Australien 2003

28 Tage – 21 Breitengrade – 7300km
 

 Nachdem ich inzwischen wieder knapp zwei Wochen zuhause bin möchte ich diesmal meinen Reisebericht anders anfangen als sonst und zwar mit einem Liedtext von der neuen Dido-CD:


Sand in my Shoes  

Two weeks away feels like the whole world should have changed
but I’m home now, and things still look the same
I think I’ll leave it till tomorrow to unpack, try to forget for one night
that I’m back in my flat
on the road where the cars never stop going through the night
to a life where I can’t watch the sun set, I don’t have time, I don’t have time 

I’ve still got sand in my shoes and I can’t shake the thought of you
I should get on, forget you but why would I want to
I know we said goodbye, anything else would have been confused
but I want to see you again 

tomorrow’s back to work and down to sanity
should run a bath and then cleat up the mess I made before I left here
try to remind myself that I was happy here before I knew that I could get
on a plane and fly away
from the road where the cars never stop going through the night
to a life where I can’t watch the sun set, and take my time, take all our time 

I’ve still got sand in my shoes and I can’t shake the thought of you
I should get on, forget you but why would I want to
I know we said goodbye, anything else would have been confused
but I want to see you again 

two weeks away, all it takes, to change and turn me around I’ve fallen
I walked away and never said that I wanted to see you again
I’ve still got sand in my shoes and I can’t shake the thought of you
I should get on, forget you but why would I want to
I know we said goodbye, anything else would have been confused
but I want to see you again

 

28. September 2003  

Nur einen Tag nach meiner Diplomübergabe ging es mit einem riesigen Schiff von C-Klasse (na gut für Smart Fahrer sind alle Autos groß) Richtung Frankfurter Flughafen. Zum Erstaunen einiger Leute fuhr ich und nicht Michi, tja und wie soll ich sagen es kann ja schon recht nett sein, wenn ein Auto schneller fährt al 135! Da unser Flug erst um 23.50Uhr losging wir aber bereits kurz nach 19 Uhr in Frankfurt ankamen hatten wir massig Zeit. In einem Anflug völliger Naivität dachten wir sogar gute Chancen auf Sitze am Notausgang zu haben, immerhin waren wir Nummer zwei in der Schlange. Die Aussicht auf ein bisschen Platz war extrem verlockend und sorgte bei mir für ein bisschen Vorfreude auf den Flug, die wurde aber von einem reizenden blondierten Schleimbeutel zunichte gemacht. Erstens muss man mindestens 1.80m groß sein (naja in meinem Pass steht dummerweise 1.78m) und zweitens erklärte mir dann der nette Herr von Quantas, müsse man sehr gut Englisch können um den Anweisungen des Bordpersonals folgen zu können. Die einzige Schwierigkeit war allerdings dem miserablen Englisch des Herren zu folgen. Also nichts mit Exit Seats, na klasse. Nachdem unsere Bordkarten ausgestellt waren vertrieben wir uns auf dem schlafenden Flughafen die Zeit bis zum Abflug.

29. September 2003 

Mit ein paar Minuten Verspätung hoben wir ab und flogen Richtung Singapur, wo die Maschine aufgetankt werden sollte. Glücklicherweise erwies sich der Typ neben mir als ein halbwegs erträglicher Sitznachbar – er konnte die ganzen 111/2 Stunden nicht schlafen und gehörte zu einer Reisegruppe aus Nürtingen, die sich dann gegenseitig die Zeit vertrieb. Davon hab ich allerdings fast 5 Stunden nichts mitgekriegt, da ich schlafen konnte. X-Men 2 und die diversen On-Board Spiele halfen dann noch, die restliche Zeit in der Sardinenbüchse rumzukriegen.

Irgendwann landeten wir dann in Singapur und da die Maschinen schneller war als geplant, gab es statt einem reinem Tankstopp einen 2h Aufenthalt und wir durften raus, jippie. Die Stunde auf dem Flughafen in Singapur war fast schon zu wenig, da es massig Läden gibt und man eigentlich gar nicht wirklich wieder zurück ins Flugzeug will. Nach einem kleinen Besuch des Kakteengartens inklusive Schweißausbruch wegen der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit ging’s wieder zurück auf meinen kleinen Sitz. Mit dem Laufen hatte ich dank leicht geschwollener Luftballonfüße so meine Probleme. Von Singapur aus hieß es dann nochmals 8h Flugzeit bis Sydney, unserer ersten Zwischenstation auf dem Weg nach Darwin.

30. September

Leicht benebelt und mit Monsterfüßen stieg ich dann mit Michi morgens um 5 Uhr aus dem Flugzeug und konnte mich vor lauter Kopfweh und Müdigkeit gar nicht recht drüber freuen, endlich down under zu sein. Das lag vermutlich vor allem an der Aussicht, in 3 Stunden noch mal in einem Flieger zu steigen und mich den Tag darauf auch noch einmal auf einen Minisitz zwängen zu müssen. Der Zoll wollte glücklicherweise diesmal keinen Koffer durchsuchen und Michi hat sogar eine Packung Mentos eingeschmuggelt....

Nach einer Fruit Infusion (pürierte Früchte mit allem, was wach machen könnte) hieß es also wieder warten, aber diesmal gab es einen echten Lichtblick – die 5 Minuten Engel! Stellt Euch vor, Ihr wärt knapp 20h in der Economy Class gehockt, alles tut weh und allein beim Anblick eines Flugzeuges verkrampft sich jeder einzelne Muskel und schreit laut NEIN. Genau so ging es mir und dann sah ich ihn, Marcus mein ganz persönlicher 5 Minuten Engel. Die Leute stehen auf dem Flughafen und bieten eine Nacken- und Schultermassage an, man bezahlt nur das, was es einem Wert ist. Marcus war ein echter Heiliger und drückte mir meine Schmerzpunkte so lange, bis es besser war. Nebenbei stellte sich noch heraus, dass der Kerl Sinologie studiert hat und es irre findet, dass man so lange durch Australien fährt. Leider waren die 5 Minuten schnell um und es hieß mal wieder in einem Flieger steigen, diesmal aber nur schlappe 3h 20min von Sydney nach Alice Springs.  

Zum Glück gab es auf dem Flug ein wenig mehr Platz, da wir 3 Sitze für uns hatten. Mittags um 12 Uhr kamen wir dann in Alice an, endlich wieder da! Mit dem Airport Shuttle fuhren wir und unser glücklicherweise gesamtes Gepäck dann zu unserem Hotel in der Stadt. Nach einer ausgiebigen Dusche stellte ich dann fest, dass meine Knöchel irgendwie verschwunden waren....da waren nur noch Luftballons. Das letzte Mal, dass mein Fuß so aussah war vor 6 Jahren, als ich in einen Biene getreten war. Nach kurzer Pause, einem starken Kaffee und zwei Koffeintabletten gingen wir dann los um die Gallerien der Stadt abzuklappern. Den Inlandsflug nach Alice hatten wir eigentlich nur deswegen eingeschoben weil er für einen Euro verdammt billig war und man in Alice die größte Auswahl an Gallerien hat, die Kunst der Aborigines ausstellen und verkaufen. Nach 3h war ich ein Bild reicher, verdammt müde und hungrig. Wie bereits 2001 ging es in den Red Ochre Grill, meiner Meinung nach das genialste Restaurant in Alice, weil es verdammt leckere vegetarische Gerichte gibt und sich der Rest der Karte auch sehen lassen kann. 2001 waren wir zwei Mal im Red Ochre und beides Mal haben die Leute irgendwas vergessen, diesmal aber nicht  – richtig langweilig!

01. Oktober 2003

Gerädert unter die Dusche und erst mal einen starken Kaffee trinken bevor es noch mal zu Papunya Tula ging, wo wir die Stories zu unseren Bildern abholten. Jede Galerie die Bilder verkauft, wird zu jedem Bild eine Story mitliefern, die die Bedeutung des Bildes erklärt. Allerdings zeigt scheinbar jedes Bild, das ich jemals gesehen habe, ein Wasserloch oder Frauen, die Nüsse sammeln...

Mit dem Airport Shuttle wieder zum Flughafen, der doch extrem klein ist und wo man seinen Kaffee gleich neben dem Rollfeld schlürfen kann. Mal wieder abheben, Sandwich essen und dann nach einem kurzen Flug von nicht mal 2h landeten wir endlich in Darwin im Norden Australiens. Mit den Koffern ging’s dann ab zum Taxistand und dann zur Vermietstation von Four Wheel Hire, bei denen wir diesmal unser Auto gemietet haben. Nach dem Britz-Desaster von 2001 waren wir eigentlich auf alles gefasst aber oh Wunder, der Typ war total nett, das Auto schon geputzt und fertig. Nach einer einstündigen Einweisung wurde das Gepäck verstaut und wir sprangen rein ins Auto. Nach der langen Zeit im Flugzeug ein komisches Gefühl, nicht nur weil man auf der falschen Seite sitzt.

Unser aller erster Stopp war ein Shopping Centre, um Sachen für die ersten Tage und andere Dinge wie Salz und Pfeffer zu kaufen. Auf dem Stuart Highway fuhren wir dann zum Litchfield NP, wo wir unsere erste Nacht verbringen wollten. Die Strecke war länger als gedacht, so dass wir erst nach Sonnenuntergang (gegen 17 Uhr) am ersten Campground des NP ankamen. Obwohl es ein Campground nur für 4WD war, gab’s dooferweise keine Plätze mehr. Also zum nächsten (Florence Falls 2WD Campground) und halleluja, es gibt noch ein Plätzchen für uns und unser noch namenloses Auto. Das Dachzelt aufzuklappen dauerte ein bisschen länger, aber immerhin war es ja auch das erste Mal, dass wir unser Lager aufgeschlagen haben. Im Schein unserer Neonlampe mampften wir dann australischen Tütensalat. Kurz nach 20 Uhr schliefen wir dann mit Gitarrenklängen im Ohr ein – endlich wieder in Australien!

02. Oktober 2003  

Nach einer ruhigen Nacht in unserem heimeligen Dachzelt ging schon um kurz vor 6 die Sonne auf und weckte mich. Sobald in Australien die Sonne aufgeht steigt die Temperatur rasend schnell an und es wird richtig heiß. Die Mücken kamen auch ziemlich schnell und ich hab mich dann erst wieder erinnert, wie nervig diese doofen Viecher sein können, wenn sie einem in die Nase oder die Ohren klettern wollen. Das Zusammenpacken des Dachzeltes ging zwar ohne Probleme, aber wir waren danach völlig nass geschwitzt und fertig.

Aus dem Park heraus ging es wieder auf den Stuart Highway in Richtung Adelaide River, wo wir auf einen Scenic Drive namens Dorat Raod abbogen, um zu den Douglas Hot Springs zu fahren. Auf dem kurvigen Weg liegen die Robin Falls, die wir uns natürlich angucken wollten. Nachdem wir die Abzweigung fast verpasst hätten fuhren wir den Kilometer zum Parkplatz. Dort stand bereits ein riesiges Wohnmobil und die dazugehörigen Aussies meinten nur, wir sollten ihnen Bescheid sagen, wenn wir die Wasserfälle finden. Bislang wären alle wieder zurückgekommen und hätten nichts gefunden. Nach einem Blick auf die künstlerisch wertvolle Minikarte stiefelten wir los, allerdings mussten wir genauso aufgeben wir die vor uns...keine Wasserfälle weit und breit, dafür aber um so mehr Mücken.

Weiter ging es auf der Scenic Road zu den Douglas Hot Springs, mitten im Nichts. Zuerst dachte ich mir, dass es sich nicht lohnen würde, einen Abstecher dorthin zu machen, aber im Nachhinein wäre es echt schade gewesen, nicht dorthin zu fahren. Die heißen Quellen heizen das Wasser in einem Fluss bis zu 60 Grad auf, da sich das heiße Wasser aber mit kälterem mischt kann man ein herrlich lauwarmes Bad nehmen oder einfach nur in einem tieferen Pool liegen und die Fledermäuse beobachten, die kopfüber an den Bäumen hängen und ab und an wie vom Blitz getroffen herumflattern. Frisch gebadet und mit einem Sonnenbrand auf der Schulter fuhren wir auf dem Stuart Highway bis zu den Edith Falls, unserem Tagesziel. Leider bekam das Bad in den heißen Quellen meinen Schuhen eher weniger und die Sohlen verabschiedeten sich ein wenig vom Rest des Schuhs. Auf dem Weg gab’s deswegen in Pine Creek neue Flip Flops aus einem kleinen Laden (soweit ich weiß auch dem einzigen im Ort). 

