. Auch nach dem Tunel sieht man teilweise Schnee auf den hohen Bergspitzen, überall hat es frisch geschneit. Gegen 13 Uhr kommen wir am Milford Sound an, es regnet immer noch in Strömen. Dumm für uns, denn erst um 16.30 Uhr ist es an der Zeit für den Check In. Wir hatten uns für die Overnight Cruise auf dem Milford Sound entschieden und hatten diese schon einige Zeit im voraus gebucht. Bewaffnet mit Buch, dicker Fleecedecke und mit angeschalteter Gasheizung harrten wir im Auto aus. Draußen tobten die Regenschauer und es ist saukalt.

Vom Parkplatz bis zur Abfahrtshalle der Tourboote kommt man halbwegs trocken, da der Weg teilweise überdacht ist. Auch das zeigt, dass man hier grundsätzlich an viel Niederschlag gewöhnt ist. Kein Wunder, denn der Milford Sound gehört durch den Steigungsregen an den neuseeländischen Alpen regenreichsten Gebieten der Erde. Jährlich fallen hier bis zu 8000 mm Niederschlag, in Deutschland liegt der Durchschnitt bei ca. 770mm. Die Abfahrtshalle am Sound ist ziemlich riesig und erinnert wirklich, wie in vielen Berichten beschrieben, einer Abflughalle – allerdings gibt es so gut wie keine Sitzplätze. Beim Check In bekommen wir Kabine 31 auf der Milford Mariner zugewiesen und der erste Eindruck der Leute von Real Journey’s ist wirklich gut. (http://www.realjourneys.co.nz/).

Unsere Kabine ist gemütlich und warm, dazu haben gute Sicht nach Außen. Das Safety Briefing der Crew ist kurz aber lustig und wir haben Gelegenheit die ersten Mitfahrer kennen zu lernen. Wir legen pünktlich gegen 17 Uhr ab und fahren in den inzwischen unglaubelich ruhigen Sound. Vorbei an riesigen Wasserfällen, spielenden Robben und viel Natur fahren wir zur Harrison Cove wo die Mariner vor Anker geht. Vor dem Abendessen haben wir mit den Beibooten oder den Kayaks die Möglichkeit unsere Bucht zu erkunden. Da wir keine Lust auf Kayak haben (aua, meine Arme tun noch beim Gedanken dran weh) entscheiden wir uns für den Ausflug mit dem Beiboot und dem Nature Guide. Eine gute Wahl, denn der Entertainment Faktor dort ist hoch. Das liegt nicht an Rob unserem Guide, der auf herrliche neuseeländische Weise Pohutukawa und Southern Ratha sagen kann, sondern an der besoffenen Britin und den wirklich doofen Amerikanern an Bord. Die Britin riecht nach Gin und kann meistens nur unzusammenhängende Fragen stellen, davon aber jede Menge. Die Amerikaner sind Teil einer National Geographic Reisegruppe und tragen teilweise an der Mütze aber auch gerne an der Brust (wie einen Orden) ihre Namensschilder. Bob, Kathy und wie sie alle heißen waren natürlich nur vom Sound begeistert und antworteten auf die Frage aus welchem Land sie kommen meistens mir: Texas oder Idaho. Dabei fällt mir nur das Nummernschild von Idaho ein...famous potatoes....

Beim Abendessen gibt es dann Gelegenheit uns mit Einheimischen über unser Lieblingsland zu unterhalten. Am großen Tisch speisen wir mit einem australischen Paar aus der Nähe von Sydney, das die Kälte in Neuseeland genießt und sich fragt, wieso wir das Klima in Australien so gut finden. Wir pendeln uns statt einer Diskussion um die Vor- und Nachteile von Australien auf sichere Themen ein. So zum Beispiel sind wir uns einig, dass die Neuseeländer einen komischen Akzent haben und die Amis wirklich komische Sachen machen. Herrlich, Vorurteile austreten, da schmeckt das Essen doch gleich noch besser. Muss aber noch separat erwähnen, dass das Essen wirklich hervorragend war und mein Magen viel zu klein um genug von dem leckeren Fisch, Salat und vor allem vom Rhubarb Crumble reinzustopfen. Statt aber mit vollem Bauch entspannt nichts zu tun stand Bildung live und in Farbe auf dem Programm. Der Tourchef der National Geographic Reisegruppe hielt für alle einen Diavortrag zur Besiedlung Neuseelands durch die Maori. Super interessant und witzig gemacht. Auf dem Weg in unsere Kabine genießen wir die ruhige Stimmung in der Bucht und sind froh, dass es nach besserem Wetter für den nächsten Tag aussieht.

