Australien 2009 - Canning Stock Route
 
Dieser Reisebericht fängt mal ausnahmsweise nicht mit der eigentlichen Reise an sondern mit den Vorbereitungen. Denn dieses Mal starteten wir schon einige Monate vor Abflug mit der Planung des bislang größten Abenteuers - der Canning Stock Route. Der Flug an sich war Ende April schnell gebucht - Frankfurt nach Singapur und danach von Singapur nach Darwin, Rückflug von Perth. Bei der Flugbuchung selber waren wir uns nicht so ganz einig, ob wir die Canning nun wirklich in Angriff nehmen wollen oder doch lieber die Gibb River und das Mitchell Plateau anfahren wollen. Als größtes Problem bei der Organisation stellte sich die Organisation des Mietautos raus denn einen Vermieter zu finden, der seine Autos auf die Canning lässt ist schwierig. Das macht allerdings die Auswahl an Vermietern sehr überschaubar, in unserem Fall hieß es entweder TCC oder Kea. Allerdings fiel Kea von allein aus der Auswahl, denn auch wenn die Canning in den allg. Geschäftsbedingungen nicht ausdrücklich verboten war (wird in den neuen geändert), wurde uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Strecke nicht erlaubt ist. Zudem gibt es bei Kea keine Ausstattung wie Winde oder zusätzliche Wasser- und Benzinkanister. Somit landeten wir zum ersten Mal bei TCC  und hatten wir ziemlich viel Glück, denn nach einigem Mail Ping Pong war das Auto für den Zeitraum von 23.9. bis zum 15.10. gebucht. Einziger Schönheitsfleck an der Geschichte war, dass wir kein Dachzelt mehr bekommen konnten und somit das erste Mal im Zelt übernachten würden. Aber was soll's, dafür bietet TCC den Versicherungsschutz auch auf der Canning an, 2 Ersatzreifen und diverses anderes Sonderzubehör sind im Paket inklusive und Spezialwünsche wir Funkgerät und Satellitentelefon können ohne Probleme organisiert werden. 

Kurz nachdem die Sache mit dem Auto feststand, ging die eigentliche Planung für die 1900km Canning Stock Route los. Wer die Strecke fahren will, sollte sich genügend Zeit für die Planung nehme. Kartenmaterial und Lesestoff gibt es zu genüge aber natürlich nicht in Deutschland. Die Hema Maps für die Canning, neue Straßenkarten für Australien und die obligatorische Pflichtlektüre Canning Stock Route von Eric und Ronele Gard kann man im Internet direkt aus Australien bestellen. Ersatzteile, Reparaturbedarf, Reiseapotheke und Klamottenauswahl waren nicht ganz so schwierig zu planen wie die Versorgung mit Diesel, Wasser und Nahrungsmittelns. Wer sich für die Vorbereitungen selber interessiert, kann HIER weiterlesen. Für alle andern erst einmal unser Trip in Zahlen:

5.200 km Gesamtstrecke von Darwin bis Perth - 2025 km auf der Canning mit Abstechern zu den nahe an der Strecke gelegenen Brunnen und den Calvert Ranges - 13 Tage rein auf der Canning - 3 gebackene Damper - Tagesdurchschnitt auf der Canning 156 km - Max. Geschwindigkeit auf der Canning 113 km/h - Reine Fahrtzeit auf der Canning 68h - Durchschnittliche Geschwindigkeit in Fahrt 29,8 km/h - Menschliche Begegnungen auf der Canning 5 - Fahrzeuge auf der Canning und den Calvert Ranges 11 - Warane gesehen gesamt 5 - platte Reifen 1

So jetzt aber zum Reisebericht, wobei nein kann ich noch nicht denn ich muss noch eine Episode aus der Vorbereitungsphase erzählen. Das Sprit bestellen mitten ins Outback ist nämlich eine nicht allzu einfache Sache - sollte man nicht annehmen aber man lernt ja nie aus. Die Organisation der Spritversorgung läuft über das Capricorn Roadhouse in Newman von wo aus von Mai bis Oktober 200l Fässern Benzin oder Diesel zum Fuel Dump an Well 33 gekarrt werden. Die Telefonnummer findet Ihr zum Beispiel auf der Explore Oz Seite, leider aber keine sonstigen Kontaktdaten. Ich bin zugegebenermaßen immer noch kein wirklicher Telefonfan, man versteht die Leute teilweise schlechter und das Genuschel der echten Aussies treibt einen teilweise ein wenig in den Wahnsinn. Den ersten Anruf im Roadhouse hab ich gute 12 Wochen vor Abflug gemacht, man will sich ja zeitig vorbereiten. Allerdings war es ein wenig frustrierend am anderen Ende ein nettes Mädel zu haben, das ich wirklich kaum verstanden habe. Ihr ging es mit mir wohl nicht besser, denn sie war ein wenig mit meinen Fragen überfordert und meinte, es würde sich jemand bei mir melden und mir weiterhelfen, dazu musste ich ihr meine Telefonnummer geben. Ob die Gute verstanden hatte, dass ich aus Deutschland angerufen hab - keine Ahnung also auf jeden Fall passierte die nächsten drei Tage nichts. Hoffnungsvoll wie ich war, rief ich natürlich nochmal an mit fast demselben Ergebnis diesmal aber mit der Faxnummer, dazu muss man noch sagen - es war jemand anderes am Telefon und die Verständigung eigentlich um einiges besser. Trotzdem passierte wieder nichts, auch wenn ich diesmal knapp ne Woche auf Infos zum Diesel bestellen gewartet hatte. Aller guten Dinge sind drei, diesmal wieder eine neue Dame am andern Ende der Leitung und ein Versuch die Infos an meine Email Adresse schicken zu lassen, auch dies ein vergeblicher Versuch. Mir war schon klar, als die Tante .de nicht wirklich verstehen wollte, dass es wieder nichts wird. Doch so einfach kann man ja nicht aufgeben - zur Sicherheit legte ich mir einfach bei googlemal eine Email Adresse für Doofe an, bei der beim Buchstabieren nichts schief gehen kann und die ein .com hat, das .de hat wohl wieder für totale Verwirrung gesorgt. Der Versuch wurde auf einen Sonntag gelegt und siehe da, ich hatte Kelly an der Strippe - die mir erstens gesagt hat dass es ein Bestellformular gibt und dass man 8 Wochen vorher bestellen muss. Dazu verstand sie die neu angelegte Email Adresse sofort und innerhalb eines Tages waren endlich die Unterlagen da - juhuuuuu! Das Ausfüllen und zurückschicken war wieder ein Abenteuer, das erste und zweite Fax gingen durch, kamen aber nicht an, die erste Email mit eingescannter Bestellung landete im Spamfilter und auch hier wurde erst der 4. Versuch erfolgreich abgeschlossen und wir bekamen nach einer Spritodysee von knapp 4 Wochen endlich die Bestätigung, dass unser Fass am 4.10. auf uns warten wird. Ihr könnt Euch vorstellen, dass man trotzdem am Fuel Dump ein wenig skeptisch ist, ob das denn dann auch wirklich geklappt hat!

So jetzt können wir aber starten!

Tag 1, Samstag 19.9.2009 Abflug!
Der letzte Tag in D steht ganz im Zeichen von Hektik, erst mal Mietwagen in Fellbach abholen damit wir überhaupt nach Frankfurt kommen. Der Zugfahrerei haben wir eine Abfuhr erteilt, denn teurer ist das Auto nicht und wer mein Qingdao Tagebuch kennt weiß, wie sehr ich mich auf die Deutsche Bahn verlasse. GAR NICHT! Und schon gar nicht wenn ich in den Urlaub will, da überlasse ich nichts dem technischen Defekt, der meine Züge sonst normalerweise heimsucht. Da meine Eltern den Smart Leasingwechsel übernahmen, wurde dann noch meint Auto dort in die Garage verfrachtet, schnell Oma beruhigen und tschüß sagen bevor wir an den finalen Packchek gehen. Pass, Apotheke, Unterlagen, Ersatzteile, Spinifex-Fang-Gaze - alles verstaut. Gegen kurz vor 5 Uhr dann endlich Abfahrt Richtung Frankfurt und bis auf den ein oder anderen Regentropfen verläuft die Fahrt problemlos, so dass wir schon nach knapp 2 Stunden am Flughafen sind. Da wir bereits online eingecheckt hatten, mussten wir am Schalter nur noch schnell die Koffer abgeben, die zum Glück zusammen knapp die 40kg Grenze schrammten. Das Terminal selber überzeugt wenig, überall Baustellen und selbst in der Business Class Lounge (ich liebe meine durch China erflogene Karte) herrschte Baustellenflair. Immerhin der Kartoffelsalat war gut und es gab genug Lesestoff. Check In chaotisch wie immer, für mich bleibt einfach schleierhaft wieso man nach Sitzreihen aufgerufen wird, wenn sich eh keiner dran hält und auch keiner kontrolliert. Diesmal war ich aber relaxt, denn der Notausgangsplatz war bereits bei Flugbuchung mitreserviert. Das kostet bei Singapur Airlines zwar zusätzlich, aber die Investition lohnt sich bei knapp 13 Stunden Flug. Einziges Nervpotential war Mr. Persil neben mir, der eine chinesische Zeitung und ein holländisches Buch lesend neben mir saß und seinen durchdringenden Geruch nach Waschmittel verbreitete. Da hilft nur schlafen, was uns beiden auch fast 6 Stunden lang gelang, geweckt wurde ich dann unsanft durch den 'Breakfast' Weckruf der ansonsten elfengleichen Stewardessen. Leider waren die Stimmen wohl bei der Auswahl weniger wichtig wie die Optik.

Tag 2, Sonntag 20.9.2009 Singapur wir sind da
Unsanft geweckt ist es schon Sonntag Nachmittag in Singapur. Wir landen pünktlich um 16 Uhr und genießen kaum ausgestiegen schon das klimatisierte Paradies des Flughafens. Draußen brennen 30 Grad im Schatten auf die Stadt, innen drin herrschen Kühlschranktemperaturen. Total fasziniert hat mich dann nachdem wir unser Gepäck geholt haben die klimatisierte Wartezone für Taxis. Man steht bequem innen drin und sobald das Taxi anrollt, gehen die Glastüren auf und man stellt sich der harten Realität in Singapur - heiß und klebrig schwül. Im Taxi geht es auf dem Flughafen Freeway hinein in die Stadt, die ich mir definitiv größer vorgestellt hatte. Man fährt vorbei an Stränden, herrlich angelegten tropischen Gärten und ist innerhalb von nur 20 Minuten mitten drin im Trubel. Unser Hotel, das Pan Pacific; liegt relativ zentral und direkt an der bereits abgesperrten Formel 1 Rennstrecke. Unser Check In geht super schnell, die Dame am Empfang spricht das britischste Englisch, das ich in Asien jemals gehört habe und unser Zimmer hat eine wahnsinnige Aussicht auf die Stadt. Um dem Jetlag gleich mal keine Chance zu geben, machen wir uns nach einem schnellen Klamottenwechsel gleich mal auf eine erste Erkundungstour durch die Stadt. Kurz nach 5 also erst mal rein in die gegenüberliegende Mall und zwar zufrieden grinsend mit einem frisch gepressten Papayasaft in der Hand. Um außer Shopping auch andere Highlights der Stadt zu sehen, liefen wir gemütlich zum Maxwell Food Centre. Viele der im Freien aufgestellten 'Stalls' waren leider schon zu, als wir um kurz nach 6 dort waren und es gab bei Tian Tian Hainanese Chicken Rice eben auch nichts für Michi. Aber verhungern mussten wir natürlich nicht, die Auswahl ist riesig und reicht von chinesisch über indisch bis malaiisch. Für mich gabs Nudeln mit Seafood, die eigentlich ganz lecker waren und mit knapp 2 Euro unschlagbar günstig. Weiter ging der Spaziergang in Richtung Chinatown, das gleich um die Ecke vom Food Center beginnt. Dort gab es einen Nachtmarkt, auf dem es dann zum Nachtisch Tangyuan mit Erdnuss (lecker!!!!) und Takoyaki gab. Wirklich überragend ist Chinatown nicht, viel Gold und viel Kitsch zu kaufen, laut und natürlich viel zu essen. Da unsere Beine inzwischen relativ müde waren, fuhren wir mit der U-Bahn zurück zum Hotel und ich musste mich erst mal ne halbe Stunde massieren lassen. Nach einer langen. heißen Dusche fielen wir beide ziemlich kaputt und müde ins Bett.


