Amerika 1999 

 

Es begann alles am 29.7.99 in Frankfurt, Delta Airlines Flug Nr. 087 nach Cincinatti. Ich sag’s Euch, irgendwie war ich nicht mal nervös. Also ab ins Flugzeug, nachdem man den netten Stewardessen (ich finde es doch recht gemein, dass es so wenig nette Stewarts gibt) erklärt hat, dass man weder ein bombenschmuggelnder Terrorist noch ein Highjacker ist, naja nachdem ich mein unschuldigstes Gesicht aufgesetzt hatte, hat man mir sogar geglaubt. Ab ins Flugzeug und hoffen, dass es bald losgeht und man schnell aus der Sardinenbüchse rauskommt, zum Glück hatten wir nur zwei Sitze auf unserer Seite. Die in der Mitte hatten eine Fünferreihe, absolut tödlich, wenn man dran denkt, dass manche Amerikaner doch wohl eher 2 Sitze alleine brauchen.......
Nach acht Stunden und ein paar Minuten, Shakespeare in Love auf Englisch ( naja ich gebe zu, ich hab nicht ganz geschnallt, dass er auch auf deutsch kam......lala) und einigen eingeschlafenen Gliedmaßen sind wir in Cincinatti aus dem Flugzeug gehumpelt und haben geflucht, weil’s erstens schweinewarm war und wir noch mal knapp 5 Stunden Flug vor uns hatten. Also erst mal Gepäck durch den Zoll schleppen und sich dann von einem netten amerikanischen Zöllner volllabern ( ja jetzt mit 3l) lassen, der einem Witze auf Englisch erzählt, da hab ich dann zum ersten Mal gemerkt, dass man in der Schule echt nur Müll lernt, naja wer bei Misses Delingat hatte, der hat eh nix gelernt.
Danach sind wir so ca. eine Stunde auf dem Flughafen gehockt und haben uns irgendwie beschäftigt. Fernsehen, gibt ja überall TV, und Frozen Yoghurt (garantiert fat free) mit Schokogeschmack essen, tut das niemals ok?? Ich kann Euch davor nur warnen, schmeckt net so umwerfend und wenn man einem Ami zuguckt, wie er davon einen 2 Liter Becher vernichtet, dann kann einem unter Umständen auch der Appetit vergehen. Ja und dann saßen wir auch schon bald im nächsten Flieger nach San Francisco, wo wir dann endgültig fertig so gegen 23.00Uhr Ortszeit ankamen. Gepäck holen, hoffen und beten, dass auch alles mitgekommen ist und erst mal suchen, wo wir denn unser Mietauto holen konnten. Das war eine etwas schwierigere Sache, denn der Flughafen ist net unbedingt klein und bis wir rausgefunden hatten, dass es einen Shuttle Bus zum Car Rental Area gibt, hat's auch ne kleine Weile gedauert.

Dort ging's dann aber recht  schnell und zum Glück hatten sie nur ein größeres Auto als das, das wir eigentlich bekommen hätten. Ja wir standen dann auch erst mal vor unserem amerikanischen Schaukelschiff, einem silbergrauen Buick Century, der uns die nächsten 4 Woche immer wieder mit neuen komischen Geräuschen überrascht hat. Wie wir eigentlich in unser Hotel gekommen sind weiß ich gar nicht mehr so genau, alles was ich noch weiß ist, dass ich so tot wie noch nie ins Bett gefallen bin und mich nicht mal die Flugzeuggeräusche ( auf deutsch der Krach der Flugzeuge die ca.10m über uns drüber geflogen sind) gestört haben. Seltsamerweise sind wir am nächsten Morgen recht früh aufgestanden und haben uns erst mal den ersten amerikanischen Kaffee und Pancakes gegönnt, danach war ich so voll, dass ich nur noch rumgerollt bin. Wundersamerweise haben wir sogar noch ein Hotel in der Stadt gefunden, was samstags recht schwierig ist, aber wir hatten Glück. Jeder, der mich kennt dürfte sich jetzt wundern, wen ich sage, dass ich die Hotels durchtelefoniert habe, jaja mit einem kleinen Tritt in den Hintern hab ich meinen inneren Schweinehund überwunden!