Der Campground dort ist absolut klasse, die einzelnen Plätze sind schön grün und recht groß, es gibt Duschen und man kann bis 19 Uhr abends ein bisschen im Pool unter den Edith Falls schwimmen. Witzigerweise war wieder der gleiche Typ am Kiosk wie vor 2 Jahren und wieder hab ich fast kein Wort von dem verstanden, was er gesagt hat. Trotzdem kriegten wir unser Plätzchen für die Nacht, auf dem wir das frisch getaufte Auto abstellen konnten. Die Idee für den Namen kam mir auf dem Stuart Highway, da unser Autole wegen des Dachzeltes ab circa 100 anfing zu pfeifen und das im Dreiklang bekam unser Toyota Landcruiser den Namen Car-Ouzo, denn er sang wie ein Sänger nach ein bisschen viel Ouzo. Die Kängurus hüpfen auf diesem Campground herum wie bei uns Katzen, aber nicht nur deswegen find ich den Campground echt klasse und um Längen besser als den im Nitmiluk NP nahe Kathrine.

03. Oktober 2003

Nach dem üblichen frühen Aufstehen, Frühstück und Dachzelt klappen ging es wieder einmal auf den Stuart Highway Richtung Kathrine, circa 60km südlich der Edith Falls. 10km vor der Stadt gab es dann auch endlich mal Radioempfang, im Outback und auf unserer Route entlang der Westküste eine echte Seltenheit. Kathrine ist eine größere Stadt, an der sich Stuart Highway und Victoria Highway kreuzen. Hauptattraktion für alle Touristen ist Kathrine Gorge im Nitmiluk NP, wo wir aber diese Jahr nicht hinfuhren, weil wir bereits 2001 dort waren. In Kathrine klapperten wir dann ein paar Galerien ab, füllten unserer Wasservorrat auf und schon ging es weiter Richtung westaustralische Grenze.

Der Victoria Highway nach Kununurra war dann der erste echte Test für das Sitzfleisch, das den Flug schon fast vergessen hatte. Die Strecke ist circa 500km lang und außer einem Roadhouse, dem Victoria River Inn (extrem leckere Muffins!) und ziemlich viel rotem Sand gibt es noch Büsche und Bäume aber das war es dann auch. Da unser Zeitplan grob festgelegt war, konnten wir auch in diesem Jahr nicht in den Gregory NP, den man nur mit 4WD befahren kann und für den man mit Sicherheit einiges an Zeit einplanen sollte. Ziel des heutigen Fahrtages war der Keep River NP, der perfekte Stopp um restliches Obst und Gemüse zu verkochen, um beim Überqueren der Grenze zwischen Northern Territory und Western Australia keine Probleme zu bekommen. Im Park gibt es zwei Campgrounds, die sich landschaftlich nichts schenken, d.h. bei Sonnenauf- und untergang strahlen die Felsen in einem atemberaubenden rot. Beide Plätze sind mit 3 $ p.P. auch richtig billig, ein Grillplatz ist bei jedem Platz auch mit dabei.

04. Oktober 2003

Wie immer bin ich vom Zwitschern der Vögel geweckt worden, der sanfteste und angenehmste Wecker den ich kenne. Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir zur Nganalam Art Site, zu der ein 10 minütiger Fußweg führt. Es gibt dort einige Felsenzeichnungen zu sehen, das unvergleichliche Outback Feeling, viele Fliegen und stechende Hitze sind das kostenlose Extra dazu.

Vom Keep River NP ging es weiter auf dem Victoria Highway zur westaustralischen Grenze. Man sollte die Quarantänevorschriften nicht allzu locker sehen, da die Grenzbeamten jedes Auto durchsuchen und auch viel fragen. Der Grund hierfür ist, dass in Westaustralien z.B. noch keine Fruchtfliegen leben und auch weitere Schädlinge noch nicht eingeschleppt wurden. Klar ist es „lustig“, irgendwas durchzuschmuggeln aber wenn man bedenkt, was dahinter steckt, sollte man vielleicht kapieren, dass die Regeln durchaus sinnvoll sind. Übrigens wird die Uhr an der Grenze um 1,5 h zurückgestellt, nicht vergessen!

Einige Kilometer vor Kununurra liegt der Lake Ord Staudamm, zu dem man einen 30km Abstecher machen kann, sofern man Zeit und Muse hat. Wir fuhren direkt weiter in die Stadt, um mal wieder Wasser zu kaufen (4l pro Tag nur zum Trinken) und uns wieder mit Obst und Gemüse einzudecken. Genau gegenüber von Woolworths ist die Tourist Information, bei man alle Infos über den Straßenzustand der Gibb River Road und der Purnululu Park Road bekommt. Auch Infos zu den Mitchell Fällen und allen Schluchten an der Gibb River Road bekommt man hier. Da wir einige NP besuchen wollten, die pro Fahrzeug circa 9 $ Eintritt verlangen, kauften wir uns hier einen Western Australia Holiday Pass. Dieser Pass kostet $25,50, gilt für fast alle NP in Westaustralien und ist 4 Wochen gültig, lohnt sich also wenn man mehr als 3 Parks besucht, die Eintrittsgebühren verlangen. Da wir ebenfalls unbedingt zur Zebra Rock Gallery wollten und die beim besten Willen nicht finden konnten, ließen wir uns bei der Tourist Info auch gleich noch den Weg dahin erklären.

Bevor wir allerdings zur Zebra Rock Gallery fuhren, die etwas außerhalb der Stadt liegt fuhren wir noch zu einem Lookout (gibt nur einen) von dem aus man einen wirklich schönen Blick über die Stadt und die Felder rund um Kununurra hat. Durch den Ord Stausee (den größten Australiens) können die Felder das ganze Jahr über künstlich bewässert werden, so dass Kununurra die umliegende Gegend versorgt und Obst und Gemüse in Supermärkten in ganz Australien landet. Nach einem kurzen Abstecher ins Hidden Valley (Mirima NP, Einritt) hinter der Stadt, der sich nicht wirklich lohnt, fuhren wir zur Zebra Rock Gallery. Wer sich jetzt seit der ersten Erwägung fragt, wieso wir da unbedingt hin wollten, hier kommt die Erklärung. Bereits 2001 haben wir die Werbungsschilder gelesen, sind aber nicht hingefahren außerdem wird die Gallery in jedem Reiseführer als eine der Attraktionen Kununurras erwähnt. Aus der Stadt raus und nach dem Staudamm die erste Straße links, dann immer links nach dem Schild suchen, wir sind 2 mal dran vorbeigefahren aber dann waren wir da. Zebra Rock ist eine seltsame Sache, die Steine um die es sich handelt sind gestreift und kommen nur in Kununurra vor. Das Alter der Steine wird mit 600 Millionen Jahren angegeben und die in der Gallerie angebotenen Sachen sind wirklich klasse. Ob man einen Dekostein will oder Ohrringe, es gibt alles. Am Eingang muss man $1 Eintritt bezahlen, kann dafür aber nicht nur in dem kleinen Verkaufsraum alles anschauen, sondern am See auch Fische füttern, beim Schleifen der Steine zusehen oder auf der Veranda relaxen. Klar ging es nicht ohne ein paar Steine mehr im Gepäck weiter!

Ziel dieses Tages war der Purnululu (Bungle Bungle) NP, einige Kilometer südlich von Kununurra. Glücklicherweise ticken die Uhren in Westaustralien 1,5h langsamer, so dass man diese Zeit perfekt nutzen kann, um die Strecke zum Warmun Roadhouse hinter sich zu bringen. Von dort sind es noch 50km bis zur Abzweigung zum Purnululu NP, wo man dann vor einem Gate steht. Aber lasst Euch davon nicht abschrecken, die ersten Kilometer führen über das Gebiet von Mabel Downs Station und das Gate dient nur dazu, die Kühe drin zu halten und nicht die Touris draußen. Die Piste in den Park ist noch mal 50km lang und nur für 4 WD zugänglich, in der Regenzeit ist der Park geschlossen. Das hat auch seinen guten Grund und die Strecke ist wirklich eine Herausforderung für den Hintern und die Geduld. Es gibt einige Wasserdurchfahrten, die trocken waren, bei denen aber eine Stange eine 2m Markierung hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass während der Regenzeit hier Wassermassen die Straße in einen Fluss verwandeln.

Insgesamt brauchten wir für die Strecke bis zum Visitor Centre gute 2h, die Sonne ging gerade unter und wir fuhren die restlichen Kilometer bis zum Kurrajong Camp, einem der beiden Campgrounds im Park. Purnululu ist nicht nur ein NP sondern ebenfalls Weltkulturerbe, die „Bienenkörbe“ sind das Wahrzeichen des Parks aber auf unserm Weg zum Campground war von der typischen Landschaft nichts zu sehen, aber nachdem wir beide ziemlich ko waren, war das auch egal. Der echte Luxus des Abends war eine lauwarme Dusche unter dem Solarduschsack, durch die Abdeckung des Dachzeltes vor den Blicken der Nachbar geschützt.  

05. Oktober 2003

Trotz Schauer am letzten Tag wurde es nach dem Sonnenaufgang um 5 Uhr ziemlich schnell verdammt heiß. Deswegen gab es nur ein schnelles Frühstück bevor wir dann an die gegenüberliegende Seite des Bungle Bungle Massivs zur Picaninny Gorge fuhren. Vorbei an der Abzweigung zum Visitor Centre, dem Walardi Campground und dem Airstrip geht es auf einer sandigen Piste in einem Bogen zu den typischen Formationen im Park. Einige Lookouts bieten wahnsinnige Ausblicke auf die Bungle Bungles, genau so hatte ich es mir vorgestellt und ich knipsste wie wahnsinnig. Der mit 2h angegeben Walk zur Cathedral Gorge dauert eventuell mit 2 gebrochenen Beinen so lange, wir haben noch einen andern Rundweg gemacht und brauchten insgesamt grade mal 1h. Die Hitze in den Schluchten ist ziemlich stechend und gute Sonnencreme, Hut und Wasser gehören unbedingt in den Rucksack.

Verschwitzt aber happy ging es mit dem Auto wieder zurück zum Visitor Centre, mitten im Nichts eine kalte Cola trinken ist einfach klasse! Von dort vorbei an  einem Aussichtspunkt und unserem Campground fuhren wir dann zur Echidna Chasm, von der ich mir nicht viel erwartete, da ich von den Bienenkörben einfach nur begeistert war und dachte, besser könnte es nicht mehr werden. Aber der Walk in die Echidna Chasm war sogar noch besser, vor allem da es in der Chasm circa 10 Grad kühler war als in der prallen Sonne. Dort sind wir dann zum ersten Mal einer Gruppe Aussies begegnet, die uns gleich erklärt haben wohin wir denn laufen müssen, gesprächig sind die Aussies immer. Das liegt aber mit Sicherheit daran, dass man sich freut, wenn man überhaupt jemanden sieht und auch einfach lockerer und offener ist.

Die Echidna Chasm ist eine Schlucht mit Sackgasse, die teilweise sehr eng wird und einem zeigt, wie klein man eigentlich ist. Der Eingang zur Chasm ist palmenübersät und herrlich grün, je weiter man reingeht desto kühler, dunkler und steiniger wird es. Das Ende erreichten wir dann nachdem wir eine kleine Leiter hochgestiegen sind, dort war dann eine Art ausgewaschener Pool. Der Rückweg zum Auto ging dann schneller vorbei als der Weg rein, der nächste Stopp war der Mini Palms Trail. Dieser Trail ist mit 5,5 km der längste im Park, den man an einem Tag laufen kann. Startpunkt ist der Parkplatz an dem auch der Frog Hole Trail losgeht, der war aber wegen Steinschlag gesperrt. Der Anfang des Trails zu den Minipalmen führt ewig lange durch ein kiesiges Flussbett, die Sonne brannte mir auf den Kopf und das Laufen war extrem mühsam. Irgendwann ging es dann rechts in eine kleine Schlucht rein und von dort aus wurde der Weg interessanter und besser, da man zwischen Palmen und Steinen herumkletterte. Eine besonders nette Stelle hab ich „Ami-Gorge“ getauft, denn ein echter Ami kommt zwischen den Felsen mit Sicherheit nicht durch und auch ab Körbchengröße C könnte man irgendwo hängen bleiben. Bis zu den Palmen muss man dann noch einige Treppen hinter sich bringen, hier überholten wir die Aussies, die wir bei der Echidna Chasm schon gesehen hatten. Die waren genauso ko wie wir und naja, die Minipalmen am Ende des Weges sind ziemlich....klein.

