Das Land der unbegrenzten Fettfreiheit


3000 Meilen, 4 Staaten und 21 Tage Sonnenschein  

Hallo meine Lieben! Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Reisebericht, der etwas kürzer ausgefallen ist als der letzte. Vielleicht habt Ihr ja Lust, alles zu lesen, ich denke es waren interessante 3 Wochen. Wie letztes Jahr war ich wieder mit meinem Freund Michi, einem Mietauto namens Lassie (Chevy Malibu), Zelt und Schlafsack unterwegs.

Tag 1:
Um 8.50 Uhr ging unsere Maschine der British Airways (zu dieser supertollen Fluggesellschaft sag ich am Schluss noch was) nach London. Den 2 stündigen Aufenthalt dort verbrachten wir damit, Kekse zu essen und viel zu viel Kaffee zu trinken. Einkaufen war nicht drin, Gucci, Prada und Burberrys sind einfach nicht meine Preisklasse, weder in DM und schon gar nicht in Pfund. Nachdem wir dann kilometerweit durch die Flughafengänge zu unserem Gate gelatscht sind, kamen wir im wohl heruntergekommendsten Teil des Flughafens London Heathrow an. Da stand dann auch schon unsere Boeing, hübsch angepinselt und sogar erfreulich vertrauenserweckend. Das Einchecken war dank der Superorganisation der BA ein mittleres bis gigantisches Chaos, da sich alle auf einmal in dieses Riesenflugding quetschen wollten.  Mit 20 Minuten Verspätung sind wir dann aber doch noch in Richtung Los Angeles gestartet. Zum Glück war kein XL-Amerikaner in unserer Sitzreihe, so hatten wir so viel Platz, wie man in einem Flugzeug eben hat.
Nach 11 verdammt langen und verdammt langweiligen Stunden (ja es kamen 2 gute Filme, die ich aber nicht ansehen konnte, da es die BA anscheinend nicht schafft, überall Bildschirme in ihre Kisten einzubauen) kamen wir dann ziemlich ko in LA an und mit uns alle 4 Taschen! Unser Mietauto wartete schon auf uns und wurde natürlich sofort getauft und zwar auf den Namen Lassie (letztes Jahr hier unser Auto Khales), denn wie jede Frau weiß: Getaufte Autos fahren besser. Nach einer mehr oder weniger chaotischen Fahrt durch LA fuhren wir in Richtung Bakersfield, wo wir dann irgendwann auch ein Motel fanden.

2. Tag
Lange geschlafen haben wir beide nicht, und so ging es gleich weiter Richtung Sequoia National Park. Auf dem Weg dorthin fuhren wir an riesigen Orangenplantagen vorbei. Zuerst dachte ich ja, dass das Äpfel sind, aber dafür waren die Früchte zu orange und nachdem wir dann auch 2 solche Dinger stibitzt haben, stand endgültig fest, dass es wirkliche echte Orangen waren. In der Gegend um Los Angeles ist das Klima anscheinend ideal, denn es werden nicht nur Orangen sondern auch Wein, Baumwolle und Oliven angebaut. Im Sequoia National Park sind es vor allem die Mammutbäume, die man sich unbedingt anschauen muss. Die sind auch recht hoch und ziemlich dick, aber ansonsten fand ich sie nicht sonderlich toll. Lag vielleicht auch daran, dass ich noch etwas müde und der Flug echt bescheiden war. Nachdem wir also wie alle andern Touris mit unserm Auto durch einen Mammutbaum gefahren waren, ging es vom Sequoia zum Kings Canyon National Park, wo wir auch zum ersten Mal unser Zelt aufstellten. Der Kings Canyon, an dessen Grund der Virgin River fließt, soll der tiefste Canyon der Welt sein. Wer nicht gerne wandert wird leider nicht sehr viel von der Schönheit der Gegend sehen. Und ob Ihrs glaubt oder nicht, ich hab die Lauferei genossen, das Wetter war super und meine Laune war auf dem Weg der Besserung, was man von den Blasen an meinen Füßen nicht grade behaupten konnte. Übrigens, sowohl Seqouia als auch Kings Canyon National Park waren von den heftigen Waldbränden betroffen. Da aber nur 20% der Parks mit dem Auto zugänglich sind, haben wir keine Spur des Feuers entdeckt.