Nachdem wir also ein Bett für die Nacht hatten sind wir nach San Francisco reingefahren und mussten erst mal einen Parkplatz suchen, was ca. 10 Mal schwerer ist, als in Stuttgart Freitag nachmittags einen zu finden. Deswegen sind wir in eine Parking Garage gefahren, obwohl sich Michi, nachdem er den Typ dort gesehen hatte lieber wieder verkrümelt hätte. Ja gut, wir mussten dem Typen auch noch den Schlüssel dalassen und er sah ungefähr so vertauenserweckend wie Dracula aus.... Deswegen durfte ich mir auch ständig anhören, was man denn an unserem Auto in dem Moment wohl ausbaut und abschraubt. Das war spätestens in Chinatown dann recht nervig. Chinatown, ja ich sag Euch, es ist echt eine chinesische Stadt in einer Stadt. Die Läden verkaufen nur Kitsch, von Schuhen über Plastikzeugs bis zu komischen Pülverchen, die bestimmt Viagra Konkurrenz machen. Es ist ziemlich auf die Touris ausgelegt, was ich ein bißle schade fand, aber trotzdem hat's mir sehr gut gefallen. Nachdem wir also dort schon eine Weile rumgelatscht sind und unsere Füße langsam anfingen zu protestieren wollten wir ein Cable Car Richtung Fishermans Warf nehmen, ist aber nix geworden weil die so voll waren, dass keiner mehr draufpasste. Sind wir eben gelaufen und dann hab ich erst mal so richtig gemerkt, wie steil die Straßen sind, ich sag Euch verdammt steil...... Als wir da so liefen haben wir auch gleich die Feuerwehr gesehen, mit 4 Autos sind die durch die Straßen gerauscht, kam einem fast so vor, als würden die das nur für die glotzenden Touris machen.

Gut, also irgendwann nach 8 Sushi Bars, etlichen Kirchen, ein paar Bergen und einem zerknitterten Stadtplan sind wir dann unten am Hafen angekommen von wo aus man einen Superblick auf Alcatraz hat. Da unten musste ich natürlich auch erst mal meine Füße in den Pazifik hängen und wäre am liebsten nicht mehr vom Strand weg, ich liebe das Meer einfach zu sehr. Fishermans Warf ist eigentlich recht einfach zu finden, immer den Menschenmassen nach, deren Dichte genauso zunimmt, wie die der Souvenirshops. Es gibt aber auch kleinere Gassen in denen man sich einfach hinhocken kann und einem Gitarrenspieler zuhören kann, das fand ich einfach klasse und richtig schön. Die Wharf an sich besteht aus etlichen Läden, Fressständen und einem kleinen Karussell. Und natürlich kriegt man an jeder Ecke Fisch und sonstiges Zeug, ich hätte ja fast meine vegetarischen Vorsätze über Bord geworfen und hätte mir Fish and Chips gegönnt, aber ich war von den Pancakes noch voll. Ja und irgendwie haben wirs sogar geschafft, unser Auto wiederzufinden und es war sogar noch ganz. Na gut, nachdem wir da geparkt hatten, hat öfter mal die Öllampe geblinkt und uns empfohlen, das Öl zu wechseln, aber sonst denke war alles noch so, wie vorher. Unser Hotel war auch wieder recht interessant, klein, putzig, wie unser Zimmer und irgendwann haben wir dann gemerkt, dass genau unter unserem Fenster die Stadtbahn gehalten hat, was ungefähr so laut war wie ein landendes Flugzeug, aber trotzdem haben wir wieder geschlafen wie die Murmeltiere. Ach genau, grins, wie soll's auch anders sein, ich hatte an dem Tag mal wieder einen Sonnenbrand.

Am nächsten Tag sind wir dann noch in den Golden Gate Park und haben im japanischen Teegarten gefrühstückt ( ja ich musste da hin, wenns sowas schon gibt...). Danach ging's über die Golden Gate Bridge Richtung Sausalito und auf die andere Seite der Bucht von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Gilden Gate hat, jedenfalls wenn nicht mal wieder Nebel da ist und man nichts sieht.....

An dem Tag standen auch unsere ersten Einkäufe an, Kocher, Lampe und natürlich Essen. Gut nachdem wir dann ca.2 Stunden auf einem Highway gefahren sind haben wir irgendwie langsam gedacht, dass es in dem Staat wohl gar keine Geschäfte gibt, aber oh Wunder, wir haben dann nach ewiger Sucherei doch was gefunden! Irgendwann hatten wir sogar so viel Glück, dass wir zu allem Überfluss auch noch einen Campground gefunden haben, an einem See und mit einigen Mücken, da konnten wir dann mal unser amerikanisches Antiinsektenspray testen, naja an meinem zugeschwollenen Auge hab ich dann festegestellt, dass diese biodynamische Formel wohl nicht so ganz getaugt hat.