Nach der ganzen Latscherei waren wir beide ziemlich fertig und um 4 Uhr nachmittags gab’s zurück auf dem Campground Tee und einen Stuhl zum Hinsetzen. Bis um 8 hielten wir uns noch krampfhaft mit kochen und Wäsche waschen wach und schliefen frisch geduscht mit vielen wunderschönen Bildern der Bungle Bungles im Kopf und den Geräuschen von Tropfen auf dem Dachzeltdach ein.

06. Oktober 2003

Früh wie immer hieß es bei strahlendem Sonnenschin frühstücken, Wäsche abhängen und zusammenpacken bevor wir uns um 7 Uhr auf den Weg zurück zum Highway machten. Zugegebenermaßen hätte ich noch gerne ein paar Tage mehr im Park verbracht und ich hoffe sehr, dass ich bald wieder einmal hin komme. Noch etwas, was ich los werden möchte ist die Hoffnung, dass man die Straße in den Purnululu NP niemals betonieren wird. Jetzt kommen nur wenige Leute in den Park und auf den Campgrounds gibt es außer einem Plumpsklo gar nichts, aber genau das ist der Reiz dort. Je mehr Leute kommen würden, desto mehr würde von dem Purnululu Spirit verloren gehen und wir würden ein echtes Juwel verlieren.

Nach 2h und einigem Gegenverkehr waren wir wieder auf dem Highway, aber erst nachdem wir ein paar Holländern erklärt hatten, dass das Tor nicht abgeschlossen ist und man durchaus in den Park fahren kann. Wieder geteerte Piste und unser erster Stopp Halls Creek, ein absolut gottverlassenes Kaff in dem man außer Wasser zu kaufen wohl nicht viel tun kann. Ich fand die ganze Atmosphäre ziemlich bedrückend, so als könnte man die Hoffnungslosigkeit der vielen Aborigines spüren, die warten, dass der Bottle Shop öffnet und nicht wissen, was sie außer Bier trinken tun sollen. Nach einem sehr kurzen Stopp fuhren wir also weiter, vorbei an der Abzweigung zum Tanami Track (1040km bis Alice Springs) nach Fitzroy Crossing, ebenfalls einem echten Kaff, das nicht wirklich einen Punkt auf der Landkarte verdient. Etwas außerhalb der Stadt liegt die Geikie Gorge, wo wir nur ein bisschen rumliefen. Die letzte Bootstour ging bereits um 15 Uhr und wir waren eben zu spät gekommen, aber um ehrlich zu sein fand ich es dort auch nicht so umwerfend toll.

An diesem Tag beschlossen wir auf dem Campground des Windjana Gorge NP zu übernachten und am nächsten Tag die Gibb River Road zu Ende zu fahren. Von Fitzroy sind es noch einige Kilometer bis zur Abzweigung zu den sogenannten Devonian Reef NP (Tunnel Creek NP und Windjana Gorge NP) von dort aus geht eine ziemlich hoppelige Piste über Farmland zu den National Parks. Da wir ziemlich spät dran waren, ging die Sonne bereits unter und wir waren immer noch nicht am Campground angekommen, klingt nicht schlimm kann aber im Outback gefährlich sein. Kaum war nämlich die Sonne halbwegs weg, kamen die ersten Kängurus angehoppelt und hüpften mit einer Zielsicherheit auf die Straße, dass man sich fragt, ob die alle Suizidgedanken haben. Dank Michis guter Reaktion und ein bisschen Glück gab’s dann aber abends doch kein Känguru Steak.

Beim Fotografieren des Sonnenuntergangs bemerkten wir dann, dass unser Reifen seltsame Töne von sich gab....entweder der Gute hatte Blähungen oder das Ventil war kaputt. Die letzten Kilometer zum Campground schafften wir aber glücklicherweise ohne Probleme, wo wir dann neben einem pfffffffft-enden Reifen was mampften. Selbst der Ranger, der 10 Jahre in Holland gelebt hat, ein bisschen Deutsch kann und extrem mitteilungsbedürftig war stellte fest, dass wir wohl ein Problem mit dem Reifen hätten. Da mit Reifenproblemen nicht zu spaßen ist und wir ja einen Ersatzreifen dabei hatten wurde im Licht der Neonlampe im Dunkeln der Reifen gewechselt. Zum Glück gab’s auf dem Campground auch ne Buschdusche (4 Wände, Trennwände, zerrissene Vorhänge aber Wasser), so dass wir wieder einmal frisch geduscht ins Bett fielen. 

07. Oktober 2003

Neuer Morgen und immer noch leicht pffffff-ender Reifen, zusammen packen und ab in die Windjana Gorge. Die ist meiner Meinung nach eine der schönsten überhaupt, was vor allem an dem Farbspiel liegt und mit Sicherheit nicht an den vielen Süßwasserkrokodilen. Die retten sich in den Tümpeln in der Schlucht über die trockene Jahreszeit und sonnen sich eigentlich den ganzen Tag. In Australien heißen diese kleinen Krokos Freshies und gelten im allgemeinen als harmlos, wenn man ihnen nicht grade aufs Maul tritt. Aber die Krokos sind nicht die einzigen Tiere, es gibt auch sehr viele Fledermäuse, die in Trauben von den Bäumen hängen. Am nervtötendsten sind allerdings die vielen Fliegen, die einem in die Ohren kriechen wollen.  

Vom Windjana Gorge NP dann weiter zur Abzweigung der Gibb River Road, dieses Jahr wollten wir sie zu Ende fahren, nachdem wir 2001 den Rest bis Derby nicht gefahren waren. Insgesamt ist die Piste in recht gutem Zustand, zudem wollten wir in Derby schnellstmöglich unseren Reifen reparieren lassen. So und jetzt zum Thema Derby und Reifen....also zuerst ging es mal zu einem Laden im Industriegebiet, den ich vom Auto aus gesichtet hatte. Der Kerl war sehr nett, meinte allerdings er wäre „very busy“ und schickte uns samt Karte der Stadt zum nächsten Laden. Der Typ dort war ein wenig unfreundlicher und sein Akzent nahezu unverständlich, allerdings konnte ich die Wörter „very busy“ aus dem Wortschwall herausfiltern. Nun gut, also weiterfahren und Augen offen halten und siehe da, noch ein Laden, der Reifen repariert. Nachdem wir 10 Minuten gewartet hatten, hörte der nette Herr dort endlich auf mit einer weiblichen Person zu flirten und schickte uns zu einem extrem interessant aussehenden Kerl im Hof. Nachdem auch der uns erklärt hatte, er sei „very busy“ er aber doch ein Herz für Touris hatte, meinte er wir sollten in 3h noch mal vorbeischauen. Gut dachten wir, dann gucken wir uns doch einfach die Stadt an, was allerdings nach 20 Minuten auch bereits erledigt war. Auf dem Weg zum Supermarkt sichteten wir dann noch einen anderen Laden und versuchten ein allerletztes Mal unser Glück und siehe da, nach dem obligatorischen „very busy“ war er bereit, unserm Reifen zu reparieren. Allerdings hatte er keinen passenden Schlauch da und schickte und zu Laden Nummer 2, also wieder zum unfreundlichen Aussie zurück, Schlauch kaufen, zurück zu Laden Nummer 4 wo der Kerl von Laden Nummer 3 grade ein Schwätzchen mit Typ Nummer 4 hält. Unser fleißiger Typ 4 hatte in der Zwischenzeit auch den Grund für die Blähungen unseres Reifens gefunden, ein 7 cm langes Stück Draht. 3 Minuten später sprang er ein bisschen auf dem Reifen rum und 5 Minuten später war der Reifen fertig und wir $30 ärmer. Dann hieß es nur noch raus aus Derby, Prison Tree (ein Affenbrotbaum, den man früher als Kurzzeitgefängnis benutzt hat) angucken und dort schnell Reifen wechseln.

Solltet Ihr also jemals in der Nähe von Derby irgendein Problem mit Reifen oder Auto haben, dann geht zu irgendeinem Laden und lasst Euch nicht von einem „very busy„ abspeisen. Immer gleich sagen man war schon überall, außerdem vermute ich, dass sich in Derby alle zu einer Art Automafia zusammengeschlossen haben! Aber was soll’s, wir hatten einen reparierten Reifen und fuhren weiter Richtung Broome.

Broome war früher Hauptstadt der Perlentaucher und ist eine der größeren Städte in der Kimberley Region. Der erste Eindruck von der Stadt war dann auch richtig klasse, herrlich grün, Asiaten, Aborigines, Weiße, Touristen und Surfer, Lebendigkeit und ein großer Supermarkt! Nachdem wir uns dort Salat, Obst und Hai-Filet für Michi besorgt hatten ging es über die Cape Leveque Road an der Küste der Dampier Halbinsel entlang. Nach circa 10km zweigt dann eine Straße links zur Willie Creek Pearl Farm ab, der folgt man einfach, bis man wieder aufs Meer trifft. Zuerst war die Straße auch gut ausgeschildert aber je weiter man fährt, desto weniger wussten wir, ob wir auf der richtigen Straße waren. Wir fuhren dann einfach mal links rein und fanden ein paar herrliche Plätzchen zum Campen, blöderweise waren die aber alle schon belegt. Also ging es weiter auf der Straße (ca. 50km) bis zur Küste. Dort suchten wir uns dann ein einsames Plätzchen zum Übernachten und genossen die in der untergehenden Sonne leuchtenden Felsen. Auf dem prasselnden Lagerfeuer stellte Michi dann fest, dass Hai einfach nicht schmeckt. Zwar war es echt romantisch und idyllisch direkt am Meer zu übernachten, aber dank der Wellen, die an die Küste rollten war’s eine recht unruhige Nacht.

08. Oktober 2003

Nach einem kleinen Strandspaziergang ging es wieder zurück nach Broome, wo wir uns zuallererst Cable Beach, den Renommierstrand der Stadt, anschauten. Der konnte aber mit unserem Plätzchen an der Küste absolut nicht mithalten, ist aber mit Sicherheit einer der schönsten Strände Westaustraliens. Von dort aus fuhren wir am Malcom Douglas Crocodile Park vorbei (Michi wollte rein und ich hab gekniffen) zum Gantheaume Point. Dort findet man nicht nur einen uralten Leuchtturm, sondern auch die schönsten Rottöne, die ich jemals gesehen habe. Auf den roten Klippen sitzend beobachteten wir dann ein paar Einsiedlerkrebse beim planlosen rumlaufen. Bei Ebbe soll man hier auch Dinosaurierfußabdrücke sehen können, wir mussten uns  wegen der Flut mit der in Beton gegossenen Replik abgeben.

Broome an sich ist nicht grade riesig und auch Chinatown ist winzig. Das Shopping Centre war dann auch unser letzter Stopp in Broome, bevor wir uns auf die lange und völlig öde Strecke am Eighty Mile Beach entlang machten. Der Strand ist sehr vielin Wirklichkeit viel länger als 80 Meilen und man sieht den Strand auch nicht, wenn man auf dem Highway fährt. Im Prinzip sieht man absolut nichts außer flachem Land und toten Kängurus. Absolutes Highlight der Strecke war der heftige Regen, der aus schwarzen Wolken vom Himmel fiel und so schnell wieder vorbei war, wie er angefangen hatte. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf der Strecke ist der Eighty Mile Beach Campground, eine Oase im Nichts, wo wir kurz vor Sonnenuntergang ankamen.

Der Strand des Campgrounds ist der ideale Platz um Muscheln zu sammeln, es gibt große gezwirbelte Muscheln und flache Muscheln....allesamt einfach schön! Der Platz selber ist nichts Tolles, die Stellplätze sind klein aber bewässert und damit schön grün. Abends wurde dann noch die Wäsche in der Waschmaschine vom gröbsten Dreck befreit, aufgehängt und danach hieß es wieder früh schlafen gehen.