  3.2.

Die erste Nacht auf einem Schiff war klasse (die Queen Mary in LA zählt nicht, die fährt ja net) und wir sind relativ früh wach. Um 7 kräht der Schiffshahn und weckt auch die restlichen Langschläfer schnell auf. Der Duschversuch im kleinen Bad wird aufgrund von potentiell schweren Verbrennungen erst mal eingestellt. Aus dem Duschkopf und dem Wasserhahn kommt nur brühend heißes Wasser, mit dem man zwar direkt Tee aufgießen könnte, das aber nicht zum Duschen taugt. Immerhin macht auch so ein Temperaturschock anderer Art richtig munter und Appetit aufs Frühstück. Das verbringen wir wieder an einem Tisch mit den Australiern, die genauso wie wir den Kampf um die Tische nicht so gerne ausfechten möchte wie der ein oder andere Mitreisende. Kaum sind die Teller und Tassen verstaut lichtet der Kapitänt den Anker und fährt durch den Sound in Richtung der Tasman See. Unterwegs blitzt die Sonne ab und an durch die immer noch dichten Wolken und taucht die Gegend in ein wirklich gespenstisches Licht. Unser Nature Guide hat auch auf der Fahrt wieder jede Menge Informationen für uns parat.

Der Sound ist nichts anderes als die Fjorde in Norwegen und entstand durch Gletscher während der letzten Eiszeiten. Vom Ort Milford aus erstreckt sich der Sound circa 15km bis er das offene Meer erreicht. Die Felswände, an denen auch an diesem Tag noch einige temporäre Wasserfälle in die Tiefe stürzen sind bis zu 1200 Meter hoch. An den Wänden wachsen teilweise erstaunlich viele Pflanzen, am Abend zuvor auf dem Ausflug im Beiboot hatten wir bereits die Gelegenheit einen der dicht bewachsenen Hängegärten zu bestaunen. Leider werden durch die Wassermassen immer wieder regelrechte Pflanzenlawinen ausgelöst, das sehen wir an diesem Tag deutlich, denn im Wasser treiben immer wieder dicke Äste. Auf dem Weg zur Tasman See werde die Wellen immer höher und die Fahrt auf offener See gleicht fast einer Achterbahnfahrt. Wessen Magen das verträgt, der steht vorne am Bug des Schiffes und hält sich fest, lässt sich Wind und die Regentropfen um die Nase wehen und fühlt sich gut. Einige haben aber auch das ein oder andere Problemchen mit ihrem Magen und verschwinden von der Crew umsorgt relativ schnell unter Deck. Kaum hat das Schiff gewendet und fährt wieder in den Fjord ein, wir das Wetter besser und die Sonne durchbricht endgültig die Wolkendecke.

 Einige Wasserfälle versiegen schon wieder und es ist im Sound noch unglaublich ruhig, denn die meisten Tagestouren sind noch nicht gestartet. So haben wir die Möglichkeit in aller Ruhe die Robben zu beobachten und zu staunen, wie schön dieses Stück Natur ist. Kurz nach 9 Uhr legen wir wieder an und verabschieden uns vom Mitre Peak, dem mit 1692 Metern höchsten Berg am Milford Sound. Die Anfahrt lohnt sich, wer für eine Overnight Cruise keine Zeit hat sollte auf jeden Fall eine Tagestour machen.