Morgens sind wir dann Richtung Yosemite National Park ( NP ) losgefahren wo wir dann mittags auch ankamen. Ich hätte nie gedacht, dass ein NP so groß sein kann, aber er war's und als erstes sah man nur abgebrannte Bäume und kahle Hügel, die Waldbrände machen auch vor dem Yosemite nicht halt. Die Landschaft dort ist recht abwechslungsreich, Täler mit Flüssen, Wasserfälle, viel Wald und viele Berge, wenn man da oben steht glaubt man gar nicht, wie schön es alles ist. Wir sind natürlich auch zu den Yosemite Falls gelatscht, es ging den Berg rauf und rauf und am Schluss bestand der Weg aus glitschigen Steintreppen, fand ich nicht so toll und manchmal hab ich mich gefragt, was ich da eigentlich mache, aber als ich dann ein paar echte Amis gesehen habe ( so hoch wie breit und keuchend und schnaufend) da bin ich halt weiter, musste ja schneller sein als die ;-)

An dem Tag haben wir einen traumhaften Campground gefunden, er lag auf ca. 2700m Höhe an einem Bergsee, auf den Bergen lag noch Schnee. Am nächsten Morgen hatte ich Geburtstag und den schönsten Ausblick den ich mir vorstellen kann. Außerdem hab ich ein Supergeschenk von Michi bekommen: ein Grundstück auf dem Mond! Nachdem ich dann noch Geld von meiner Mutter gekriegt habe um es in Vegas zu verspielen sind wir dann in Richtung Death Valley gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir kleinere Abstecher gemacht, die jeder für sich auch wieder klasse waren. Erst ging's in heißen Quellen baden, danach sind wir an die Mammoth Lakes  gefahren, wo wir auch eine Baumwüste gesehen haben, da hat's aber nicht gebrannt, ne da kommt CO2 aus dem Boden und deswegen sterben die Bäume ab. Danach waren wir in den Alabama Hills, keine Ahnung, wieso die so heißen. Es ist ein alter Drehort für Western und besteht nur aus Steinen und irgendwie ist's da unheimlich ruhig, weil recht wenig Touris den Tipp in ihren schlauen Reiseführern haben. Im nächsten Kaff hat Michi dann an einer Tanke sein Traumauto entdeckt und wollts am liebsten gleich mitnehmen, jaja ich sag nur Männer und Autos ;-) So gegen acht sind wir dann in Furnace Creek mitten im Death Valley angekommen, und ich denke die dümmste Idee, die wir in den 4 Wochen hatten war dort zu übernachten. Es ist zwar eine Oase, aber irgendwie hatten nicht viele Leute vor, die Nacht dort zu verbringen, sagen wirs mal so, wir waren zu sechst auf einem Campground, auf dem im Herbst dann 1000 wärmesuchende Rentner hocken. Ein Verrückter Deutscher, der morgens dann um fünf los ist um im Tal wandern zu gehen, ein kamerawütiger Ami und zwei amerikanische Frauen, die sich morgens so schnell wie wir auf den Weg raus gemacht haben. In der Nacht hab ich echt nur geschwitzt, bei 30°C nachts um zwölf schläft es sich einfach nicht allzu gut, besser gesagt gar nicht. Und als dann morgens um acht schon 47 Grad auf dem Thermometer standen haben wir beschlossen ganz schnell nach Las Vegas zu fahren.

Auf der Strecke hab ich mich dann auch zum ersten Mal gewundert, was auf Straßenkarten alles als Punkt dargestellt ist, da denkt unsereiner in seiner unsäglichen Blödheit doch tatsächlich, dass das ein Ort ist und wenn Du durchfährst siehst, Du, dass diese „Stadt“ aus 3 Häusern besteht. Naja, manchmal ist bei den Amis doch nicht alles so big.
Hey falls Ihr mal billig Land kaufen wollt, dann denke ich, dass Ihr in der Nähe des Death Valley einen netten kleinen Batzen kaufen könnt, ist zwar nicht so toll, also alles Sand, aber viel und billig. Gar net billig sind die Hotels in Vegas, unser schlauer Reiseführer hat zwar das Gegenteil behauptet, aber er hatte mal wieder nicht recht, wir kamen dann im Golden Nugget unter, viel Gold, viele Spielautomaten und viel Klingel Bimmel. Die Stadt ist echt krank, anders kann ich's nicht beschreiben, die Hotels sehen aus wie die Pyramide oder auf einmal taucht der Eiffelturm aus oder die Freiheitsstatue. Das neueste ist jetzt das ‚Venetian‘, da kann man Gondel fahren und nebenher einkaufen, natürlich nur bei Gucci, Cartier oder Lagerfeld, je nachdem, wie viel Geld man gewonnen hat.