3. Tag
Nach einer recht schlaflosen und ziemlich unbequemen Nacht auf meiner kaputten Matte (sie ruhe sanft und in Frieden in der Mülltonne, in die ich sie geschmissen hab, das dumme Mistding) wollten wir zu einem Wasserfall wandern, der laut Reiseführer und Parkplan recht schön sein soll. Naja, nach 2 Stunden war noch immer kein Wasserfall in Sicht und wir entschlossen uns, umzukehren. Auf der Fahrt zum Trailhead Parkplatz sind wir unserem ersten Bären begegnet, der einfach mal kurz über die Straße lief, stehen blieb und sich dann doch entschloss, wieder im Wald zu verschwinden. Groß war der Bär nicht, trotzdem merkt man in solchen Momenten,  dass die ganzen Warnungen vor den Bären nicht aus der Luft gegriffen sind. Nach der Bärenbegegnung ging es über Fresno (welch Kaff!!!) Richtung Yosemite National Park und Bridalveil Campground, dem meiner Meinung nach schönsten Campground des Parks.  Der einzige Haken an der Sache: Es war ohne Sonne einfach schweinekalt. Dank Michis Grillfeuer, ne die Grillerei war wieder ein ziemlicher Flopp, war es abends wenigstens nicht saukalt sondern nur ziemlich kalt. Die Nächte dort oben auf 3200m waren frostig und bei 3°C im Zelt zu liegen ist nicht das reinste Vergnügen. Meine Matte war nach eineigen Klebeversuchen immer noch ziemlich luftdurchlässig, deswegen lag ich eigentlich eh auf dem Boden und hab geflucht...tagsüber hat und das Wetter aber voll für die kalten Nächte entschädigt. Wir hatten über 30°C und wundervoll klaren Himmel.

4. Tag
Wie letztes Jahr wollten wir zu den Vernal Falls laufen, da wir da aber wie gesagt schon mal waren, haben wir beschlossen, bis zu den oberen Wasserfällen, den Nevada Falls zu gehen. Auf dem Weg dorthin war auch nicht sehr viel los, denn Amerikaner sind faul und laufen wenn, dann nur zu den Vernal Falls, was auch schon eine kleine Strapaze sein kann. Die insgesamt knapp 5 Stunden Wanderung hoch zu den Wasserfällen und zurück hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Natur ist so wundervoll und die Ruhe ist etwas, was man einfach nicht mehr so richtig gewöhnt ist. Die kleinen Streifenhörnchen, die meistens zu dritt oder viert auftauchen begleiten einen ein paar Schritte, es ist alles einfach gigantisch. Sollte ich noch einmal in den Yosemite National Park kommen, will ich auf den Half Dome, das Wahrzeichen des Parks.

5. Tag
Nach einer weiteren kalten Nacht (der Zeltplatz hat an dem Tag dichtgemacht, da man dort oben recht bald Schnee erwartet) fuhren wir Richtung Bishop und Alabama Hills, dem Ort, der mir von letztem Jahr am besten in Erinnerung blieb.
Auf dem Weg haben wir an heißen Quellen halt gemacht um uns ein bisschen aufzuwärmen, es war mal wieder ein 30°C kalter Tag, da kann man etwas Wärme schon gebrauchen. Danach weiter nach Lone Pine, zu den Alabama Hills, die für einige Western als Filmkulisse dienten. Die Felsenlandschaft dort ist immer wieder überwältigend, sich einfach nur hinzusetzen und zu schauen ist für mich die beste Art, alle Eindrücke in sich aufzunehmen. Solltet Ihr dort mal vorbeikommen, dann fahrt auf der Movie Road einfach zu irgendeinem Stein, hockt Euch drauf und schaut und ich wette mit Euch, dass Ihr mir recht geben werdet, es ist einfach gigantisch!   Unser Zelt haben wir an diesem Tag am Whitney Portal Campground aufgestellt, einem Campground am Fuße des 4200m hohen Mount Whitney.