  

Dank des besseren Wetters auf der Rückfahrt können wir uns auf der Strecke einige Highlights ansehen. Zuallerst stoppen wir an ‚The Chasm’ von wo aus man einen herrlichen Blick auf Mount Tutoka genießen kann. The Chasm macht ihrem Namen alle Ehre, die Wassermassen quetschen sich durch eine enge Lücke im Felsen und bahnen sich mit unglaublicher Kraft ihren Weg.

Der Homer Tunnel in die Richtung von Milford kommend ist ein Erlebnis. Der Tunnel ist nur One Way befahrbar und geht stetig bergauf, wobei man rechts uns links der Straße regelrechte Sturzbäche fließen sehen kann. Auf dem Parkplatz nach dem Tunnel herrscht dann absoluter Kea Alarm – die Tiere landen auf dem Auto und wollen am liebsten gar nicht mehr weg. Den Kerl auf dem Foto musste Michi verscheuchen, denn er interessierte sich auch brennend fürs Innere unseres Autos und fand den Dichtgummi an der Tür oberlecker.

Leider fängt es nach unserer Begegnung mit den Keas wieder an zu regnen, so dass wir bis auf einen kurzen Stopp an den Mirror Lakes auch auf der Rückfahrt keine der geplanten Wanderungen machen können. Statt dessen vertreiben wir uns bei dunklen Wolken die Zeit mit Kaffee und Pie in Te Anau. Kurz nach Mittag fahren wir über den 'Präsidentenhighway' von Lumsden über Gore und Clinton nach Dunedin (sprich Danieden). Es regnet hier natürlich mal wieder und so richten wir uns auf dem Dunedin Holiday Park häuslich ein und schauen fern. Total dekadent, wenn man ein Auto mit Heizung, halbem Wohnzimmer, Bad, Toaster, Mikrowelle und auch Fernseher hat. Der Campground ist schön gelegen und man kann zu Fuß vorbei an den wild angemalten Hütten in Richtung Strand laufen.

4.2.

Graue Wolken hängen über der Stadt Dunedin, die ihren schottischen Wurzeln mit dem Wetter alle Ehre macht. Wir hoffen aber auf Wetterbesserung und machen uns auf den kurzen Weg zur Otago Halbinsel, an deren Start unser Campground liegt. Nachdem wirgefrühstückt haben und das Wasser wieder gefüllt ist geht es los in Richtung Portobello. Dort wollten wir auf den Farmers Market, der leider beim besten Willen in keiner Straße zu finden war. Dafür stolpert man über sehr interessante Schilder, die auf kleinere Art Shops aufmerksam machen sollen. Mein absolutes Highlight war der Laden, der nur getöpferte Hennen verkauft, auf der Internsetseite kann man sich über die lieben Tierchen ausgiebig informieren (http://www.happyhens.co.nz/). Nächster Stopp auf der wirklich wunderschönen Halbinsel ist der Sandfly Point, bei dem man erst mal durch eine Allee vom Parkplatz über grüne Wiesen zu grasenden Schafherden wandert. Die beiden Aussichtspunkte 'The Chasm' und 'Lover’s Leap' sind nicht halb so spektakulär sind wie die Landschaft drum herum. Das viel gepriesene Larnach Castle kann ohne Bezahlung des horrenden Eintrittsgeldes nicht besichtigt werden und man erahnt das Anwesen nicht einmal hinter den dicken Hecken. Also lassen wir dieses angebliche Stück schottischen Erbes links liegen und fahren zurück nach Dunedin. 