Abends haben wir uns natürlich in die Casinos angeschaut und unsere 25 Cent Stücke verspielt, ab und zu haben wir auch mal was rausgekriegt, aber am Schluss blieb irgendwie nicht viel übrig, also sind wir lieber für 99 Cents Margheritas trinken gegangen. Das Härteste sind die Roulette und Black Jack Tische an denen 100 $ der Mindesteinsatz sind, da hocken dann die texanischen Ölmillionäre und spielen sich einen ab, während Ihre Frauen vermutlich einkaufen sind oder irgendwo anders ihr Geld verzocken. Ich denk einen Tag lang kann man sich das geben, aber ich war ganz froh, wieder rauszukommen, ist einfach nicht mein Ding.

Über den Hoover Dam ging's dann Richtung Grand Canyon, eine ganz schöne Fahrerei, die dann in einem echt fertigen Motel endete, war aber ganz lustig, die Tür mit Isoband zugeklebt usw.....hey aber das musste einfach mal sein, gehört zu einem Amerikatrip ;-)
Da haben wir auch die Zeitzonengrenze überquert, aber irgendwie war die Zeit trotzdem dieselbe, obwohl eigentlich eine Stunde früher sein sollte, da sind wir dann nur noch recht verwirrt in der Gegend rumgefahren, nachher haben wir dann rausgefunden, dass die Navajos, deren Reservat dort anfängt eine andere Zeit haben, als der Rest des Staates,  wieso weiß keiner, ist halt so.

 Und jetzt kommt eigentlich der Teil der vier Wochen, der mir am besten im Gedächtnis blieb, der Grand Canyon, der Sonnenuntergang und der Sternenhimmel dort. Ich kann gar nicht sagen wie wahnsinnig schön es ist, da am Rand zu stehen und wo man hinschaut ist nur der Canyon, der einfach wundervoll aussieht. Wir sind am Rand auch entlanggewandert und nach jeder Kurve sieht alles anders aus und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man sieht, wie stark die Natur ist und wie sie die Landschaft formt, man kommt sich als Mensch einfach unendlich klein vor. Der Sonnenuntergang war auch fantastisch und ich denke da hab ich ein echt gutes Foto geschossen, besser als die Deppen, die ihr Stativ aufgestellt haben und dann rumgelabert haben, wie toll doch ihre Fotos sind, ätzend sag ich Euch, naja waren auch Fischköpfe ;-) Und nachts lag ich dann mit Michi auf unserm Tisch unterm Sternenhimmel und wir haben die Milchstraße angeguckt. Ich denke Ihr müsst einfach mal selber hin, denn man kann nicht beschreiben und auch nicht auf Fotos festhalten, wie schön es dort ist.

Nach dem Grand Canyon ging's ins Monument Valley, kennt Ihr bestimmt alle aus der Marlboro Werbung, man kommt sich auf der Straße durchs Tal aber auch vor wie ein Cowboy, so wie die Amikisten schaukeln, da wird man von seinem Sofasitz fast todgeschaukelt und seekrank wird man auch noch. Irgendwie war an dem Abend alles rot, wir unsere Klamotten, das Auto und die Erde und die Steine sowieso. Apropos Steine, ich hab in meinem Sammelwahn von überall Steine mit hergeschleppt und rote Erde natürlich auch, die wurde vom Auto abgekratzt, net von mir ;-)

