Amerika 2007

Hier gibts bald den kompletten Bericht USA 2007 - das Abenteür geht weiter oder wieso muss man sich auf den Half Dome schleppen und wieso motiviert China? Neugierig, na dann schnell loslesen!

 

11.9. Ich fliege – nach dem ganzen Mist war ich erstaunlich relaxt, eher vielleicht abgestumpft und somit gar nicht wirklich überrascht, dass die Fliegerei überhaupt kein Thema war! Flieger nach Seoul pünktlich, Lesestoff auf dem Incheon Airport absolut kein Problem und Sitzplatz im Jumbo nach LA ziemlich gut – Gang weit hinten und nebendran frei...jippie! Nachmittags um 16 Uhr dann Start in Richtung Urlaub und mit jedem Zentimeter vom Boden weg wird das Gefühl besser....immer weiter weg, muss vor lauter Erleichterung sogar heulen...scheinbar ging's mir mieser und die Anspannung und der Stress war noch grösser, als ich mir eingestehen wollte. Eingemummelt in ne Decke mit meinen kuscheligen Hello Kitty Flugsocken an den Füssen (danke Timo) in Richtung Freiheit – Ipod im Ohr und nach 7h Schlaf, 2 Filmen Landung in LA bei strahlendem Sonnenschein! Es ist der 11.11. (Datumsgrenze) und ich bin einfach nur happy – der Kerl vom Zoll findets voll lustig, dass ich ein chin. Aufenthaltsvisum habe und mit ner koreanischen Airline aus Korea einfliege um mich in USA mit meinem Freund zu treffen, der Deutscher ist und nicht in China wohnt. Er selber kommt von den Philippinen und ist mit einer Puertorikanerin verheiratet, nach einigen Reisetipps für Manila krieg ich meinen Stempel und darf zum Gepäckband – welcome to the United States.

Mit Koffer und schwerem Rucksack ging dann die Suche nach dem United Terminal los, was auf dem tollen Ausdruck ja supereinfach aussah, in der Realität aber ne halbe Weltreise ist. Wurscht, immerhin kommt dann die Durchblutung ein wenig auf Vordermann und das Verlangen nach einem riesigen, XXL Kaffee wird ein wenig kleiner. Check In United ohne Probleme (ich liebe E-Tickets) und schuhlos ab durch den Sicherheitscheck. Der Flughafen an sich ist ziemlich verratzt, so richtig wahrgenommen hab ich das erst nach einem monströsen Starbucks Cappuccino mit doppeltem Schuss Espresso und nem Muffin, der ne chin. Familie 5 Tage ernähren könnte. Dann noch ne Cosmo und ein Klatschblatt und ich bin im amerikanischen Himmel....Flug nach San Francisco pünktlich und nur noch 1.5h bis zum Wiedersehen! 

Im Flieger neben mir musst ich wieder feststellen, dass die Amis schon ein seltsames Volk sind vor allem beim Thema Verlobung. Die Damen rechts von mir waren da Expertinnen, die eine ausgezeichnet durch einen unendlich riesigen und nicht wirklich dezenten Ring und die andere durch ein Magazin mit Brautkleidern....gruslige Sache die zwei aber irgendwie sehr unterhaltsam und absolut knoblauchfahnenfrei....15 Uhr Landung in San Francisco und nach 18 Stunden endlich Ende der Reise! Michi hab ich gleich gefunden und hey was soll ich sagen....krieg jetzt schon wieder beim Schreiben Tränen in die Augen so gut ging's mir in dem Moment! Endlich mal nicht allein sondern zu zweit dann mit unserm amerikanischen Mietschiff ins Hotel – frische Luft, gutes Wetter und ich bin total irritiert weil so wenig Chinesen auf der Strasse sind!  

 

12.9.

Morgens in San Francisco geht man als Touri erst mal gemütlich zu Starbucks frühstücken und wieder kein Gestank, keine hupenden Autos und fast normale Menschen um mich rum! Gut das Wetter zeigte sich nicht wirklich von seiner allerbesten Seite aber was solls, so ein paar Wolken vermiesen mir doch meine Laune nicht mehr! Nach einer monströsen Portion Kaffee (XL bei uns ist S bei denen) erst mal ein bisschen hallo sagen zu den Seelöwen bei der Fisherman’s Wharf, leider stanken sie noch genauso bestialisch wie am Tag davor. 

Weiter entlang gings zum ersten Stopps des Tages dem Colt Tower, aber bevor wirs da raufgeschafft haben gabs mal einen kleinen Zwischenstopp in einem Health Food Store. War wieder total überfordert bei der ganzen Auswahl und bin beim Anblick von Bundaberg Ginger Beer fast in Ohnmacht gefallen! Frisch versorgt dann ran ans Treppen steigen, die sind ja in San Francisco allgegenwärtig und würd ich da wohnen, könnt ich mir meine Fitnesstudiokarte mal schenken. Einmal pro Tag hoch und runter und Du hast ne Stunde auf dem Stepper hinter Dir. Der Turm an sich ist nicht das ultimative Highlight aber man hat nen recht netten Ausblick von oben, betrieben wird das Ding übrigens von.....Chinesen :-)


 

Von dort aus dann die steilen Strassen von San Francisco wieder runter und hoch bis zur Lombard Street, auch so ein Muss in der Stadt. Hochzulaufen ist sicherlich net ganz so interessant wie die Strasse mit dem Auto zu fahren (kommt noch....) aber zu Fuß kriegt man erst mal mit, wie steil das ganze eigentlich ist. Leider kriegt man das beim besten Willen nicht auf ein Foto...obwohl wirs genau wie die restlichen Tourimassen unser bestes gegeben haben.

Zu Fuß und bewaffnet mit herrlich saurem Kombucha aus dem Health Food Store entlang der Cable Car Linie in Richtung China Town. Das Wetter war nicht wirklich brilliant und der Wind ziemlich kalt – zumindest fings nicht an zu regnen. Chinatown, was soll ich sagen? Beim ersten Mal dort fand ichs noch richtig interessant und faszinierend, aber nach anderthalben Jahren im echten China ist die einzige Reaktion: Mensch ist das hier leise und sauber! Der Versuch mir in einer der Apotheken in bestem Chinesisch ein chin. Medikament zu besorgen wurde dank der Freundlichkeit des Apothekers vereitelt. Also weiter raus aus dem Chaos und den im Schaufenster hängenden Enten in die normale amerikanische Glitzerwelt. Downtown San Francisco! Ach ja, die schöne Konsumwelt hat mich mal wieder leicht überfordert und selbst beim Klamotten kaufen musste ich zu meiner Tüte gezwungen werden, ich bin der lebende Beweis, einkaufen kann man verlernen. Ist aber nach der Weile wie Fahrrad fahren, kommt alles wieder! Abschluss in der Shopping Mall und lecker thailändisches Abendessen bevors mit der Cable Car zurückgeht in Richtung Hotel. Der erste richtige Urlaubstag – und kein einziger Gedanke an Qingdao, nicht mal in Chinatown!

 

13.9. Gähn, Jet Lag ist erträglich und der letzte Tag in San Francisco steht an. Frühstück gibts diesmal gleich um die Ecke bei Boudin (www.boudinbakery.com) mit lecker Kaffee und vor allem richtig gutem Brot. Um allerdings nicht nur magentechnisch für die kommenden Outdoor-Tage ausgerüstet zu sein gings nach einem kleinen Abstecher zur Ghirardelli Chocolate Factory zu Sports Basement mit ziemlich nettem Ausblick auf die Golden Gate Bridge. 

Beladen mit einer Jacke, Weste, Schuhen und diversen anderen absolut notwendigen Sachen (ich sag doch, einkaufen ist wie Fahrrad fahren) weiter zu einem der Aussichtspunkte auf die Golden Gate. Zu Fuss bis zur Brücke laufen und ca. 400 Fotos machen – das ist der perfekte Tag in San Francisco. Da wir aber noch nen Kocher und noch dieses und jenes unbedingt haben mussten weiter zu Rei – wieder einkaufen. Weils da aber nicht alles gibt weiter zum zweiten Sports Basement gleich um die Ecke bei Rei. Da gabs dann endlich auch den richtigen Kocher und das Verhungern beim Campen war erledigt. Wie der brave Touri so ist fuhren wir dann noch mal schnell die Lombard Street runter bevor es dann in Richtung Haight Ashbury ging. Total fertiges Viertel mit irren Läden. Sehr zu empfehlen ist der T-Shirt Laden Bang On (http://www.bang-on.com) wo man sich T-Shirts und Aufdruck separat aussuchen kann und 10 Minuten später isses fertig. Meins ist braun und es ist das Krümelmonster drauf: „Me want Cookies“ dachte das passt ganz gut zu mir. Am Abend dann Sushi bei einem indonesischen Thailänder oder so irgendwie bevors dann ans packen ging – auf in die Wildnis!