  

Dunedin selber ist eine nette Kleinstadt, Hauptzentrum ist das sogenannte Octagon in dessen Nähe diverse Cafés bei gutem Wetter optimal sind, um einen Kaffee zu trinken. In der Nähe befindet sich auch die Cadbury World, die wir aber zugunsten eines leckeren Burgers mit Kumara Chips bei Velvet Burger nicht besucht haben. Velvet Burger hat leider schändlicherweise keine eigene Internetseite, ist aber auf Tripadviros und Co. überall vertreten und erhält wegen seinen 'divine burger' nur Lob. Raus aus Dunedin fuhren wir weiter zu den Moeraki Boulders, riesigen Murmeln, die am Strand liegen als hätte man sie wahllos einfach hingeworfen. Viel viel toller fand ich allerdings die vielen kleinen Perlmutt-Schneckerhäuser die zu Tausenden den Weg zu den Moulders säumen. Ich musste mich schwer mit Sammeln zurückhalten um nicht meine Hosentaschen mit den Dingern vollzustopfen. Da ich aber noch eine wage Erinnerung an ziemlich mies muffelnde Spiralmuscheln aus Australien hatte, blieben die schillernden Schneckenhäuser wo sie waren.

Den Nachmittag verbrachten wir in Oamaru an der Aussichtsplattform der Yellow Eyed Penguins, bei denen es wichtig ist mit einem Fernglas ausgestattet zu sei. Wir harrten über 2 Stunden aus und der freundliche Herr von der örtlichen Pinguin-Fan-Gemeinde lieh uns ab und an sein Fernglas, damit wir 2 an Land watschelnde Pinguine zumindest auch mal richtig sehen konnten. Das abendlich Highlight ist die Blue Penguin Kolonie. Dort watscheln am Abend, kurz nach Sonnenuntergang, die Pinguine einen steilen Weg hoch in Richtung zuhause. Nach einem Tag im Meer werden mit jeder Welle zig Pinguine angeschwemmt und krakeln teilweise mehr schlecht als recht den Weg hinauf. Das ganze Spektakel kann man von der Viewing Platform aus beobachten und der Eintrittspreis hält sich im Verhältnis zu anderen Attraktionen im Rahmen. (http://www.penguins.co.nz/)

Abends im Dunkeln steht uns dann die Weiterfahrt in Richtung Waitaki Valley samt Suche nach Übernachtungsplatz ins Haus. Leider gibt es keinerlei vernünftige campingtaugliche Stellen an der Strecke. Deswegen bleibt uns nichts anderes übrig, als an der Straße der Lost World Elephant Rocks in einer Parkbucht zu übernachten. Da aber auf der Straße eh kein Mensch unterwegs ist, können wir damit ganz gut leben. 

5.1.

Die ganze Nacht hindurch und während des Frühstücks fahren nur 2 Autos an uns vorbei. Die Elephant Rocks selber sind ein kleines eingezäuntes Gebiet, das auch als Filmkulisse benutz wird. Als wir dort waren, wurden grade merkwürdig aussehende Hütten gezimmert, die man sicherlich bald in dem ein oder andern Film zu sehen bekommen wird. Weiter geht die Fahrt nach Dunroon und dort in der Nähe zu den Maori Rock Paintings, die sind aber sehr enttäuschend. Vorbei an 3 Staudämmen fahren wir nach Twizel und erhaschen dort die ersten Blicke auf die andere Seite der Southern Alps und das bei bestem Wetter. In Twizel finden wir den Supermarkt mitten in der Stadt und versuchen nach dem Einkauf den Weg auf die Straße zum Mount Cook zu finden, was dank der dämlichen Beschilderung nicht ganz einfach ist.

Den Lake Pukaki lassen wir rechts liegen und erreichen bald den Campground am Mount Cook. Der ist zwar nicht wirklich toll, glänzt aber durch die Aussicht auf die Berge. Wir machen am Nachmittag den Hike ins Hooker Valley und erreichen über 2 Hängebrücken den Gletschersee am Fuße des Aoraki Mt. Cook. Nachdem wir wieder auf dem Campground angekommen sind, sitzen wir samt unserer Nachbarsente in der Sonne und genießen Chips, Bier und die Natur. Mein 3. Buch ist auch schon ausgelesen, dem schlechten Wetter wegen, und natürlich ziehen abends nach einem Tag voller Sonne wieder Wolken auf und es wird windiger.

6.1.