An dem Abend fings auch zum allerersten Mal an zu regnen, war aber nicht so schlimm, wir haben uns dann ins zelt verkrochen und unseren Nachbarn zugehört, das war unterhaltsamer als jede Soap. Waren Belgier und Deutsche, die sich nach ein paar Gläschen Wein dann auf Englisch unterhalten haben. Nach ein paar Gläschen mehr kam dann deutsch und irgendwann wars eher nur noch Gelalle, vor allem, als die deutsche Dame dann erklärte, dass München doch die allerschöcnste Stadt wäre und danach noch von den diversen Urlaubstrips nach Bali usw. erzählt hat. Jaja, war echt nett und das Grinsen konnten wir uns nur schwer verkneifen.
Neuer Tag und wieder Fahrerei, diesmal am Lake Powell vorbei, dem größten Wassersportgebiet in der Gegend, hat man gemerkt, man kam sich auf der Straße schon komisch vor, wenn man nicht mindestens ein Boot und einen Jet Ski am Auto hängen hatte, die Strände waren so voll, dass wir dann lieber weitergefahren sind. In unserem Reiseführer stand ein Geheimtipp namens Old Paria, eine Geisterstadt in der man Lassie und Planet der Affen gedreht hatte und in der es auch einen kleinen Campground geben sollte. Nachdem wir uns über die amerikanische Ausschilderung ( naja kanadische ist noch schlimmer...) aufgeregt hatten, haben wirs doch noch gefunden und der kleine Campground bestand aus 3 Plätzen, auf denen außer uns kein Mensch war, nur ein Haufen Ameisen und Schnaken. Nach ca. 2 Stunden Überredungskunst war ich einverstanden, dort zu übernachten, war recht unheimlich ruhig, jedenfalls bis die Kolonne von fanzösischen Touris anrollte, die sich dann samt ihren Pferden und den amerikanischen Guides breit machten und uns echt gut unterhielten, es gibt nix Besseres, als Franzosen, die Englisch reden.....ja allein waren wir dann nicht mehr. Morgens sind die dann auf ihre Pferde gestiegen im Cowboyoutfit, schade, dass ich keine Fotos davon habe;-)

Wir haben uns entschieden, ein bißle durch den Pariacanyon zu wandern, war auch recht schön, nur hatte ich, als wir wieder ans Auto kamen, einen Sonnenbrand auf der Schulter, den ich nicht mehr so lustig fand, die Haut hat sich dann auch bald verabschiedet. Der Canyon wars aber wert, meterhohe Wände, die sich bei einer Springflut sehr schnell mit Wasser füllen, tote Wüstenspringmäuse und ausgetrocknete Flussbetten. Ups, jetzt hab ich doch glatt den Antelope Canyon vergessen, der ist kurz vor dem Lake Powell und man sieht ihn von oben nicht. Als ich die Fotos gesehen habe, dacht ich nicht, dass das echt so wahnsinnig aussieht. Bei ner Springflut sind dort übrigens vor ein paar Jahren 10 oder mehr Menschen ertrunken. Der Eingang ist ca. 40cm breit und man steigt erst mal über Treppen ca 10m runter, das Licht kommt nur indirekt auf den Boden und färbt dabei die Wände rot und orange. Leider gabs da unter auch viel Matsch und ich hatte keine Lust durchzulatschen, Michi musste natürlich, aber mir hat der Teil gereicht, den ich gesehen habe und ich muss sagen: WAHNSINN!

Also jetzt zurück auf die Strecke, die jetzt zum Bryce Canyon führte, auch ein NP und weder irre anzusehen. Da stehen in einem Tal Tausende Monolithen, in den verschiedensten Farben, von Gelb über orange nach rot. Wir ind natürlich runtergelaufen und haben uns das ganze von da aus angeschaut. Dabei haben wir auch wieder jede Menge Streifenhörnchen gesehen, die sich gerne füttern lassen und wenn sie nix kriegen, hauen sie wieder ab. Die sind echt überall, im Yosemite haben wir die ersten gesehen und bis nach Kanada hoch sind sie immer wieder aufgetaucht. Schade, dass der Bryce Canyon nicht allzu bekannt ist, es lohnt sich auf jeden Fall, dort hinzufahren. Das einzige, was nervig war, war das Wetter, das auf einmal echt mies wurde, Regen nur noch Regen, naja da sind wir dann halt in unser Auto geflüchtet und haben entschlossen den Tag durchzufahren und gleich nach Salt Lake zu gehen.
Vor Salt Lake haben wir übernachtet und ich muss sagen am nächsten Morgen war ich ganz froh, dass wir 1ßkm weg waren, denn als wir in die Innenstadt fahren wollten war alles abgesperrt und man sah überall nur hektische Polizisten, die wie wild durch die Gegend wuselten.
Als wir dann im Stau standen hab ich auch rausgefunden, was in der Stadt los war: Unser timing war perfekt, denn 2 Stunden vorher war ein Tornado durch die Stadt gerauscht und hat alles in Schutt und Asche gelegt. Erst mal haben wirs gar nicht geglaubt, bis wir an einem Haus vorbeigefahren sind, das es auch erwischt hatte und ich denke wir waren beide verdammt froh, nicht dagewesen zu sein.