14.9. Heute gehts endlich los, aber zürst mal gemütlich machen und den Versuch starten mich bei Hertz als Zweitfahrer eintragen zu lassen (Michi hat das Auto abgeholt bevor ich gelandet bin). Klingt einfach und schnell isses aber absolut nicht, denn Fisherman’s Wharf am Freitag bei einer Autovermietstation sollte absolut umgangen werden. Ich hab nach ca. Einer Stunde aufgehört auf die Uhr zu schaün und wollte nur noch raus, raus raus. Ziel des Tages ist der Yosemite National Park und wir mussten noch die Vorräte für die nächsten Tage einkaufen. Aber zuerst mal bei strahlendem Sonnenschein raus aus San Francisco – on the road again. Das Auffinden eines Supermarkts war diesmal schwieriger als einen Chinesen zu finden der Englisch kann. Dann wars aber soweit, einkaufen und es gibt absolut alles! Tee in allen Varianten, mehr fettfreien Joghurt als einem lieb sein kann und endlich wieder fettfreies Sprühöl in Dosen. Herrlich, ich liebe Amerika. Komisch war dann nur, dass ich in der Gemüseabteilung automatisch chinesisches Gemüse gesucht hab und alles antatschen musste...halt wie beim Einkaufen hier in China. Und die Preise...trotz Dollarkurs ne Sauerei..grummel. Nach einem ausgiebigen Einkauf dann das kleine Problem: Wohin mit all dem Zeugs?

Die Weiterfahrt war dann einfach nur cruisen – Eintritt in den Park auch kein Problem (Parks Pass über Ebay gekauft – kein Problem) und Endstation Tamarack Flat Campground im Yosemite National Park und die erste Nacht im Zelt.

 

15.9. Frische Luft in Überdosis und es ist bescheiden kalt am Morgen. Frühstück bibbernd mit ner heißen Tasse Kaffee und trotzdem find ichs einfach nur genial! Wir werden noch eine Nacht am gleichen Platz bleiben, daher kein Abbauenn sondern nur gemütliches Warten auf die ersten Sonnenstrahlen durch die dichten Nadeln der Bäume. Nachdem wir ein wenig Ordnung in das Chaos im Kofferraum gebracht haben gehts in Richtung Yosemite Valley zum Visitor Center. Das Tal war obwohl die Hauptsaison schon vorbei war total überfüllt und der Parkplatz zum Besten voll. Vorbei am Supermarkt dann erster Stopp im Sportgeschäft: Ich muss mir ne Mütze kaufen, sonst erfrier ich am Abend und am Morgen sicherlich. Vom Visitor Center ausgerüstet mit ein bisschen Info für einen kleinen Hike am Nachmittag dann zum Feuerholz kaufen in den Supermarkt. Ok es gab nicht nur Feuerholz sondern auch noch dieses und jenes und ein bisschen mehr für den folgenden Tag – wir werdens brauchen. Nachmittag dann erst mal kurzer Stopp am Aussichtspunkt auf den El Capitan – es sind wieder Irre dabei hochzuklettern und in der Wand zu übernachten. Fasziniert mich jedes Mal wieders aufs Neue, vor allem weil ich ja schon beim auf den Stuhl stehen leichte Panikattacken kriege wegen meiner Höhenangst. Deswegen gings es relativ gemütlich in Richtung Upper Yosemite Fall zum Columbia Rock. 

Beim Aufstieg hab ich alle die schönen Antibiotika vom August in meinen Knochen gemerkt – aber die Aussicht war einfach nur gigantisch und mir wurde beim Gedanken an den nächsten Tag immer mulmiger. Wenn ich jetzt schon keuche was soll denn dann passieren wenn ich da rauf muss?!? Was am nächsten Tag anstand? Der Plan von Anbeginn meines Reisefiebers, vom allerersten Amerikaurlaub 1999 bis 2007: Der Aufstieg zum Half Dome.

16.9. Wecker klingelt um 6.20 Uhr – aufstehen aber meine Motivation ist absolut im Keller. Draußen ist es eklig kalt, der Schlafsack ist zu warm und ich krieg kalte Füße nicht nur im übertragenden Sinn sondern auch in Realität wenn ich an den Half Dome denke. Die Zeitangabe für den Return Hike ist 12-14h und man legt knappe 28km zurück. Nach einiger Diskussion mit Michi (jaja.....) also mit absolut mieser Laune raus aus dem Schlafsack und rein ins Auto – ab ins Abenteuer. Es ist noch dunkel als wir losfahren und die andern Camper sind alle noch im Zelt. Die Fahrt bis zum Trailhead Parking dauert ca. 30 Minuten und die Sonne kommt langsam aber sicher zum Vorschein, was die Sache aber insgesamt auch nicht wirklich besser macht. Mit jeder Menge Essen und Trinken im Gepäck gehts um 7.45 Uhr in Richtung Mist Trail. Auf dem Weg treffen wir ne kleine Gruppe die wohl auch auf den Half Dome will...einer in kurzen Hosen und keiner sieht fit aus. Na also wenn die denken, dass sie da rauf kommen krieg ich das auch hin. Das ist der erste Adrenalinstoss des Tages und sollte nicht der letzte sein. Bis zur Abzweigung zum John Muir Trail wurde die Kälte ein wenig erträglicher und der Weg anschließend dann nur halb so steil wie ich ihn in Erinnerung hatte. Wir waren den John Muir beim letzten Besuch im Yosemite zu den Nevada Falls gelaufen und ich hatte ihn unendlich steil in Erinnerung, diesmal gings aber relativ gut vorwärts und die Temperaturen wurden von Minute zu Minute angenehmer. Die ersten Sonnenstrahlen wurden für eine kleine Pause und Frühstück genutzt – hey es kann nur noch besser werden! Bis zu den Nevada Falls war die Sonne dann voll da und wir musste unser Essen gegen die allgegenwärtigen Squirrels verteidigen. Verschwitzt aber motiviert dann vorbei den den Falls und in Richtung Little Yosemite Valley, das Stück Weg bis dorthin ist weniger anstrengend weil flacher und eine gute Chance sich für den nächsten Anstieg ein wenig zu erholen. Kurz nach der Abzweigung zum Little Yosemite Valley kam dann die erste Überholung durch eine Joggerin, was mich und Michi ein klitzekleines Bisschen irritiert hat. Wir latschen da mit unsern Rücksäcken und mit Stock wie 80jährige durch die Gegen und dann springt da so was von hinten ran und überholt! Ok, die Tante hatte weder Rucksack noch sonst was und dummerweise war sie die Vorhut einer kompletten Schar von jungen Mädels, die irgendwie auf die Idee gekommen sind/gebracht wurden auf den Half Dome rennen zu müssen. Bei einigen schien das einige Zeit auch zu funktionieren, nur konnte man bei einigen am Keuchen und den hochroten Köpfen erkennen, dass nur noch der Gruppenzwang die Füsse bewegt hat. Egal, also nicht irritieren lassen auch wenn das Teenie Gelaber mir ein wenig auf die nerven geht, denn das Thema bei jeder Gruppe war immer dasselbe. Zwei oder drei Mädels lästern über eine andere und jede hat was zu sagen. Jaja von sowas kommen die Vorurteile Frauen wären Tratschtanten. Immerhin bekam ich so auch mal was davon mit, dass Shelly mit Nick was hatte wobei der doch noch mit Susan zusammenwar und Susan ist natürlich ne gute Freundin von Shelly und keine der Tratschtanten wollte ja was sagen, weil das ist ja deren Sache. Herrlich, wer brauch schon Soap Operas wenn er den Half Dome mit einem Heer von Teenies hochlaufen kann. Aber weiter im qualvollen Text, es geht immer noch steil bergauf und der Weg windet sich den Bergrücken hoch, immer noch im Wald. Sobald man die Hoffnung hegt, dass das bald ein Ende hat kommt der eigentlich steilste Teil des Bergrückens in Sicht und da bekam ich dann einen weiteren Adrenalinstoss, weil das sah einfach nur furchtbar aus. Eine Schlange von Leuten läuft da hoch und schlängelt sich bis nach oben, rechts und links gehts runter und auch wenn ich das schon lange nicht mehr hatte, als ich beim Aufstieg ne kleine Panikattacke hatte musste ich schwer durchatmen um überhaupt weiterzugehen. Was mich motiviert hat? Eigentlich immer dasselbe: Ich leb seit 1.5 Jahren in China, ich arbeite mit Chinesen und habe einen chinesischen Chef, dann krieg ich das hier ja wohl auch noch hin. Mit gutem Zureden und halb geschlossenen Augen (nur nicht runtersehen) also weiter nach oben und schwupps – wir sind endlich an den Cables angekommen, am eigentlich Aufstieg auf den Halfdome. Links und rechts gigantische Aussicht auf Yosemite Valley und bei mir die absolute Gewissheit: Da kriegen mich keine zehn Pferde rauf und bis hierher zukommen reicht mir völlig aus. Wieso kann man vermutlich erst nachvollziehen, wenn man von unten nach oben schaut. Ich hätte kein Problem da alleine hochzugehen und mit meinem Tempo voranzukommen, doof nur wenn die Cable Strecke einem Highway mit kreischenden Teenies gleicht und geschoben und gedrängelt wird und man so schnell vorwärts kommen muss wie die andern. Michi, der furchtlose Bergsteiger ging natürlich nach oben und kam auch wieder heil runter – es gab schon Unfalle bei denen Leute gestorben sind, was angesichts der Tatsache dass es rechts und links einfach nur noch runter geht keine wirklich überraschende Info ist.