Wind, Wind, Wind und natürlich Nieselregen, wie soll es denn auch anders sein. Die Sicht ist mies und wir hatten am Tag davor mit der Wanderung absolutes Glück. Unser erster Stopp des Tages ist das Mount Cook Visitor Center bevor wir eine laut Vermieter ‚verbotene’ Fahrt ins Tasman Valley zum Fuße des Tasman Gletschers unternehmen. Dort ist es stürmisch und saukalt, aber die Sicht auf die Blue Lakes ist toll. Leider ist aber Mount Cook nicht mehr zu sehen.

Weiterfahrt zum Lake Tekapo, wo wir einen Kaffee Stopp einlegen, den ich aber niemandem empfehlen kann. Denn im Kaff gibt es nur miesen Kaffee, miese Muffin und miese Pie. Die Church of the good shepherd ist nett aber total überlaufen und animiert vor allem die japanischen Touristengruppen zu Jauchzern, die ihresgleichen suchen. Wir fahren weiter und landen in Geraldine, schauen auf die Karte und beschließen noch nicht in Richtung Christchurch zu fahren. Statt dessen entschließen wir uns spontan zu einem Schlenker auf die Banks Halbinsel, die in der Nähe von Christchurch liegt. Die Fahrt dorthin führt an der Küste entlang und durch eine hügelige Landschaft. Am späten Nachmittag erreichen wir das vielfach gepriesene Akaroa, das französischen Charme und Esprit versprühen soll. Außer den französischen Straßennamen mutet nichts französisch an, schon gar nicht der Top 10 Campground am Hügel. Wir hatten Glück überhaupt noch einen Platz zu ergattern, da der Platz übervoll mit Mietcampern war - wieso bleibt mir bis heute ein Rätsel, denn die Fahrt nach Akaroa ist lang und liegt nicht direkt auf der Strecke nach Christchurch. Der erste Grobputz des Autos steht an, denn morgen müssen wir unser Schiff abgeben. Nachdem aber auch das erledigt ist, haben wir Gelegenheit uns Akaroa mal anzusehen. Zugegeben, das Städtchen ist wirklich schön und die Bucht an der es liegt ist herrlich. Allerdings hält sich der französische Charme sehr in Grenzen, was mir aber egal ist, denn unser Abendessen mit Fish and Chips auf der Parkbank ist auch so hervorragend. Den Abend verbringen wir draußen sitzend und genießen trockenes, warmes Wetter.

7.1.

Letztes Camping Frühstück in Akaroa und anschließend, weil man wie immer bei Top 10 früh auschecken muss, laufen wir noch mal durch Akaroa und kaufen noch ein bisschen ein. (http://www.akaroa.com) Am Hafen selbst ist verglichen mit dem Vortag viel mehr los, es gehen viele Ausflugsboote los, die sich die Delfine zum Ziel gemacht haben. Absolut empfehlenswert ist es am Hafen frischen Fisch direkt vom Fischkutter zu kaufen. Auch genialst sind die himmlischen Himbeer Muffins mit weißer Schokolade aus der Akaroa Bakery.

Unsere Taschen sind grob gepackt und auf einem Rastplatz kurz vor Christchurch wird der letzte Müll beseitigt, die herumliegenen Kleinigkeiten packen wir schnell in die Rucksäcke. Unser letzter Stopp vor der Autorückgabe ist das Dress Smart Outlet, das sich allerdings nicht wirklich gelohnt hat. Das Suchen der Tankstelle vor der Rückgabe bei United gestaltet sich ein wenig schwieriger als gedacht, denn die Karte vom Vermieter scheint absolut veraltet zu sein. Nach einigen Minuten und vielem Suchen finden wir eine Tankstelle und es wird Zeit von unserem Schiff Abschied zu nehmen. Zum Glück sind die Leute bei United unheimlich nett, kümmern sich um den Strafzettel für uns wir konnten relativ schnell mit dem Taxi ins Hotel fahren. Das bringt mich jetzt zum Thema Taxifahrer, die sind ja meistens eine unendliche Quelle an Information aber unser Exemplar hatte ein Lieblingsthema: Das für neuseeländische Verhältnisse scheinbar viel zu heiße Wetter. Tagelang schien in Christchurch schon die Sonne und die 26 Grad trieben den Einheimischen wohl zu viele Schweißperlen auf die Stirn. Ich musste mich ja sehr zurückhalten, um dem Kerl nicht zu sagen, dass ich mir nichts Besseres als solches Wetter vorstellen kann.