Salt Lake ist ja Olympiastadt 2002 und man sieht überall nur Baustellen, wo man die Straßen ausbaut und baut wie blöd. Die Ruhe auf Antelope Island im Salzsee ist ein ziemlicher Gegensatz zu der Bauerei und man fühlt sich dort, als wär man am Meer, überall Möwen und Wasser wohin man schaut. Natürlich sind wir auch schwimmen gegangen, war aber nicht so toll, man geht zwar nicht unter, muss aber aufpassen, dass man nicht von einer Alge erwürgt wird. Nach Salt lake sind wir dann in den Bundesstaat Wyoming gefahren, der ist so groß wie Deutschland, hat aber nur 400 000 Einwohner, das merkt man aber auch, man freut sich jedesmal, wenn man ein Haus sieht, Menschen!! Noch mehr Menschen gab's dann in Jackson Hole, einem Westernstädtchen mit recht vielen Sportfreaks die dort Mountainbiken und im Winter Skifahren. Es waren jetzt schon über 2 Wochen vorbei und wir waren schon fast im Yellowstone NP dem wohl bekanntesten der NP im Westen. Eigentlich kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es da irgendwie heiße Quellen und blubbernde Geysire geben soll, aber kaum fährst Du in den Park, da dampfts neben der Straße und Du siehst Bisons grasen. Natürlich gibt’s dort auch Bären, genauso wie im Yosemite, aber dort gab's wenigstens die lustigen Food Storages, in denen man bestimmt auch sicher schlafen kann, falls der Bär kommt. Mein tapferer Bärenjager hat aber keinen Gegner gekriegt, irgendwie hat sich bei uns nie einer blicken lassen, war mir aber auch ganz recht.

Im Yellowstone waren wir 2 Tage, das ist aber auch das Minimum, es gibt einfach viel zu viel zu sehen, nicht nur Old Faithful. Auf den haben wir natürlich auch gewartet, zusammen mit einigen andern, den Fotos nach war's echt gut, man knipst die ganze Zeit und wenn man mal hinguckt ists schon wieder vorbei, typisch Touri eben ;-)



Blubbern tut's da echt fast überall, ob es Wasser, Schwefel oder Schlamm ist, alles ist heiß und alles dampft. Wem es dann zu heiß ist, der geht in einem Fluss baden, der angeblich warm sein soll, weil er durch die Geysire aufgeheizt wird, naja viel hat man davon nicht gemerkt. Wasserfälle gibt’s auch ein paar, die nicht übel sind, vor allem die Japaner sind da nicht mehr aus dem Staunen gekommen, naja, die sind ja auch kleiner, denen muss alles noch größer vorkommen. Die Mammoth Hot Springs sind bestimmt klasse, jedenfalls wenn sie Wasser führen, bei uns haben sie das nicht gemacht, war aber trotzdem nicht so übel.

Der nächste Tag war wieder Fahrerei in Richtung der kanadischen Grenze, auf der Strecke mussten wir einmal übernachten und ich denke das war der fertigste, teuerste und gefährlichste Campground, auf dem wir in den 4 Wochen unser Zelt aufgestellt haben. Die Duschen waren gemeingefährlich, man konnte sich am Wasser Frostbeulen holen, ich hab mir denke ich mal einen kleinen Ausschlag geholt.......und unsere Nachbarn waren echt heiß. Nachts hat man die zwei aus dem Zelt und dem Wohnwagen schnarchen hören und morgens haben sie dann so gefurzt, dass man aufgewacht ist, jaja Nachbarn können echt nett sein. Morgens haben sie dann ihre Palette Bier entsorgt. Beim Frühstück haben wir dann mitgekriegt, dass sie einer Familie nachts das Auto geklaut haben, das war so knappe 15m weg von uns. Nach dem morgendlichen Schock ging's weiter nach Norden in den Glacier NP und auf die ‚going to the sun‘ road, wer die so genannt hat muss besseres Wetter gehabt haben, als wir, es hat mal wieder geregnet und wurde auch nicht besser.
Kurz vor der kanadischen Grenze kam dann unsere Chance, doch noch Bären zu sehen, ein Bären drive-in! War ja klar, dass es sowas auch gibt, es gibt in Amerika ja alles als drive-in, die Bank, den Morgenkaffee, Essen sowieso und in Vegas gibt’s auch die drive-in wedding chapel... Ja, und da haben wir dann 2 müde und satte Braunbären gesehen, die sich in Ruhe fotografieren ließen, also Bären konnten wir auf unserer Liste auch anhaken und Michi war endlich ruhig und redete nicht mehr ununterbrochen von Bären, puh!