 Nachtmarkt in Chinatown

Tag 3, Montag 21.9.2009 Singapur und Flug nach Darwin
Vielleicht helfen diese Globuli gegen Jetlag ja wirklich, denn selbst am Morgen bin ich nicht wie sonst total gerädert sondern halbwegs fit. Selbst das schlafen mit Klimaanlage hat mich nicht wie sonst gestört, ich hab geschlafen wie tot. Leider müssen wir nach einer Nacht schon wieder auschecken, der Flieger nach Darwin geht heute Abend um kurz nach 22 Uhr. Das Gepäck können wir im Hotel zwischenlagern und machen uns um kurz nach 9 erst mal auf die Suche nach Koffein. So richtige Morgenmenschen scheint man in Singapur wenige anzutreffen, die Business People sind sicherlich schon im Büro und der Rest scheint grade erst dabei zu sein, wieder zu sich zu kommen. Fast keine Läden sind auf und bis auf die Standard Kaffeeläden wie Starbucks herrscht noch friedliche Stille. Wir entscheiden uns heute mal für Gloria Jean Kaffee, was angesichts des monströsen Cappuccinos mit mindestens 3cm Milchschaumschicht auch eine sehr gute Wahl war. Um das britische Flair zu wahren gibt es Scones mit lecker Marmelade, Michi versucht sich vergeblich an einem gigantischen, magenfüllenden Cheesecake. Wenn man sich in Singapur innen aufhält empfiehlt sich Frostschutz in Form von Strickjacken oder Schals, man übertreibt es mit der Kühlung meistens ziemlich. Der Temperaturschock, wenn man sich dann mal wieder nach draußen wagt ist heftig, denn die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel und die Luftfeuchtigkeit steht Qingdao im August in nichts nach. Unser erstes Ziel des Tages sollte Little India sein, das man bequem mit der U-Bahn von der City Hall Station aus erreichen kann. U-Bahn fahren in Singapur ist fast unschlagbar günstig und kostet für die Strecken verglichen mit unseren VVS Preisen eigentlich nichts. Sobald man in Little India ist, scheint das Singapur um das Hotel herum total verändert zu sein. Hier sieht es sehr asiatisch aus, ein bisschen dreckig und ein bisschen heruntergekommen - genauso hatte ich es mir vorgestellt. Trotz allem sind die Straßen wie geschleckt - was irgendwie so gar nicht zum Rest passen will. In Little India gibt es einige Tempel, die man bequem zu Fuß erreichen kann. Vor allem der Hindutempel Sri Srinivasa ist sehenswert, da er sehr bunt und kaum zu übersehen ist.


 Sri Srinivasa Tempel

Der Tempel der 1000 Lichte ist nur ein paar Meter entfernt, aber meiner Meinung nach nicht wirklich sehenswert. Liegt aber sicherlich daran, dass ich in China sehr viel schönere Tempel gesehen habe und mich der Plastiktiger am Eingang ein wenig an Spielzeug erinnert hat. Weiter führte unser Spaziergang ins Herzen von Little India, wo sich das wuselige Mustafa Centre und die Little India Arcade befinden. Um hier mit Muse einkaufen zu können braucht man gute Nerven und viel, viel Geduld um zwischen Kitsch und Tüll was Vernünftiges auszugraben. Statt im Mustafa Centre kaufte ich in der sehr, sehr übersichtlichen Tekka Mall einen Schal und ein indisch anmutendes Oberteil, das ich im Nachhinein betrachtet vermutlich nie anziehen werde. Dafür ist der Schal aus Wasserseide extrem kuschelig und hat sich gelohnt. Zum Mittagessen schafften wir es einen der letzten freien Tische im Banana Lead Apollo zu ergattern und ließen uns indische Leckereien auf Bananenblatt und frisch gepressten Wassermelonensaft servieren. Vom wilden Gewusel Little Indias fuhren wir zur Orchard Road, Szenenwechsel zum Einkaufsparadies Singapurs. Allerdings gebe ich gerne zu, dass mich die Malls an Malls total genervt haben - überall dasselbe und überall voll und wuselig. Also ergriffen wir die Flucht in den Fort Canning Park, der zu Fuß erreichbar ist - sofern man nicht faul sein will und mit der U-Bahn fährt. Wir schwitzen uns die Straße entlang und kamen nach knapp 15 Minuten im Park an - leicht durchgeschwitzt aber wir nahmen es als Training für Australiens Hitze. Der Park selber ist auf einem Hügel gelegen und bietet ein wenig Ruhe in der Hektik der Stadt - aber auch hier gilt, der Park ist ganz nett aber nicht wirklich ein echtes Highlight. Zurück Downtown schlugen wir die letzte Stunde vor Abfahrt zum Flughafen in der Suntec Mall tot - auch hier Shop until you drop. Michi hatte das Glück im Brillenladen nach einem Gestell zu fragen, was darin endete dass er innerhalb von 15 Minuten eine komplette Brille gemacht bekam. Gläser inklusive! Der Preis komplett war weniger als ich hier für Gläser allein beim Optiker bezahle - deswegen in Singapur nach Brillen schauen! Um 19.30 Uhr verabschiedeten wir uns von der Stadt und fuhren mit dem Taxi zum Terminal 1, von wo aus unser JetStar Flug nach Darwin abflog. Der Terminal fällt bei mir komplett durch, naja ok bei Billigfliegern erwartet man nicht viel aber selbst das wurde unterboten und ich als Wasserjunkie find es einfach furchtbar, wenn ich nach der Sicherheitskontrolle am Gate nicht mal mehr ne Flasche Wasser kaufen kann. Immerhin gab es auch bei den Sitzplätzen wieder Beruhigende Aussichten, denn auch hier hatten wir Notaufgangsplätze reserviert und genauso viel für die Plätze bezahlt wie für den Flug selber. Aber keine Sorge - mit JetStar flogen wir für gesamt 80 Euro von Singapur nach Darwin, immer noch ein Schnäppchenpreis für den 4,5 Stunden Flug. Trotz heftigster Bauchschmerzen konnte ich schlafen, auch Michi schlummerte unserem eigentlich Ziel Australien mit ausgestreckten Beinen entgegen.

Tag 4, Dienstag 22.9.2009 Schwitzen in Darwin
Zum ersten Mal bin ich über einen verspäteten Flug richtig froh, denn so landeten wir "erst" um halb sechs morgens in Darwin. Ein wenig gerädert ging es samt vom Hund abgeschnüffeltem Gepäck raus in die winzige Ankunftshalle. Glücklicherweise machte der Budget Schalter bereits um 6 auf, so dass wir unseren Mietwagen für den Tag schnell abholen konnten. Nach einer schnellen Infusion mit Kaffee vom einzigen Laden weit und breit latschen wir mehr oder weniger fit in Richtung Parkplatz. Die Sonne war noch nicht wirklich da und es herrschte Schummerbeleuchtung - völlig untypisch! Die Fahrt nach Downtown meisterte Michi trotz ungewohntem Linksverkehr und Jetlag wie im Schlaf und um nicht mal halb sieben schliefen wir auf den Autositzen am Stadtstrand gegen die Müdigkeit an. Allerdings ist das weder ungemütlich noch lange auszuhalten, da sobald die ersten Sonnenstrahlen aufs Autodach prasseln die Temperatur sprunghaft ansteigt und man sich nur noch in die klimatisierten Malls Singapurs zurückwünscht. Immerhin hielten wir im Auto bis halb neun durch und danach genossen wir ein englisches Frühstück im Coffee Club - natürlich mit einer großen, starken Tasse Earl Grey Tee. Jippie, meine Lebensgeister wachen wieder auf und mein aus Eis gelegtes gejetlagtes Hirn fängt langsam aber sicher wieder an zu arbeiten. Allerdings fiel dann auch auf, dass kein einziger Lade geöffnet war und dass Darwin Downtown nicht mehr zu bieten hat als 2 etwas größere Straßen und viel Luftfeuchtigkeit. In der Hoffnung auf etwas mehr Leben fuhren wir raus aus Darwin in den Vorort Casuarina, wo sich die größte Shopping Mal in der Gegend befindet. Vermutlich ist das sogar im Northern Territory die größte Shopping Mall, immerhin hat das Parkhaus 2 Stockwerke. Versorgt mit ersten Eindrücken, Reparaturausrüstung, Seilen und Sonnencreme ging es zurück nach Darwin, aber erst mal zu einem Stopp am Mindil Beach. Hier war fast nichts los, es war windig und die Sonne stach auf uns ein - langsam kehrte auch die Müdigkeit wie ein Schlaghammer zurück. Als Gegenmaßnahme half da nur ein Kaffee und was zu essen in Cullen Bay, der absoluten Nobeladresse Darwins. Ein paar nette Villen mit separatem Anlegesteg und diverse Yachten scheinen hier zum Alltag zu gehören.


 Darwin

Nach dem zweiten Kaffeestopp des Tages war es endlich nach 14 Uhr und somit Check In Zeit im Hotel, dem Vibe an der Darwin Waterfront. Die ist derzeit wohl noch sehr unbekannt - denn hier wird mit Hochdruck gebaut was das Zeug hält. Das Hotel ist brandneu, wie die Appartmentanlagen gleich nebenan, zeigt aber vor allem im Bad auch noch einige Neubauspuren. Immerhin sind die Zimmer geräumig, die Better super bequem und die Aussicht auf die Lagune mit Wellenbad ist spitze. Michi machte bevor wir unseren Mittagsschlaf hielten noch den Abholtermin für das Auto am nächsten Tag aus und wir konnten endlich ein bisschen entspannt und voll klimatisiert die Augen zu machen. Der frühe Abend war schon angebrochen, als wir wieder halbwegs wach waren und das Auto musste bis 17 Uhr abgegeben werden. Schafften wir ohne Probleme, nur gab es nach 17 Uhr wieder keinen einzigen Laden, der noch geöffnet war. Irgendwann arbeite ich in Australien und mach um 17 Uhr einfach Schluss, geh an den Strand oder Bier trinken. Das erinnert einen schwer an frühere Zeiten mit Ladenöffnungszeiten bis 18 Uhr! Aber was macht man dann, wenn man schon nicht einkaufen kann - man macht's den Einheimischen nach und trinkt erst mal gemütlich ein Bier. Danach leckeres Abendessen mit Opossum Action im Wisdom Tree mit Barramundi und noch mehr Bier bevor es nach einem Abendspaziergang vorbei am Deck Chair Cinema wieder zurück ins Hotel geht.

Tag 5, Mittwoch 23.9.2009 Elsa ist da
Es ist endlich soweit, die Unabhängigkeit fängt an, denn um 10 Uhr holen wir unser Auto für diese Tour bei TCC in Berrimah ab. Schnell im Hotel auschecken, Taxifahrt nach Berrimah und dann sehen wir unsere Elsa zum ersten Mal. Getauft worden ist das Auto diesmal nicht von mir, der Name kommt von Michi und passt angesichts der Viehtreiberstrecke auch ganz gut. Elsa die Wüstenkuh!


 Elsa

Die Gute hat schon satte 280.000km auf dem Buckel und wird von uns erst mal genaustes unter die Lupe genommen während noch die Übergabe eines anderen Mietwagens an ein Schweizer Pärchen gemacht wird, das über die Gibb River an der Westküste nach Perth fahren will. Unsere Elsa sieht trotz der Kilometer gut aus, hat die Winde und neue Reifen vorne - Dachbox oben und macht einen vertrauenswürdigen Eindruck. Das Satellitentelefon wird gleich mal einem Funktionstest unterzogen, bei dem ich nach einer halben Stunde endlich auch die Nummer des Telefons selber raus finde und gleich mal meinen Eltern nach Hongkong weitergebe. Nicht wundern, die waren dort nur im Urlaub! Leider stellte sich bei der Übergabe raus, dass man bei den Reifen die Split Rims nicht vorher geöffnet hatte, wobei wir das eigentlich per Email explizit angefragt und auch in Rechnung gestellt bekommen haben. Auch das bestellte und bezahlte Funkgerät war nicht im Auto eingebaut, dann fehlte noch eine vernünftige Matratze die per Email eigentliche auch bestellt und bestätigt worden war. Die Sachen waren aber schnell erledigt, das Geld zurückgebucht und die Matratzenfrage erst mal ungeklärt. Immerhin gab's ein neues Zelt, Campingstühle und den Shed (einen alten 20 Fuß Container), in dem man sich von der Plastikbox über Streichhölzer bis Spülmittel alles zusammensammeln konnte, was man braucht. Auch Jerry Cans für Sprit und Wasserkanister wanderten schnell vom Shed ins Auto. Kurz nach 12 machten wir uns dann mit Elsa auf die Suche nach dem Camping Store am Sturt Highway, Matratze kaufen. Nach einigem Hin und Her standend dann nicht nur eine Twin Matratze von Coleman sondern auch ein Moskitonetz und ein Gusstopf fürs Damper backen auf der Rechnung. Über die erste Offroad Piste des Urlaubs holperten wir dann nach einem ersten kurzen Supermarktbesuch in den Litchfield National Park. Leider war der Wangi Falls Campground proppevoll und so landeten wir für die erste Nacht bei den Tjaymera Falls und probierten dort erst mal unser Equipment aus. Das Zelt entpuppte sich als 4 Personen Monstrum mit 1,70m Stehhöhe. Das Aufblasen der Matratze ging dank elektrischer Pumpe mit Anschluss am Zigarettenanzünder schnell, was allerdings auch an der Größe der Matratze gelegen haben mag. Die war nämlich trotz der Aufschrift Twin nicht wirklich für zwei gedacht sondern mit ihren 90cm Breite ne schöne Einzelliege. Leicht frustriert und total durchgeschwitzt habe ich an diesem Abend nicht nur die quakenden Frösche verflucht...