 

Statt mich also hochzuquälen konnte ich eingemummelt in meine Jacke die Aussicht ausgiebig genießen und langsam kapieren: Hey ich bin oben (fast) und ich fühl mich nicht mal halb so fertig wie erwartet! Ich funktionier noch auch wenn das in China nicht immer der Fall ist und ich mich dort auf meinen Körper nicht verlassen kann. Ziemlich happy machten wir uns dann wieder auf den Weg nach unten – erst durch den Wald Richtung Little Yosemite Valley nur diesmal gings vor den Nevada Falls in Richtung Vernal Falls um zumindest nicht alles auf demselben Weg zurückgehen zu müssen. Vorbei an den vernal Falls und die Treppen des Mist Trails in Richtung Kreuzung zum John Muir Trail. Diesmal machten mir nicht mal die Treppen was aus, weder vor Höhenangst noch vom Knie – könnte auch an der Ladung Diclofenac gelegen haben, die ich mir vorsichtshalber mal eingeworfen habe. Ziemlich verschwitzt aber auch relativ happy dann die letzten Meter zum Auto, die waren mit Abstand die schlimmsten. Ein Blick auf die Uhr und wir konnten mit der Zeit zufrieden sein: Knappe 10h nach dem Start konnte ich mir endlich meine Wanderschuhe ausziehen. Weil wir zum Kochen zu müde waren einfach nur noch schnell im Tal was essen und ab zum Campground und in den Schlafsack – wandern macht müde.

 

17.9. Zelt abbauen, nochmal gemütliches Frühstück und voll gepackt in Richtung Toloumne Meadows zum Parkausgang. Natürlich hielten wir nochmal an einem der Aussichtspunkte auf den Half Dome und an einem der Seen, sogar ein Abstecher zum Saddlebag Lake, wo ich 1999 meinen Geburtstag gefeiert hab. Einfach nur herrlich, saubere Luft und unendlich viel Natur um einen herum, dazu kein Krach und zugegebenermaßen: keine Chinesen. 

Da wir einen Puffertag in der Reiseplanung hatten und die Strecke in Richtung Great Basis National Park relativ lang und eintönig ist, beschlossen wir spontan einen Abstecher zum Lake Tahoe und nach Reno zu machen. Vom Lake Tahoe haben wir nur einen kleinen Teil gesehen aber ich kann mir sehr gut vorstellen, wieso im Winter und Sommer dort die Hölle los ist. Reno an sich ist allerdings was ganz, ganz anderes. Little Las Vegas heißt es im Reiseführer aber das trifft nicht wirklich zu. Bei der Fahrt entlang des „Strips“ wurde schnell klar, dass hier tote Hose herrscht und sich schon einige merkwürdige Gestalten auf der Strasse rumtreiben. Dass dann auch noch irgendwo ein angeschossener Mann in nen Krankenwagen eingeladen wurde, trug nicht wirklich zur Atmosphäre bei. Die ganzen Hotels sahen ziemlich mitgenommen aus und wir landeten im Siena Hotel, weils halbwegs ok aussah. Auf dem Weg vom Auto zum Hotel kamen aber zweimal seltsame Gestalten an und ich war kurz davor, mich im Auto einzuschließen. Schien aber außer uns keinen zu stören, ist wohl normal in Reno. Abends gabs dann Sushi all you can eat, der Weg bis zum andern Hotel war auch abenteuerlich und wir wechselten öfter mal die Straßenseite, sicher ist sicher. Ich hab mich noch nie im Leben dermaßen unsicher gefühlt, nicht mal damals in New York bei Nacht und schon gar nicht in Deutschland oder sonstwo in China. Das Sushi essen war dann auch ein Erlebnis und mir hinterher einfach nur schlecht: Nur Amis kommen auf die Idee mehr Mayo als Reis in ein Sushistück zu wickeln und das dann als Spezialität des Hausses anzubieten. Fritierte Sushi gabs dann auch und man muss ja mal alles probieren...das ins Hotel rollen war wieder mit Slalomlauf verbunden und wir waren froh, es in die Lobby geschafft zu haben. Den Rest hat mir aber das gegeben, was folgte. Beim Warten auf den Aufzug stand auf einmal ein Sicherheitsbeamter hinter uns – dachte schon er will unsere Zimmerkarte sehen oder sonstwas. Als er dann aber mit in den Aufzug stieg und per Funk irgendwas an jemanden in unserem Stock mitteilte kams mir doch sehr spanisch vor. Am Aufzug holte uns dann die Dame an andern Ende des Funks vom Aufzug ab und verfolgte uns bis die Zimmertür zu war. Gibt einem ein unendlich sicheres Gefühl, wenn man es für nötig hält zwei Sicherheitsleute damit zu beschäftigen die Gäste ins Zimmer zu begleiten. Ich war noch nie so fleißig beim Abschließen einer Tür!

18.9. Weg aus Reno und zwar so schnell wie möglich und sicherlich auch auf Nimmerwiedersehen. Mag ja schon little Las Vegas sein aber dann doch lieber die große Variante ohnd Polizeischutz im Hotel. Der komplette Tag ist relativ ereignislos, Fahrt auf dem Highway 50 „The loneliest road in America“ zum Great Basin National Park, der wiederum der am wenigstens besuchteste Park Amerikas ist. Geplant war eigentlich, auf dem Wheeler Peak Campground zu übernachten, was aber aufgrund der Temperaturen und des starken Windes dann nicht möglich war. Dafür kriegten wir aber auf dem Upper Lehman Creek Campground ein nettes Plätzchen in der Nähe des Lehmann Creeks. Dank viel Feuerholz, Zwiebelprinzip bei den Klamotten und ner warmen Mütze musste ich an dem Abend nicht erfrieren.

19.9. Tja, eigentlich wollten wir heute auf den Wheeler Peak – was aber angesichts der Temperaturen keine allzu gute Idee ist. Na gut, dann sparen wir uns halt den 8h Marsch und schalten auf Alternativprogramm: Bristlecone Trail mit Gletscher. Dazu muss ich noch sagen, dass der Great Basin National Park wirklich in mitten des Nichts liegt und dieses Nichts eigentlich nur aus Wüste besteht und die Temperaturen nicht wirklich frostig sind. Inmitten dieses Bassins liegt dann auf einmal der Wheeler Peak mit seinen umgebenden Bergen und mitten drin im Park der einzige Gletscher Amerikas in Wüstengebiet. Startpunkt für den Trail ist gleich hinter dem Wheeler Peak Campground, den wir nebenbei auch gleich besichtigt haben. Es gab nur wenige Camper dort, die dem Wind und den Temperaturen getrotzt haben. Was die Lage angeht ist der Campground aber einfach nur gigantisch, vor allem liegen nur wenige Campground auf 3000m Höhe. 

Der Wind war wirklich extrem und die Wolken trieben wie ICE’s über die Bergspitzen. War wohl ne gute Entscheidung heute nicht auf den Peak zu latschen. Statt dessen also ab zum Gletscher, vorbei am Bristlepine Tree Grove den wir uns auf dem Rückweg angesehen haben. Erst aber mal zum Gletscher, eigentlich hab ich mir was größeres vorgestellt, in der Realität sieht man halt ein Stück Schneefeld in einer Schattenkuhle am Fuße des Wheeler Peaks. Der Weg an sich ist bis zur Moräne relativ gut und wird dann kontinuierlich schlechter. Man muss auch mal ein bisschen klettern und der Weg ist zwar ausgetreten aber nicht immer wirklich gut erkennbar. Absolut sehenswert ist der Bristlecone Pine Grove mit über 3000 Jahre alten Bäumen mit teilweise bizarren Formen. 