Ja und kurz danach waren wir auch schon in Kanada, obwohl mit all den Weitenfeldern nicht grade kanadisch aussah. An dem Tag kamen wir dann nach Calgary, der alten Olympiastadt, wenn ihr mal in der Nähe seid, geht nicht hin, lohnt sich nicht. Die Straßen sind bescheidenst ausgeschildert, man findet nichts, die Hotels sind schweineteuer und der Pizzahut ist noch schlimmer. Nachdem wir da waren, wollte keiner von uns auch nur an Pizza denken........naja ich schieb das mal auf die echt blonde Kellnerin, wusstet Ihr, dass Pepperoni Wurst ist? Ich schon, die durfte ich dann auch von der Pizza kratzen und Michis Meat Lover gekehrt jeden zum Vegetarier.

Wenn man dann aus der Stadt fährt, die angeblich eine so tolle Fußgängerpassage haben soll ( hm hab ich an dem Tag meine Brille vergessen?), kommt man am Olympic Park vorbei, da steht dann mitten in der Landschaft eine Bobbahn und eine Skisprunganlage, die Berge sind 50km weg. Dort waren wir auch im Calaway Park, einem Trippsdrillverschnitt, die Achterbahn hat uns aber echt gereicht, da hing mein Magen irgendwo, wo er garantiert nicht hingehört hat. Nach dem Roller Coaster Erlebnis ging's zum ersten kanadischen NP, dem Banff NP ( fragt mich nicht, wie man Banff ausspricht, ich hab auch keine Ahnung). Dort auf einem Zeltplatz im dichten, dunklen Wald haben wir wieder mal 2 Deutsche kennengelernt, besser gesagt, einen Franzosen, der in Deutschland studiert und seine deutsche Freundin, die haben uns dann von ihren Bärenerlebnissen erzählt und wir mussten zugeben, dass wir aus lauter Bärenverzweiflung im Bären drive-in waren......

Die Seen in dem NP sind echt sehr fotogen, das merkt man auch daran, dass man sie in jedem Reisführer findet, die Farben sind aber auch irre, entweder knallig türkis oder kräftiges blau. Am Lake Louise sind fast nur Touris und jeder Alpenländer würde sich wie zuhause fühlen, wenn er den Alphornbläser sehen würde, mitjodeln kann man auch....am Lake Moraine gab's mal wieder Bärenalarm und man durfte nur zu sechst wandern, Achtung der Bär ist los. Was echt erstaunlich ist, ist der Unterschied der Landschaft, oben gibt’s Gebirgsseen und wenn man unten ist, kann man im Urwald spazieren gehen, Moos wo man hinschaut und alles verflucht feucht. Und am schönsten ist es dann, wenn man durch den Wald latscht und dann einen deutschen Kegelverein trifft, der sich aus Mallorca nach Kanada verirrt hat, da freut man sich ja so!  

Nach dem Revelstoke NP fuhren wir dann Richtung Vancouver von wo aus wir mit der Fähre nach Vancouver Island gefahren sind. In Vancouver gibt’s die zweitgrößte Chinatown ganz Nordamerikas und weil wir ja in San Francisco keine gefälschten Rolex oder nachgemachte Sonnenbrillen gefunden haben wollten wir da unbedingt hin. Naja als wir dann durchfuhren haben wir es uns ganz schnell anders überlegt, ich denke unser Auto wär da nicht lange gestanden und wenn es noch da gewesen wäre, wenn wir zurückgekommen wären, hätten sicherlich einige Teile gefehlt, man kam sich ungefähr so vor, als wär man in Stuttgart in der Olgastraße......ich denke das reicht als Beschreibung. Auch sonst fand ich die Stadt net so umwerfend. Auf die Fähre zu kommen, war auch ein kleines Kunststück, wir sind auf dem Highway auf einmal im Stau gestanden und als uns jemand eine Nummer gegeben hat, haben wir langsam mal kapiert, dass wir in der Schlange für die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island standen, naja die eineinhalb Stunden haben wir auch irgendwie hinter uns gekriegt, die 2 Stunden auf der Fähre kamen mir um einiges länger vor. Auf der Insel sind wir dann an die Südküste gefahren, naja die Straße war eingezeichnet, war eine Holzfällerstraße und eine Ruckelpiste, aber wir haben unseren ersten Bären in freier Wildbahn gesehen, der stand da einfach so auf der Straße und hat uns blöd angeschaut, war ein kleiner Schwarzbär mit einer echten Schweinsnase, der hat sich aber auch schnell wieder verzogen. Dummerweise sind wir auch mal aus dem Auto gestiegen und danach hatte jeder von uns ca. 15 Schnakenstiche mehr als vorher......
Der Pazifikstrand ist echt fantastisch, recht kalt und man sieht überall angeschwemmtes Holz. Bei Holz fällt mir noch was ein, ich war echt geschockt, wie viel die da oben schon von ihren Wäldern abgeholzt haben, und zwar nur da, wo man es nicht sieht, an der Hauptstraßen sieht man nur Wald, wohin man schaut nur Bäume, aber kaum im Hinterland sieht man mal, was die da so treiben. Die fliegen das Holz sogar mit Hubschraubern von den Bergen runter......verrückt.......