 

Tag 6, Donnerstag 24.9.2009 was machen wir in Australien?
Was zum Teufel tuh ich in Australien und wieso habe ich Alzheimer und erinnere mich nicht an die Schwitzerei, die nervigen Fliegen und die dämlichen quakenden Frösche? Laut ausgesprochen habe ich diese Fragen nicht aber sie gingen mir die ganze Nacht hindurch im Kopf herum, da ich wegen der Hitze eh nicht wirklich schlafen konnte und bei jeder Bewegung entweder ich oder Michi von der Matratze zu rollen drohten. Das Frühstück glich einer Wedelei ohne Grenzen, da ich Fliegen im Müsli einfach nicht wirklich vegetarisch finde. Einziger Lichtblick des Tages waren die Duschen am Campground, die ich mir zwar mit 2 Spinnen teilen musste aber deren Wasser meine Laune deutlich verbessern konnte. Die Tjaymera Falls selber sind wirklich schön und laden mit Ihrem kristallklaren Wasser zum Baden ein, wobei es bei uns nur zu einem kleinen Fußbad gereicht hat. Zurück auf der Piste durchquerten wir den Reynold's River. schauten bei den Surprise Creek Falls vorbei und fuhren schlussendlich auf der Sturt Highway weiter Richtung Süden. Wie bereits die letzten Male machten wir einen obligatorischen Eisstopp bei Ah Toy's Market in der geisterhaften Stadt Pine Creek. Es gab immer noch Flip Flops wie die, die ich mir aufgrund auseinander fallender Sandalen mal gekauft habe - allerdings war ich schuhtechnisch diesmal besser ausgerüstet und so reichten uns TK Gemüse, Ohrenstäbchen und natürlich Minzeis. Unser Tagesziel Umbrawarra Gorge liegt nur wenige Kilometer von Pine Creek entfernt, so dass wir am Nachmittag gemütlich die Gorge erkunden konnten. Leider hatten wir nach 30 Minuten schon die Nase ziemlich voll, denn es wimmelte nur so von nervigen Fliegen und die Gorge selber gibt zumindest im unteren Bereich nicht allzu viel her.


 Umbrawarra Gorge

Der zur Gorge gehörige Campground soll hier besondere Erwähnung finden, denn wir waren dort nicht wirklich allein. Allein zwar als Menschen ABER es gab so ziemlich alles, was fliegen kann und einem den Nerv zu rauben droht. Die Moskitos fliegen einem gerne auch mal in die Nase, die Motten stehen total auf die Stirnlampen und stören sich auch nicht an Dunkelheit. Die Fliegen legen sich extrem spät schlafen und setzen sich bevorzugt auf Lippen und Augenlider. Kurzum, erwähnenswert sei hier nur die Warnung hier absolut nicht zu übernachten auch wenn der Platz selber wirklich superschön ist! Dank Solardusche und viel Wedelei konnten wir uns zumindest den Schweiß des Tages abwaschen allerdings half auch das nicht wirklich, die Laune zu heben. Uns blieb nach einem schnellen Abendessen nur die Flucht ins geschützte Zelt.

Tag 7, Freitag 25.9.2009 Flora River
Fand ich es in Australien jemals toll? Was tue ich hier eigentlich? Wie soll das bitte die nächsten 3 Wochen so weitergehen? Fragen über Fragen die ich mir im Laufe der Nacht mehrfach stellen musste, da mich und Michi wieder die kleine Matratze aber auch das Gebrummsumme der Fliegen und Moskitos wach hielten. Auch Frühstück und Packen am Morgen, sind in Begleitung der penetranten Fliegen kein wirkliches Vergnügen, so dass wir schnellstens verschwinden wollten. Unsere leicht blank liegenden Nerven kühlten und beruhigten wir mit Bewährtem, einem Bad im Pool der Edith Falls. Wenn wir diesmal schon die Tradition brechen und nicht hier übernachten, so wollten wir den Abstecher natürlich machen denn der Pool ist einfach herrlich und ersetzt auch mal eine Dusche. Das Wasser war wie immer superklar und herrlich erfrischend, dazu war die Luft absolut fliegenfrei und die Sonne noch erträglich. Nach dem entspannenden Bad bei den Fischen wieder Zivilisation und die Hoffnung auf eine vernünftige und vor allem breite Matratze, denn wir sind in Katherine angekommen. Der Großeinkauf steht bevor, dazu noch diverse Sachen für unser Canning Stock Route Abenteuer. Im Camping Store verbrachten wir fast 45 Minuten, verließen den Laden aber in der sicheren Erkenntnis diesmal eine 160m breite Matte zu haben und auch genug Ersatzheringe fürs Zelt und Outdoor Waschmittel. Michi gönnte sich noch einen Moskitonetzhut, den ich schlussendlich wohl öfter aufgesetzt habe als er selber. Im der Katherine Art Gallery kaufte sich Michi das erste Bild und zum ersten Mal kam entspannte Urlaubsstimmung bei gefühlten 45 Grad in der Sonne auf. Nach einem Kaffee mit Cheesecake im Coffee Club wackelten wir mit der voll getankten Elsa in Richtung Flora River National Park. Der Stopp liegt nicht allzu viel Strecke von Kathrine entfernt und ist den Abstecher absolut wert. Unser Stopp des Tages war der Djarrung Campground, auf dem anfangs außer uns nur zig Kängurus die Abendstimmung genossen. Der Platz füllte sich erst nachdem wir uns bereits häuslich eingerichtet hatten ein wenig mehr, trotzdem bekommt man dank der Größe der einzelnen Stellplätze fast nichts von den Nachbarn mit. Der Abend im Flora River war Balsam für unsere Urlauberseele, denn es gab so gut wie keine Fliegen oder Moskitos und wir konnten zum ersten Mal trotz ein paar Horseflies den Abend mit Weißwein und Barramundi Filet genießen.


 Kathleen Falls

Der kurze Spaziergang zu den Katherine Falls war kurz und nett, die Dämmerstimmung einfach genial. Leider wird vor einem verlockenden Bad im Flora River ausdrücklich gewarnt, denn der Fluss gehört zum Gebiet der Salzwasserkrokodile, denen man mit Sicherheit aus dem Weg gehen will.

Tag 8, Samstag 26.9.2009 Keep River ist einfach herrlich
So gemütlich wie der Abend ausklang beginnt der Morgen im Flora River National Park. Die im Waschhaus vorhandenen Duschen sind grad morgens herrlich und wecken die Lebensgeister, denn es gibt natürlich nur kaltes Wasser. Nicht nur wir selber genossen das Wasser, auch unsere Klamotten erhielten die erste kurze Wäsche und hingen in der heißen Morgensonne zum Trocknen. Unterdessen machten wir uns auf den Weg zu den Kathleen Falls, die ihren wunderschönen Tuffaterassen und den mit Flughunden vollhängenden Bäumen. Das Gekreische dort ist ohrenbetäubend! Zurück am Campground hieß es wieder zusammenpacken und Strecke machen. Zurück auf dem Victoria Highway in Richtung Kununurra vorbei an einigen toten Kängurus hieß der erste Stopp des Tages Victoria River Roadhouse und wir gönnten uns nicht nur ein kühles (Ingwer) Bier sondern auch einen Burger, vegetarisch für mich und The Lot für Michi. Einziger Kommentar zur Burger Qualität von Michi: The Lot ist nicht mehr was es einmal war, es gibt nicht mal mehr rote Beete auf dem Burger! Ist die Wirtschaftskrise auch hier schon angekommen oder hatte der rote Beete Lieferant Lieferprobleme? Unser eigentliches Ziel des Tages lag im Gregory National Park, den wir bislang noch nie auf der Planung stehen hatten. Aber leider war schon wenige Meter nach der Abzweigung in den Park klar, dass es auch dieses Jahr nichts wird - aufgrund von Überschwemmungen waren sowohl der Limestone Gorge Campground als auch der gleichnamige Walk gesperrt. Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns für Plan B und ich freute mich innerlich tierisch, denn der Keep River National Park ist für mich einer er schönsten Orte der gesamten Strecke.


 Keep River NP

Auf dem Bild selber sieht man weder die Farben noch die einzigartige Atmosphäre, die ich wenn ich die Augen zumache deutlich vor mir sehe und auch den Geruch von Hitze, Straub und Vegetation kann man leider nicht auf ein Bild bannen. Unser Zelt stellten wir auf dem Jarmun Campground auf, brutzelten Gemüse und Michi entschied sich zu einer Jogging Runde zum Aussichtspunkt. Auch wenn ich Horseflies absolut nicht mag, der Platz ist wunderschön und Keep River ist und bleibt ein absolutes Highlight.

Tag 9, Sonntag 27.9.2009 Kununurra und Halls Creek
Entspannte Nacht im Keep River bei klarstem Sternenhimmel und Halbmond, die in Katherine gekaufte breite Matratze hat sich auch in der zweiten Nacht bewährt. Nach dem Frühstück schnappten wir uns Wasserflasche und Sonnecreme um die Felszeichnungen zu sehen, die man auf einem Rundweg in der Gegend erlaufen kann. Die Sonnte brannte, die angegebenen Entfernungsangaben stellten sich als falsch heraus aber der Weg durch diese an die Bungle Bungles erinnernde Landschaft beweist mir wieder: Keep River ist einfach toll! Leider mussten wir weiter nach Kununurra und so verabschiedete ich mich schweren Herzens von meinem Lieblingsplatz, denn die letzten Einkäufe für unsere Tour stehen an. Richtig sicher waren wir uns nicht, ob der Supermarkt auch sonntags geöffnet sein würde, allerdings stellten sich unsere Bedenken als unnötig heraus. Der Supermarkt ist auf und wir packen zig Tüten ins Auto und mit bis oben hin voll gestopftem Auto (wer sich für die Einkaufsliste interessiert sollte sich mal den Punkt Vorbereitung ansehen) schauten wir noch schnell bei der Zebra Rock Gallery vorbei. Auch hier nichts Neues, ich kauf mir wieder mal Schmuck und wir könnten schnell weiterfahren, denn Halls Creek ist noch 377km entfernt. Die Strecke selber gibt nicht viel her, ein paar tote Kängurus und die leider geschlossene Warmun Art Gallery. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir dann Halls Creek und verbringen den Abend mit dem Einräumen des Autos, Umräumen und Einpacken aller Vorräte und ich innerlich mit dem Manta "alles wird gut, die Canning ist gar kein Problem..." denn mir war angesichts der Einsamkeit noch relativ mulmig. Für Entertainment war den ganzen Abend gesorgt, unsere französische Campgroundnachbarin schwang enthusiastische Reden über Frauenrechte und im Pub war Karaoke Abend. An dieser Stelle muss ich dann noch einen Diebstahl gestehen, der auf meine Kappe geht. Das lockere Brett der Bank war einfach zu verlockend als "Sandblechersatz" und ich hab Michi dazu angestiftet das Ding auf Dach zu wuchten. Man weiß ja nie und ich war mir so sicher, dass wir uns alle Nase lang im Sand festfahren würden...


Elsa vollgestopft

Tag 10, Montag 28.9.2009 es geht los!
Tagesstrecke: Halls Creek bis kurz vor Well 51
Gefahrene Kilometer: 322
Start- und Endzeit: 9:30 - 16:45
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 20 10 407, 126 45 028

So, jetzt wird es also langsam erst denn die Canning Stock Route ruft laut. Für uns heißt das an diesem Tag alles nochmal durchsehen, Wasserkanister füllen und mit Katadyn Tropfen haltbar machen, so dass wir mit 4x20l einem 10l Behälter und zig Flaschen Wasser im Auto unterwegs sind. Alle Tanks und Benzinkanister mit Benzin füllen, d.h. 90l Haupttank, 50l im Sub und nochmal 60l aufgeteilt auf 3 Kanister. Vollgeladen machten wir noch einen kurzen Stopp bei der Visitor Info, den wir uns hätten sparen können, denn die Dame wusste weniger über die Canning Stock als wir und empfahl uns doch den Tanami Track zu fahren. Übrigens war an diesem Montag ein National Holiday und somit leider auch die Art Gallery in Balgo nicht geöffnet. Irgendwie hatten wir bei dieser Tour wenig Glück mit den Art Galleries, erst Warmun geschlossen und dann noch Balgo! Kurz nach Halls Creek beginnt dann linkerhand der Tanami Track, der uns mit seinen Corrugations schon erstes Sitzfleisch und viel Ruhe abverlangte. Die Strecke bis Billiluna ist schlichtweg nur hoppelig, dafür aber breiter als man sich einen Track wohl vorstellt. Es gibt nicht viel zu sehen, wer Zeit und Lust hat kann sich den Wolfe Creek Meteor Crater ansehen. Da wir das aber schon auf der ersten Tour auf dem Tanami abgehakt hatten und wir schlichtweg Kilometer machen wollten fuhren wir direkt ohen Stopp bis Billiluna. Hier stellte sich schon die erste Herausforderung, denn eigentlich sollen einen wohl die "Permit Required" Schilder fernhalten, allerdings muss man dort vorbei um auf die Canning zu kommen. Die Beschilderung sieht nur, wer sich am Permit Schild vorbeitraut und führt einen relativ schnell über engere Holperstrecken zur Bloodwood Well. Bereits dort bekommt man ein Gefühl für die Einsamkeit der Strecke. Die Sonne brannte uns beim kurzen Brotstopp auf die Mütze und mir war wirklich ein wenig mulmig angesichts der Ödnis der Gegend. Die in Büchern vielfach erwähnten seismischen Linien verlaufen hier entlang der Strecke und sehen auf den ersten Blick wie kleinere Dünen aus. An unserem ersten Tag auf der Canning fuhren wir bis kurz vor well 51 und dem Notive to Traveller Schild, das einen vor den Gefahren der Strecke warnt. Heute hatten wir auf der Canning nur einmal Gegenverkehr und zwar auf der Strecke zum Lake Stretch. Unser Platz für die Nacht, liegt links der Strecke unter Kasuarinen.