Der Abend in Christchurch ist angenehm warm und sonnig, unser Hotel (Ibis) liegt zentral und mittendrin im Trubel der Innenstadt. Wir genießen die Aussicht auf den Fluß und die Stocherkäne, sitzen in der Sonne und trinken Bier. Das Abendessen am ersten Tag ist wieder mal erwähnenswert, denn wir genießen leckeres Essen in der coolsten Location der Stadt. Das Dux bietet eine riesige Tageskarte, von der man an der Theke bestellen kann, nimmt sich eines der lokal gebrauten Biere dazu und wartet draußen in der Sonne aufs Essen. Mein Favorit: Das alkoholhaltige Ginger Beer. Die Portionen sind ordentlich und das Bier superlecker. http://www.thedux.co.nz/

8.1.

Frühstück gibt es heute im Vivace Cafe direkt gegenüber des Ibis Hotels wo wir leckeren Kuchen und hervorragenden Kaffee genießen. Die Shopping- und Stadttour durch Christchurch ist schnell erledigt, da die Stadt ziemlich klein und übersichtlich ist. Bereits am frühen Nachmittag haben wir jede Straße mindestens zweimal gesehen und es wird zäh die Zeit rumzubekommen. Allerdings half das schöne sonnige und heiße Wetter gegen die Langeweile und wir setzten uns einfach in den Park, gingen aus lauter Verzweiflung ins Museum und setzten uns am Ende einfach an den Fluss. Leider ergab der Besuch im Hauptladen von Untouched World nicht wie erhofft dicke, fette Tüten sondern nur Frust. Das Kleid gibt es nicht mehr in meiner Größe, die Jeans hat einen alptraumhaften Schnitt und auch sonst überzeugt mich nicht wirklich was.

Am Abend gehen wir direkt um die Ecke essen ins Sticky Fingers and der Oxford Terrace und stoßen auf unseren letzten Abend in Christchurch an. (http://www.stickyfingers.co.nz/)

9.1.

Wir fliegen am Morgen nach Auckland und fahren mit dem Taxi zu unserem Hotel, dem 'The Westin Auckland Lighter Quay'. Michi hatte das Hotel auf einer seiner langen Online Suchen entdeckt und gleich zu einem ziemlich guten Preis gebucht, was sich bei der Ankunft dort auch als absoluter Volltreffer herausstellte. Das Westin ist ein irres Hotel mit lichtdurchfluteter Lobby und Sicht auf den Hafen. Der Hammer kam aber, als wir die Tür zu unserem Zimmer aufschlossen und ich erst mal wie angewurzelt stehen bleiben musste. Denn allein der Anblick des Badezimmers war überraschend - das Ding hat die durchschnittliche Größe eines normalen japanischen Hotelzimmers. Das restliche Zimmer sorgte bei mir mit seinen Rundumfenstern und riesig viel Platz, einem superbequemen Bett und nem netten Flachbildschirm auch bei Michi für Wohlfühlatmosphäre. Selbst als ich meine riesige Tasche, die Michi immer Wal nennt, ausgepackt und neben seine gelegt hatte war noch genug Platz um ne Runde Walzer zu tanzen. Das allerdings nur rein theoretisch, denn weder Michi  noch ich können überhaupt tanzen. Übrigend waren nicht nur wir beiden vom Hotel absolut überzeugt, auch Michis Kollege, der das Hotel von uns empfohle bequam, war am selbem Tag morgens abgereist und hinterließ uns eine Flasche Wein mit einer Postkarte. Er uns seine Freundin haben das Westin auch sehr genossen.