Auf dem Rückweg zum Trailhead Parking gibt es die Möglichkeit einen Loop Hike über die beiden Seen Stella and Teresa machen, der Hike heißt Alpine Lakes Loop. An sich ist das ein relativ kurzer und auch netter Hike durch eine schöne Gegend aber der Wind war einfach nur widerlich kalt und auf Daür nicht mein Ding. Auf dem Weg hinunter entschieden wir einen Abstecher zum Visitor Center zu machen und kamen grade noch rechtzeitig für die letzte Führung des Tages in die Lehman Cave. Auch wenn ich nicht wirklich der große Höhlenfan bin, die ist nicht nur sehenswert sondern auch noch dank Rangerfürhung interessant und man kann was dabei lernen. Ok, unsere Rangertante war doch sehr begeistert und hat von ihrer Vorliebe erzählt in der Höhle mit Studenten durch die Gänge zu robben und mit dem Vergrößerungsglas nach Lebewesen zu suchen. Dabei kriegte sie ganz rote Backen, jeder wie er will. Bei der Rückkehr auf den Campground lernten wir dann unsere Nachbarn kennen – eine Herde Rehe die gemütlich am Grad rumgeknabbert hatten, aus dem Bach tranken und sich von uns absolut nicht stören ließen. Der Abend war nicht ganz so kalt wie der zuvor aber immer noch ziemlich windig.

 

20.9. Es wird Zeit in Richtung nächstem lange geplanten Highlight der Reise zu fahren – Lava Point Campground in der Nähe des Zugangs zur Subway. Bevor wir aber am Campgroun unser Zelt aufschlagen konnten mussten wir in der Kolob Canyon Ranger Station des Zion National unser Permit abholen. Das Permit haben wir im Juli über die Lotterie bekommen, man sollte hier also wirklich einiges im Voraus planen. Im Gegensatz zu all den Internetseiten, bei denen wir uns schlau gelesen haben verzichte ich hier auf eine ausführliche Erklärung des Permitsystems für die Subway. Geht einfach auf http://www.nps.gov/archive/zion/Backcountry/ReservationsAndPermits.htm und lest selber. Nach einer langen und salbungsvollen Erklärung und mehrfacher Erwähnung der Flash Flood Danger durften wir samt Permits (eins fürs ans Auto kleben und eines zum Mitnehmen) in Richtung Lava Point Campground, der noch mal einige Meilen vom Kolob Canyon entfernt liegt. Das Gebiet um den Kolob Canyon haben wir nur mit dem Auto schnell angeschaut und ich bin mir relativ sicher, dass wir nicht das letzte Mal dort waren. Ein unglaublich intensives Rot und jede Menge Wanderungen, die man noch in Angriff nehmen kann. Zum Lava Point gings dann relativ schnell und wir konnten den Nachmittag mit Aussicht auf das Zion Tal (Lava Point) und einen kleinen Stausee verbringen. Richtig warm wars nachts auch dort nicht, aber es war auszuhalten (auch wenn ich bestimmt nur gejammert hab ich müsste erfrieren...).

 

21.9. Auf in Richtung Subway Trailhead Parking wieder einige Meilen zurück auf der Strecke – bewaffnet mit GPS, Rucksack und Stock erst mal die richtige Strecke verpasst und querfeldein. Dank unserem Orientierungssinn und GPS konnten wir dann aber doch noch auf den richtigen Track finden und kamen nach kurzer Wanderung im flachen Gelände an den Abstieg in den Canyon. Glaubt es oder nicht, man muss das Permit wirklich mitführen denn es warteten 3 leicht gelangweilte Ranger und wollten unser Permit sehen. Scheinbar waren wir die letzter Hiker des Tages, denn kaum waren wir an ihnen vorbei packten sie ihre Sachen und zogen wieder ab. Was für ein Job! Der Abstieg ist ziemlich steil und rutschig, ich hab mehr als einmal über meine Schuhe geflucht kam aber heil unten an. Den Gedanken, da wieder raufzumüssen hab ich schlichtweg verdrängt. Der Weg geht kurz vor dem Fluss dann links weg und schlängelt sich mal rechts mal links vom Fluss das Tal entlang und zwingt einen mehrmals Umwege nach oben zu machen bzw. Den Fluss zu kreuzen. Nasse Füße sind absolut nicht vermeidbar und machen einem nach ein paar Fußbädern auch nichts mehr aus. Auf dem Weg gibt es nicht wirklich viel zu sehen, je weiter man in Richtung Subway kommt desto schöner werden die kleinen Stromschnellen und desto intensiver die Sonne. Die Subway an sich ist wirklich genial, allerdings lohnt sich der Weg bis dorthin für den kurzen Genuss nicht wirklich. Von oben (throughhike ist auch möglich aber nur mit Seil) kam uns eine komplette Gruppe entgegen, die scheinbar auch nicht mehr so wirklich motiviert waren. Einer der Standardamis war wieder herrlich doof, natürlich wieder Small Talk und kaum sag ich wir kommen aus Deutschland fängt er an gaaaaaaaaaaaaanz laaaaaaaaaaaangsam zuuuuuuuuu reeeeeeeeeeeeden. Yähs, Ai duh not schpiek Inglisch weri wäll. Depp.

Zum Rückweg kann ich nur sagen, dass der gefühltermaßen länger ist auch wenn physikalisch unmöglich. Der Aufstieg sieht von unten schlimmer aus, als er eigentlich ist, zumindest wars für Michi und mich kein großes Problem. Das kann man aber nicht von dem älteren Italiener sagen, der ohne Wasser mit seiner Tochter kurz nach Beginn des Aufstiegs auf dem Weg halten musste weil er nicht mehr konnte. Ich hab meine Wasserflasche gespendet und auf dem Weg nach oben kam uns schon ein weiterer Helfer mit der Frau der armen Kerls entgegen. Nach der Latscherei dann gemütlicher Abend mit Lagerfeuer und lecker Essen auf dem Lava Point Campground.

 

22.9. Die Nacht an sich war ruhig nur der Morgen brachte das böse Erwachen, es windet und es schüttet wie aus Eimern. Im Schlafsack wars dann einfach zu gemütlich und wir wollten uns nicht so recht nach draußen wagen, half aber natürlich nichts und nach 1.5h im Zelt traute sich Michi todesmutig ins Nasse. Ich kam dann kurz drauf auch dazu und wir musste unser Zelt samt Schlafsäcken und Matten halbwegs trocken ins Auto bringen. Klappte natürlich nicht wirklich, denn nach ner Minute war einfach alles nur noch nass. Super Wetter für den Zion National Park, in dem es das letzte Mal auch total mieses Wetter hatte. Hilft aber ja alles nichts, im Hinterkopf war bei uns beiden das Permit für die Narrows – geplant war der Narrows Through Hike am nächsten Tag, das Permit hatten wir bereits reserviert, genauso die Shuttle Bus Fahrt zur Chamberlain’s Ranch. Nach einem kurzen Stopp am Visitor Center dann die Info, dass heute keine Permits ausgegeben werden und die Narrows frühestens am nächsten Morgen um 7 wieder freigegeben werden. Nass, unmotiviert dann zum Shuttle Bus Service um zu checken was die zu der ganzen Sache sagen. Hier dann totale Pleite, das Shuttle ist ausgesetzt weil der Straßenzustand schlecht ist aver eventuell fährt das Shuttle einen Tag später. Na super, Regen im Zion und absolut keine Chance auf die Narrows. Mit der letzten Hoffnung planten wir dann schnell mal um, Zelt kommt auf den Campground und wir ins Motel in Hurricane. Einzig das Vorhandensein einer Waschmaschine war ein Highlight, ich kann weder die Travellodge noch Domino’s Pizza dort empfehlen aber immerhin wars trocken und warm.