Campen auf der Canning
 

Tag 11, Dienstag 29.9.2009 der erste komplette Tag auf der Canning
Tagesstrecke: Kurz vor Well 51 bis 46
Gefahrene Kilometer: 113
Start- und Endzeit: 9:00 - 15:45
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 20 38 557, 126 17 224

Es ist nicht so heiß nachts wie man sich wohl vorstellt und es ist wirklich unheimlich ruhig. Auch wenn mir am ersten Tag noch ein wenig mulmig ist, finde ich Ruhe extrem entspannend und sobald wir beim Frühstück sitzen und die Sonnenstrahlen immer intensiver werden fühl ich mir pudelwohl. Genau darum lieben wir Australien, die Farben, die Natur, einfach weg von allem - keine Fliegen und fast keine Moskitos.


Well 51

Vorbei an Well 51, well 49 und Jack Smith's Grab fahren wir in Richtung Breaden Hills, wo sich ein kleiner Walk zum Godfrey's Tank und dem Breaden Pool anbietet. Die Abzweigung identifizieren wir dank GPS relativ schnell und fahren genau wie ein Auto, das aus Richung Süden kam, zum Parkplatz 4,6km von der CSR entfernt. Der Breaden Pool ist nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt und hatte sogar noch ein wenig Wasser, so dass die herumflatternden Zebrafinken genug Trinkwasser zum Überleben haben. Über einen kleinen Anstieg geht es den Hügel hoch in Richtung Godfrey's Tank, einem Granitfelsen der Wasser auch in der Trockenzeit hält. Leider gab es bei uns keinen Ttropfen Wasser mehr, dafür aber von den Insassen des anderen Autos gute Tipps zur Wasserqualität der Brunnen und zu einer Felszeichnung an den Durba Hills. Die beiden waren bereits 3 Wochen von Wiluna aus auf der Canning unterwegs und sehnten sich nach ein wenig Zivilisation. Beruhigen konnten sie uns auch beim Thema Dünen, der Sand sei so festgefahren dass man ohne Probleme fahren kann. Auch über die Anzahl der Fässer gaben uns die beiden Bescheid, denn es waren nur wenige und somit konnten wir mit entsprechend wenig Gegenverkehr rechnen. Am Parkplatz zurück gab's Mittagessen und nochmehr Infos von anderen Reisenden. Am Hinweisschild zum Breaden Pool sind die auf der CSR üblichen Marmeladengläser befestigt, in die man auf Papier oder Visitenkarten notierte Infos reinstopfen kann. Für mich am interessantesten war die Warnung vor der Brown Snake an Well 46 (allerdings von 2007) und eine Visitenkarte von Reisenden aus Wernau, in der Nähe von Esslingen die nur wenige Wochen vorher auf der Strecke unterwegs waren. Nach den Breaden Hills kurzer Stopp an well 48 und vorbei an Mt. Romily bis well 46, wo bis dann kurz vor 16 Uhr auch ankamen.


 Duschen an Well 46, Wildblumen auf der Strecke und die Strecke selber

Es scheint so, als hätte die im Brunnen lebende Brown Snake einige auf Trab gehalten, denn überall wurde vor ihr gewarnt und berichtet, dass man ihr den Schwanz in der Brunnenabdeckung eingeklemmt oder sie aus dem Brunnen zwangsevakuiert hatte. Glücklicherweise hat sie ihre Wohnung geräumt, so dass wir uns mit der Winde genügend Wasser zum Duschen und Waschen aus dem Brunnen holen konnten. Der Abend und die Nacht waren relativ unruhig, denn gegen 22 Uhr rüttelten immer wieder Windboen an unserem Zelt, das sich fast wegwehen ließ.

Tag 12, Mittwoch 30.9.2009 Die Dünen starten
Tagesstrecke: Well 46 bis Well 41
Gefahrene Kilometer: 179
Start- und Endzeit: 8:50 - 16:30
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 21 33 265, 125 50 825

Abfahrt vom windigen Brunnen ohne Brown Snake nach einem gemütlichen Frühstück in der Sonne. Da auf der Canning nun mal die Regel gilt, alles was man reinbringt muss man wieder rausnehmen, führt kein Weg an intelligentem Müllmanagement vorbei. Für uns hieß das morgens Teebeutel trocknen um zu wenig Feuchtigkeit wie möglich in der Mülltüte zu haben. Dazu dann noch Müllbeutel mit Eukalyptusduft und ein wasserdichter Sack machen die Sache relativ praktisch. Es ist aber immer wieder faszinierend, wieviel Müll man jeden Tag erzeugt, selbst wenn alles bereits bis aufs Nötigste von Verpackung befreit wurde.

 
 Teebeutel trocknen und Wildblumen auf der Strecke

Nach Well 46 erreicht man nach kurzer Zeit Well 45 und somit auch die Grenze des Shire of Halls Creek, was durch ein total unpassendes riesiges Schild angekündigt wird. Auch hier gibt es wieder Infos in den Marmeladengläsern und jede Menge Visitenkarten. Wir entschlossen uns Well 44 und Well 43 nicht anzufahren und direkt zu Well 42 Guli zu fahren. Hierher führt der Guli Highway, ein saisonaler See in dem ich nicht bei Regen geraten möchte. Bei Trockenheit kommt man hier recht gut voran, die tiefen Autospuren im jetzt harten Schlamm zeugen jedoch von mehreren Autos, die sich hier sicherlich auch nur mit viel schaufeln wieder befreien konnten. An Well 42 findet man zwar einen fast komplett eingefallenen Brunnen aber noch Wasser und damit viele Galahs (Papageien) mit Ihrem grau rosa gefärbtem Gefieder. Die weitere Strecke bringt jede Menge Dünen mit sich, die allerdings erst einen kleinen Vorgeschmack auf weiteres geben. Dank des festen Sandes fuhren wir uns kein einziges Mal fest und hatten nur bei einer Düne etwas Schwierigkeiten, die aber mussten nur bei einer höheren Düne den Beschleunigungsstreifen voll ausnutzen. Durch die Holpelei auf der Strecke verabschieden sich nachmittags die ersten beiden Bierdosen mit ziemlichem Gestank ins Nirvana und die 56km von Well 42 bis 41 ziehen sich ewig hin. Kurz bevor wir an Well 41 Tiru ankommen ziehen dicke, dunkle Gewitterwolken am Himmel auf und tauchen die ganze Gegend in ein gespenstisches Licht.


Gewitterstimmung

Die vor Jahren abgebrannten Teebäume um den Brunnen herum passen super zum Wetter, alles sieht tot und irgendwie seltsam blass aus. Der Brunnen liegt in einer Lehmpfanne die komplett ausgetrocknet und deren Boden total aufgeplatzt ist. Genau hier schlagen wir unser Lager für die Nacht auf, beschließen auf des Windes und der Wolken wegen die Nacht im Auto zu schlafen. Unsere in der ersten Nacht verfluchte Twin Matratze passt perfekt hinten ins Auto und ist wie schon beim ersten Mal in Windeseile aufgeblasen. Zum ersten Mal gibt es auch ein gemütliches Lagerfeuer, an dem wir den Abend verbringen. Die Nacht im Auto ist ziemlich bequem und man hat eine unglaublich Sicht auf den klaren australischen Sternenhimmel. Übrigens, die meisten Bücher und Reiseberichte über die Canning beschreiben den oberen Abschnitt als eintönig und öde, da kann ich nur vehement widersprechen. Jedes Dünental bietet neue Pflanzen und Ausblicke, jeder Dünenkamm ist spannend auch wenn man ihn locker mit dem Auto hinter sich bringt. 


Strecke noch bei strahlendem Sonnenschein und Well 41 Tiru mit Gewitterwolken

Tag 13, Donnerstag 1.10.2009 Dampertest
Tagesstrecke: Well 41 bis Well 36
Gefahrene Kilometer: 144
Start- und Endzeit: 8:50 - 16:05
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 22 08 343, 125 16 972

So kalt wie Nacht war, zeigt sich auch der Morgen obwohl die Sonne inzwischen wieder von einem wolkenlose Himmel scheint. So richtig warm will es nicht werden und wir lassen uns deswegen beim Frühstück in der Sonne auftauen. Das Auto ist schnell wieder umgebaut und wir verlassen kurz vor 9 Uhr Well 41 in Richtung Well 40. Die Strecke ist relativ gut und mit GPS Hilfe finden wir relativ schnell das Grab von Mr. Tobin auf dem Hügel und Well 40 in einer Lehmpfanne. Am Grab sieht man wieder mal, wie bescheuert der ein oder andere auf der Canning unterwegs ist. Die komplette Umrandung aus Holz wurde abgerissen, vermutlich wie bei den Brunnen auch aus dem einzigen Grund, daraus ein Lagerfeuer zu machen. Für mich absolut nicht nachvollziehbar, wer Augen im Kopf hat findet auf der Strecke überall genügen Feuerholz! Nach Well 40 führt die Strecke durch Tobin Lake hindurch, wo man wie schon bei Guli Lake tiefe Autospuren entdecken kann. Für uns heißt es hier Gas geben, denn der Lehm ist hart und wir kommen sehr schnell voran.


 Tobin Lake und Wegweise zwischen Well 38 und 37

Direkt nachdem man den See durchquert hat steht man an well 39, die sich hinter einem Busch versteckt und eigentlich nicht mehr als ein Loch im Boden ist. Auch hier gab es Wasser und viele zwitschernde Vögel. Auf der weiteren Strecke überqueren wir immer wieder Dünen, die vor allerdings bald felsigerem Untergrund Platz machen. Well 38, das Bungabinni Rockhole liegt auf einem Felsplateau, in den sich ein saisonaler Fluss eingegraben hat und das Rockhole in den Felsen schnitt. Auf dem Plateau geht es weiter in Richtung Well 37, die Strecke führt bald wieder abwärts vorbei an einer in einen Felsklotz eingelassenen Höhle. Die sieht eher aus wie ein Einfamilienhaus in abgeschiedener Lage und wirkt insgesamt eher Fehl am Platz. Wir holpern weitern bis Well 37, dem Spukbrunnen! Auch dieser Brunnen liegt inmitten einer Lehmpfanne und ist teilweise komplett überflutet, was man sowohl an den Bäumen als auch am Untergrund gut erkennen kann. Die Spukgeschichten liegen wohl an den vielen Gräbern rund um den Brunnen, die man teilweise nur mit Suchen und versteckt hinter Büschen findet. Wie schon bei den Gräbern vorher, zeigt es allerdings wie viele Menschen auf der Canning ihr Leben lassen mussten.

Die weiteren Kilometer bis Well 36 sind die interessantesten überhaupt, die Strecke führt durch einen Kasuarinenwald und schlängelt sich in wildem Zick Zack durch die Landschaft.


Kasuarinen auf der Strecke und Dünenpiste

Es geht Dünen raus und runter, nach recht uns links und wir sehen endlich Kamele! Na gut, eines davon war nur noch wenig vorhanden denn es war tot und eines sahen wir nur von hinten im Fluchspurt. Dafür machten es sich 3 Kamele unter Bäumen auf dem Dünenkamm relativ gemütlich und ließen uns fotografieren.


Kamele, selbstgebackener Damper und Strecke zum Bungabinni Rockhole

Kurz nach 16 Uhr erreichen wir Well 36, wo wir unser Lager nicht direkt am Brunnen sondern hinter Büschen aufschlagen. Der Abend ist ziemlich kühl, wogegen das Lagerfeuer allerdings hilft und wir beschließen wieder einmal im Auto zu übernachten. Zum ersten Mal backen wir in der Glut Damper - das geht osuperschnell und ist einfach, dafür aber extren lecker! Ach und wir haben abends dann noch Besuch von einem Dingo, dessen Augen in der Nacht ziemlich unheimlich glühen und der sich zum Glück schleunigst wieder aus dem Staub macht.

Tag 14, Freitag 2.10.2009 Wellblech nervt und dogs are for free
Tagesstrecke: Well 36 bis Well 31
Gefahrene Kilometer: 135
Start- und Endzeit: 9:00 - 16:45
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 22 31 498, 124 24 299

Der Morgen beginnt mit einer Dieselrechnung, immerhin muss man ja wissen ob der Sprit reicht. Nachdem wir morgens Besuch von irgendwelchen komisch gurrenden "Hühnern" haben, Damper gegessen und uns in der Sonne aufgewärmt hatten wurden 40l aus den Benzinkanistern in den Haupttank geschüttet. Behaftet mit dem Duft von Eau de Diesel machten wir uns auf den Weg zu Well 35, die wir im Gegensatz zur Bungabinni Native Well auch finden. Trotz GPS Koodinaten und einem halbwegs gut ausgeprägten Orientierungssinn, mussten wir irgendwann die Suche aufgeben, obwohl ich mich gerne in dem angeblich ausgelegten Besucherbuch verewigt hätte. Hier nur eine kleiner Tipp an alle, die Well 35 suchen - nicht aufgeben und auch hinter den Büschen suchen. Ansonsten versuchts mal mit folgenden GPS Koordinaten: 22 12 792 - 125 03 024. Während wir dort sind, fährt ein Auto an uns vorbei - hey mal wieder Kontakt mit anderen Menschen! Well 34 lassen wir rechts liegen und sparen uns die Fahrt dorthin, wir wollen schnell vorankommen und schaffen es um 12:30 Uhr an Well 33 anzukommen. Die Kilometer bis dorthin sind völlig nervtötend und verlangen sowohl dem Auto als auch den Fahrern einiges ab, das Wellblech ist übelst und rüttelt alles aufs heftigste durch.