 

Wir wollen aber trotzdem rein in die Stadt und fahren zuerst einmal zum Brille holen zu Ingrid nach Newmarket. Michi ist mit der Brille happy, hat Geld gespart und Ingrid ist einen zufriedenen Kunden reicher. Beim Shopping in der Mall am Broadway entdecke ich bei Veronika Maine einige wirklich schöne Sachen. Nebenher lerne ich noch eine superliebe Vekäuferin aus Südafrika kenne, die sich erst durch Überzeugungsart ausreden lässt, dass sie mich für eine Kanadierin hält. Mit meiner Tüte in der Hand und einer passenden Hose mehr für den heimischen Schrank fahren wir mit dem Bus zurück nach Downtown. Auch wenn wir nicht so wirklich übermäßig viel gelaufen sind, habe ich Blasen an den Füßen. Zum Essen landen wir am Viaduct Harbour, der Restaurantmeile Aucklands. Wir landen in einem, das kein Highlight ist und hiermit eher als Warnung namentlich genannt wird: Ein Besuch im Mecca (http://www.meccacafe.com) lohnt sich definitiv nicht, zu teuer und geschmacklich unterdurchschnittlich.

 10.1.

Ich liebe ja das Outback und ich stehe auf Campingurlaub, aber ab und an so ein nettes Hotel hat schon was. Darum lassen wir uns auch viel Zeit um das Frühstücksbuffet ausgiebig auszuloten und danach mal um die Ecke den Auckland Fischmarkt anzuschauen. Die vielen Stände scheinen fest in chinesischer Hand zu sein, es gibt frischestes Meeresgetier aber auch andere Delikatessen im angeschlossenen Supermarkt. Unser Sightseeing Tag in Auckland beginnt wieder am Hotel, führt über die Quay Street die Queens Street entlang. Danach in den Albert Park, wieder zurück auf der High Street und ins Café um die müden Füße ein wenig zu entspannen. Vorbei am Skytower kann man sich mit der Idee anfreunden, dass Leute Bungy jumpen aber auch vom Turm runterspringen und oben auf dem Ring rumlaufen. Danach führt uns der Stadtspaziergang am Victoria Market vorbei zurück in Richtung Hotel. Unser Abendessen am Fischmarkt ist was klassisches zum Abschied aus Neuseeland, es gibt nämlich Fisch and Chips. Zurück im Hotel lassen wir den Urlaub bei einem halben Hummer und Wein Revue passieren.

11.1.

Der letzte Tag in Neuseeland ist angebrochen, startet aber dank relativ spätem Flieger halbwegs entspannt. Wie am Tag zuvor genossen wir das absolut superleckere Frühstücksbüffet um danach ziemlich voll gefressen die Koffer endgültig zu packen. Der Wal schluckt aber alles und wiegt, so hoffe ich, nicht mehr als 20kg. Bei Regen und miesem Wetter fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Check In ohne Probleme und bald sitzen wir schon wieder in einem Flugzeug, diesmal auf dem Weg nach Seoul. Der Flug selber ist ganz in Ordnung, wir haben wieder wie auf dem Hinflug viel Fußfreiheit, es gibt Bibimbap und den ein oder anderen Film. Die Landung in Seoul ist der Start des absoluten Chaos. Es scheinen 90% der Mitfliegenden in Seoul übernachten zu müssen, daher sammelt sich vor dem ersten Infostand der Korean Airlines eine ellenlange Schlange. In der stehen wir über eine halbe Stunde, nur um endlich am Schalter zu stehen und mitgeteilt zu bekommen, dass wir uns an den nächsten Korean Airlines Schalter im Ankunftsbereich wenden müssen. Auch dort herrscht natürlich dichtes Gedränge, das nicht besser wird als man uns in kleine Gruppe aufteilt, die von jeweils dubios aussehenden Koreanern 'betreut' werden. Man lässt und wieder stehen, klebt uns letztendlich dann mal irgendwelche komisch bunten Kleber auf die Brust und führt uns nach draußen. Dort erwartet uns ein kleine Van und ein ordentlicher Temperaturschock. Es herrschen Minusgrade, so dass wir uns mit den andern in den Van quetschen und losbrausen. Statt in einem großen Hotel zu landen, fahren wir nach Incheon und fahren beim Hotel Zeumes vor. Der Check-In dauert, es ist inzwischen fast 22 Uhr und wir sind beide müde. Das Hotelzimmer ist der nächste unangenehme Schock, es stinkt nach Rauch, die Betten sind zwar sauber aber alles andere als bequem und im Bad herrscht bräunlich abgewrackte Atmosphäre. Wir wagen uns zwangsweise nach draußen, um uns etwas Essbares zu organisieren. Den 24h Läden und Dunkin Donough sei Dank schaffen wir das auch, erleiden aber bei gefühlten -20 Grad wieder einen deftigen Temperaturschock. Nachdem wir unsere Instantnudeln gegessen haben und sich unsere Nasen an den Rauchgestank gewöhnt hatten, schliefen wir schnell ein, damit wir das Zimmer nur nicht mehr sehen müssen.