 

23.9. Wetter ist immer noch nicht besser und es gibt keine Permits – somit sind die Narrows also erst mal gestorben, weitere Planänderung. Die Hoffnung doch noch ein Shuttle für den nächsten Tag zu kriegen ist nicht wirklich tot – so beschlossen wir den Tag mit ein bisschen wandern im Zion zu nutzen, da zumindest der Regen endlich aufgehört hatte. Nachdem wir morgens versuchsweise unser Zelt trocken gelegt haben gings mit dem Shuttle Bus in Richtung Weeping Rock Shuttle Bus Stop. Von dort aus dann ab den berg hoch Richtung Hidden Canyon. Der Weg an sich ist bis zur Abzweigung, an der es dann links zum Observation Point weitergeht und die Stufen nach oben zum Weeping Rock relativ einfach. Danach kommt der Teil, der für Leute mit Höhenangst zu leichten Schweißausbrüchen führt. Links Felsen und eine Kette zum Festhalten und rechts gehts dooferweise ziemlich steil nach unten. Mit leicht erhöhtem Puls hab ichs geschafft, auch dank Michis ständigen Ablenkungsversuchen. Der Hidden Canyon selbst ist recht nett und erfordert ein bisschen Kletterei, bis zum Ende sind wir allerdings nicht gegangen. Der Weg zurück ist derselbe, leider. Sehr viel unterhaltsamer war die Shuttle Bus Fahrt bis zum Shuttle Bus für die Emerald Pools, eine leichte Wanderung, die mit 2.5h für den kompletten Loop angegeben wird. Die Strecke selber ist wirklich recht nett, die Pools nur mit Wasser wirklich spektakulär, aber selbst mit viel Fotografieren kriegt man das Ganze in weniger als einer Stunde locker hin. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Umplanen, einkaufen und danach mit schlaaaaaaaafen.

 

24.9. Statt im Zion zu bleiben gehts sofort weiter zum Bryce National Park wo das Wetter zwar halbwegs trocken bleibt, jedoch ein verdammt kalter Wind die Sache absolut ungemütlich macht. Fürs Zelten wieder zu windig und zu kalt, das heißt eine weitere Motelnacht um nicht zu erfrieren und die ganze Urlaubsplanung nochmal durchzugehen und wo nötig zu ändern. Davor muss ich noch den Navajo Loop empfehlen, absolutes Standardprogramm im Bryce. 

Ganz furchtbar war dann die Anwesenheit von ein paar planlosen Chinesen, die auf ihren unsäglichen Plastikschlappen den Berg runterrutschten und lauter waren als die restlichen Touris zusammen. Ganz gefährlich ist auch der Cappuccino im Ruby’s Inn vom Supermarkt- Automaten, die Wirkung setzt nach ca. 15 Minuten ein und ist durchschlagen – ein Magen fast wie in China, herzlichen Dank! Der Abend im Motelzimmer in Tropic war ziemlich gemütlich weil warm aber mein Magen machte schlapp.

 

25.9. Guten Morgen, die Sonne scheint und dadurch sind die Temperaturen selbst morgens beim Frühstück auf der Terrasse relativ erträglich. Schade war, dass die Kaffeemaschine nach einer Tasse den Geist aufgab und das Breakfast Buffet wie immer ziemlich mau war. Egal, war ja inklusive. Hätte selber lieber wie beim letzten Mal die monströse Portion Oatmeal gekriegt, aber das Quaker Instant Zeug war auch net schlecht. Weiterfahrt in Richtung Hole in the Rock Road und Aussicht auf 3 Tage in der „Wildnis“. Bevor wir der Zivilisation allerdings endgültig ade sagen, gings nach einem kurzen Stopp im Visitor Center (Campingpermit fure die HITRR, Kostenpunkt 0 Euro) kurz nach Mittag zum Calf Creek Campground, der dank kleinem Bach und schöner Umgebung wirklich zu den Highlights des Urlaubs gehört. Nachdem wir uns einen netten Platz mit Sonne ausgesucht hatten, gings zu Fuß zu den Lower Calf Creek Falls, was ein gemütlicher Nachmittagsspaziergang ist und auch bei Schulklassen sehr beliebt. Zumindest waren 2 Schulbusse voll Kids unterwegs, zum Gluck kamen die schon wieder zurück als wir losstiefelten. Die Lower Calf Creek Falls sind wirklich schön, leider luden der Schatten und der fiese Wind nicht wirklich zum Picknick oder längerem Päuschen ein. 

Also wieder zurück auf selbem Weg und bei herrlicher Sonne den Nachmittag mit ner Cosmo und Sonnecreme auf dem Campground verbringen. Jaja, ich und Sonne...am Abend war schon klar, dass ich mir die Schultern wohl zu wenig eingecremt hatte. Aber immerhin, war nur gaaaaaaanz leicht rot, nicht wie sonst in den ersten Tagen kurz vorm Abschälen.

 

26.9. Jaja, die Sonne war am Nachmittag da aber nicht am Morgen, so frieren wir im Schatten und mit einem nassen Zelt (Rauhreif) bis die Sonne endlich mal über die Felsen rausschaut und es angenehmer wird. Mit voll gefüllten Wasservorräten weiter nach Escalante um im einzigen Supermarkt die Vorräte für die nächsten Tage aufzufüllen. Dabei fielen uns die Horden deutscher Rentner auf, keine Ahnung was die in der Ecke Amerikas außerhalb der Saison zo trieben, ich gehe davon aus, dass davon keiner zum Canyonklettern auf den HITRR wollte. Egal, voll getankt, bepackt auf die Bretterpiste, die angeblich nur zu 2/3 befahrbar sein sollte, zumindest hat uns das der liebe Ranger in Escalante erzählt. Vollgepackt mit Wasser, Essen und Labberbrot zum ersten Abenteuer auf der HITRR - Peekaboo und Spooky Canyons. Wir hatten uns vor der Reise im Internet schon einiges an Infos zu den beiden Canyons besorgt, wo man am besten Parken kann und wie man die Eingänge findet. Wir hatten das Ganze ja schon vorher versucht und mussten wegen Regen aufgeben, diesmal schien uns der Wettergott aber helfen zu wollen. Die Sonne strahlte als wir den Hügel runterliefen und dann am Zusammenfluss von Coyote Gulch und den Seitencanyons ankamen. Aufgrund des Regens vor einigen Tagen war der Boden stellenweise noch ziemlich matschig und selbst dort, wo die Oberfläche getrocknet war, sank man ziemlich schnell ein. Der Peekaboo Canyon liegt direkt gegenüber des Weges vom Parkplatz nach unten und ist durch das Schlammloch am Eingang absolut nicht zu verfehlen. 

 

Man sieht hier schon ziemlich nett die Arches im Eingangsbereich, die leider nichts darüber sagen, wie schlammig und bescheürt das Ding zu erklettern ist. Jaja, Michi ging vor wie Spidermann und ich hing schon am Eingang am Seil – ohne das ist zugegebenermassen nicht mal das erste Stück geschafft hätte. Das zweite Schlammloch war noch schlimmer, nach 2 Versuchen haute es mich elegant nach einer halben Umdrehung in den Matsch und ich sag aus die nach ner Fangopackung. Am Eingang drehte eine Gruppe wieder um, zwei andere kamen uns wieder entgegen, sahen was Schlammkrusten angeht nur unwesentlich besser aus als ich. Trotz einiger aufgeschürfter Fingerknöchel, Knie und Handgelenke wars absolut lohnenswert, den Weg zurück haben wir uns aber gespart und sind am Ende des Peekaboo (da wo es weiter und flacher wird) ausgestiegen und nahmen die Außenroute zurück in den Wash. Danach weiter zum Spooky Canyon, der angeblich so eng werden soll, dass man nur noch seitwärts voran kommt. Es gibg auch hier eine kleine Abkürzung, die beschreibe ich allerdings nicht – sonst bin ich noch schuld, dass sich jemand verläuft. Egal, der eingang zum Spooy ist so oder so in ner halben Stunde erreicht und es geht los – lasst am besten den Rucksack am Eingang zurück, denn mit wirds wirklich schwierig! Man zwängt sich seitwärts durch den Canyon und kann nachvollziehen, wieso bei Flashflood hier keiner drin sein will und was Klaustrophobie wirklich ist. Trotzdem ist Spooky meiner Meinung nach viel genialer als der Peekaboo, leider ist auch hier irgendwann der wirklich riesige Spass vorbei und der Canyon windet sich und wird offener. Daher wieder zurück und den Rucksack holen bevors wieder zurück zum Parkplatz geht. Da gabs für mich erst mal eine Flaschendusche um den Dreck abzuspülen und nicht das ganze Auto komplett zu versauen. Um relativ nahe am Startpunkt für die nächste Wanderung zu sein fuhren wir abends nicht in Richtung 40 Mile Ridge, wo wir auf einer offenen Fläche in der Nähe der Strasse übernachteten. Der Platz an sich war nicht wirklich überragend, allerdings war die Aussicht auf den aufgehenden Mond und die unendliche Weite runrum einfach gigantisch.