Well 33 und  Tankstelle in Kunnawarritji

Well 33 hat mit Abstand das beste Wasser auf unserer Tour und das auch noch komfortabel mit Windrad und Auffangbehälter. Auch hier zwitschern wieder jede Menge Zebrafinken um die Wette, als wir uns genauso wie unsere Wäsche waschen und die Wasserbehälter füllen. Dank der brennenden Sonne sind die Haare in 5 Minuten und die Wäsche in knapp 20 Minuten trocken und wir können weiterfahren. Kurz nach 14 Uhr erreichen wir Kunnawarritji Community auf einer ca. 7 Spuren breiten Piste. Die Community bietet eine "Tankstelle" und einen "Laden", wobei man beides erst mal suchen muss. Der Laden ist nur wegen des ca. 20cm großen Schilds erkennbar und die Tankstelle entspricht auch nicht grade unserem Standard, aber ich finde es toll. Nachdem wir für 3,20 Dollar pro Liter ein bisschen Sprit getankt haben und uns was kaltes aus der Kühltheke holen versuche ich mit der Betreiberin des Ladens ins Gespräch zu kommen. Ich sag Euch, das war nicht einfach! Aber ich denke man verlernt wohl den Small Talk wenn man hier draußen lebt und eigentlich außer Trocken- und Dosennahrung nichts verkauft. Wir konnten hier unseren Müll loswerden was absolut nicht selbstverständlich ist. Bis heute trauer ich den beiden Welpen nach, die sich vor dem Laden im Sand wälzten und sich von uns kraulen ließen. Die Frau meinte nur ziemlich cool "Dogs are for free today" und meinte es auch wirklich so...aber was wollen wir mit zwei Hunden auf der Canning und später im Flieger?

Ohne Hunde im Gepäck geht es auf dem Wellblech weiter geradeaus bis zum Well 32, die direkt an der Strecke liegt und wie so viele andere Brunnen komplett eingefallen ist. Einige Dünen später kommen wir um kurz nach 16 Uhr an Well 31 an, duschen, stellen das Zelt auf, telefonieren und bekommen sogar später noch Nachbarn. Die sehen wir allerdings nur vorbeifahren und später hören wir sie mehr als deutlich ihr Lager aufschlagen. In der Nacht wird richtig kalt und wir kuscheln uns zum ersten Mal unter dem dicken Schlafsack zusammen.

Tag 15, Samstag 3.10.2009 Thring Rock
Tagesstrecke: Well 31 bis Well 26
Gefahrene Kilometer: 164
Start- und Endzeit: 9:15 - 16:45
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 22 54 978, 123 30 336

Nach einer kalten Nacht wird es im Zelt kurz nachdem die Sonne aufgegangen ist richtig warm und wir frühstücken. Unsere Nachbarn sind erst um halb neun munter, was wir dank der wieder ziemlich lauten Musik schnell mitbekommen. Bei uns wird das Auto ein wenig aufgeräumt und wir müssen feststellen, dass nicht nur Bierdosen das Gehoppel auf der Strecke nicht vertragen, sogar unsere Tetrapacks mit Saft und Milch hat es erwischt. Die sind an den Ecken und teilweise sogar oben komplett durchgescheuert und landen deshalb schnell im Müll, der dadurch schnell wieder voller wird. Um 9:15 Uhr brechen wir in Richtung Well 30 auf, die wir direkt an Strecke inmitten einer Lehmpfanne auch schnell entdecken. Den Abstecher zur Mulga Cave sparen wir uns, da ein Schild an der Abzweigung schon auf die Tatsache hinweist, dass der Eingang zur Höhle schon 2008 komplett eingebrochen ist. Soll mir recht sein, damit muss ich mir um die dort lebenden Brown Snakes und Michis Höhleninteresse keine Sorgen machen. Das absolute Highlight des Tages folgt schon bald - Thring Rock. Mitten in der Ebene ragt er aus der ansonsten flachen Landschaft und biete von oben aus herrliche Ausblicke.


Thring Rock

Die Felsen sind extrem scharfkantig und haben wie der Sand in der Ebene eine tiefrote Farbe. Auf holpriger und steiniger Strecke rütteln wir weiter vorbei an Well 29 und Well 28 zum eigentlich Ziel, Well 27. Allerdings ist der Platz nicht wirklich schön und die Landschaft trotz kleiner Abwechslungen bis Helen Hill und Turtle Hill ziemlich eintönig. Wir beschließen noch bis Well 26 weiterzufahren, genießen einen ruhigen Abend an dem komplett restaurierten Brunnen und backen wieder Damper.

Tag 16, Sonntag 4.10.2009 Das Fass ist da
Tagesstrecke: Well 26 bis Georgia Bore
Gefahrene Kilometer: 85
Start- und Endzeit: 8:30 - 13:30
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 23 03 519 - 123 01 036

Die Sonne geht auf und während wir langsam wach werden können wir aus dem Auto heraus ein bisschen Dingo Action sehen. Der Kerl versucht am Brunnen zu trinken, riecht auch scheinbar das Wasser aber kommt beim besten Willen nicht ran, was ihn dann nach 5 Minuten dazu bringt aufzugeben. Da der Morgen wieder mal relativ windig ist, packen wir schnell die Sachen zusammen und sind schon um 8:30 Uhr startklar. Well 25 und 24 sind nicht wirklich sehenswert und kaum mehr als Löcher im Boden mit ein wenig Blech und einem Schild. Dafür gibt es heute scheinbar Kamele ohne Ende, denn schon nach wenigen Kilometern treffen wir auf die erste Gruppe von 5 Tieren und nur eine Stunde später auf eine Dreiergruppe, mit 2 fast schneeweißen Kamelen. Die Dünen auf der Strecke sind extrem hoch aber die Auffahrten relativ flach und lang, teilweise hoppeln wir wieder über felsigen Untergrund. Auf der Strecke von Well 26 zu Well 25 liegt die Düne mit dem Spitznamen 'Whopper' die nicht nur ziemlich hoch sondern auch sehr lang gezogen ist.


Anfahrt zum Whopper und felsiger Track

Kurz vor Mittag erreichen wir Well 23, die direkt an der Strecke liegt und biegen dort zum Fuel Dump ab. Schon seit gestern hoffe ich nur, dass unser Fass auch wirklich dort liegt und beim Tanken alles gut geht. Die Anzahl der Fässer ist wirklich übersichtlich und unseres ist schnell gefunden, es liegen sonst nur noch 5 volle Fässer für nur 3 andere Gruppen in der Gegend herum. Dank der Handpumpen und des Werkzeugs zum Fass öffnen sind die 200l schnell auf die beiden Tanks und die Benzinkanister verteilt und wir lassen nur wenige Tropfen Diesel zurück.


Der Fuel Dump hinter Well 23 und unser 200l Fass Diesel vom Capricorn Roadhouse

Weiter geht es vollgetankt bis oben hin in Richtung Georgia Bore, das dank Pumpe das Wasser schnell für uns und die Zebrafinken nach oben pumpt. Auch zum Haare waschen ist die Pumpe optimal und weil der Platz ziemlich gemütlich ist beschließen wir, schon um halb zwei für heute das Fahren sein zu lassen. So genießen wir im Schatten der Bäume einen extrem entspannten Nachmittag, stellen gemütlich das Zelt auf und müssen unseren am Abend eintreffenden Nachbarn sagen, dass wir den anderen Teil ihrer Gruppe nicht gesehen haben. Der Abend ist angenehm warm und wir genießen eine ausgiebige Dusche mit heißem Wasser aus dem Solarsack.


Zebrafinken am Georgia Bore

Tag 17, Montag 5.10.2009 Lake Disappointment und Enttäuschung in den Diebil Hills
Tagesstrecke: Georgia Bore bis Diebil Hills
Gefahrene Kilometer: 189
Start- und Endzeit: 8:50 - 18:00
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 23 35 869 - 122 22 227

Nach dem Georgia Bore beginnt ein Streckenabschnitt mit leicht verwirrenden Streckenführung, den man am besten mit GPS Koordinaten und wenig Fragen hinter sich bringt. Wir machen sogar unbeabsichtigt den Abstecher zu well 22 und nehmen dann die in den Karten als "alternate" bezeichnete Route und lassen damit Well 21 und 20 links liegen. Die 38km lange Alternativstrecke oder auch originalere Strecke, je nachdem welchem Buch man Glauben schenkt, erläuft meistens paralell zu den Dünen und ist ein regelrechter Highway auf dem wir auch mal 60km/h erreichen. Die Dünenüberquerungen klappen gut, meistens gibt es zwei Dünenkämme und die ein oder andere Auffahrt ist damit länger als man von unten denkt. Die in Büchern erwähnte McKay Range ist beim besten Willen nicht mal vom Dünenkamm aus zu sehen, dafür aber relativ bald der Lake Disappointment. Die Salzkruste ist teilweise hart und die Kristalle schimmern im Licht, teilweise ist alles feucht und matschig. Weiter auf der Strecke geht es wieder in einen Kasuarinengürtel hinein, in dem sich der holprige Track wieder im Zick Zack durch den Baumbestand schlängelt. Auf diesem Abschnitt in Richtung Savory Creek Crossing haben wir zum ersten Mal richtigen Gegenverkehr von 2 Autos, die wie wir im Nachhinein auf er Strecke feststellen mussten einen Schlafsack durch das Gehoppel verloren haben. Wir hüpfen samt Auto wie Gummibälle auf der Strecke und kommen bis zur Einmündung des Savory Creeks nur langsam voran. Hier ist die Salzschicht dicker aber ebenfalls unter der Oberfläche feucht, trotzdem überqueren wir 3 km weiter ohne Probleme auf festem Grund den Salzfluss und sind zurück in den Dünen. Der Weg bleibt bis Well 19 kein Vergnügen und es gibt immer wieder Kasuarinenbestände, durch die wir uns hindurchwühlen. Kurz nach 4 erreichen wir die Abzweigung vom Onegunyah Rockhole, das über das normale CSR Permit erlaubt ist. Der Weg dorthin ist noch miserabler als die CRS und wir brauchen für 5km mehr als 20 Minuten. doch die Farben und teilweise extrem verblassten Felszeichnungen entlohnen für die mühselige Anfahrt bevor es wieder zurück und weiter zu Well 18 geht. Die Wasserqualität hier ist nicht sehr gut, mit dem löchrigen Blecheimer kann man nur salziges Wasser zu Tage fördern und der Platz lädt nicht wirklich zum Bleiben ein. Daher entscheiden wir uns in der Hoffnung auf einen schönen Platz zum Übernachtung, den Abstecher in die Diebil Hills in Angriff zu nehmen. Leider geben wir die Suche nach einem schönen Fleckchn kurz nach Sonnenuntergang um 18 Uhr auf, stellen unser Auto auf eine Weggabelung die wenigstens nicht vom Spinifex zugewuchert sind und übernachten ziemlich kaputt im Auto.

 
CSR, Lake Disappointment und Diebil Hills

Tag 18, Dienstag 6.10.2009 Durba Springs
Tagesstrecke: Diebil Hills bis Durba Springs
Gefahrene Kilometer: 46
Start- und Endzeit: 8:40 - 12:30
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 23 45 288 - 122 30 927

Die Suche nach dem Weg zu Diebil Springs geht auch am Morgen nach einem schnellen Frühstück weiter, es gibt hier in den Hills 2 Abzweigungen. Die erste liegt bei 23 35 454 - 122 22 684 und die zweite, an der wir die Nacht verbracht hatten, bei 23 35 869 - 122 22 327. Welche von beiden nun die richtige ist kann ich beim besten Willen nicht sagen. Wir fuhren von unserer Übernachtungsstelle aus an die Felsen und folgten einem erkennbaren Trampelpfad auf den Hügel zu und dann über Felsen immer weiter nach oben. Mir war das ein oder andere Mal schon ein wenig mulmig, denn ich konnte den Gedanken an Schlange nicht so recht aus dem Kopf bekommen. Gefunden haben wir auf diesem fast 2h dauernden Ausflug nicht viel außer einer sehr schönen Sicht und jede Menge roter Felsen. Die Sonne brennt uns ungnädig auf den Kopf und wir machen uns nach der erfolglosen Suche nach Diebil Springs auf den Rückweg zur CSR. Auf der fahren wir nur noch wenige Kilometer über etwas kniffligere Dünen und erreichen um 12:30 Uhr unser Tagesziel Durba Springs. Eine der Dünen auf der Strecke hat ein wenig zittern gebraucht, doch nach 3 Anläufen und mit mehr als 50km/h brachten wir auch dieses Monstrum hinter uns.


Durba Gorge

Durba Springs ist wirklich ein Oase inmitten von Dünen und rotem Sand und lädt mit vielen schattigen Plätzen zum Bleiben ein. Wir hatten den kompletten Campground und die Gorge allein für uns, das Gästebuch war 4 Tage vorher mit dem letzten Eintrag versehen worden. Woher das noch vor sich hin kokelnde Lagerfeuer kam weiß ich nicht, aber es brauchte 5 Eimer Wasser um das Feuer komplett zu löschen. Mein 2. Buch lese ich zu Ende bevor wir gegen 14 Uhr in die Schlucht aufbrechen, die man anfangs noch leicht und später über Felsen klettern in Richtung Quelle wandern kann. Bis dorthin haben wir es nicht geschafft, wir sind in einem sehr flachen Teil, kurz vor einem 90 Grad Knick herausgeklettert und genossen von oben den Blick in die Schlucht hinein. Zurück zum Platz ging es auf demselben Weg und wir stellten erfreut fest, dass wir immer noch alleine waren. Leider verderben die fielen Moskitos die abendliche Atmosphäre abends und Michis Fliegenhut musste mal wieder meine Laune retten.