12.1.

Zum zweiten Mal in meinem Leben war ich unendlich froh, bald aus einem Hotel herauszukommen. Das erste Mal war bei meiner Zwangsübernachtung in Dalian, als ich dort auf dem Weg nach Peking in einem Schimmel verseuchten Hotelzimmer gestrandet war. Das Hotel Zeumes, das früher mal anders hieß und dessen alter Name vor allem auf den fadenscheinigen Handtüchern Spuren hinterlassen hat, landet also auf Platz zwei der nach unten offenen Skala der miesesten Hotels. Obwohl wir eigentlich nicht frühstücken gehen wollten, war die Aussicht auf doofes Rumsitzen im Hotelzimmer nicht wirklich verlockend. Da wir dank Jetlag ein wenig früher wach waren als geplant, entschieden wir uns fürs Frühstück als Zeitvertreib. Zu mehr taugte es auch nicht, außer aufgeweichten Cornflakes, miesem Instant Kaffee und widerlich pappigem Traubensaft war auf dem Buffet nichts zu finden. Nachdem wir uns das Trauerspiel 5 Minuten am Tisch angesehen hatten, wurden auf dem Zimmer schnell die Koffer gepackt und wir machten uns mit dem nächsten verfügbaren Shuttle Bus auf den Weg zum Flughafen. Dort war die Welt wieder in Ordnung und das Frühstück wurde bei Dunkin Donut nachgeholt.

Der Flug nach Deutschland war ein wenig schlaflos, wie immer zu lang aber wir landeten pünktlich in Frankfurt. Mit dem ICE um 17 Uhr fuhren wir in Richtung Stuttgart, es gab keine Verspätungen oder sonstige Überraschungen und so schoben wir abends um halb acht unsere Koffer hinter uns her und schleppten den Wal und seinen Kollegen in die Wohnung. Die Müdigkeit hielt sich in Grenzen und nach einer heißen Dusche fühlte ich mich wieder wie ein Mensch. Wir schmissen uns abends dann nur noch ins Bett, denn am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 7, wir müssen wieder arbeiten gehen.

13.1.

Wie immer sind die Koffer kaum ausgepackt und der Jetlag steckt mir noch schwer in den Knochen aber es hilft ja alles nichts. Damit wir unseren nächsten Trip auch sicher machen können, heißt es wieder ARBEITEN! Und so gesehen ist das auch nicht allzu schlimm, denn mit Jetlag sieht man vieles lockerer und den Tag zuhause zu sitzen und gegen die Müdigkeit anzukämpfen ist doch auch nicht das Wahre. Vor allem bei dem miesen Fernsehprogramm keine wirkliche Option! 

 

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Der Weidenzweig wird durch die Last des Schnees nicht gebrochen.