09. Oktober 2003

Nach einer Dusche am Morgen und einem kleinen Ausflug mit dem Auto am Strand entlang ging es auf dem Highway die restlichen Kilometer nach Port Hedland, dem größten Hafen der Pilbara Region. Die Landschaft ändert sich kurz vor der Stadt und ist geprägt durch Raffinerien, Industrie und jeder Menge Road Trains auf der Straße. Die Strecke in die Stadt ist recht trostlos, auch wenn der Aussichtspunkt auf der Redbank Bridge einen netten Blick auf die Salzfelder liefert. Die Firmen dort lassen Meerwasser verdunsten und stellen so Industriesalz her. Auch die langen Züge, die Erz aus den Minen im Landesinneren nach Port Hedland bringen sind zwar beeindruckend aber irgendwie passt das alles nicht wirklich in die Landschaft. Nach einer kurzen Tour zur Tourist Info (außer dem riesigen Klo nicht wirklich toll) und zur Post (Postkarten abschicken) hatten wir noch die Gelegenheit ein riesiges Frachtschiff beim Einlaufen in den Hafen zu beobachten. Das Schiff fuhr unter der Flagge Singapurs und hieß Enterprise... 

Ungefähr 18 Kilometer südlich von Port Hedland hat man die dazugehörige Satellitenstadt gebaut, South Hedland. Hier gibt es ein größeres Einkaufszentrum, das mir aus 2 Gründen besonders im Gedächtnis haften blieb. Erstens waren grade Schulferien und ein Ranger hatte eine Auswahl von giftigen und ungiftigen Schlangen dabei, die er den Kindern zeigte. Am liebsten wäre ich schreiend weggerannt, tote Schlangen auf der Straße sind mir einfach bedeutend lieber als lebendige in einem Shopping Centre. Zweitens habe ich dank des englischen Buches, das ich in Tübingen gekauft hatte und mit nach Australien genommen hatte die Schokokeks-Entdeckung schlechthin gemacht. Das Buch heißt „Pants on Fire“ und handelt von einer Britin, die es nach Sydney verschlägt, wo sie dann das australische Leben kennen lernt. Tja und irgendwo werden Tim Tams erwähnt, der Schokokes-Tröster aller liebeskummergeplagten Australierinnen. Im Supermarkt in South Hedland hab ich meine erste Packung gekauft und bereits nach dem ersten Biss in einen dieser göttlichen Kekse war ich süchtig. Solltet Ihr also Schokolade lieben, dann werdet Ihr für diese Kekse alles machen, leider kriegt man die hier bei uns aber nur extrem selten und wenn dann zu Mondpreisen.  

Von South Hedland aus fuhren wir dann auf dem Highway weiter Richtung Roebourne, wo wir auf die Straße in den Millstream Chichester NP abgebogen sind. Die Landschaft hier ist eine Hochebene mit sanften Hügelketten und nur wenigen Bäumen. Die Hügel sind mit kleinen Graskugeln bedeckt, die sich von der roten Erde absetzen und vor allem am später Nachmittag fantastisch aussehen. Die Strecke ist an sich recht gut, eben eine Sandpiste. Sobald man jedoch im Park ist, schlängelt sich ein kleines Sträßchen durch die Hügel. Unser erster Stopp war der Python Pool, wo sich auch gleich in der Nähe ein Campground hätte befinden müssen. Da wir den aber nicht finden konnten, mussten wir schnell weiter um überhaupt noch bei Tageslicht irgendwo hinzukommen. Die Ausschilderung war absolut miserabel und die Strecke bis zum eigentlich Parkeingang zog sich ziemlich hin. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dann den Campground am Deep Reach Pool, wo wir die Nacht direkt am Wasser verbrachten. Obwohl es schon dunkel war konnte man all das Grün um den Pool sehr gut erkennen und man fühlte sich wie in einer kleinen Oase mitten in der Steppe. Außer 2 Nachbarn, die ziemlich weit weg waren, gab es auf dem Campground Gas Barbecues und extrem viele Moskitos, die ihr Leben in  unserem Moskitonetz aushauchten.

10. Oktober 2003

An diesem Morgen wurden wir vom Geschrei der Kakadus geweckt, die zwar wunderschön aussehen aber leider nicht wirklich gute Sänger sind. Das Gekreische ähnelt eher einem verrosteten Türschloss als einem Vogel. Beim Frühstück kam dann unsere Nachbarin im Badeanzug vorbei um einen kleinen Small Talk mit uns zu halten. Sie erzählte uns, dass sie ihren Sohn besucht und jetzt schon seit 3 Tagen hier wären, schwimmen lesen und einfach relaxen. Was ich außerdem absolut genial fand, war ihre Aussprache des Ortes Karratha, was in der Aborigine Sprache gutes Land bedeutet. Unsere Nachbarin machte daraus Karaaaaaaaaathaaaaaaaa, leider lag der Ort aber nicht auf unserer Route, sonst wäre ich gern mal hingefahren um zu hören, ob man das echt so ausspricht. Nach einem kühlen Bad im Deep Reach Pool fuhren wir dann weiter zum Visitor Centre bei der Millstream Homestead. Das alte Haus zeigt einem ziemlich deutlich, wie die Siedler gelebt haben. Im Garten des Visitor Centre liegen außerdem jede Menge Kängurus in der Sonne, diese sollen eigentlich ausgewildert werden, aber scheinbar hatten sie keine Lust drauf. Absolut empfehlenswert ist der sogenannte Homestead Walk, für den man eine halbe Stunde braucht. Durch ein Dickicht von Palmen gelangt man über Trampelpfade in eine völlig surreale Welt, von oben kommt das Sonnenlicht durch die Palmen, überall plätschert Wasser und Kängurus hüpfen vor einem her, als wollten sie einem den Weg zeigen.

Der sogenannte Snappy Gum Drive ist ein Rundweg durch den Park und führt vom Deep Reach Pool, vorbei am Visitor Centre, dem Crossing Pool (der Campground ist nicht ganz so schön wie der am Deep Reach Pool) und wieder zurück zum Parkeingang. Was allerdings nicht so toll ist, sind die vielen Pumpenhäuschen, mit denen man Wasser aus den Pools und Flüssen an die Küste pumpt. Millstream Chichester versorgt nämlich zusammen mit dem Harding Damm die Städte Roebourne Karratha und Dampier mit Trinkwasser. Auf einer sandigen Piste ging es dann zu unserem nächsten Tagesziel, dem Karrijini NP, der früher Wittenoom Gorgers NP hieß. Auf der Straße Richtung Park passiert man Schilder, die vor Asbestfasern warnen, diese Schilder sind weder alt noch überholt. Der einzige Ort, der an der Straße liegt heißt Wittenoom und war bis in die 60er Jahre hinein ein lebendiges Städtchen, heute ist davon fast nichts mehr übrig außer verlassenen Häusern und vielleicht ein paar Leuten. Gleich hinter der Stadt liegt die Wittenoom Gorge, wo früher Asbest abgebaut wurde. Ender der 90er Jahre wurden die letzten Einwohner gebeten, den Ort zu verlassen aber scheinbar harren immer noch einige dort aus. Als wir dort waren, fand ich die Stimmung wie in einem Stephen King Roman, eine Geisterstadt mit leerstehenden Häusern mitten im Nichts.

In unserer Karte war ein Zugang zum Karrijini NP über die Yampire Gorger, circ a 25km von Wittenoom eingezeichnet. Auch unser Outback Führer beschrieb die Route durch eine alte Asbestmine und da es uns 80km Wegstrecke gespart hätte fuhren wir trotz „Road Closed“ Schild in die Schlucht hinein. Nach circa 15km lagen neben der Strecke alte Maschinen herum und ein Schild warnte vor den Asbestfasern und bat uns, doch die Scheiben nicht herunterzukurbeln. So weit so gut, leider verlief sich die Piste nach knapp 19km in einem Bachbett und trotz Sucherei ließ sich kein Weg finden, so dass wir wieder umkehren mussten. Gelohnt hat es sich in jedem Fall, da die Yampire Gorge zu Recht als eine der schönsten der Gegend genannt wird. Zurück auf der normalen Straße fuhren wir dann die 80km bis zum Parkeingang und verbrachten die Nacht auf dem Dales Gorge Campground (Euro Loop, Platz 79).

11. Oktober 2003

Wie immer standen wir wieder einmal sehr früh auf um nicht in der sengenden Hitze das Auto packen zu müssen. Erster  Stopp des Tages war die Dales Gorge mit Circular Pool und den Fortescue Falls. Das Parkheftchen gibt beide Trails mit knapp 3h an, aber auch hier muss man sich wohl beide Beine brechen um so lange zu brauchen. Am allerbesten verbindet man beide Trails, so wie wirs gemacht haben. Zuerst stiegen wir runter zum Circular Pool, den man durch einen kurzen Kletterweg durchs Bachbett erreicht. Morgens liegt der Pool leider im Schatten, so dass das Wasser wirklich verdammt kalt ist und wirkt wie 5 Tassen starker Kaffee. Als wir dann weitergehen wollten, tauchten ein paar Aussies samt Luftmatratze und riesiger Kühlbox auf, aus der dann zig Bierdosen ausgepackt wurden. Das beweist mal wieder, dass Aussies nirgends ohne Bier hingehen, auch nicht wenn man dazu die Kühlbox 150m weit in eine Schlucht schleppen muss. Weiter ging es dann für Michi und mich am Bach entlang bis zu den Fortescue Falls, die sich über Steintreppen in einen kleinen Pool ergießen, wo man noch mal baden kann. Von den wirklich schönen Wasserfällen führt ein Weg wieder hoch an den Rand der Schlucht von wo aus man mit Sicht auf den Fluss unten in der Schlucht wieder zum Ausgangspunkt zurücklaufen kann. Insgesamt brauchten wir für die Trails 2h, inklusive Badestopp und ein bisschen Sonne baden an den Fortescue Falls.

Da wir für den Abend genug Duschwasser haben wollten, füllten wir unser Wasser schnell auf und entdeckten dabei das andere Ende des Weges durch die Yampire Gorge. Die Strecke scheint vor 3 Jahren endgültig zugemacht worden zu sein, man hatte den Weg mit einer Barriere aus aufgeschütteter Erde unpassierbar gemacht. Der nächste Halt war das nur wenige Kilometer entfernte Visitor Centre, dessen Architektur absolut fantastisch ist. Die Farben und Formen des Baus passen perfekt in die Landschaft und wirken nicht so deplaziert wie viele andere Bauten in National Parks. Im Inneren gibt es eine informative Ausstellung zur Geschichte des Parks und zum Asbest Abbau in der Region, natürlich fehlt auch nicht der obligatorische Souvenir Shop. Danach fuhren wir auf der Parkstraße weiter zur Kalamina Gorge, wo das einzig interessante ein Britz Camper war, der peinlicherweise mit österreichischer und bayrischer Flagge dekoriert war. Da wir nicht in die Kalamina Gorge runtergegangen sind, hieß es als nächstes in die Know Gorge, wo sich bei Regen die Joffre Falls in ein ausgespültes Becken ergießen. Die Latscherei in der Gorge dauerte 1,5h wobei der Weg runter und rauf wirklich extrem lang dauert.  

Unser nächster Stopp war dann der Savannah Campground, der sich nicht wirklich von dem an der Dales Gorger unterscheidet und wo wir uns ein nettes Plätzchen reserviert haben. Da es aber erst früher Nachmittag war, fuhren wir weiter zum Weano Carpark und stiegen hinab in die Hancock Gorge. Eigentlich erwartete ich nicht mehr allzu viel von dem Trail aber es war mit Abstand der genialste von allen im Park. Nach einem kurzen Stück am Bach entlang wurde es immer enger und man kletterte am Ende über die einzelnen Schichten der Schlucht, die wie Treppen aussehen. Durch den Flusslauf und einige Flusswindungen kommt man schließlich zu einer Art Wasserfall, wo der Trail endet und man ohne Seile nicht mehr weiter kommt. Hier hat das Wasser alle Treppen weichgeschmirgelt und einen atemberaubenden Ausblick kreiert. Ich kann gar nicht beschreiben, wie wunderschön es dort unten war, selbst die Bilder geben nicht wieder, wie es wirklich aussieht. Am allerbesten guckt Ihr Euch das mit eigenen Augen einmal an, es ist wirklich die ganze Kletterei wert. Nach einer halben Stunde an diesem magischen Ort machten wir uns ein wenig widerwillig auf den Rückweg, fuhren aber nicht wieder zum Campground, sondern liefen auch noch runter zum Handrail Pool, der nicht nur aus Spaß so heißt, sondern weil ein Geländer angebracht ist an dem man sich zum Pool hinunter hangeln muss. Der Pool an sich ist irgendwie total schön, aber da keine Sonne hineinkam auch sehr kalt und dunkel, am Rand lagen noch aufgeblasene Autoreifen mit denen man bei etwas wärmeren Temperaturen sicherlich gute Wasserschlachten da unten veranstalten kann. Gleich unterhalb des Weges vom Rand der Schlucht liegt ebenfalls ein kleines Pool, in dem man vor dem Aufstieg noch mal kurz baden kann, ich hab allerdings nur meine Füße gebadet, die wie immer tierisch dreckig waren.