Tag 19, Mittwoch 7.10.2009 Calvert Ranges und der Wurm
Tagesstrecke: Durba Springs über Calvert Ranges bis Well 16
Gefahrene Kilometer: 142
Start- und Endzeit: 8:55 - 18:05
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 23 54 497 - 122 23 025

Ein ereignisreicher Tag, das sollte sich aber erst langsam herausstellen...Der Morgen in Durba war sehr angenehm, die Moskitos hatten sich wieder zurückgezogen und genossen die leichte Brise. In den Breaden Hills hatten wir von einem australischen Paar den Tipp bekommen, uns den Sitting Giant anzusehen, der mit dem Auto leicht in 5 Minuten zu erreichen ist. Man folgt also einfach dem Toilet Dump Schild, biegt davor in einem ausgefahrenen Track rechts ab und folgt diesem an den Felsen entlang bis es nicht mehr weiter geht. Rechts liegt dann ein riesiger Felsblock, auf dem der an ägyptische Götter erinnernde sitzende Riese eingemeißelt ist.


Sitting Giant in der Nähe von Durba Springs

Kaum hat man Durba hinter sich gelassen wird der Track wieder steinig und verläuft auf einem kleinen Plateau, vorbei an Canning's Cairn folgt dann bald der Abzweig in die Calvert Ranges markiert durch ein Schild, das darauf hinweist dass man hier ein Permit benötigt. Das Permit hatten wir schon früh beantragt und hatten es natürlich in den Unterlagen mit dabei, also ab in die Calvert's. Schon nach der ersten Düne waren wir uns nicht mehr allzu sicher, ob wir uns über den Abstecher freuen sollten denn die Piste war miserabel und wir hatten massive Probleme über die Dünen zu kommen. Die folgenden 37km waren nicht wirklich anders - teilweise brauchten wir mehr als 3 Anläufe und einmal kamen wir ohne Winde beim besten Willen nicht über die eigentlich harmlos wirkenden Sandkolosse. Nach dem Windeneinsatz stank die Kupplung und wir machten uns ernsthaft Gedanken, das ganze aufzugeben kämpfen uns aber bis zum Felsmassiv durch.

  
Landschaft in den Calvert Ranges - roter Sand und Felsen


Die zerfurchte Dünenauffahrt, für die wir 5 Anläufe und schlussendlich auch die Winde gebraucht haben

Wir folgen der Rundstrecke nach links und kommen nach nur 2km an einen Campingplatz und einen Trampelpfad dem wir neugierig und planlos folgen. Das war aber absolut richtig, denn der Pfad führt in eine Art Felstheater mit hunderten Felszeichnungen und verzierten Felsen wo wir staunend und immer über neues stolpernd über eine Stunde verbringen. Zurück auf dem Rundweg stolpern wir als nächstes über etwas sehr Überraschendes: 7 Autos und 2 Aborigines in Ranger Uniform, die unser Permit sehen wollen. Etwas verdattert erfahren wir, dass sich hier der Ältestenrat berät! Ein weißer Ranger informiert uns, dass wir vielleicht die letzten sind, die ohne Begleitung die Calvert's sehen dürfen. Außerdem bekomme ich böse Blicke zugeworfen, weil ich wohl an einem Männerplatz war und wir sollen doch bloß keine Bilder von den Felszeichnungen machen, da diese sonst ihre Kraft verlieren. Übrigens erhalten wir hier auch die Antwort auf die Fragen, wieso der Weg hierher so dermaßen miserabel zu fahren war. Die 7 Autos vor uns haben den Sand extrem aufgewühlt und sich teilweise ebenfalls festgefahren. Man hat sich schwer gewundert, wie wir alleine den Weg in die Calvert's geschafft haben. Weiter geht es auf der Rundstrecke, so richtig wohl fühl ich mich hier nicht mehr - trotzdem sehen wir uns noch mal eine Stelle mit vielen Zeichnungen an und ich mache trotzdem Bilder davon. Allerdings stelle ich sie nicht hier auf meine Seite, zumindest ein wenig respektieren möchte ich den Wunsch der ältesten auf jeden Fall. Da die Piste so dermaßen schlecht war und uns beiden nicht der Sinn nach Campen in den Calvert's stand fuhren wir schnurstracks wieder raus in Richtung CSR. Die Rückfahrt war deutlich einfacher und wir brauchten nur knapp 1 Stunde bis zur Kreuzung. Unser Auto stellten wir hinter Well 16 ab und machten uns gemütlich ans Essen kochen. Der Abend nahm jedoch eine weniger erfreulich Wendung, als ich am Auto stand um meinen Finger zu tapen (der tat schon seit Tagen extrem weh) und auf einem irgendwas an meinem Bein brannte wie die Hölle. Als ich nach unten schaute, schlängelte sich etwas vom Auto und meinem Bein weg, das aussah wie die Miniaturaussage einer Schlange. Ein Blick auf mein Bein brauchte die Erkenntnis, dass es sicherlich kein Wurm war der mich gebissen hatte! Die ganze Sache ging aber sehr glimpflich aus, Michi pumpte professionell mit dem Snake Bite Set alles mögliche aus meinem Bein und schon am nächsten Morgen war außer ein bisschen Ziepen nichts mehr zu spüren.

Tag 20, Donnerstag 8.10.2009 Plattfuss und Kuhfladen
Tagesstrecke: Well 16 bis McConkey Hill
Gefahrene Kilometer: 156
Start- und Endzeit: 8:40 - 16:30
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 24 49 704 - 121 40 496

Ich lebe noch! Als hätte der Ausflug in die Calvert's unser Glück aufgebraucht fing der Tag nach den Dünen und dem Wurm mit viel Wind an und sollte mit einem Platten und einer auch anderweitig etwas mitgenommen Elsa weitergehen. Die Highlights auf der Strecke bis Well 15 sind einerseits ein extrem steiler und steiniger Streckenabschnitt als auch andererseits Murray Rankin's Trolley. Bekloppt wie Neuseeländer teilweise sind (wer würde sonst Bungy springen und sich in Plastiktubes den Hand runterrollen?) hatte einer dieser Helden die Idee, die Canning zu Fuß mit einem Trolley zu durchqueren. Leider haben die Kugellager nicht mitgemacht und so blieb das kaputte Gefährt mitten auf der Strecke stehen, dient seither als beliebtes Fotomotiv.


Murray Rankin's Trolley und Plattfuss

Kaum an Well 15 angekommen musste Michi unseren Plattfuss beseitigen und den Reifen wechseln. Ich wusch in der Zwischenzeit Wäsche mit dem aus dem Brunnen gewindeten und von Ameisen befreiten Wasser. Hier am Brunnen konnten wir auch den Reifendruck, den Michi für die Calvert Strapaze auf unter 25 gesenkt hatte, wieder auf die ursprünglichen 45 bringen.


Well 15 und kaputte Elsa

Well 14 und 13 sind nichts besonderes und bis Well 12 geht es weiter auf wellbrettartigem Untergrund. Durch das Gehoppel litt nicht nur Elsa sichtlich, auch wir sehnten uns schon fast wieder nach den hohen und weichen Dünen zurück. Well 12 war ein absolute Überraschung, denn der Brunnen ist restauriert und man fördert mit der Winde herrlich klares Wasser zu Tage. Kurz nach Well 12 kommt Lake Aerodrome in Sicht, dessen Ausmaße wirklich gigantisch sind und dessen Umfahrung bei Regen relativ schwierig sein dürfte. Wir haben dank der Trockenheit festen Untergrund und kommen bis Well 11 gut voran. Hier hören angeblich die Dünen auf, wir überqueren aber auf der weiteren Strecke noch genügen kleinere Dünen und landen um halb fünf am Fuße des McConkey Hills. Hier schlagen wir unser Zelt auf, backen zum letzten Mal Damper und beobachten zig Suizid-Heuschrecken bei ihrem gezielten Todessprung in unser Lagerfeuer.


Strecke am Lake Aerodrome und Sonnenuntergang an unserem Campingplatz am McConkey Hill

Tag 21, Freitag 9.10.2009 Der Auspuff macht schlapp und die Karte ist falsch
Tagesstrecke: McConkey Hill bis Well 3 via Cunyu Bypass
Gefahrene Kilometer: 214
Start- und Endzeit: 9:30 - 20:00
GPS Koordinaten Übernachtungsplatz 25 46 537 - 120 24 788

Die ersten Zeichen der "Zivilisation" sind da, es gibt überall Kuhfladen. Die paar Kilometer bis Well 10 hätten wir am Vortag sicherlich nicht geschafft, allerdings wäre der Brunnen zum Campen wirklich ideal gewesen. Allerdings ist die Strecke bis hierher wirklich bescheiden und geht bald in eine furchtbare Schotterpiste über, die mit steinigen Passagen durchzogen ist. Bald kommt Well 9 Weld Springs in Sicht, deutlich erkennbar durch die Kuhherde, Kuhfladen und das Windrad. Bis Well 8 geht es weiter über Wellblech und bald zwingen uns merkwürdige Geräusche zu einem Stopp. Als hätten der Wurm, der Plattfuss und die kaputte Frontleuchte noch nicht gereicht ist die Auspuffaufhängung gebrochen. Der erste Versuch die Sache mit Kabelbinder notdürftig zu reparieren scheitert schon nach 13 Kilometern an Well 7. Weitere 3 durchgescheuerte Kabelbinder später erreichen wir um 13:30 Uhr Well 6 Pierre Springs.


Pierre Springs (Well 6) und die Strecke zwischen Well 6 und Well 5

Michi spielt mit Schlauchschelle und Spanngurt McGyver und ich versuche währenddessen das im Kühlschrank ausgelaufene Bier in den Griff zubekommen. Die Weiterfahrt bis Well 5 zeigt, dass die Schlauchschellenkonstruktion hält und so können wir diesen wunderschönen Streckenabschnitt genießen. Wer an diesem restaurierten Brunnen 5 keine Lust mehr auf die Canning hat, kann für 20 Dollar in Richtung Granite Peaks Station rausfahren. Wir entscheiden uns aber auch die letzten Kilometer auf der CSR zu bleiben und machen uns auf in Richtung Well 4. Kurz vor 16 Uhr, als wir statt vor Well 4B vor einem Gate stehen, ist klar dass unsere Karten und Reisebericht ein kleines Detail entweder falsch oder gar nicht erwähnen. Daher hier die Warnung vor dem Cunyu Bypass, der tatsächlich kurz vor Well 4B beginnt und erst an Well 3 endet. Das Schild hier an unserem Gate ist wenig hilfreich, warnt uns nur dass die Strecke bei Tageslicht befahren werden muss und ca. 3h in Anspruch nimmt. Wir fahren daraufhin wieder zurück um einen Platz zum Übernachten zu finden, was uns nicht wirklich gelingt. Dann tauchen auch noch Regenwolken am Himmel auf und verheißen wettertechnisch nichts Gutes. Hin- und hergerissen entscheiden wir uns zur Weiterfahrt. Ob die Entscheidung gut oder schlecht war, kann ich nicht so richtig sagen. Kurz nach dem Gate kommt man an Windich Springs vorbei, das entgegen der Reisebericht bereits auf dem Gebiet des Cunyu Bypass liegt, auf dem Campen untersagt ist. Allerdings ist der Ort nicht wirklich einladend und das brackige Wasser zieht schon in der Nachmittagssonne viele Moskitos an. Weiter geht es auch noch nach Sonnenuntergang, unser GPS leistet extrem gute Dienste und auch der Bypass ist gut beschildet und man folgt immer nur den CSR Schilder. Unsere Karte gibt uns wenig Aufschluss über die Streckenführung, denn sie stimmt mit unserem GPS nicht wirklich überein. So fahren wir einfach stur weiter und landen in der Dunkelheit irgendwann bei der Abzweigung zu Well 3A, an der man dem Buch nach gut übernachten kann. Da der Brunnen dooferweise 5,4km von der Strecke weg liegt fahren wir weiter bis wir um 20 Uhr endlich Well 3 erreichen. Hier gibt es endlich das Schild, dass das Ende des Cunyu Bypass verkündet. Wir haben wirklich 3 Stunden gebraucht und sind an diesem Tag über 200km gefahren. Unser Zelt stellen wir im dunkeln umgeben von Myriaden Fliegen und Moskitos gleich hinter Well 3 auf. Nach einem extrem schnellem Abendessen mit Cup Noodles im Auto (der Moskitos wegen) fliehen wir schnell ins Zelt. Es fallen Tropfen und sowohl Michi als auch ich hoffen darauf, dass das Gewitter an uns vorbeizieht.