27.9. Bei Sonnenaufgang wirds warm und langsam Zeit nach dem Frühstück zum 40 Mile Ridge Parkplatz zu fahren. Von dort aus starteten wir zu einer Tour durch den Coyote Gulch via Crack in the Wall, Stephens Arch, Coyote Natural Bridge und Jacob Hamblin Arch. Durch das Hochwasser der Tage zuvor war das ganze Flussbett ein einziges Chaos, überall Schlamm, Bäume und quer liegendes Gebüsch, dazu noch alles andere was vom Fluss mitgerissen und angeschwemmt wurde. Der eigentlich sicher gut ausgetretene Weg war ein kleines Abenteuer und teilweise schwer zu finden, beim Durchqueren des Flusses steckten wir samt Schuhen mehr als einmal im Matsch – den wir schnell Schlurm tauften. Der Weg selber verläuft anfangs vom Parkplatz Richtung Canyon und führt dann durch den Crack in the Wall (der Name ist Programm) auf einer Sanddüne nach unten.

Die Düne an sich hab ich mir kleiner vorgestellt, in Wirklichkeit ist das ein monströser Sandhügel, der sich vom Fluss bis hoch zum Plateau auftürmt. Auf halbem Weg dü Düne runter kommt rechter Hand der Stephens Arch in Sicht, unten angekommen führt der Weg nach links und mal folgt danach immer dem Flusslauf. Es gibt einige kleinere Stromschnellen, die man mit ein bisschen Klettern oder auf höherem Grund umgehen kann. Sobald mal die Coyote Natural Bridge erreicht hat ist der Jacob Hamblin Arch nicht mehr weit weg. Für alle, die denselben Weg nicht wieder zurück wollen (naja, das braucht sonst auch wieder 5 -6h und ist nicht wirklich interessant) der sollte an der Flussbiegung vor dem Arch nach dem Schild Toilets suchen. Auf dem Rücken des Felsens, der fast bis zum Fluss abfällt befindet sich der Weg nach oben, auch hier wieder absolut ungeeignet für Leute mit Höhenangst. Nachdem ich panisch meine Lieblingswanderschuhe wieder angezogen hatte traute ich mich zusammen mit Michi langsam nach oben. Bis auf einmal konnte ich den Fehler vermeiden nach unten zu schauen und mir klar zu machen, wie bescheiden steil es da überhaupt ist. Ich bin nur dank des Seils nach oben gekommen, ohne wäre ich vermutlich mitten drin einer totalen Panikattacke zum Opfer gefallen und hätte auf einem Moki Step übernachtet.

 War zum Glück nicht notwendig und wir waren nach kaum einer halben Stunden oben angekommen, wo wir eine Gruppe auf dem Weg nach unten trafen. Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass die Richtung der Tour goldrichtig war – rein durch den Crack in the Wall und raus über das steile Stück am Jacob Hamblin Arch, andersrum und ich hätte nur noch geflucht (Felsen runter, Sanddüne rauf nein danke). Das eigentlich dämlich Stück kam danach um querfeldein wieder zum Auto zu finden, denn leider hatte unser GPS irgendwie den Geist aufgegeben und war somit nicht mehr hilfreich. Mit einigem Schlenkern und Umwegen kamen wir dann aber nach ein wenig mehr als 8h wieder am Auto an und die Kuhskelette, die wir auf dem Weg fotografiert haben waren auf diesem Teil der Hikes sicher noch das absolute Highlight. Die ersten Mokis haben wir hier übrigens auch gesehen, was Mokis sind? Weiterlesen, am nächsten Tag gibts die Auflösung. 

Übernachtet haben wir an diesem Abend am Willow Creek wo es einige wirklich nette Plätze gibt.

 

28.9. Am Abschlusstag auf der HITRR starteten wir mit der Wanderung zum Zebra und Tunnel Slot, wobei der Weg dorthin schon an sich ein gigantisches Farbenspiel ist. In der Wash angekommen fällt die Orientierung nicht ganz so einfach, wie wir am Ende am Eingang zum Zebra angekommen sind ist mir immer noch ein Rätsel. Leider blieben wir am Eingang hängen, denn dank des Regens war das Pothole dort ziemlich tief und nachdem uns das Wasser bis zur Hüfte ging und nicht wirklich warm war mussten wir aufgeben. Naja, beim nächsten Mal dann wieder! Also weiter zum Tunnel Slot, bei dem von Anfang an klar war, dass die Chancen reinzukommen gering sind. Der Wasserstand hier ist meistens hoch und nur mit Neopren und schwimmen zu überwinden. Aber schon der Eingangsbereich gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was man sehen könnte. Also auch hier – wir kommen wieder!

Bevor ich aber gedanklich den Weg zurück zum Auto mache, noch ein kleiner Exkurs zu den Moki-Steinen, die man überall in der Region aber zu hauf in der Gegen von Zebra und Tunnel Splot findet. Die Mokis (gibt verschiedene Schreibweisen) sind bei Esoterikanhängern sehr beliebt und man findet auch bei Ebay einige Angebote dafür. Die Steine sollen angeblich starke Energien beinhalten, ob das auch der Grund ist wieso die Steine für die Ureinwohner heilig sind kann ich nicht sagen. Äußerlich sind die Steine manchmal schwarz manchmal rötlich, man kann sie aber vor allem an der Form erkennen. Die Mokis sind fast kugelrund und wenn man aufgebrochene Exemplare findet innen sandig gelb. Wie die Steine entsehen ist bis heute wohl noch nicht ganz geklärt, interessant ist aber, dass die wie kleine Geschwüre in den Felsen vorkommen und durch Erosion an die Oberfläche zu gelangen scheinen. Noch eine kleine Info am Rande, die Esoteriker sagen es gäbe bei den Mokis Männchen und Weibchen und bezeichnen sie als lebende Steine – bislang haben meine Exemplare noch keine Energien ausgestrahlt und vermehrt haben sie sich auch nicht...

 

Auf dem Bild oben seht ihr das Hole in the Rock, durch das die Siedler den Abstieg mit Maus und Mann zum Colorado nach keine Ahnung wieviel Monaten gewagt haben. Für uns wars dank Allradauto eine holprige aber durchaus machbare Sache und zeigt mal wieder, dass die Ranger an der Infostation nicht immer bestens Bescheid wissen. Die Aussicht auf den Lake Powell war superschön und man konnte die ganze Hausbootarmada gut ausmachen - das wär vielleicht was fürs nächste Mal.

Den Abend und die Nacht verbrachten wir in Escalante im vermutlich einzigen halbwegs sauberen Motel, erkennbar an der Hollywoodschaukel vor der Tür. Wer Hunger hat kanns uns nachmachen und um die Ecke bei den Escalante Outfitters lecker Pizza essen, auch der Thunfisch-Croissant ist empfehlenswert. Echten Unterhaltungswert haben die Junges hinterm Tresen – welcome to the West sag ich nur.

 

29.9. Der folgende Tag gehört der Cottonwood Road, auf der wir in Richtung Süden rumpeln. Das Wetter ist halbwegs gut und der Hike in die ??? Wash ist für mich als Kletteridioten eine echte Herausforderung. Nach dem Einstieg wirds aber einfacher und man sollte nur nach Regen auf die Schlammlöcher aufpassen, die machen die Schuhe und Hände nicht wirklich griffiger. Die Farben im Canyon sind sandig weiß bis rot und bis auf eine kleine Ausflugsgruppe gabs keine Menschenseele außer Michi und mir.

Nach einem kurzen Stopp am Grosvenor Arch fahren wir in Richtung Borderline Campground, der wir der Name schons sagt an der Grenze zwischen Utah und Arizona liegt. Kurz vorm Campground steht ein kleines Schild mit der Aufschrift „Welcome to Arizona“ was dann gleich auch heisst, hier ticken die Uhren anders. Der Campground selber ist nicht wirklich groß, die Plätze auch nur teilweise als nett zu bezeichnen. Durch die Beliebtheit der „Wave“ im North Coyote Buttes Gebiet und der Cottonwood Tepees ist der Platz ziemlich überfüllt und sowohl unser Eckchen als auch das der Nachbarn war zweifach besetzt. Aufgrund des frischen Windes haben wir die erste Nacht im Auto verbracht ohne das Zelt aufzustellen, was meinem Nacken nicht wirklich gut gefallen hat.

 

30.9. Los gehts, mit der wunderhübschen Karte die zusammen mit dem Permit geliefert wird ins Abenteuer. So einfach zu finden scheint das Gebiet der Coyote Buttes South nicht zu sein, es gibt zig kleine Strassen aber mit ein bisschen gutem Orientierungssinn ist es nicht wirklich ein Problem. In der Anfahrtsbeschreibung wird vor sandigen Passagen gewarnt, wo man sich sehr einfach festfahren kann. Mein Outdoorexperte und Fahrer Michi war hinterher schwer von der Strecke enttäuscht und selbst ich hatte mehr erwartet, ok ich fantasierte schon fast von Treibsandpassagen. Trotzdem gibt es fürsorgliche Ranger, die einen mitten auf dem Weg abfangen und gleich mal in die Kategorie doofe Deutsche einordnen und gleich mal vorfahren. Ok gut, er hatte zwei andere ebenfalls deutsche Pärchen wohl schon aufgesammelt und weitergeschickt bevor wir ihm über den Weg liefen. Genau hinter dem Schild: „Permit required“ hielt er dann noch ganz cool an, schlappte zu unserm Auto und wollte unser Permit sehen, das auch schon vorher gut sichtbar an der Windschutzscheibe klebte. 