Wer entweder nicht in die Schluchten laufen kann oder einfach nicht will, der kann vom Oxer Lookout und Junction Lookout aus den Blick über die Schluchten schweifen lassen. Wir haben dort ein bisschen gestanden und wollten eigentlich auf den Sonnenuntergang warten, waren dann aber doch zu kaputt und fuhren mit unendlich vielen und atemberaubenden Bildern im Kopf zurück zum Campground. Auf dem Weg dorthin winkte und allerdings ein Mann rechts ran, es stellte sich heraus, dass er Schweizer war und nicht nur einen platten Reifen hinten rechts sondern dazu auch noch einen platten Ersatzreifen hatte (sie hatten ihn nicht gleich reparieren lassen). Seine Frau und Tochter saßen auch mit fest und wir versuchten unseren Ersatzreifen auf ihr Auto zu montieren. Blöderweise passte der aber nicht und sie beschlossen mit dem aufgepumpten Ersatzreifen den Campground zu erreichen. Also fuhren wir zurück zum Campground und versprachen, den Ranger zu informieren, damit sie falls das mit dem Ersatzreifen nicht klappt eventuell abgeholt werden. Aber gegen 18 Uhr kamen sie dann zum Glück aus eigener Kraft an, leider hatte es jetzt den vorher nur platten Reifen in einen Reifenbrei verwandelt. Da wir am nächsten Tag sowieso weiterfahren wollten und die nächste Stadt auf unserer Strecke lag, versprachen wir dem Schweizer ihn und seinen in Fetzen hängenden Reifen mitzunehmen. Einziges Problem: Der nächste Tag war ein Sonntag!

12. Oktober 2003

Ziemlich kaputt und mit einem beginnenden Muskelkater in den Oberschenkeln bin ich dann am diesem Tag aufgewacht, nach dem Frühstück und nachdem alles zusammengepackt war, holten wir Schweizer inklusive Reifen ab und fuhren nach Tom Price. Die Fahrt zu dritt vorne war zwar ziemlich eng aber nicht langweilig, wir redeten über die Reisepläne und bekamen noch ein paar Infos über das Wetter weiter südlich. In Tom Price fanden wir dann sogar einen Laden, der Sonntag geöffnet hatte und lieferten ihn dort ab. Ihr wundert Euch vielleicht, dass ich nicht mal weiß, wie der Kerl hieß, das fiel mir aber auch erst später auf. Was ich allerdings absolut normal fand ist, ihnen zu helfen, denn wir hatten ja auch eine Platten aber das glück, noch einen Ersatzreifen zu haben. Was man allerdings daraus lernt ist, dass man einen kaputten Reifen sofort reparieren muss und niemals mit einem platten Ersatzreifen rumfahren soll. Klar kann es gut gehen, aber wie das Beispiel der Schweizer zeigt, kann es auch ziemlich schief gehen.

Nachdem Michi dann unseren Car-Ouzo noch neben einem riesigen und absolut monströsen Minenfahrzeug fotografiert hatte, schauten wir uns die Stadt und das Visitor Centre an. Insgesamt ist die Stadt recht klein und man merkt, dass die Region vom Erzabbau lebt, da viele Road Trains rumfahren und direkt neben der Stadt eine riesige Mine liegt. Gleich neben der Stadt liegt der höchte mit einem Allradfahrzeug befahrbare Berg Westaustraliens, der Mount Nameless. Natürlich haben wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und sind bis zum Gipfel gefahren, was mit Sicherheit angenehmen ist, als 5 h hochzulaufen. Nur den Weg hoch haben wir doch ein bisschen suchen müssen, einmal um den halben Berg rum und eigentlichwollten wir schon umdrehen, aber dann fanden wir den Weg doch noch. Der Blick auf die Landschaft unten ist interessant und bis auf die Mine, Eisenbahnschienen und den Häusern der Stadt sieht man nur ebene Fläche und sonst nichts. 

Unser Tagesziel war Exmouth und die Fahrt dorthin war ziemlich lang, ein Stopp am Sandfire Roadhouse war die einzige Unterbrechung auf der Strecke, die durch flaches Land führt. Dort gabs für mich Cola Light, für Michi einen Fernseher mit Formel 1 Rennen und für alle einen heftigen Sandsturm. Bereits im Karrijini gab es abends ziemlich starke Windböen und je weiter Richtung Küste wir fuhren, desto heftiger wurde der Wind und desto kälter wurde es, sobald die Sonne weg war. Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dann endlich in Exmouth an und weil das Kaff wirklich kaffig und die Campground schrecklich waren, fuhren wir gleich weiter bis zum Vlamingh Head Lighthouse Campground. Auf dem Weg dorthin fährt man an 13 Sendemasten vorbei, die in der Landschaft ziemlich deplaziert wirken und die dazu dienen, den Schiffsverkehr in den Gewässern vor der Küste Westaustraliens zu überwachen. Der Wind wehte an diesem Abend ziemlich heftig und brachte mich dazu, mich nachts in meinen Schlafsack zu mummeln, den ich davor nicht eine Nacht gebraucht hatte.

13. Oktober 2003

Der Morgen wurde an diesem Tag fast zu einer Zoovorstellung, da uns beim Frühstück eine kleine Emu-Familie beäugte und den ganze Campground auf Trab hielt. Der Himmel war an diesem Tag richtig grau und der Wind hatte nur minimal nachgelassen. Im Shop des Campgrounds gab’s leider kein labbriges Toastbrot, so dass wir wieder nach Exmouth fahren mussten, um unsere Vorräte aufzustocken und für die nächsten beiden Tage gerüstet zu sein. Auch bei vollen Sonnenlicht sah die Stadt nicht wirklich umwerfend aus, der eigentliche Kern der Stadt besteht aus vielleicht 20 Häusern und alles andere sind Ferienwohnungen und zwei furchtbar dicht gedrängte Campingplätze. Aber immerhin gab es ein Handynetz, so dass ich mal wieder ein Lebenszeichen nach Deutschland schicken konnte.

Wieder zurück auf der Straße fuhren wir in Richtung Cape Range NP und Ningaloo Reef, dem kleinen Bruder des Great Barrier Reefs. Je weiter westlich wir fuhren, desto weniger Wolken waren am Himmel, das einzige was nicht verschwand war der immer heftiger werdende Wind. Am Eingang zum Park steht ein Ranger auf einsamem Posten und kassiert gleich die Camping Gebühren von $5 p.P.. Unser erster Stopp war die Mangrove Bay, eine der herrlichen Buchten des Parks in der man kristallklares, türkisfarbenes  Meer und weiße, leere Sandstrände findet. Nachdem ich mir im Milyering Visitor Centre ein Ginger Beer und einen völlig überteuerten Film gekauft hatte fuhren wir zum Tulki Beach Campground, naja er besteht aus immerhin 7 Plätzen und ein paar großen Steinen ach ja und es gab ein Plumpsklo. Campingplätze gibt es recht viele im Park und einige haben nur sehr wenige Stellplätze, so dass man sich früh am Tag um einen Platz kümmern sollte. Wir stellten nur kurz unseren Tisch ab und fuhren dann gleich weiter zur Turquoise Bay, die ihrem Namen alle Ehre macht. Es gibt zwei herrliche Schnorchelstellen, eine in der Busch selbst und eine weiter rechts davon, den sogenannten „Drift Snorkel“. Wir verbrachten den Mittag an der Bucht, schnorchelten, froren tierisch und wärmten uns in der Sonne noch ein wenig auf. Meine absoluten Lieblinge beim Schnorcheln waren Schwärme von weißen Fischen, die ständig um einen herumschwammen und total niedlich aussahen. Nachdem wir den Sand aus den Schuhen geschüttelt hatten, fuhren wir zum Mandu Mandu Trail, einem Weg am Rand einer kleinen Schlucht entlang. Diesen Walk hätten wir uns aber durchaus sparen können, man sieht nicht wirklich viel, die Schlucht ist extrem uninteressant und der komplette Rückweg führt durch ein kiesiges Flussbett. Da es bereits früher Abend war, ging es zurück zum Campground, wo wir so gut wie möglich einen Windschutz aus der Plane des Dachzeltes bastelten. Geholfen hat es nicht viel und kochen konnten wir nur im Auto, weil der Gasbrenner sonst wohl nichts heiß gemacht hätte. Zum Sonnenuntergang liefen dann praktisch alle Leute inklusive uns zum Strand hinunter, wo wir nicht nur die Sonne im Meer versinken sahen, sondern auch einige Kängurus, die sich im Licht der untergehenden Sonne auf den Sanddünen herumtrieben. Absolut witzig waren unsere Nachbarn, zuallererst hielt ich die Gruppe für lustige australische Rentner mit Sohn und Schwiegertochter. Beim Aufbauen der Zelte dacht ich dann aber, ich hätte mich verhört, haben die doch in breitesten Schwäbisch rumgeflucht, weil irgendwas nicht so richtig funktionierte! Man sitzt also mitten in Australien und wer campt neben einem, lustige schwäbische Rentner! 

Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde der Wind immer heftiger und sorgte dafür, dass wir relativ schnell in unsere Schlafsäcke schlüpften. Ohne Wind wäre ich vermutlich die halbe Nacht draußen sitzen geblieben, da oben am Himmel der klarste Sternenhimmel funkelte, den ich jemals gesehen habe. So aber lagen wir im Dachzelt und konnten schlecht einschlafen, da der Wind das Auto durchrüttelte und am Zelt zerrte.

14. Oktober 2003

Ein wenig gerädert und unausgeschlafen ging es nach einer unruhigen Nacht nach langem Überlegen noch einmal zur Turquoise Bay. Der Himmel war zwar wieder wolkenlos, aber die „Frostbeulen“ vom letzten Schnorchelausflug waren uns beiden noch lebhaft in Erinnerung, aber wenn man einmal da ist....

Diesmal schnorchelten wir aber den Drift Snorkel, bei dem man sich von der Strömung über die Korallen treiben lässt, bis man eine kleine Landzunge erreicht. Am Strand entlang liefen wir also ein paar Meter hoch, schwammen 40m raus und ließen uns treiben. Die ersten Meter waren auch wirklich atemberaubend und durch den hohen Salzgehalt und die relativ starke Strömung muss man wirklich nicht viel tun, außer sich voll auf die Unterwasserwelt zu konzentrieren. Nachdem ich allerdings einmal meinen Kopf aus dem wasser streckte geriet ich in leichte Panik, da ich merkte, dass ich zu weit rausgetrieben war und ohne Flossen gegen die Strömung ziemlich chancenlos war. Aber mit ein wenig Schiss und auf dem Rücken konnte ich dann doch relativ schnell an den Strand zurückschwimmen,  wollte danach aber nicht noch mal ins Wasser. Dass der Drift Snorkel durchaus mit Vorsicht zu genießen ist, sagen einem nicht nur Faktblätter sondern auch ein Warnschild direkt am Strand. Klar denkt man immer, ach da kann ja eh nichts passieren, aber ich denke mal, dass durch den Wind auch die Strömung um einiges stärker war als normal bei einkommender Flut. Das gefährliche ist Loch im vorgelagerten Riff, durch das bei beginnender Ebbe Wasser ins offene Meer läuft und so für eine teilweise lebensgefährliche Strömung sorgt, darum wird auch davor gewarnt, bei Ebbe zu schnorcheln.

Nachdem wir ein bisschen Sonne getankt haben und Hannibal Lector in meinem Buch wieder einmal ein bisschen gemordet hatte, fuhren wir weiter zum Oyster Stack, einem ausgewiesenen Schnorchelstrand. Allerdings waren wir bei Ebbe dort und ich kann mir vorstellen, dass man auch bei Flut hier nicht wirklich toll schnorcheln kann. Es sei denn man mag es, sich an messerscharfen Austerablagerungen und Muscheln die Füße aufzuschneiden, wir begnügten uns deswegen damit Einsiedlerkrebsen beim Sonnen zuzuschauen.