6. Tag
Weiter mit den Wanderungen, diesmal zum Lone Pine Lake. Weiter darf man ohne Permit sowieso nicht gehen, wieder bergauf und wieder circa 2 Stunden Latscherei, bis wir oben am See angekommen sind. Oben gab’s dann erst mal ein Sonnenbad und eine Abkühlung für die Füße, die so was sehr gut gebrauchen konnten. Da meine Matte immer noch nicht das machte, was sie sollte, nämlich Luft in sich drin behalten, fuhren wir an dem Tag nach Lone Pine um ein Sportgeschäft zu suchen. Die hatten aber keine Matten...also noch eine Nacht auf dem Boden...ja ich weiß, meine Vorfahren haben das auch überlebt, aber ich bin halt ein Kind der Zivilisation. Bevor wir zurück zum Campground gefahren sind wollte ich wieder mal in „meine“ Alabama Hills...bei tiefstehender Sonne scheinen die Felsen regelrecht zu brennen. Seufz...der Ort würde sich perfekt für ne Meditationsfarm eignen, so schön ruhig. Zurück auf dem Campground lief uns dann der zweite Bär über den Weg, der arme humpelte und war nicht sehr groß und arg mager. Auf der Suche nach Essen wäre er unserem Nachbarn fast auf den Tisch gesprungen. Da der Teddy aber schreckhaft war, wie es sich für einen wilden Bären auch gehört, ließ er sich recht einfach verjagen und lief zu den nächsten Campern.

7. Tag
Nach einer bärenlosen Nacht ging es weiter zum Death Valley. Auch dieses Jahr war ich froh, als ich aus dem Glutofen wieder draußen war, 45°C sind mir einfach zu viel. Natürlich ist es schön, sich die Sanddünen und Canyons im Tal des Todes anzuschauen, aber jede Bewegung erzeugt literweise Schweiß und ich wusste nicht so ganz genau, ob mein Deo solche Extremsituationen überstehen würde. Tja und was kommt nach dem Death Valley? Genau, LAS VEGAS! Dort kamen wir gegen Abend in unserem Hotel, dem Hilton (bei uns dürfte sich das höchstens Aldi oder Schlecker nennen) an. Um besser schlafen zu können gab’s dann erst mal 99 Cent Margheritas (davon vertrag sogar ich 2!!!) und das Geklimper von einarmigen Banditen.

8. Tag
Der Tag der Tage, da am Abend das Konzert der Red Hot Chili Peppers stattfand. Morgens gings ins Outlet einkaufen und da ich circa 2 oder 3 Stunden damit verbracht habe, Turnschuhe anzuprobieren und keine zu kaufen, gings nur noch kurz ins Hotel zum umziehen und danach zum Thomas and Mack Center in Vegas. Falls Ihr Euch fragt, wie wir an die Karten gekommen sind gibt’s hier die Auflösung: www.tickets.com.  Dort haben wir die Tickets bestellt und an der Abendkasse zurücklegen lassen und voilà alles hat reibungslos geklappt!
Nach ner halben Stunde Schlange stehen und einer gründlichen Durchsuchung aller Handtaschen gings also in die Halle. Die war groß und gähnend leer, irgendwie füllten sich Ränge nicht ganz und sogar vor der Bühne war noch genug Platz, selbst in der ersten Reihe. Als Vorgruppe spielten 2 Bands, einmal irgendeine Band, die keiner kannte und die nach ner halben Stunde von den Buhrufen des Publikums erlöst wurde. Danach kamen die Stone Temple Pilots, die live besser sind als auf CD und nach 2 Stunden Warterei gabs endlich Chili. Nach nur einer Stunde waren auch die fertig und na ja, was soll ich sagen, die sind auf CD besser als live. Trotzdem wars echt lustig, vor allem, da ich meinen ersten echten „Eingeborenenkontakt“ hatte. Ein Typ hat sich neben mich gehockt, sich fast auf meinen Schoß gehockt (Michis Gesicht war zum Brüllen) und angefangen mich über den zweiten Weltkrieg auszufragen, nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich Deutsche bin. Nach einer kurzen, etwa 20 minütigen gebrüllten Unterhaltung über die Schuld und Nichtschuld der Deutschen nahm er mich dann in den Arm. Hey es lebe die Völkerverständigung!!! Als er dann auch noch anfing, in seinem doch recht vernebelten Zustand Hesekiel 25,17 zu zitieren musste ich nur noch lachen und hab als bekennende Pulp Fiction Anhängerin gleich mitzitiert. Nachdem er dann geschnallt hat, dass ich den Text kenne war er total aus dem Häuschen, wollte mich heiraten und meinte nur: „Fuck the war, you are cool honey! We are really one Tarantino world.“ Ich denke das war das netteste Kompliment, das ich je bekommen hab.  