Thorny Devil, Cunyu Bypass Schild bei Well 3 und Wildblume
 

Tag 22, Samstag 10.10.2009 Wir sind da und Wiluna sucks
Tagesstrecke: Well 3 bis Wiluna (danach weiter nach Leinster aber Ende der Canning)
Gefahrene Kilometer: 136 (bis Wiluna)
Start- und Endzeit: 9:30 - 14:00


Unser Fliegenplatz an Well 3 und Honey Grevillea

Nach einer Nacht im Zelt wachen wir vom Krakeelen der Papageien auf und sehen zum ersten Mal, wo wir eigentlich unser Zelt aufgestellt haben. Um uns herum stehen hohe Bäume und man erkennt zig Flussläufe, die in der Regenzeit die komplette Gegend unter Wasser setzen. Kein Wunder, dass das hier ein Paradies für Moskitos ist, die uns glücklicherweise am Morgen in Ruhe lassen. Der Schild in dieser Richtung bringt ein wenig Licht ins Dunkel Cunyu Bypass, denn es erklärt ein wenig deutlichen von wo bis wo dieser eigentlich geht. Unsere Karte stimmt auch bei Tageslicht nicht mit der mit dem GPS geplotteten Strecke überein, aber was soll's wir haben es hinter uns. Die folgenden Kilometer bis Well 2A The Granites sind wieder ein Test für die Nerven, es geht durch steinigste Passagen, ausgewaschene Flussbetten und auf Schlangenpfad durch Mulgabuschbestände. Von den Granites ist nicht viel übrig, die ganze Konstruktion ist eingefallen und wir fahren schnell weiter zu Well 2. Hier wird das Wasser mit einem Windrad in den "Swimming Pool" gepumpt, ansonsten gibt die Gegen nicht viel her. Nur wenige Kilometer weiter kommen wir zum gelben Schild, dass das Ende der Canning Stock Route markiert - wir haben es geschafft!!!


Strecke zu Well 2, Well 2 selbst und North Pool


Ende der Canning Stock Route und Ortsschild Wiluna

Ab hier bis Wiluna fahren wir auf einer breiten Gravel Road und erreichen ungeahnte Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h. Der Abstecher zum North Pool lohnt sich für uns nicht nur wegen den dort aufgestellten Mülleimern, die wir zum schnellen Ausmisten des Autos nutzen. Zurück auf der Hauptstrecke fahren wir zu Well 1, der Abzweig zu diesem Brunnen ist durch einen weiß angemalten Reifen im Baum markiert. Die Fahrt dorthin zeigt, dass das Gewitter zwar an uns aber nicht an Wiluna vorbeigezogen war, es standen noch kleine Wasserpfützen auf der Straße. Unser letzter Stopp vor der Rückkehr in die Zivilisation an Well 1 wurde mit einem Bier begossen bevor wir uns endgültig von der Canning verabschieden mussten. Um kurz vor 14 Uhr passierten wir das Ortsschild von Wiluna und wollten nur noch eines - ein kaltes Eis. Tja, Pustekuchen, Wiluna war wie ausgestorben und noch mal die Tankstellen hatten auf. So blieb uns keine andere Wahl als Wiluna hinter uns zu lassen und auf geteerter Straße den nächsten Ort auf der Karte anzufahren. Glücklicherweise reichte unser Sprit noch locker bis nach Leinster, das sich als Oase im Nichts entpuppte. Leinster selber ist ein künstlich angelegtes Dorf, das als reiner Wohn- und Versorgungsstützpunkt für die BHP Nickelmine dient. Für uns war es ein absoluter Glücksgriff, denn der Leinster Campground kostete schlappe 10$ die Nacht und bietet Stellplätze mit Stromanschluss sowie kostenlose Waschmaschinen und Trockner. Beim Versuch die Übernachtungsgebühren im Verwaltungsbüro zu zahlen trafen wir auf ein Schweiter Rentnerehepaar, das ebenfalls im TCC Auto unterwegs war. Im Supermarkt, wo wir unsere 10$ dann loswurden, stellte sich heraus dass die beiden seit 4 Monaten unterwegs waren und noch weitere 7 Monate in Australien bleiben würden. Nachdem wir uns den Straub der Canning auch aus der letzten Pore geduscht hatten und die Wäsche in der Maschine ebenfalls die rote Farbe verlor genossen wird frischen Salat und Fisch.

Tag 23, Sonntag 11.10.2009 Kalgoorlie im Motel


Jaja, die Ruhe im Outback haben wir wirklich hinter uns gelassen und sind zurück in der Zivilisation, wenn man das so nennen darf. Auch wenn mir anfangs ein wenig mulmig zumute war, als wir ohne jemanden zu treffen auf der Canning unterwegs waren. Spätestens in Leinster vermisse ich schon die ruhigen Abend, Nächte und Morgen draußen in der Wüste. Jetzt aber stürzen wir uns mal wieder in den Trubel Australiens, wenn die verlassene Strecke außer Minen, Minenfahrzeugen und toten Kängurus nicht allzu viel zu bieten hat. Immer schnurstracks geradeaus führt uns die Tour in Richtung Süden, was auf Dauer ziemlich langweilig sein kann und verglichen mit dem Dünen Auf und Ab wirklich kein Highlight ist. Der Abstecher zum Niagara Dam im Shire of Menzies lohnt sich in jedem Fall nicht nur, weil man dort einen netten Platz zum Pause machen findet. Auch die beiden Rundwege sind wirklich nett angelegt und bieten unerwartet schöne Aussichten und viele neue Wildblumen. Weiter geht es auf dem Goldfields Highway bis wir nachmittags Kalgoorlie erreichen. Schon als wir uns am Ortseingang über die Campgrounds in der Stadt schlau machen bibbern wir um die Wette, denn es ist ziemlich kühl geworden und der Wind macht die Sache nur noch schlimmer. Nach einer kurzen Tour der Campgrounds beschließen wir uns ein Motel zu nehmen - ein richtiges Bett kann man sich ja nach 3 Wochen auf Luftmatratzen durchaus mal gönnen. So wirklich toll wars zwar auch nicht im Comfort Inn Midas an der Hannan Street. Aber immerhin liegt es zentral, die Decken waren schön warm und der Fernseher funktionierte. Ganz schön merkwürdig wieder so einen Kasten zu haben, der eigentlich nur Krach macht und sonst nichts. Dick eingemummelt liefen wir dann noch die Hannan Street auf und ab, um uns für den nächsten Tag ein bisschen zu orientieren und genossen im Krua Thai ziemlich scharfes thailändisches Curry.


Morgen auf dem Campground in Leinster und Exchange Hotel in Kalgoorlie

Tag 24, Montag 12.10.2009 Neue Schuhe und die Superpit
Neuer Tag, neues Glück und vor allem sehr viel besseres Wetter mit Sonnenschein und T-Shirt Temperaturen. Nach dem Check Out erst mal Postkarten aufgeben, denn die schleppte ich seit Halls Creek mit mir rum! Danach ab ins Café Dome, wo leider der Kaffee nicht wirklich gut war dafür aber massig Lesematerial für alle ausliegt Ich konnte mich nur schwer aufraffen wieder rauszugehen, aber meine Füße hatten da eine andere Meinung. Die taten nach einem Tag in geschlossenen und leider auch zu engen Schuhen ziemlich weh. Doof wenn man sich halt schnell man ein paar Schuhe kauft, auch wenn man schon beim anziehen in Esslingen denkt, die könnten ein wenig zu klein sein. Immerhin aber auch ein sehr guter Grund, die wenigen Schuhgeschäfte in Kalgoorlie mal näher unter die Lupe zu nehmen. Gelandet bin ich dann in einem leicht altbacken anmutenden Laden, bei dem der Altersschnitt der Verkäuferinnen die 60 deutlich überschritt. Die waren dort dermaßen lieb, nannten mich permanent 'Love' und 'Honey' was entweder ihrem Charakter oder meinem schmerzverzerrten Gesicht zu verdanken war. Keine 10 Minuten später trug ich neue und verdammt bequeme Schuhe, die vermutlich die modernsten im ganzen Laden waren. Weiter entlang an der Hannan vorbei an alten Gebäuden und diversesten Läden - außer den Schuhen hab ich nichts entdeckt, die Auswahl ist einfach extrem überschaubar. Also zurück zu Elsa, die sich sicherlich ziemlich komisch vorkommt auf dem riesigen Parkplatz bei Woolworths. Um ehrlich zu sein war ich immer noch total überfordert mit dem ganzen Krach und Gewusel und wäre lieber noch mal in die Calverts gefahren um mich von Würmern beißen zu lassen.

Wenn man schon in Kalgoorlie ist, muss man sich natürlich die Superpit ansehen - die größte Goldmine Australiens in der in großem Stil Tagebau betrieben wird. Schon bei der Anfahrt nach Kalgoorlie sieht man entlang des Highways kleinere Minen, gegen die Superpit fallen die allerdings nicht wirklich ins Gewicht. Die LKWs sehen aus wie Spielzeuge und das bereits fast 500m tiefe Loch ist nur gigantisch und soll sogar in seinen Ausmaßen bis 2017 noch weiter wachsen. Die Erde wird im Rooster außerhalb der Stadt verarbeitet und scheint auch trotz sinkendem Goldanteil immer noch genug abzuwerfen, um den gigantischen Aufwand der hier betrieben wird zu rechtfertigen. Den Superpit Store in Boulder, dessen Hauptstraße gleich bei der Ausfahrt der Superpit anfängt, kann man sich getrost sparen. Die Hauptstraße in Boulder hat ein paar wirklich schöne Gebäude zu bieten, ist ansonsten aber sehr viel kleiner als die Hannan und nicht wirklich ein Muss. Auf dem Highway fahren wir also raus aus Kalgoorlie-Boulder entlang des Great Eastern Highways. Durch Coolgardie und Orte mit klingenden Namen wie Bullabulling geht es in Richtung Goldfields National Park, der gute 180km von Kalgoorlie entfernt beginnt. Die Parkinfo und auch die Karte zeigten im Park Campingplätze, die wir für heute als Übernachtungsplatz nutzen wollten. Doof nur, dass weder Infotafeln noch wirklich viele Wegweiser einem sagen, ob man schon zu weit gefahren ist oder noch nicht weit genug. Den vorletzten Campground fanden wir dann gegen Nachmittag im National Park mit akustischer Untermalung vom nicht weit entfernten Highway. Der Platz selber war aber schön großzügig angelegt und auch wenn uns die Ameisen das Zelt aufstellen nicht so einfach gemacht haben (die waren überall), genossen wir einen ruhigen und relativ kühlen Abend. 

 
Goldmine Superpit Kalgoorlie und See am Campground im Goldfields Woodlands National Park
 

Tag 25, Dienstag 13.10.2009 Hyden und die Wave
Nicht mehr lange und wir müssen in Perth sein, also genießen wir die letzten Tage umso mehr. Die Sonne ist schon früh wieder draußen und nachdem Elsa bereits diverse Schwäscheanfälle von Reifen über Licht bis zum Auspuff hatte fängt jetzt auch unsere Luftmatratze an zu schwächeln. Wie man das merkt? Na ganz einfach, man wacht nachts auf weil man wie die Prinzessin auf der Erbse einen Stein im Rücken spürt. Dann pustet sich 2 Leute um 4 morgens die Lunge aus dem Leib, um wenigstens noch ein paar Stunden zu schlafen. Beide stellen dann aber um acht fest, dass die Luft wieder raus ist und stehen dann gezwungenermaßen auf. Immerhin hat es bis hierher gehalten und ist nicht mitten auf der Piste kaputt gegangen, also alles halb so schlimm und außerdem können wir die letzte Nacht auch noch locker im Auto schlafen, die Twin Matratze haben wir ja noch. Weiterfahrt auf dem Great Eastern Highway bis nach Yellowdine und kurz vor Southern Cross. Dort geht es auf unbefestigter Straße in Richtung Süden zum Wave Rock in Hyden. Die Piste dorthin ist ziemlich gut und breit, für mich wars ein absolutes Blumenparadies. Je weiter Richtung Süden wir kamen, desto mehr Blüten brachten Farbe in die Landschaft. Alle paar Kilometer musste Michi halten, damit ich Blumenbilder machen konnte!

 
Wildblumen im Überfluss an der Strecke nach Hyden

Kurz vor Hyden entschieden wir uns spontan zu einem Ausflug zum Boondie Rock, der so gut wie nirgends in den Reiseführern erwähnt wird - was eigentlich schade ist, denn nicht nur der Felsen selber ist mehr als einen kurzen Stopp wert. Vom Parkplatz aus, den man in nur 10 Minuten erreicht führt ein Weg auf den Felsen selber und ein anderer zur Mulga Cave. Im Gegensatz zur Mulga Cave auf der Canning wimmelt es hier nicht von Schlangen sondern vor Handabdrücken an der Höhlendecke. Sobald sich die Augen an das Schummerlicht in der Höhle gewöhnt haben, wird es hier drin richtig interessant. Der Weg auf den Boondie Rock selber ist gut markiert und führt auf dem Felsenrücken bis nach oben, von wo aus man fantastische Blicke auf die umgebende Landschaft werden kann.


Mulga Cave und Aussicht vom Boondie Rock

Zurück auf der Hauptstrecke gibt es immer mehr Felder, die mit Weizen und anderem Getreide bepflanzt sind und natürlich noch mehr Wildblumen. Aber auch die auf der Straße im Überfluss rumlatschenden Skinks sind den ein oder anderen Stopp wert.