Bevor wir weiter Richtung Süden fuhren, hieß unser letzter Stopp im Park Yardie Creek, der sehr viel schöner ist, als Mandu Mandu Creek. Trotz heftigem Wind liefen wir einen Teil des Reef Walk, von dem aus man einen schönen Ausblick auf die Schlucht, den Fluss und das darauf fahrende Ausflugsboot hat. Wer kein Auto mit 4 WD hat, für den hört die Sackgasse am Yardie Creek auf, wir wollten allerdings die Sandpiste weiterfahren, die in Coral Bay aufhört. Die Durchfahrt durch den Yardie Creek ist sehr sandig und scheinbar stecken auch öfter mal Leute fest und müssen rausgezogen werden. Nachdem aber 2 Autos vor uns ebenfalls ohne Probleme durchkamen, jagte Michi Car-Ouzo an das andere Ufer des bei Ebbe trockenen Flussbettes. Die weitere Piste an der Küste entlang ist in befahrbarem Zustand, aber schneller als 40km/h konnten wir beim besten Willen nicht fahren. Durch eine bizarre Landschaft geprägt von Termitenhügel, Büschen und Sand fuhren wir immer weiter Richtung Süden, wo wir eigentlich auf der Hälfte der Strecke zurück auf den Highway wollten. Blöderweise stellte sich die auf der Karte als besser Strecke eingezeichnete Straße als riesiges Schlagloch heraus, so dass wir weiter auf der Sandpiste fuhren. Die komplette Küste besteht aus Farmland, das übergangslos in Sanddünen übergeht, überall graden Ziegen und Kühe außerdem bieten alle Farmen inzwischen Campingmöglichkeiten an. Leider wollten wir an diesem Tag unbedingt bis Coral Bay kommen, so dass wir an all den herrlichen und einsamen Plätzchen vorbeifahren mussten. Übrigens verlangen die Leute für eine Woche Campen grade mal $15!

Abends kamen wir dann durchgeschüttelt in Coral Bay an, wo wir auf dem Peoples Park Caravan Park die Nacht verbrachten. Ich fand Coral Bay gleich bei unserem ersten Spaziergang durch die Stadt sehr viel schönen als Exmouth, klar ist es absolut winzig und geben tut es außer extrem vielen Tourenanbietern und einem Shopping Centre nicht viel, aber irgendwie war’s hier einfach viel, viel schöner.

15. Oktober 2003

Nach einer halbwegs ruhigen Nacht, dank der Hütte neben die wir unser Auto platziert hatten packten wir unser Auto und erkundigten uns nach der Möglichkeit, wenigstens eine Tour mit dem Glasbodenboot zu machen, mehr hätte unser ursprünglicher Zeitplan nicht erlaubt. An der ersten Hütte sagte man uns, es gäbe leider nichts mehr aber an der zweiten kriegten wir 2 Plätze auf der Sub Sea Explorer. Da die jedoch erst anderthalb Stunden später fuhr, nutzen wir die Zeit um ein bisschen am Strand spazieren zu gehen, die Aussicht zu genießen und ein bisschen die Atmosphäre aufzusaugen. An der Anlegestelle waren wir dann die einzigen und auch auf dem Boot waren wir dann ganz allein mit Beth, unserer privaten Unterwasserweltführerin. Ausgelegt ist das Boot für 20 Leute oder mehr und wir hatten das ganze Teil für uns, Michi machte Fotos und ich unterhielt mich mit Beth. Sie gab uns dann auch ein paar Tipps wo man an der Küste entlang am allerbesten Wale beobachten kann, sie hat Biologie studiert und sich auf Wale spezialisiert. Außerdem war sie die erste und auch einzige, die uns einen Grund für den heftigen Wind geben konnte: Die Jahreszeit nennt man in der Region „windy season“ und der Wind sei absolut normal! Nach unserer echt genialen Privattour über das Riff vor Coral Bay gab’s erst mal einen Kaffee und was Süßes in der Bakery des Shopping Centre. Die Typen, die den Laden schmeißen hatten in der Backstube laut Musik laufen und verbreiteten wie der Rest des Ortes absolut entspannte Stimmung. Am liebsten hätte ich ja als Muffin-Bäckerin dort angeheuert.

Weiter ging es auf der Straße Richtung Süden, allerdings kamen wir nur ein paar Kilometer weit und beschlossen, unsern Zeitplan ein bisschen über den Haufen zu werfen und für den nächsten Tag entweder eine Tour zu den Walen oder sonst  irgendwas zu buchen. Also zurück in den Ort und am Ticket Hut zwei Plätze für die Outer Reef Experience gebucht. Dabei hätte wir nicht nur Wale beobachten sollen, sondern auch die Gelegenheit gehabt, mit Mantas zu schnorcheln. Nachdem die Tour für den nächsten Morgen 9 Uhr gebucht war, stellten wir unser Zelt wieder auf den Campground (die Frau gab uns wieder denselben Platz) und ließen uns am Strand die Sonne auf den Pelz brennen. Faul rumliegen, lesen (Hannibal hat mal wieder gemordet) und einfach alles genießen war die Devise des Tages. Zur Feier des Tages gingen wir dann auch noch abends essen und ließen den Tag bei einer Tasse Tee gemütlich ausklingen.

16. Oktober 2003

Um auch ja pünktlich am Treffpunkt zu sein, hieß es an diesem Tag früh aufstehen, schnell packen und genug Sonnencreme in den Rucksack stopfen. Gegen hab neun kam dann allerdings ein Mädel vom Tourenanbieter und meinte, es sei zu windig und die See zu aufgewühlt, man müsste die Tour abblasen. Meine Laune war anfangs nicht mal angekratzt, so ein bisschen mulmig war mir ja beim Gedanken an riesige Mantas schon gewesen. Allerdings wurde meine Laune dann doch noch schlechter, weil ich nicht nur enttäuscht war, sondern auch weg musste von diesem kleinen Paradies. Unser Geld wurde dann zurückgebucht, lang lebe die Kreditkarte, und wir kamen doch früher als geplant los.

Einige Kilometer weiter südlich liegt Carnavon, die Obsthochburg der gesamten Region, bereits vor dem Ort stehen am Straßenrand Obststände, an denen man für $1 einen Sack Bananen kriegt. Diese Bananen sind absolute Geschmacksbomben und wenn ich die Augen zumache, kann ich sie immer noch riechen und schmecken, einfach gigantisch. Kurz vor dem Stadtzentrum liegt „The Dish“ eine überdimensionale Satellitenschüssel, die vor langer, langer Zeit einmal historische Worte aus dem All übermittelt hat. Genau hier wurden die Worte der ersten Mondlandung empfangen und in alle Welt ausgestrahlt. Heute wird „The Dish“ nicht mehr benutzt und dient nur noch als Touristenattraktion.

In Carnavon gibt es einige große Bananenplantagen, die Führungen durch die Felder anbieten, bei denen man mehr Infos über den Anbau von Bananen und vieles mehr erfährt. Leider haben wir die Führung bei der Munro’s Banana Plantation direkt an der Straße gelegen verpasst. Allerdings haben wir uns in dem winzigen Lädchen (voll mit peinlichen deutschen Touris) ne Schokobanane gekauft um wenigstens was mitnehmen zu können. Nach einem kurzen Abstecher in die Stadt beschlossen wir uns die Blowholes, 60km nördlich der Stadt anzusehen. Bei starkem Wellengang und hereinkommender Flut wird Wasser durch Löcher in den Klippen gepresst, dadurch entstehen in der Theorie gigantisch hohe Fontänen. Als wir die völlig öde Strecke zu den Blowholes hinter uns gebracht hatten, war bis auf ein bisschen Gischt nicht wirklich was los, vielleicht waren die Blowholes einfach nicht in der Stimmung. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich dann auch sehr froh war, dass unsere Outer Reef Experience abgesagt wurde und wir früher nach Carnavon aufgebrochen sind. Geplant war nämlich auf dem Campground bei den Blowholes zu übernachten, unser Reiseführer beschrieb ihn als sehr schönen Platz zum Übernachten. Ich frag mich ernsthaft, ob der Schreiberling jemals dort war oder schlicht und ergreifend blind ist. Der Campground ist der versiffteste, dreckigste Platz, den ich je gesehen habe, zum Glück konnten wir ja gleich wieder weiterfahren. Sehr schön ist allerdings der kleine Leuchtturm gleich auf dem Hügel bei den Blowholes, von dort aus hat man einen schönen Rundblick über Meer und Hinterland.

Zurück in Carnavon schauten wir uns die 1 Mile Jetty an (eine 1 Meile lange Landungsbrücke), the Fascine (nette Uferpromenade) und die frisch renovierte Fußgängerbrücke, die die Stadt mit einer vorgelagerten Insel verbindet. Nachdem wir uns nicht nur mit Lebensmitteln sondern dank Bankautomaten auch wieder mit Barem versorgt haben führte uns unser Weg wieder auf den Highway in Richtung Shark Bay.

Die Strecke führt über den Wendekreis des Steinbock ewige Kilometer auf eine Halbinsel, die zum Weltkulturerbe gehört. Da der Wind uns weiterhin begleitete beschlossen wir nicht im Cape Peron NP zu übernachten sondern auf dem Campground in Monkey Mia. Dort gab es zum aller ersten Mal auf unserer Fahrt keinen Platz mehr, da es aber weit und breit keine andere Möglichkeit zum Campen gibt durften wir uns wie viele andere auch an eine der Straßen auf dem Platz stellen und verbrachten eingequetscht zwischen andern Autos eine halbwegs ruhige Nacht. Am Ende des Tages war meine Laune auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt, erstens weil die Tour ins Wasser gefallen war, zweitens weil ich nichts mehr zu lesen hatte und drittens weil es auf dem Platz absolut unschön war.

17. Oktober 2003 

Nachdem auf dem Platz ziemlich viel los war, wurden wir früh wach und waren grade fertig mit frühstücken als wir beschlossen uns doch einfach mal den strömenden Menschenmassen anzuschließen und an der Strand zu gehen. Monkey Mia ist trotz des Namens nicht berühmt für Affen sondern für seine wilden Delfine, die dort jeden Morgen gefüttert werden. Gegen 8 Uhr standen bereits viele Leute am sogenannten „Internaction Beach“ und warteten auf die Ankunft der Delfine. Mit den Füßen im kalten Wasser und dem Blick immer aufs Meer gerichtet warteten wir fast anderthalb Stunden bis sich die ersten Tiere an den Strand trauten. Um die Wartezeit ein bisschen zu verkürzen erklären Ranger wie es dazu kam, dass die Delfine an den Strand kommen, überraschend für mich war, dass nur weibliche Delfine gefüttert werden. Die Männchen sind einfach zu aggressiv! Die Ranger arbeiten in einer der größten Delfin-Forschungsstationen der Welt und füttern die Delfine auch nicht fett, jeder Delfin kriegt höchstens einen Fisch damit er seinen natürlichen Jagdinstinkt nicht verliert. Im Abstand von knapp 2m schwimmen die Delfine dann an der Kette der Menschen entlang und gucken ab und zu frech aus dem Wasser, die heimlichen Stars der Fütterung waren allerdings die Pelikane, die versuchten den Delfinen die Fische zu klauen. Der Morgen begann einfach herrlich und der Tag sollte noch besser werden.

Mit gepacktem Auto fuhren wir von Monkey Mia zum Francois Peron NP, einem Park der nur mit Allrad zugänglich und dessen Parkstraßen Schlaglochpisten gleichen. Über Salz- und Sandpfannen fuhren wir zum nördlichsten Punkt des Parks, dem Cape Peron. Als wir dort ausstiegen wussten wir gleich, dass sie jedes Schlagloch gelohnt hatte, denn der Anblick der glühend roten Felsen, des weißen Sandstrandes und des kristallklaren Wassers ist einfach atemberaubend. Zudem waren wir auch noch ganz allein und konnten einfach genießen, dass wir genau in dem Moment genau an dem Ort waren. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Bottle Bay mit dem dazugehörigen Campground, der aus tiefem Sand besteht und auf dem immerhin ein Auto stand! Zurück Richtung Straße ging es noch an der Homestead (gleichzeitig Visitor Centre) vorbei, das an sich nicht grade toll ist aber wo es eine kleine artesische Quelle gibt, die eine „Badewanne“ speist. Leider war inzwischen viel los auf der Barbecue Wiese und wir verzichteten auf das heiße Bad.