9. Tag
Ja, viva Las Vegas. Letztes Jahr bin ich nach 2 Tagen aus der Stadt geflohen, dieses Mal fand ich diese kranke Stadt auf ihre Art und Weise klasse. Wo sonst auf der kann ich Venedig, die Wüste, Ägypten, Paris und New York an einem Tag besuchen? Dieser Tag war ganz dem Strip gewidmet, also der Straße, an dem sich all die Hotels und Casinos tummeln und die mit allen Mitteln versuchen, Leute in ihre Casinos zu locken. Die einer versuchen das mit Freigetränken, andere mit Kunstausstellungen oder Achterbahnen in der Eingangshalle. Jedes Hotel für sich ist gigantisch. Mein Favorit ist das Luxor, der Nachbau einer Pyramide mit der Sphinx davor. Aber auch das Venetian, in dem man auf dem Markusplatz Gondel fahren kann, ist eine kleine Traumwelt, in die man abtauchen kann. Die Decke der Einkaufspassage dort ist mit Wolken bemalt, die den Eindruck erwecken, dass man sich tatsächlich im Freien befindet. Man hört es raus, dass ich mich ein bisschen in Vegas verguckt habe, oder? Klar, es ist kaputt, eine Traumwelt in der Wüste zu bauen, aber es ist gleichzeitig faszinierend.
In unserem Hotel, das sonst eher nüchtern war, gab es selbstverständlich auch eine Attraktion, die die Leute anziehen soll: Star Trek – The Experience! Für mich als Trekkie ein absolutes Muss und die 19 Dollar Eintritt absolut wert. Man wird gebeamt und besucht die Brücke der USS Enterprise, spricht mit Commander Riker, fliegt mit Geordie LaForge in einem Shuttle und trinkt danach einen Ragdacchino in Quarks Bar. Live long and prosper, Star Trek lives! Da ich eine kleine Schwäbin bin und mein Geld lieber für Schuhe ausgebe, hab ich nichts verspielt, nur die einarmigen Banditen wurden gefüttert und das auch nur, weil das Kleingeld eh nervig ist. Michi hingegen hat sich an den Roulette Tisch gesetzt und sogar gewonnen!!! Weiter unten am Strip befindet sich der Stratosphere Tower, auf dem man die höchste Achterbahn der Welt gebaut hat. Leider war das Ding grade außer Betrieb (na ja wieso wollte ich gar nicht erst wissen) deswegen haben wir uns halt beim Big Shot in die Höhe schießen lassen um im freien Fall wieder nach unten zu kommen. War eine ziemlich magenunfreundlich Sache und zum Glück hatten wir vorher nichts gegessen. Tja und dann wars leider Zeit  zum Valley of Fire State Park weiterzufahren. Der recht luxuriöse Zeltplatz dort hat sogar duschen und liegt fantastisch zwischen Felsen, die in der Abend- und Morgensonne feurig leuchten. Auf meiner neu gekauften Therm-a-rest (Matte) schlief ich dann endlich mal richtig gut. Apropos, solltet Ihr mal nach Amerika fliegen und Traveler Cheques mitnehmen, dann bitte nur American Express, mit denen werdet Ihr keine Probleme haben. Meinereiner hatte nicht nur American Express dabei sondern auch Thomas Cook und ich hatte jedes Mal beim Bezahlen Probleme...entweder die mußten erst mal in London anrufen um rauszubekommen, ob der Scheck echt ist oder der Drucker hat den Scheck nicht akzeptiert, deswegen: Never ever Thomas Cooks!  