Wildblumen, Blauzungenskink und die Wave in Hyden

Aggressives Marketing scheint wohl für Hyden und The Wave typisch zu sein. Einerseits absolut nachvollziehbar, denn the Wave selber aber auch die anderen Steinformationen sind wirklich schön und vor allem wenn sonst keiner im Bild rumläuft ein Highlight. Allerdings heißt in Hyden alles 'The Wave dies' und 'The Wave das', auch das tolle Cafe mit angeschlossenem Häkelspitzenmuseum wirken einfach nur furchtbar kitschig und gezwungen. Immerhin zieht es wohl aber alle Rentner Australiens vor allem in gut organisierten Reisegruppen mit Namensschilder hierher - auch ihre amerikanischen Kollegen sind hier zahlreich anzutreffen und geben den Japanern dann gleich die Klinke in die Hand. Wir ergriffen schließlich schnell die Flucht und fuhren weiter auf der Strecke des Highway 40 bis wir schließlich nachmittags den Abzweig zur Boyagin Rock Nature Reserve erreicht hatten. Die Zufahrt führt erst nach Süden auf asphaltierter Straße mit halbtoten, überfahrener Brown Snake bis man links abzweigt und in die Reserve reinfährt. Hier sieht man dann schnell, wie das heute landwirtschaftlich genutzte Gebiet mal ausgesehen hat, bevor man Bäume und Büsche rodete. Der Boyagin Rock selber ist ein Fels inmitten von Busch und Bäumen, der dazugehörige kleine Campground abends nicht wirklich heimelig aber nett angelegt. Gleich daneben ist wieder Weideland und das Blöken der Schafherde begleitet uns den ganzen Abend bis in die Nacht hinein.

Tag 26, Mittwoch 14.10.2009 Fremantle

Das Praktische am Boyagin Rock sind die großen Mülltonnen, in denen wir nach einem kurzen Frühstück gleich mal das Auto grob vom größten Zeug entmüllt haben. Es stand schon fest, dass es die letzte Campingnacht war, denn in Fremantle wollten wir uns auf jeden Fall ein Motelzimmer suchen. Die Strecke bis Fremantle führt durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet und durch wirklich schöne Täler mit großen Häusern und endet dann m Straßengewühl vor Perth. Durch das hindurch zufinden ist nicht immer einfach klappt aber dank guter Straßenkarte in Buchform und GPS Karte. Fremantle selber hat mich wieder begeistert, viele alter Gebäude wie zum Beispiel das Roundhouse direkt am Strand und eine unglaublich entspannte Atmosphäre, die man am besten bei einem Kaffee auf dem Cappuccino Strip genießt. Einfach durch die Straßen zu schlendern ist dank strahlender Sonne ein Genuss und bietet hier und da gute Einkaufsmöglichkeiten. Für alle Bücherratten wie mich ein Paradies ist der Elisabeth Bookstore mit neuen aber auch einer riesigen Auswahl von gebrauchten Büchern. (http://www.elizabethsbookshop.com.au). Auch die vielen Gallerien mit Aboriginal Art Work können sich sehen lassen auch wenn die Preise einem teilweise schon das schön rechnen schwer machen. Nachmittags gönnten wir uns dann erst mal Fisch bei Kailis (da haben auch die Möwen gleich was davon) und danach ein Bier in der Little Creatures Brewery, die meiner Meinung nach alle andern in Australien aussticht. (https://www.littlecreatures.com.au/)


Eigentlich genau gegenüber, nur durch den Park getrennt liegt das Esplanade Hotel, in dem wir uns nach einigem Hin und Her und einem wirklich ewig dauernden Check In ein Zimmer gönnten. Die Lage ist wirklich unschlagbar, man ist zu Fuß sofort Downtown oder am Pier und kann sich am Abend noch das ein oder andere Bier gönnen. Genau das haben wir dann auch getan, natürlich wieder bei Little Creatures aber diesmal zusammen mit dem wirklich guten Finger Food auf der Karte. Zum Abschluss des Tages noch ein kleiner Spaziergang über den Cappuccino Strip und dann machten wir die Entdeckung des Tages: Die Choclateria San Churro. Die hat auch noch in den späten Abendstunden auf und bietet perverseste Schokogenüsse, die selbst mir als bekennender Schokoholikerin zu viel sind. Churros mit Schokodipsoße, heiße Schokolade bei der man keine 100ml trinken kann ohne umzufallen, Schokokuchen zu dem man noch flüssige Schokocreme bekommt.... Mein Magen begnügte sich mit Tee und dem ein oder andern Löffel von Michis Teller. (http://www.sanchurro.com)

Tag 27, Donnerstag 15.10.2009 Perth
Wir müssen uns von Elsa verabschieden, aber erst nachdem wir das Hotel geräumt und einen Cappuccino auf dem Strip genossen haben. Da wir Elsa aber noch bis um 13 Uhr behalten können fahren wir an der Küste entlang nach Perth rein und wollen uns mal den vom Zentrum weiter entfernteren Stadtteil Subiaco ansehen. Einen Parkplatz dort zu finden ist ein wenig anstrengend, am Ende finden wir aber eine Parklücke müssen uns aber etwas beeilien, da man dort nur maximal 1 Stunde parken darf. Die Politessen in Perth scheinen das akribisch zu kontrollieren, zumindest wäre das die jugendfreie deutsche Übersetzung für das, was uns der nette Australier vor uns zuraunte. Subiaco selber besteht eigentlich nur aus einer Straße mit den Standardläden aber auch kleineren individuellen Boutiquen. Hier gibt es auch genug kleine Cafes und Restaurants, so dass es sicherlich ein lohnenswerter Stopp für den Abend sein kann. Bei uns ging es weiter quer durch Perth in Richtung Flughafen. Die letzten Kilometer mit Elsa flutschen durch den dichten Stadtverkehr und wir kamen bereits um halb eins in Bassendean, an der Abgabestation von TCC in Perth an. Elsa wurde dort schon erwartet, die Rückgabe ging schnell und wir konnten die Sache auf Deutsch erledigen, richteten auch den Gruß vom Schweizer Ehepaar aus Leinster aus und waren nach gut einer Stunde im Taxi unterwegs zum Hotel im  Stadtzentrum. Da bei Miss Maud's Swidish Hotel diesmal alles ausgebucht war und die Preise wirklich in den Himmel gestiegen sind, hatten wir 2 Übernachtungen in der Travelodge gebucht, war sich als absoluter Volltreffer herausstellte. Das Zimmer hatte einen kleinen Balkon mit Bartisch und passenden Hockern mit Aussicht auf die St. Mary Catholic Church. Nach einer kurzen Pause im Zimmer stiefelten wir in der brennenden Sonne zum nächsten CAT Stop, der zum Harbour Town Outlet Center fährt. Es war wirklich extrem heiß, unser Heuschnupfen kam langsam aber sicher mit voller Wucht aus dem Winterschlaf und Michi warf sich erst mal Tabletten ein. Absolut toll sind in Perth die CAT Busse, die in der Innenstadt auf verschiedenen Linien kostenlos verkehren und mit denen man wirklich alles in der Stadt erreichen kann. Harbour Town selber war ein totaler Flop, die Läden verramschen wirklich alles und gefunden haben wir absolut gar nichts. Wobei nein, das stimmt nicht. Denn auf dem Rückweg mit dem Bus in die Stadt fuhren wir bei 'The generous Squire' vorbei, hüpften gleich mal aus dem Bus und tranken inmitten von Business People ein Feierabendbier. Pünktlich nach 17 Uhr versammeln sich hier die Leute zum After Work Bierchen, quatschen und schnallen dann schnell ihren Rucksack wieder auf den Rücken und gehen heim. Wir hingegen genossen einen entspannten Abend und machten und kurz nach Ladenschluss um 18 Uhr wieder auf den Weg ins Hotel. Einziger Nachteil an der Lage des Hotels: Es gibt wenig Restaurants in der Nähe, eines davon ist das Yoshiya bei dem wir am Abend Sushi und Tempura aßen.

Tag 28, Freitag 16.10.2009 Perth

Swan Bells

Und wieder Sonnenschein und keine Wolke am Himmel, so kann man es in Perth definitiv aushalten. Zu Fuß raus aus dem Hotel und auf in Richtung Swan Bells, dem futuristisch anmutenden Glockenturm von Perth. Von dort weiter mit dem Bus in Richtung King's Park, den man nur mit ein wenig Schweiß erklimmen kann. Dafür ist die Aussicht von oben auf die Stadt genauso herrlich wie der Park selber. Auch wenn mein Heuschnupfen inzwischen auf Hochtouren lief (genauso wie meine Nase) musste ich mir die Boab's und die vielen Wildblumen ansehen und jede Mengen Fotos knipsen. Vorbei an der Aboriginal Gallery zu Fuß zum nächsten CAT Stopp und zurück in die Stadt. Über die Bahngleise des Hauptbahnhofs liefen wir dann nach einem Stopp in der Apotheke (Drogen!) ins Viertel Northbridge, das vor allem für seine Restaurant- und Barszene bekannt ist. Unser Taxifahrer vom Vortag hat uns ausdrücklich gewarnt, abends hierher zugehen, nicht mal er würde für viel Geld Freitag oder Samstagabend hierher fahren. Naja, sieht halt alles ein wenig heruntergekommen aus aber das interessiert auch tagsüber nicht wirklich. Absolutes Muss auf dem Weg von oder nach Northbridge ist die Art Gallery of Western Australia, in der man kostenlos Kunst aus ganz Australien sehen kann.


Perth Wheel und Perth Downtown

Danach wurde es ernst, ich muss einkaufen! Gar nicht so einfach hier, denn wer will eigentlich Sommerklamotten wenn er zuhause mit Minusgraden rechnen muss und die Sachen erst mal für ein halbes Jahr einmotten muss? Egal, wenn man in Australien ist und einen Veronika Maine Laden sieht muss man einkaufen - lange Hosen und ungewöhnliche Schnitte, dazu die mit Abstand weltweit nettesten Verkäuferinnen überhaupt! (das wurde in Australien und Neuseeland mehrfach gestestet!) Der Freitag ist in Perth übrigens der lange Einkaufsabend und die Läden haben das einzige Mal in der Woche bis um 21 Uhr geöffnet. Nachdem wir mittags mal zwischendrin superleckeres und günstigen Sushi gegessen hatten, gab es abends nur was Schnelles aus dem Foodcourt. Den restlichen Abend verbrachten wir im Hotelzimmer mit Kofferpacken.

Tag 29, Samstag 17.10.2009 Heul ich will hier nicht weg!
Wieso gehen eigentlich 4 Wochen auch im Urlaub viel zu schnell vorbei? Es heißt mal wieder Abschied nehmen von Sonnenschein und lockerer Atmosphäre, so richtig Lust zurückzufliegen hatten wir wohl beide nicht. Die Zeit bis halb zwei verbrachten wir mit letzten Einkäufen, einem Abschiedsbier bei James Squire und mit der Sonnenbrille auf der Nase. Das Wetter bescherte Perth den heißesten Frühlingstag seit 12 Jahren mit sage und schreibe 35 Grad und strahlendem Sonnenschein. War mir außer dem extrem leckeren rote Beete Saftmix noch in Erinnerung bleibt ist, wie einfach man mit den Leuten ins Gespräch kommt und was für Geschichte man in 5 Minuten erfährt. Zum Beispiel Jan der Store Manager bei dem sich Michi Outbackschuhe gekauft hat. Der Gute versteht gut Deutsch, sein Lebensgefährt hat ein Haus am Bodensee und er selber ist zwar in Deutschland geboren aber dann in Frankreich aufgewachsen bis die Familie nach Australien zog. Die Schwester wohnt noch immer in Frankreich, er ist mindestens 3 Mal pro Jahr am Bodensee und er findet Deutschland doch superschön, denn in Australien ist es zu heiß. Auch unser Taxifahrer, der eigentlich aus Kroatien kommt lebt seit 16 Jahren in Australien und kann sich ein Leben woanders nicht mehr vorstellen. Bei Stuttgart fallen ihm diverse Geschichte über ICE fahren in Deutschland ein. Am Ta davor war eine Verkäuferin kaum mehr zu stoppen, als ich ihr sagt ich sei aus Deutschland. Das Land sei so unglaublich schön und vor allem Berlin wäre eine Stadt, in der sie gerne leben würde. Ich musste ja zugeben, dass ich erst einmal in Berlin war und das auch erst dieses Jahr - dafür war sie noch nie wirklich in Australien unterwegs. Beide waren wir uns einig, dass wir für 6 Monate im Jahr super gerne tauschen würden - sie will endlich richtigen Schnee sehen und das zum ersten Mal im Leben! Ich versuche mir die Begeisterung mitzunehmen, was aber mit jedem Kilometer zum Flughafen schwieriger wird.

Tag 30, Sonntag 18.10.2009 30 Grad weniger, grauer Himmel - wir sind wieder in Deutschland
Wieder ein halbwegs angenehmer Langstreckenflug von Singapur nach Frankfurt. Wir landen pünktlichst kurz vor 7 aber ein Blick aus dem Kabinenfenster zeigt die graue Wirklichkeit fast ohne Gnade. Zumindest sind wir noch ein wenig verschlafen und nicht wirklich wach, sonst hätte ich mich sicherlich geweigert den Flieger zu verlassen. Es nieselt als wir ins Terminalgebäude laufen, der nette leicht verpennte Beamte wirft einen verschlafenen Blick auf den Pass und wie Wirklichkeit hat uns wieder. Kein roter Sand, kein atemberaubender Sternenhimmel - statt dessen Koffer holen und raus in die Kälte. Zum Glück haben uns meine Eltern am Flughafen abgeholt - mit Brezel und Apfelsaftschorle kann man sich leichter wieder an Deutschland gewöhnen. Draußen 4 Grad Celsius und erst nachmittags erhaschen wir einen Sonnenstrahl.
 

 
zurück


Der Weidenzweig wird durch die Last des Schnees nicht gebrochen.