Hauptsache sein Job macht ihm Spaß! Am Parkplatz angekommen gabs dann viel deutsches Gelaber, die beiden andern Pärchen tauschten die Abenteuer des Urlaubs aus, wie sie in den Treibsandpassagen steckengeblieben sind und welche lebensbedrohenden Situationen sie schon gemeistert hatten. Äh ja, ich bin hier wieder stark sarkastisch, aber ich muss halt in USA net mit allen Deutschen Bruderschaft trinken und mit denen durch die Gegend latschen. Daher schnell alles in den Rucksack und querfeldein zu den Teepees, das ist viiiiiiel besser. Insgesamt gesehen muss ich schon sagen, dass die Farben dort einfach überwältigend sind und man die erste Stunde nur noch am Fotografieren ist. Die vielbeschriebenen Formationen konnten wir dank nicht funktionierendem GPS nicht identifizieren, aber auch indem man ziellos rumwandert kann man schöne Felsen sehen. Mein persönliches Highlight war die Mini-Wave!

   

Man merkt übrigens auch bei jedem Schritt wie zerbrechlich die Steine sind und es knirscht bei jedem Schritt. Das ist auch der Grund für die strikten Zugangsbegrenzungen und die limitierten Permits zu diesem Gebiet. Nach knapp 3h und vielen, vielen Rottönen und Fotos ging es bei dunkler werdendem Himmel in Richtung Page. Durch das merkwürdige Licht erschienen die Felsen entlang der Strasse in den irrsten Farben von orange bis lila während sich rechterhand das Colorado ins Gestein gefressen hatte. In Page übernachteten wir im Quality Inn das von Ureinwohnern geführt wird und an sich wirklich nette Zimmer für einen akzeptablen Preis bietet. Einer der besten Plätze zum Sonnenuntergang liegt oberhalb des Lake Powells und der Marine mit Blick auf fast den gesamten See und die Stadt mit dem Zementwerk. Ich kam mir vor wie in China....

Danach zum Abendessen endlich mal Zeit für Denny’s wo wirs ja den ganzen Urlaub durch kein einziges Mal dahin zum Frühstück geschafft hatten. Bevor es aber zum Studium der Karte kam rief ich in Springdale bei Zion Adventures an um zwei Plätze im Shuttle zu den Narrows zu buchen, diesmal klappts! Das Wetter ist stabil, der Wetterbericht sagt nur Sonne voraus und die Strasse ist offen! Der anschließend von der Karte ausgesuchte Boca Burger (vegetarisch) war monströs aber gut – nur sind die Portionen einfach amerikanisch und mein Magen immer noch zu europäisch. Vollgefressen rollten wir dann Richtung Motel und plumpsten ins Bett.

 

1.10. Mieses Wetter, es regnet und von den Farben ist nichts mehr zu sehen. Sogar die normalerweise zahlreichen Navajo Schmuckstände an der Strasse sind allesamt verlassen. Die Navajo Bridge über den Colorade versinkt im Regelschleier und auf dem Fluss tummeln sich trotzdem einige Unverwüstliche beim Rafting. Tja, perfektes Wetter für den Grand Canyon North Rim würde ich sagen, denn die Sicht ist gleich Null! So starren wir also in der Grand Canyon Lodge bei schnuckeligen Temperaturen in die weiße Nebelwand und warten drauf, dass der fiese Wind ab und an mal ein bisschen den Nebel vertreibt und wir einen kurzen Blick auf den Canyon erhaschen können. Nachdem das Wetter die Weiterfahrt absolut nicht lohnenswert erscheinen lässt wollten wir uns ein Zimmer in der Lodge nehmen und genau das allerletzte freie wurde uns von einer dämlichen Tante mit viel zu kurzem Rock und Leopardenstiefeln vor der Nase weggeschnappt. Hoffentlich ist sie halb erfroren oder hat sich ihre Leoprints am Kamin verbrannt.

 

Tja, leicht enttäuscht wieder ins Auto und ab nach Springdale – die Narrow der nächste Versuch steht an. Wegen des tollen Wetters und verfügbarere Zimmer und wenig Motivation gönnten wir uns eine Übernachtung im Flanigan’s Inn – absolut empfehlenswert! Das Zimmer war herrlich eingerichtet, wir konnten auf dem Balkon dem Regen lauschen und die Aussicht übers Gelände war auch einfach nur gut. Als Schmankerln gibts im Bad kleine Pröbchen von den Sachen, die man im Spa zu kaufen kriegt und die verboten gut riechen. Mein Favorit war die Zitronen Bodylotion, wobei die Pfefferminzfusscreme auch nicht allzu schlecht war!

 

2.10. Vorbereitungstag für die Narrows, raus aus dem Bett und Frühstück auf dem Balkon bei strahlendem Sonnenschein – diesmal spielt der Wettergott wohl mit. Das Zelt kommt auf den Campground, wir kriegen ohne Probleme das Permit für den nächsten Tag und das Shuttle fährt, das Outfitting beginnt um 17 Uhr und wir sind eigentlich „all set“. Der Tag an sich wird richtig gemütlich, wir schlappen durch Springdale, kaufen ein bisschen ein und lümmeln auf dem Campground in der Sonne rum, nebenher wird das Auto mal grob ausgeräumt. Am Abend dann das Outfitting, wir hatten uns entschieden Canyon Boots, wasserdichte Hosen und vor allem Neoprensocken auszuleihen. Es stellte sich raus, dass wir die einzigen Trough Hiker des nächsten Tages waren, die meisten wollten den Bottom Up Hike machen und nur wenige hatten vor, in den Narrows zu übernachten. Dazu ein kleiner Exkurs zu den Narrows, damit Ihr auch wisst, wovon ich eigentlich rede http://www.nps.gov/zion/ZionNarrows.htm.

 

3.10. Um 6.30 Uhr fährt das Shuttle zur Chamberlains Ranch, es ist noch dunkel und empfindlich kalt als wir am Parkplatz der Zion Adventure Company in den Minibus steigen. Der Fahrer war eine echte Type, ich aber auch die andern Amis im Bus konnte grad mal die Hälfte verstehen. Es wackelte und ruckelte, die Kiste fiel schon fast auseinander und das bis zur Ankunft am Trailhead zu den Narrows, wo wir gemeinsam mit 2 anderen ausstiegen. Die grünen Wiesen waren mit Raureif überzogen, es war bescheiden kalt und die Sonne noch nicht mal ansatzweise in der Lage einem ein bisschen Wärme zu spenden.

Die ersten Meter sind sehr einfach, man hält sich immer am Bach entlang und läuft über Wiesen, kleinere Sträßchen und gelangt mit halb erfrorenen Beinen und Händen langsam aber sicher immer näher am Bachbett. Hier oben ist der Virgin River wirklich noch ein Bach, er gurgelt ziemlich idyllisch vor sich hin und ist nicht sondelich tief. Das ändert sich mit jedem Schritt bis man nach ca. 2-3 Stunden an die ersten Felswände kommt und es nach 5h klar ist: Hier gehts rechts und links steil nach oben und nur noch im Flussbett weiter. Die ersten Stunden vergingen wie im Flug, natürlich ist das Laufen im Fluss teilweise mühsam aber es geht wirklich vor allem wenn einem die Sonne den Rücken wärmt. Hilfreich sind auch die Canyon Boots, damit bleiben die Füße relativ warm auch wenn die Neoprensocken erst eine Weile brauchen um die volle Wirkung zu entfalten.

  

Sobald der Deep Creek in den Virgin River mündet wird die Strömung stärker und das Wasser tiefer, hier fließen 2/3 des Volumens in den Fluss. Anhand der Campsites entlang des Flusses kann man sich ein wenig orientieren und sich mit doofen Suchspielen auch die Zeit vertreiben, was wir hier ausgiebigst getan haben. Zu den Campsites muss ich zwei Sachen sagen, erstens wüsste ich keinen Grund, wieso ich in den Narrows unbedingt übernachten müsste (die Plätze sind alle nicht wirklich schön) und zweitens ist man ja schon nach 4h an der ersten Campsite und danach schnell wieder draußen. Leider kommt auch wenig Sonne an die Plätze und der Hike im Fluss war 80% der Zeit eine schattige Angelegenheit. Nach der letzten Campstelle kommt Big Springs – ab hier ist der Canyon auch offiziell für Day Hiker offen – offiziell müssen Leute ohne Through Permit hier umkehren wenn sie vom Temple of Sinawava in die Narrows laufen wollen. Big Springs selber ist superschön, es gibt kleine Hängegarten mit Moos und aus jedem Felsen sprudelt Wasser, dazu gabs auch noch geniales Licht! Hier kamen uns auch tatsächlich die ersten Leute entgegen, bis Big Springs waren wir in den Narrows absolut alleine.