10. Tag
Gähn, neuer Tag, wieder Sonne. Nachdem wir beim Frühstück von Streifenhörchen umzingelt waren, meine Güte sind die vielleicht frech, waren wir grade am packen, als uns ein älterer Ami um Werkzeug für seine Goldwing (Motorrad) bat. Nachdem er dann eine Viertelstunde irgendwas geschraubt hatte, kam er zurück und es stellte sich heraus, dass er mal in Deutschland stationiert war. Er konnte gut Deutsch und war sehrt nett, außerdem war er ein ziemlich guter Geschichtenerzähler. Seine Geschichte mit dem "Hell-Bier" war richtig gut, er hat nämlich Hell mit Hölle übersetzt, dachte also, dass helles Bier besonders stark ist und war dann richtiggehend enttäuscht. Außerdem posiert er gerne in seiner Lederkluft für japanische Touris, die ihn faszinierend wild finden...alles in allem war der Typ klasse.   Gegen Mittag gings dann weiter zum Zion National Park, wo es nur 2 Zeltplätze gibt, die beide nicht grade schön sind, aber was solls. Um sich im Park umsehen zu können muss man den Shuttle Bus benutzen, da fast alle Straßen für Privatfahrzeuge gesperrt sind. Nach einer Runde mit dem Bus gings wieder zurück zum Zelt und zu den Deers, die überall rumliefen und sich durch gar nichts stören ließen.

11. Tag
Auf zu den Narrows!!! Um sich die bis zu 600m Felswände, die als Narrows bezeichnet werden, ansehen zu können, heißt es laufen und zwar durch den Fluß, da sonst keinen Weg gibt. Am Anfang der Strecke war echt sehr viel los, da viele einfach mal bis zum ersten Seitencanyon gucken wollten. Danach wurde es ruhiger und das Wasser an manchen Stellen auch tiefer, so dass wir schon mal bis zur Hüfte im nicht grade warmen Wasser standen. Gelohnt haben sich die aufgeweichten Füße auf jeden Fall, ich bin nur gespannt, wie die Fotos geworden sind.
Mehr war an dem Tag nicht los, die nasse Wanderung dauerte knapp 5 Stunden und ich denke wir waren danach beide ziemlich kaputt.

12. Tag
Immer noch im Zion NP haben wir uns entschieden noch mal etwas zu wandern, diesmal auf einen Berg, der Angel's Landing heißt. Die Sonne brannte und der Weg wurde von Biegung zu Biegung steiler. Kurz vor dem Gipfel beginnt ein Klettersteig, der für meine Höhenangst mal wieder etwas zu steil war, also hab ich mich in den Schatten gehockt und mich später noch mit zwei Franzosen unterhalten, die geschäftlich in Salt Lake City waren und einen Wochenendausflug machten.
Irgendwann kam Michi auch mal wieder vom Berg runter und dann ging's wieder ins Tal. Tja, anscheinend war die Sonne etwas viel für mein ausgetrocknetes Gehirn, denn als wir unten am Shuttle Bus Stop ankamen war's mir schlecht, ich hatte Kopfweh und vermutlich einen Sonnenstich. Weiter ging es an diesem Tag zum Bryce Canyon National Park. Und genau wie letztes Jahr hat es in dieser Nacht im Bryce geregnet, trotzdem war am nächsten Morgen keine Wolke am Himmel zu sehen.

13. Tag
Mir war immer noch schlecht, deswegen mal keine Latscherei, was im Bryce recht einfach ist, da man auch mit dem Auto viel sehen kann.
Da Michi unbedingt auf einer Schotterstraße namens Cottonwood zurückfahren wollte (ja ok, die Strecke ist auch um einiges kürzer, als die normale Strecke auf dem Highway) ging's also auf holprigem Wege Richtung Lake Powell, wo wir für 2 Tage unser Zelt aufstellten. Das nicht ganz freiwillig, da wir ursprünglich in Old Paria zelten wollten. Dort wurde der Film "Planet der Affen" gedreht. Naja, als wir aber dort ausstiegen und ein recht großes Klapperschlängchen unseren Weg kreuzte, hatten wir beide keine große Lust mehr dort zu übernachten.