An der Straße nach Denham, der größten Stadt der Halbinsel, liegt die ebenfalls traumhafte Little Lagoon, wo man Muscheln sammeln und ein bisschen ausruhen kann. Nächstes absolutes Muss ist Shell Beach, einem Strand der komplett aus kleinen Muscheln besteht und der alle dazu bekommt, sich wie Kinder die Taschen mit den Muscheln vollzustopfen. Wir saßen auch wie doof in kleinen Kuhlen, in denen die schönsten Muscheln lagen und suchten akribisch nach hübschen Exemplaren. Weiter ging die Fahrt nach Hamelin Pool, einer alten Telegraphen Station, die aber nicht selbst die Attraktion ist. Am Strand liegen die sogenannten Stromatolithen, die ältesten Lebensformen der Welt, sozusagen unsere ältesten Vorfahren. Natürlich sind es nicht mehr die originalen Lebewesen, aber die dort sind immer auch bereits über 5000 Jahre alt. Über einen Holzsteg kann man sich die verschiedenen Formationen anschauen, wobei einem Stumpy der Stromatolith auf Holzschildern einige Informationen zur Geschichte und Lebensart der Stromatolithen gibt.

Von Hamelin Pool aus ging es wieder zurück auf den Highway, vorbei am Overlander Roadhouse Richtung Kalbarri. Die Strecke war absolut interessant, da sich die Vegetation schlagartig änderte. Wo vorher steppenartige Landschaft vorherrschte gab es auf einmal dichtes Gebüsch und hohe Bäume. Die Strecke nach Kalbarri zog sich dann ziemlich hin, so dass wir erst nach Sonnenuntergang um 7 Uhr in der Stadt ankamen. Das Büro des ersten Campgrounds war bereits zu, also mussten wir den nächsten anfahren, der zwar auch schon dicht war, allerdings sagte uns ein Schild, dass man sich einfach einen Platz aussuchen konnte und dann einfach am nächsten Morgen bezahlt. Nachdem wir uns ein nettes Plätzle ausgesucht hatten, holten wir uns beim vermutlich schlechtesten Chinesen ganz Australiens was zu essen und schliefen nach einem heftigen Regenguss mit dem am Dachzelt zerrenden Wind ein.

18. Oktober 2003

Morgens hab ich dann erst mal brav unsere Übernachtung bezahlt und gleich auch noch eine weiter Nacht, denn wir wollten unbedingt am nächsten Tag eine Waltour machen. Nach einem extrem gemütlich Frühstück und einer heißen Dusche haben wir bei der Tourist Info eine Tour für den Nachmittag gebucht und konnten dann in alles Ruhe in den Kalbarri NP fahren. Vermutlich lag es daran, dass wir beide schon schönere Schluchten gesehen haben, dass wir den Park nicht so überragend fanden. Klar waren die Aussichtspunkte schön und das „Nature’s Window“, ein echtes Fenster aus Stein, sind wirklich schön, aber verglichen mit dem Karrijini NP kann Kalbarri einfach nicht mithalten. Da wir an diesem Tag viel Zeit hatten, gab es auf einem der Aussichtspunkte ein Mittags-Barbie (Barbecue), bei dem uns die Mücken nahezu den letzten Nerv geraubt haben. Um pünktlich bei der Anlegestelle des Bootes zu sein, fuhren wir zurück nach Kalbarri, wo die Zeit noch für einen Kaffee reichte bevor wir warm eingepackt zur Anlegestelle stapften. Ich hatte schon den ganzen Tag ein komisches Gefühl, dass auch diesmal was dazwischenkommen würde und auch Michi war nach einem Blick auf das aufgewühlte Meer ziemlich skeptisch. Tja und kaum waren wir am Boot angekommen hieß es auch schon, die Tour ist abgesagt. Also wieder das Geld zurückbuchen lassen und wieder keine Wale sehen. Allerdings sind wir dann an der Küste entlang zum Island Rock Aussichtspunkt gefahren, von dem aus man vorbeiziehende Wale beobachten kann, wenn man an der Kamera einen guten Zoom oder ein Fernglas hat. Also setzten wir uns mit was zu trinken und Keksen hin und beobachteten die Wasseroberfläche. Vielleicht lag es daran, dass wir keine Ahnung hatten, wonach wir suchten oder daran, dass es zu viele Wellen gab, Wale gesehen haben wir jedenfalls nicht. Den  wunderschönen Sonnenuntergang genossen wir dann umso mehr. Auf dem Weg zurück nach Kalbarri sichteten wir dann ein wahres Monster-Känguru, das mit seinen Freunden in den Hügel rumhoppelte und leider vor mir geflüchtet ist. Einer der Felsen an der Küste heißt Mushroom Rock und da wir ja eh schon dort waren, schauten wir uns das Ding auch noch an. Obwohl wir keine Lupe hatten konnten wir das kleine Steinchen dann aber doch entdecken, circa 30cm hoch und 40cm breit lag es da, eine der großen Attraktionen von Kalbarri.

Nach dem chinesischen Essen am letzten Tag stand dann fettiges Fish’n’Chips auf der Karte, diesmal absolut empfehlenswert aus dem Jetty Seafood Shack, in dem auch viele Einheimische ihr Abendessen geholt haben. Die Portion war riesig und triefte das komplette Einpackpapier innerhalb kürzester Zeit voll, auch wenn’s extrem lecker war, so schnell mag ich Fish’n’Chips nicht noch mal essen.

„Kalbarri, you’ll love it!“

19. Oktober 2003

Wie immer morgens bin ich zuerst aus dem Zelt geklettert, danach gab es Frühstück und wir packten alles für Weiterfahrt zusammen. Da uns unsere Route sowieso wieder am Island Rock Aussichtspunkt vorbeiführte, beschlossen wir noch mal unser Walglück zu versuchen und standen 20 Minuten auf die Wasseroberfläche starrend auf der Plattform. Genervt vom kalten Wind beschlossen wir weiter südlich eventuell noch mal eine Waltour zu buchen und weiter zu fahren. Als wir bereits im Auto saßen und ich grade den Sicherheitsgurt angelegt hatte, meinte Michi er hätte ziemlich nah an der Klippen was gesehen. Da auch auf der Plattform alle Leute auf einen Punkt starrten, stiegen wir wieder aus liefen zurück und siehe da, Wale! Über eine halbe Stunde lang beobachteten wir eine Gruppe von 3 Walen, vermutlich einer Familie, wie sie circa 200m entfernt auftauchten, sich drehten und wieder abtauchten. Ziemlich glücklich das gesehen zu haben fuhren wir weiter auf der neu asphaltierten Scenic Road Richtung Hutt Lagoon. Der überdimensionale Tümpel ist nur deswegen absolut sehenswert, weil er mir als Hello Kitty Fan kleine Begeisterungsschreie entlockt hat. Die Hutt Lagoon ist schreiend pink. Wir grübelten die ganze Fahrt über herum, wie denn das Wasser zu der Farbe kommt. Beim Aussteigen am Ufer des Wassers stieg uns ein ziemlicher Gestank in die Nase, wie wir später erfuhren liegt an der Lagune eine Chemiefabrik und ich hege den starken Verdacht, dass die Färbung des Wasser keinen natürlich Ursprung hat, Wasserverschmutzung kann also durchaus auch bunt sein.

Michi hat bei einem unserer Fotostopps seinen heiß geliebten Purnululu Hut verloren, naja besser gesagt hab ich ihn verschlampt...und hab immer noch ein tierisch schlechtes Gewissen deswegen. An diesem Tag hatte ich auch wie schon mehrere Tage zuvor Probleme mit meine Augen, die durch die starke Sonnenstrahlung und den Wind ständig brannten. Dank Augentropfen aus dem Supermarkt ging es aber einigermaßen, auch wenn ich teilweise rumlief wie eine vermummte Iranerin. Die Landschaft entlang der Straße zum Highway ist total landwirtschaftlich geprägt und man fühlt sich ein bisschen wie in Deutschland, überall Felder und Häuser.

Auf den Highway fuhren wir anschließend weiter nach Geraldton, wo es Sonntags eine Art Riesenflohmarkt geben sollte. Aber auch nach einem Besuch in der wunderschönen Tourist Info (in einem uralten, restaurierten Gebäude) und einer Rundfahrt durch die Stadt waren weit und breit keine Märkte zu sehen. Um von oben einen Blick auf die Stadt, das Meer und den Hafen zu werfen fuhren wir zu einem Memorial auf einem Hügel über der Stadt. Geraldton ist nicht gerade riesig, aber wären die Läden offen gewesen, könnte man in der Stadt sicher einen netten Tag verbringen. Da uns die Landschaft hier unten im Süden nicht wirklich gefiel und alles sehr dicht besiedelt war, fuhren wir statt auf dem Highway auf dem Coastal Scenic Drive. Die Straße führt immer ziemlich dicht am Meer entlang und verläuft immer parallel zum Highway. Die Sonne ging langsam unter und wir beschlossen unsere letzte richtige Campingnacht an einem der vielen Plätze direkt am Strand zu verbringen, bevor wir uns vor Perth mit einem betonierten Platz begnügen müssten. Eingepackt wie auf einer Polarexpedition saßen wir also wenig Kilometer vor Denison in den Dünen und räumten schon mal ein bisschen im Auto auf, bevor wir ausgekühlt früh schlafen gingen.

20. Oktober 2003

Nach einer durchgefrorenen Nacht weckten und Vögel, die sich genau vor den Eingang des Zeltes gehockt hatten und dort anfingen zu singen. Die kleinen Frechdachse flogen wie Kamikaze-Flieger um uns herum, als würden sie wissen wollen, was wir denn hier wollen. Weiter ging es wieder Richtung Süden, in die Pinnacle Desert im Nambung NP. Hier stehen einzelne Säulen aus Sandstein in einem Meer aus gelbem Sand und man kann auf einem Rundweg mit dem Auto mitten durch die bizarre Landschaft fahren. Der Nambung NP ist einer der schönsten on Westaustralien, auch wenn er ziemlich klein ist. Eigentlich hatten wir vor, über eine Piste an der Küste entlang weiterzufahren, diese stellte sich aber als nahezu unbefahrbar heraus, da die Schlaglöcher halb so groß waren wie unser Auto.

Wieder im Auto fuhren wir weiter Richtung Süden, über eine Querstraße wieder zur Küste und kamen mittags im Yanchep NP an. Dieser NP ist der älteste in Westaustralien und mit Sicherheit auch einer der kleinsten. Yanchep liegt nur 50km nördlich von Perth und ist wegen der vielen Picknickplätze, der Koalas und der Tropfsteinhöhlen ein beliebtes Ausflugsziel der Einwohner Perths. Leider kamen wir für eine Tour durch die Tropfsteinhöhlen zu spät an, allerdings konnten wir uns die auf den Bäumen hängenden Koalas aus nächster Nähe anschauen. Ich muss ja zugeben, dass ich morgens auch so verpennt aussehe wie so ein kuscheliges Tier, verquollene Augen und absolut träge.

Ein Sandwich später fuhren wir weiter nach Wanneroo, einem mir Perth verwachsenen Vorot, wo wir uns einen Campground anschauten, der direkt am Meer liegt und doch ganz nett aussah. Von dort aus ging es weiter zu, Hilary Boat Harbour, wo wir durch die Arkaden schlenderten und uns langsam wieder an die vielen Menschen gewöhnen mussten. Die Fähren nach Rottnest Island, einer Perth vorgelagerten Insel, gehen von hier aus und danke einer Anzeige in einem Infoheftchen fanden wir dann auch das Büro von Mills Charter. Und dreimal dürft Ihr raten, was wir wieder mal gebucht haben, genau eine dreistündige Waltour für den nächsten Morgen. Beim dritten Mal klappts dann schon war unser Motto, übrigens stand in unserem Reiseführer, dass so eine Tour gut und gerne $300 kosten kann, stimmte aber nicht, p.P. $45. In einem kleinen Kaffee gab es dann erst mal einen Cappuccino, um uns wieder an die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu gewöhnen, aber meine innere Stimme sagte mir nur ständig: Zu laut, zu viele Menschen, zu vollgebaut. In einem riesigen Einkaufszentrum kauften wir noch die Sachen ein, die wir mit nach Hause nehmen wollten, d.h. Vegemite, Tim Tams, Herbal Infusions Tee und so weiter.