Der Weg am Mystery und Orderville Canyon vorbei war dann fast vergleichbar mit einem Highway – ziemliche viele Leute und dank langsam schwerer werdenden Beinen auch nicht mehr so spektakulär wie der obere Teil der Narrows. Kurz vorm Ende der 10stündigen Wanderung schmiss es mich dann natürlich auch noch passenderweise ins Wasser – irgendwie hab ich meine Knie nicht mehr hoch genug gehoben und schwupps lag ich mit dem Hintern im nicht grade warmen Wasser. Zum Glück warens dann nur noch wenige Minuten bis zum Temple of Sinawava, dem Ende der Tour durch den Virgin River und endlich konnte ich die schmatzenden Neoprensocken und Schuhe loswerden. Dass uns keine Schwimmhäute zwischen den Zehen gewachsen waren, grenzte an ein Wunder genauso wie die Tatsache, dass meine Füße richtig warm geblieben sind. Kaputt, müde aber irgendwie auch ziemlich zufrieden ging es im Sonnenuntergang mit Schuhen, Socken und Holzstock zurück nach Springdale alles zurückgeben. Der Abend auf dem Campground war gemütlich und einer der schönste in meiner Erinnerung. I hiked the Narrows und ehrlich gesagt würd ich das sogar nochmal machen!

 

4.10. Auf Wiedersehen Natur und tschüss Zelt, ab mit Dir und uns ins Auto – es geht nach Vegas! Die Fahrt auf der Interstate dauert grade mal 2.5h von der Natur im Zion National Park ab in die irrste Stadt der Welt zum Einkaufen und Abschied nehmen. Erste Tat in Vegas war ein Burger bei Wendy’s um die Quote für Fast Food im Urlaub irgendwie noch zu schaffen und danach ab ins erste Outlet! Premium Outlets Las Vegas, der Tod für jede Kreditkarte und begrenzten Kofferplatz. Bei mir heissts immer wehe wenn sie losgelassen, stellt Euch nur mal wieder vor ihr könnt monatelang in China nicht einkaufen und seid dann auf einmal im Einkaufsparadies – was danach kommt muss so beschrieben werden: Anja hat vieeeeeeeeeeeeeeeeeele Tüten und überlegt sich, einen dicken fetten neün Koffer zu kaufen. Vollbeladen fuhren wir anschliessend in Cäsar’s Palace, unserem Hotel für diesen Aufenthalt. Beim ersten Mal wars das Hilton, dann kam das Luxor und diesmal halt die alten Römer. Nervig wie immer ist das Auffinden der Rezeption, wenn man im Parkhaus parkt und erst mal durch sämtliche Spielhallen der Stadt irrt bevor man nach einigen Schleifen und Umwegen ankommt. Dasselbe Spiel dann nochmal wenn man die Koffer holt und dank wenig Orientierungspunkte innen (kein Licht, blingblingbling und lauter gleich aussehenden Spielautomaten) fällt das Verirren ziemlich leicht, beim nächsten Mal will ich GPS! Das Zimmer selber war der Hammer, ziemlich neu und mit nem wahnsinnigen Bad und viel Platz für alle die Tüten und Koffer. Von allen besuchten Hotels kriegt das Cäsar’s von mir die Höchstnote, nach oben gibts aber trotzdem noch Platz – keine Ahnung wo wir beim nächsten Mal landen werden. Erschöpft vom Einkaufen schleppten wir uns abends in die Schlange für „Le Buffet“ im Paris, angeblich supertoll und eines der besten Buffets in Las Vegas. Die Meinung teile ich nicht, liegt nicht nur an der Tatsache, dass die absolut vegetarierfeindlich sind sondern auch am Essen selber – so richtig lecker wars nicht.

5.10. Ein ganzer Tag in Las Vegas beginnt zum Glück nicht mit einem Buffet Frühstück sondern mit nem Kaffee bei Starbucks und einem Bummel durch die Fashion Show Mall – einem sehr ausgiebigen Bummel. Natürlich mussten wir uns auch die Mall im Hotel sowie alle möglichen Hotels in der Umgebung ansehen – allerdings sind wir ja Las Vegas Veteranen und kennen schon so ziemlich alles – einkaufen war somit dank hervorragendem Dollarkurs und langer Einkaufsliste absolut das Wichtigste. Ich hab so Sachen gekauft wie Wäscheentfärber, Tee und nochmal Tee, dazu noch ne halbe Hausapotheke inklusive Ohrentropfen und Schmerzmittel. Zum Abschluss des Tages dann wieder Buffet – diesmal im neuen Wynn Hotel und hier muss ich sagen, es lohnt sich anzustehen und es lohn sich den etwas höheren Preis zu zahlen. Das Essen ist lecker, das Gemüse nicht mit Öl getränkt und Seafood vom Feinsten. Anschließend ein bisschen Spielen und Verlieren und den letzten Abend gemeinsam genießen – Shit....

 

6.10. Der Urlaub ist zu Ende, mein Hals ist zugeschnürt beim Gedanken an den anstehenden Abschied und ich überlege mir ernsthaft einfach den Flieger zu verpassen und in USA zu bleiben. Hilft aber alles nichts, nach einem schnellen Abstecher zur Fashion Show Mall (nein es gibt keine Lieferung im Apple Shop) und Cappuccino mit Muffin bei Starbucks ist es Zeit auf den Flughafen zu fahren. Im Auto kann ich mich noch zusammenreißen, am Schalten gehts auch noch, weil ich mich so tierisch über die Deppen von United aufregen muss. Anscheinend hat Michis Gepäck Übergewicht obwohl das Gesamtgewicht absolut ok ist, alles Diskutieren hilft nichts und ich sehe schon schwarz für meine Koffer. Sobald er aber in der Sicherheitskontrolle verschwindet ist es gelaufen – die Tränen fließen und es tut wieder weh wie beim ersten Mal. Und wieder mal ist damit bewiesen, dass Abschied nehmen nicht einfach wird und zwar egal wie oft man es schon hinter sich hat. Zur Ablenkung fahre ich ein wenig durch Las Vegas und kaufe noch ein bisschen was ein. Nach einem Shopping Marathon in der Fashion Show Mall, diversen Cappuccino und einigen Tüten mache ich mich zu Fuss auf meinen letzten Spaziergang durch Las Vegas in diesem Jahr. Vom Treasure Island bis zum New York New York und auf der andern Seite durchs Planet Hollywood wieder zurück. Danach dann endgültiges Koffer stopfen bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen mache – was an sich ein echter Kraftakt war. Der Mietwagen ist zurückgegeben, das Gepäck eingecheckt (ohne Probleme auch wenn ein Koffer drüber und einer unter Gewichtsbeschränkung war) und ich fliege nach Los Angeles, viel zu kurze 3 Wochen sind schon fast vorbei, ich muss zurück ins Gefängnis China. Die Zeit in Los Angeles ging dank fehlendem Shuttle Bus vom Domestic Terminal zum International und Chaos beim Korean Airlines Check In wie im Flug vorbei. Wie LA einen dermaßen runtergekommenen Flughafen haben kann ist mir ein Rätsel, aber seis drum – Flug nach Incheon und zur Seelentröstung Harry Potter und ein wenig Schlaf.

7.10. 00.30 der Flieger ist pünktlich abgeflogen und wir fliegen über die Datumsgrenze.

 

8.10. 5.50 Uhr morgens in Incheon, wo absolut gar nichts los ist und ich mir in den langen Gängen erst einmal die Beine vertrete. Der Flieger nach Qingdao bringt mich dann um 9.30 Uhr wieder auf den Boden der Tatsachen, einzig der nette Taxifahrer auf dem Weg in die Wohnung war ein Lichtblick an diesem Tag. Was ich sonst noch gemacht hab? Naja, Wasser und Essen kaufen, mich einsam fühlen und leiden wie ein Hund. Naja, ok es gab noch eine kaputte Waschmaschine und eine Fruchtfliegenarmada in meiner Wohnung, das ging aber ein wenig im Jetlag unter.