Da wir nicht mehr viel Zeit hatten sind wir bald von Victoria wieder aufs Festland nach Amerika. Victoria hat mir gut gefallen, ist sehr britisch angehaucht, es gibt sogar ein Madame Tussauds und britischen rasen, ist recht bequem, wenn man müde ist. Außerdem sieht man verdammt viele esoterische, latschentragende Jesusjünger, und an jeder Ecke kriegt man Räucherstäbchen. Auf der Olympic Peninsula  gibt’s dann wieder einen NP und noch mehr Berge, von denen aus man einen gute Sicht auf Kanada und Mount Rainier hat. Nach einem Tag sind wir dann Richtung Endstation, Seattle; gefahren und haben uns dort ein Motel gesucht. Seattle von der Fähre aus zu sehen ist genial, weil man von keinem andern Ort aus eine so gute Sicht auf Downtown  hat.
Die Space Needle sieht man schon von weitem, ist ja schon recht hoch. In Seattle haben wir auch unsere letzten Einkäufe gemacht, ekliges amerikanisches Essen wie Sprühkäse, getrocknetes Fleisch, Pancakemix usw......und natürlich noch ein paar Klamotten einkaufen, Jeans hat man ja nie genug.

Am letzten tag vor dem Abflug war dann noch Stadtbesichtigung angesagt, rauf auf die Space Needle, Monorail fahren und ins größte Sportgeschäft (REI) Nordamerikas. Naja und abends mussten wir dann packen, und oh Wunder, wir haben sogar unsere Koffer zugekriegt, lag sicherlich auch daran, dass wir uns von Schuhen und sonstigem alten Zeug verabschiedet haben, eine Socke hab ich sogar feierlich im Paria Canyon begraben, möge sie in Frieden ruhen. Naja und dann ging's am nächsten Morgen ab zum Seatac Airport, Auto abgeben, das übrigens getauft wurde, natürlich von mir, ich spinne ja eh. Es hieß Khales, erstens weil mein Auto ja Gonzo heißt und das von Speedy Gonzales kommt und Ales der Rest war und zweitens ist Khales ja, wie alle Star Trek Fans wissen, der klingonische Obermacker. Ja, normal war ich noch nie, aber ein getauftes Auto ist ein besseres Auto, glaubt mir. Bevor wir um 10.50Uhr dann Richtung Cincinatti geflogen sind haben wir noch unseren letzten amerikanischen Kaffee geschlürft und uns mental auf den Flug vorbereitet, der wieder mal viel zu lang war. Irgendwann war's dann in der Maschine Nacht und wurde immer nächter, schlafen konnten wir beide nicht gut und ich hatte nicht mal Lust, meine Cookies von Mrs Fields zu vernaschen, und das will was heißen :-)

Irgendwann fing dann auch noch ein baby an zu schreien und draußen wurds langsam auch wieder heller und dann war mit schlafen eh nix mehr. Irgendwann sind wir dann ziemlich fertig in Frankfurt gelandet, es war 9.40 Uhr morgens und ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Nachdem zu allem Überfluss auch noch alle Taschen mitgeflogen waren sind wir Richtung Zoll gelatscht und der wollte zum Glück nix von uns. Man merkt eigentlich gleich, dass man wieder in Deutschland ist, wenn bei der Passkontrolle mürrische Typen hocken, die ihren Mund nicht auseinander kriegen und für die Lächeln ein Fremdwort ist, welcome back to good old Germany, juhu?!?  


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