Um am nächsten Tag schnell wieder zum Hilary Boat Harbour zu kommen, beschlossen wir unsere vorletzte Campingnacht auf einem andern Campground in der Nähe zu verbringen, so viel Auswahl hat man in der Nähe von Perth ja nicht. Die Leute im Büro waren aber absolut superlieb, leider hab ich keine Ahnung mehr, wie der Caravan Park heißt, aber er ist mit Sicherheit empfehlenswert. Bevor die Sonne unterging misteten wir dann noch unser Auto aus und packten unsere Taschen erst mal provisorisch, hinterher hatten wir einiges an Müll in Tüten abgepackt. Eigentlich hätten wir noch eine Nacht im Auto verbringen sollen, aber aufgrund des kühlen Wetters und der nicht wirklich schönen Campgrounds hatten wir beschlossen, noch eine Nacht in einem Motel einzuschieben. Nach einer heißen Dusche mit Musikberieselung also die letzte Nacht in unserem Dachzelt, auf der furchtbar hässlich gemusterten Matratze und in meinem liebgewonnenen Schlafsack.

21. Oktober 2003

Nach einer weiteren Dusche mit Musik fuhren wir mit einem extrem aufgeräumten Auto zum Hilary Boat Harbour, die Sonne schien und der Wind wehte nicht mehr ganz so stark. Punkt 9 Uhr gab es eine Sicherheitseinweisung unseres ganzkörpertätowierten Sicherheitstypen, die auch immerhin fast eine Minute dauerte. Die ganze Crew war ziemlich cool und nachdem wir eine Stunde aufs Meer raus fuhren, sichteten wir die ersten Wale. Zweimal wollten wir raus mit einem Boot und einmal haben wir welche aus 200m Entfernung gesehen, bis wir endlich mitten drin waren. Knapp zwei Stunden lang fuhren wir zwischen einer Gruppe von 5 Walen, die 3m neben unserem Boot ihre Luftfontänen in die Höhe pusteten. Die Spannung war immer da, wo tauchen sie als nächstes auf und rollen sie sich oder tauchen sie schnell wieder ab? Einzig die armen Leute, die seekrank wurden, konnten die Fahrt nicht wirklich genießen. Eine Frau fing bereits nach 20 Minuten an, sich krampfhaft an den sogenannten Sandwich Tüten festzuhalten und setzte sich dann gleich mal neben die Toilette. Auf der Rückfahrt zum Hafen gab es dann Sandwiches (nicht aus den Tüten) was zu trinken und Bonbons für alle, da Wale beobachten nicht nur aufregend ist, sonder auch verdammt hungrig macht. Es war ein absolut unvergessliches Erlebnis diesen riesigen und wunderschönen Tiere mal so nah zu sein und die Bilder sind immer noch lebendig in meinem Kopf.

Auf dem Highway vorbei an wirklich schönen Häusern fuhren wir nach unserem Walabenteuer nach Fremantle, 18km südlich von Perth. Der Stadtkern ist geprägt von alten, ziemlich bunten Häusern und man kann nicht nur gut einkaufen, sondern auch viele alte Gebäude anschauen, wie z.B. das alte Gefängnis. Mein persönlicher Lieblingsladen war einer, in dem man japanische Kimonos, Bücher und Geschirr kaufen konnte, blöderweise waren die Preise fast schon japanisch und ziemlich teuer. In der Tourist Info sammelten wir dann ein paar Werbebroschüren von Hotels und Motels um eine Übernachtungsmöglicht für die kommende Nacht zu finden. Über den Canning Highway ging es dann zur Canning Motor Lodge, ziemlich nah an Perth und nicht weit von der Abgabestation, bei der wir am nächsten Tag unseren geliebten Car-Ouzo abgeben mussten. Die Motor Lodge war nichts Überwältigendes aber in der Nähe gab es einen ziemlich guten Chinesen mit leckerem Take Away, das wir dann in unserem kleinen Motel Zimmer auf dem labbrigen Bett mampften. Noch mal wurden unsere Koffer ausgemistet und auch von meinen viel zu großen Flip Flops musste ich mich verabschieden, da man die beim besten Willen nie wieder sauber gekriegt hätte. Eigentlich wollte ich auch meine Turnschuhe dalassen, mit denen ich schon auf dem Fuji war und die nicht mehr hellblau sondern dreckig rot waren. Nach langem hin und herüberlegen kamen sie aber doch wieder in den Koffer, der leerer und um einiges leichter war, als beim Hinflug.

22. Oktober 2003

Um erst mal unser Gepäck loszuwerden und es nicht von der Vermietstation ins Hotel schleppen zu müssen, fuhren wir zuallererst in die Stadt zu Miss Maud Swedish Hotel. Dank der vielen Einbahnstraßen dauerte es ein bisschen, bis wir ankamen und dann auch noch einen Parkplatz fanden, aber mit ein bisschen Geduld klappte das dann doch. Schnell die Koffer in den Gepäckraum (dessen Schlüssel einen Baumstamm als Anhänger hatte) stellen und wieder raus aus der Stadt zur Vermietstation, die gar nicht weit außerhalb von Perth lag. Dort mussten wir dann fast eine Stunde warten und wurden ein bisschen nervös, aber es stellte sich heraus, dass der Vertrag aus Darwin nicht nach Perth gefaxt wurde und die sich erst mal eine Liste mit allen Sachen im Auto besorgen mussten. Da die Innenstadt nicht weit weg war und nicht gleich ein Bus kam, entschlossen wir uns einfach zu Fuß zu gehen und hatten dadurch auch gleich einen schönen Ausblick auf die Skyline von Perth. Michi musste mich dann noch von einem Inline Skate Verleih Service wegzerren, weil ich die ganzen Fahrradwege rund um die Stadt gerne mal auf 8 Rollen unsicher gemacht hätte. Ein bisschen faul wie wir waren stiegen wir in eine der 3 kostenlosen Buslinien, die in der recht handlichen Stadt alle wichtigen Punkte miteinander verbinden. Zwei Malls sind das Herz der Stadt, wo auch alle Läden und Restaurants oder Food Courts liegen. Da die arbeitende Bevölkerung Australiens keine Kantinen kennt, wird es in der Stadt zur Lunch Time ziemlich voll, es gibt deswegen auch wirklich viele verschiedene billige Lunch Time Angebote. Wir entschieden uns für japanisches Essen, absolut lecker und um die Hälfte billiger als in Japan. Nach einem kleinen Bummel durch die Läden checkten wir um Uhr ins Hotel ein, wo mir beim Anblick der idyllischen Fototapete an der Zimmerwand fast die Spucke wegblieb. Ein grüner Bergsee sollte wohl ein bisschen schwedisches Flair ins Zimmer bringen, die furchtbaren Spitzenhauben der Hotelangestellten dienten wohl demselben Zweck. Die Hektik der Stadt, die im Vergleich zu Stuttgart vermutlich eher einem verschlafenen Kaff ähnelt, aber im Vergleich zur Ruhe des Outbacks absolut stressig ist, machte uns an dem Tag ziemlich müde. Auch waren wir es gewöhnt, mit der Sonne aufzustehen und kurz nach Sonnenuntergang, was meist so gegen 7 oder 8 war, ins Bett zu gehen. Mit künstlichem Licht und der Stadt war das natürlich anders, auch wenn in Perth um 17 Uhr die Läden dicht machen. Abends gingen wir dann leckeres Fließband-Sushi essen und fielen vollgestopft ins Bett, wo wir mit australischem Fernsehen im Hintergrund einschliefen.

23. Oktober 2003

Nach einem ausgiebigen Smorgasbord Frühstück hatten wir einen ganze Tag in Perth, was zu einer Herausforderung werden kann, da es in der Stadt nicht wirklich allzu viel zu sehen gibt. Erster Stopp war der Kings Park, der auf einem Hügel über der Stadt liegt und von dem aus man den besten Blick über die Stadt hat. Da Michi unbedingt noch in eine Gallerie im Stadtteil Subiaco wollte, latschen wir die mindestens 100km dorthin, mir kam es deswegen so weit vor, weil ich riesige Blasen an den Füßen hatte, ich war geschlossene Schuhe nicht mehr gewöhnt :-) Die Gallerie war nicht wirklich der Renner, allerding war es interessant zu sehen, dass Bilder aus Alice Springs in Perth nahezu $300 mehr kosten, der Inlandsflug hatte sich also gelohnt. Mehr Kunst schauten wir uns dann in der Gallery of Western Australia an, bevor wir im Hotel ein bisschen die Füße hochlegten und uns das australisches Kinderprogramm (Sponge Bob) anguckten. Wieder auf der Mall musste ich mir einfach göttliche Schuhe kaufen, die waren pink und ich musste die einfach haben, genau wie ein T-Shirt der Marke Billabong, denn das ist typisch australisch. Nach dem Einkaufsbummel war’s auch schon so spät, dass die meisten Läden bereits zu hatten und es ging wieder zurück ins Hotel und wir mussten Koffer packen. Abends gingen wir dann wie es sich in Australien gehört japanisch essen, seufz war das gut und es waren auch echte Japaner, die richtig Japanisch sprachen. Um Euch zu zeigen, wie japanisch Perth ist, sollte ich wohl noch erwähnen, dass ich in einem Hello Kitty Store dort war und man mich fast nicht mehr rausbekommen hätte. In einem chinesischen Laden hab ich dann einen billigen nachgemachten Hello Kitty Phonestrap für mein Handy gekauft, wenn man das schon mal kriegt :-)

24. Oktober 2003

Koffer gepackt, geduscht und noch mal gefrühstückt und dann fuhren wir mit dem Taxi auch schon zum Flughafen. Witzig ist echt, dass das Airport Shuttle nahezu teurer ist als ein Taxi für 2 Personen, aber das wussten wir dank der netten Dame an der Rezeption und dank unseres manchmal schlauen Reiseführers ja. Der Taxifahrer war anfangs nicht gesprächig und hustete sich tuberkuloseartig die Lunge aus dem Leib, als er dann aber anfing small talk zu machen und mir Details über seine Fischerhütte und verschiedene Köderarten erzählte, hustete er kein einziges Mal mehr. 4 Stunden vor Abflug waren wir dann auf dem Flughafen wo wir Stoffel und Doro trafen, Freunde von Michi, die eine andere Runde als wir gefahren waren und ebenfalls viel zu früh auf dem Flughafen waren. Obwohl wir auch in Perth wieder Nummer eins und zwei in der Schlange zum Einchecken waren, kriegten wir wieder keine Exit Seats was bei der Aussicht auf 18h Flug nicht wirklich gute Laune macht. Diesmal gab es aber die langersehnte Erklärung dafür: Nur wenn man Quantas Frequent Flyer mit Silberstatus ist, kann man diese Plätze reservieren...klar hab ich mich gleich nach meiner Rückkehr nach Deutschland für das Frequent Flyer Programm angemeldet und will fleißig Punkte sammeln. Meine letzten Dollar investierte ich in Zeitschriften, schokolierte Macadamia-Nüsse für meine Mum und ein englisches Buch. Der erste Flug nach Singapur war auch halbwegs erträglich, gute Filme und die Aussicht bald aus dem Flieger rauszukommen, nur das Essen war eher unerträglich. Der Aufenthalt in Singapur war dann auch ganz gut, erst schwitzten wir abends bei 30 Grad auf der Dachterrasse, dann kauften wir noch ein bisschen was im Duty Free Shop und dann hab ich in einem kleinen Supermarkt auch noch Hello Kitty Süßigkeiten entdeckt und war selig. Wieder im Flugzeug mussten wir noch mal 12h durchhalten und stiegen dann nach einem ekligen Flugzeugfrühstück um 6 Uhr morgens mit einer Stunde Verspätung aus dem Flieger. In Deutschland war es dunkel, kalt, grau und wie immer zeigte einem die umwerfende Freundlichkeit der Zollbeamten, dass man wieder zuhause ist.

12. November 2003

 Inzwischen sind fast 3 Wochen vergangen und habe mich an die kalten Tage hier i Deutschland gewöhnt. Anders als bei allen vorherigen Reisen fällt es mir aber extrem schwer, mich nicht nach Australien zurückzusehen. Die vielen Farben, die Sonne, die Einsamkeit und das Leben nach dem Rhythmus der Sonne haben in meiner Erinnerung tiefe Spuren hinterlassen. Wenn ich meine Augen zumache, kann ich aber den Sand zwischen meine Zehen spüren, die Sonne wärmt meine Haut, ich rieche den typischen Geruch des Outbacks und vor meinem inneren Auge liegen kristallklares Wasser, rote Felsen und weißer Sand.

 


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