14. Tag
Boot fahren!!!! Der Lake Powell ist ein überaus beliebtes Ziel für alle Wassersportfreaks und da man sich auch ohne Bootsschein ein Boot mieten konnte ging's in einem nicht grade langsamen 135PS Boot raus auf den See. Zugegebenermaßen war ich anfangs nicht grade begeistert von der Idee, aber es hat mir in Nachhinein echt Spaß gemacht, vor allem, weil ich auch mal fahren durfte und nicht noch mal einen Sonnenstich bekam, nur Durchfall und das zwei Tage lang..... Auf dem See haben wir uns erst mal gründlich verfahren, da einem keiner sagt, wie man sich an den Bojen orientieren kann, das mußten wir selber rausfinden. Per Boot kann man auch die Rainbow Bridge, ein Heiligtum der Navajo Indianer, anschauen. Die Bridge ist mit 84 m Höhe die größte Naturbrücke der Welt. 180 Liter Sprit später haben wir das Boot wieder abgegeben und sind ohne Sonnenbrand eingeschlafen.  

15. Tag
Nach 2 Immodium Akut (Werbung!!!) geht’s mir wieder gut, also los geht's zum Grand Canyon. Darauf hab ich mich am meisten gefreut, da ich den Grand Canyon schon letztes Jahr einfach gigantisch fand. Und auch dieses Jahr hatte ich wieder genau dasselbe Gefühl, als ich zum ersten Mal vom Canyon gesehen habe. Die Bäume verschwinden und dann öffnet sich dieses gigantische Tal, das ein einziger Fluß geschaffen hat. Auf einer Info-Tafel an einem Viewpoint stand, dass der Grand Canyon den Menschen das Gefühl der Bescheidenheit wieder beibringen könnte. Ich denke das stimmt, denn jeder, der mal am Rand stand, weiß, wie mächtig die Natur sein kann und wie klein doch eigentlich der Mensch ist. Ihr merkt's schon, ich werde philosophisch...

16. Tag
Nach einer Nacht auf dem Desert View Campground gings auf dem South Kaibab Trail ein Stück in den Canyon. Der Trail wird auch von Mulis mitbenutzt, die Touris hinunter zum Colorado bringen und die Leute auch wieder hochschleppen müssen. Ganz ehrlich gesagt wäre mir das auch ganz lieb gewesen, mir gings nicht allzu gut und es ist verdammt anstrengend den Weg wieder hochzulaufen. Deswegen sind wir auch nicht allzuweit gelaufen, was schade war. Im Schnitt dauert der Aufstieg übrigens doppelt so lange wie der Abstieg. Wieder oben angelangt ging's per Shuttle Bus Richtung Hermit's Rest. An der Straße liegen etliche Aussichtspunkte, von denen aus man einen herrlichen Blick auf den Grand Canyon und den Colorado River hat. Den Sonnenuntergang, ein absolutes Highlight, sahen wir uns vom Watchtower aus an, immer wieder ein herrliches Schauspiel. Innerhalb von wenigen Minuten ist die Sonne verschwunden und mit ihr all die Touristen mit ihren Photoapparaten, Videokameras und Stativen...

17. Tag
Fahrtag. Nach einem innerlich nicht grade einfachen Abschied vom Grand Canyon ging's zum Joshua Tree National Park in der Mojave Wüste. Schon in der Nacht wehte ein ziemlich heftiger Wind, der sich auch an dem Tag nicht legen sollte und den wir dann in der Wüste als Sandsturm wiedertrafen.  An diesem Abend kamen wir dann recht ko und mit durchgesessenen Hintern im Joshua Tree an, fanden einen herrlichen Campground, aber der Sturm hatte nicht aufgehört und zwang uns zu einer Motelübernachtung.

18. Tag
Ratet mal, genau! Der Wind hatte aufgehört und es war keine Wolke am Himmel, alles, was man sehen konnte, war der Smog, der über dem Großraum Los Angeles hing. Gegen Nachmittag hatten wir alles Sehenswerte im Park abgeklappert und legten uns in die Sonne. Der Park ist schon schön und wer gerne klettert, der wird dort sein Eldorado finden, ansonsten bietet er aber außer den Joshua Kakteen und Coyoten nicht viel. So hatten wir aber genügend Zeit zum faulenzen, in der Sonne liegen und Auto ausmisten.

19. Tag
Nach einer Nacht mit Coyotengehäul fuhren wir nach Palm Springs. Das interessanteste an dieser völlig künstlichen Oase inmitten der Mojave Wüste sind die Windkraftfelder rund um die Stadt.  
Also ging es weiter auf dem Highway Richtung Los Angeles und Long Beach, wo unser Hotel für die letzten 3 Nächte lag. Unterwegs haben wir noch ein bißchen eingekauft (nur so circa 3 Stunden...) und fuhren dann zur RMS Queen Mary, einem alten Luxusliner, der jetzt als Hotel dient. Das Schiffchen fuhr 1936 zum ersten Mal über den Atlantik und sehr viel haben die Leute an den Kabinen nicht geändert. Ok, einerseits ist ja Authentizität ganz nett, aber für den Preis, den die verlangen, erwartet der verwöhnte Hotelgast schon was anderes.

20. Tag
So, wir sind in LA, also was schaut man sich dort an??? Genau, Hollywood, Beverly Hills, den Rodeo Drive und Venice Beach. Und Leute, egal was Ihr jetzt denkt, toll ist das alles nicht. Hollywood besteht nur aus einer heruntergekommenen Straße mit Ramschläden, die davon leben, dass sich Touristen den Walk of Fame ansehen. Gut, die Sterne glänzen, aber sonst auch nichts. Auch Man's Chinese Theatre bietet außer den Hand- und Fußabdrücken alter Stars, von denen ich vielleicht 2 kannte, nichts.

Nach dieser Enttäuschung ging's weiter nach Beverly Hills und dem Rodeo Drive, der Einkaufsstraße der Reichen, Berühmten und Japaner. Die Häuser in Beverly Hills sind gepflegt und in jeder Garage stehen mindestens 2 Autos, vorzugsweise Europäische. Trotzdem, außer durchfahren kann man hier eh nichts machen und einkaufen auf dem Rodeo Drive kann eh nur, wer eine goldene Kreditkarte besitzt. Auch hier kam bei mir keine echte Begeisterung auf. Deswegen ging ich mit gemischten Gefühlen nach Venice Beach, das mich aber positiv überrascht hat. Das lag wohl vor allem am Meer, das einfach immer schön ist, egal ob Ramschläden die Uferpromenade säumen oder nicht. Außerdem stolperten wir über "The Offspring" die dort am Strand ihr neues Video gedreht haben. Mit mehr Geld in der Tasche und etwas mehr Mut hätte ich mich in Venice auch tättowieren lassen, so ein kleinen japanisches Schriftzeichen auf der Schulter...verflucht sei der Dollarkurs!

21. Tag
Disneyland, der einzige Grund, aus dem ich LA empfehlen kann, der Eintritt ist mir 41$ zwar nicht grade günstig, aber hey, that's Disneyland (nicht zu verwechseln mit Disneyworld in Florida). Nach einem Besuch bei Indiana Jones und einer Fahrt mit der Matterhornbahn ließen wir uns vom Professor aus "Liebling ich habe die Kinder geschrumpft" schrumpfen...eine 3-D Show, die echt spitze war. Da wir unter der Woche dort waren, mußten wir bei keiner Attraktion länger als 20 Minuten anstehen, eine Tatsache, die an ein Wunder grenzt, da Disneyland den Spitznamen Disneyline hat. Der Grund hierfür sind die an Wochenenden normalen Wartezeiten von bis zu 2 Stunden. Abends war dann Taco Time, diesmal reichte mir ein Margherita zum schwanken.

22. Tag
Bye, bye America. Nach einem letzten Shopping Trip und einem Abschieds-Pancake-Frühstück gings zum Flughafen und ins enge Flugzeug. Auch diesmal gab's keine Bildschirme, was mir aber dieses Mal recht egal war, ich konnte nämlich schlafen.
Nach 11 Stunden kamen wir mehr oder weniger ausgeschlafen in London an von wo aus wir dann nach Stuttgart flogen und das wars!!!

 


zurück